Ökologisch unterwegs mit diesen Start-ups



Höher, schneller, weiter und gleichzeitig die Umwelt schonen? Das geht, wie diese vier zukunftsträchtigen Start-ups durch ihren Erfolg und ihren Sieg beim KfW Award Gründen 2020 zeigen.

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Mit der Geschwindigkeit eines ICE bringt der Wingcopter Medikamente und Vakzine an jeden beliebigen Ort. (Foto: Wingcopter)

Blitzlieferung von Impfungen und Medikamenten

Der Wingcopter ist eine Drohne, die mit bis zu 240 km/h Medikamente und Impfstoffe von A nach B transportiert. Die beiden Gründer haben schon früh angefangen, an einer solchen Lösung zu tüfteln. So sagt einer der Founder und CEO, Tom Plümmer:

Bereits 2012 hat mein Mitgründer und CTO Jonathan Hesselbarth angefangen, parallel zu seinem Maschinenbaustudium an einem Drohnentyp zu bauen, der sowohl senkrecht starten und landen als auch große Strecken schnell und effizient zurücklegen kann.

Dabei orientierten sich die Entwickler an erfolgreichen Modellen:

Als Vorbild diente ihm damals die legendäre V-22 Osprey von Boeing. Dabei hat er schnell Möglichkeiten zur Verbesserung gesehen.

Zur selben Zeit war Plümmer auf der Suche nach einer entsprechenden Drohne, um damit Lieferketten, insbesondere bei der Zustellung medizinischer Güter in Entwicklungs- und Schwellenländern, verbessern zu können.

Im Jahr 2015 brachte dann das Schicksal Plümmer und Co-Founder Hesselbarth über einen gemeinsamen Bekannten zusammen:

Wir haben uns kennengelernt und praktisch sofort beschlossen, die Technologie für solche Lieferanwendungen zu optimieren und kommerziell zu vermarkten.

In den folgenden Jahren wurde die Technologie stetig weiterentwickelt und 2017 dann zusammen mit dem dritten Mitgründer Ansgar Kadura die Wingcopter GmbH gegründet. Heute besteht das Wingcopter-Team aus 100 Leuten und will weiter wachsen. Der Erfolg der Drohne liegt in der vielfältigen Einsetzbarkeit:

Unsere Wingcopter sind ideal für die schnelle Lieferung von medizinischen Gütern wie Medikamenten, Impfstoffen, Blutkonserven, Proben oder COVID-Tests.

Das ist besonders hilfreich und effektiv in Regionen, die schwer zugänglich sind:

Zum Einsatz kommt der Wingcopter insbesondere in entlegene Gegenden mit schlechter Infrastruktur, in denen die Lieferung dringend benötigter Güter auf klassischem Wege häufig viel zu lange dauert.

Dank der Drohnen können Wartezeiten von Stunden oder gar Tagen auf wenige Minuten reduziert werden. Genauso gut lassen sich mit ihnen auch Pakete, Ersatzteile, Essen oder Einkäufe liefern. Dabei wird das derzeitige Wingcopter-Modell stetig verbessert, die nächste Generation an Lieferdrohnen wird mit dem Partner UPS entwickelt. Weiterhin ist der Abschluss einer weiteren Finanzierungsrunde geplant.

Auch in naher Zukunft darf man gespannt sein, denn Wingcopter verfolgt höchst aktuelle Ziele:

Konkrete Projekte haben wir u. a. im COVID-Bereich geplant, z. B. zur Lieferung von Impfstoffen in entlegene Regionen.

Unterwegs mit Brennstoffzellen-Technologie

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Mobil und ökologisch auch über längere Strecken unterwegs sein: Mit diesen Bussen kein Problem. (Foto: Buses4Future)

Mobil in Richtung Zukunft geht es mit Buses4Future: Das Unternehmen stellt Busse her, die mit Brennstoffzellen betrieben werden. Das ist zugleich das herausragende Merkmal, wie Gründer Dr. Hans Hermann Schreier erläutert:

Andere Bushersteller kaufen Brennstoffzellen zu ihren Bussen hinzu. Wir dagegen haben einen eigenen Antrieb entwickelt und nachhaltig bewiesen, dass unser Geschäftsmodell funktioniert.

Vorausgegangen war ein Entwicklungsprojekt. Inzwischen sind Busse auf den Straßen unterwegs, u. a. in einer größeren Stadt in Nordrhein-Westfalen. An diesen Erfolgen knüpft der Landessieger Niedersachsen an. Dabei half die offene Zusammenarbeit mit benachbarten Partnern:

Zusammen mit den niederländischen Kollegen haben wir einen sehr guten, wettbewerbsfähigen Antriebsstrang entwickelt. So verbraucht unser Strang nur 6 kg Wasserstoff, andere Anbieter fangen bei 9 kg an.

Die Zusammenarbeit gestaltet sich als fruchtbar auf mehreren Ebenen. So berichtet Schreier:

Wir haben auch neue Erkenntnisse und tiefe Einblicke in die Qualitätssicherung bekommen.

Die Brennstoffzellen müssen nicht gewechselt werden, lediglich die Membranen. Damit haben Schreier und seine Kollegen die Qualitätssicherung der Bauteile der eigenen Aussage nach bis auf den Nanometer in der Hand.

Zum Erfolg geführt haben Bescheidenheit und die Unterstützung durch Partner. So gibt Schreier selbst Einblicke in den Entwicklungsprozess des jungen Unternehmens:

Wir haben uns in der Anfangszeit selbst keine Gehälter ausgezahlt und wussten es zu schätzen, dass die NBank uns mit einem Gründerstipendium unterstützt hat.

Damit dürften die Grundsteine für die Gegenwart gelegt sein:

Das Wichtigste für uns ist, zu zeigen, dass wir als kleines Unternehmen in den Markt reinkommen, dass wir anerkannt werden als Unternehmen.

Für die Zukunft ist geplant, einen attraktiven Standort mit vielfältiger Förderlandschaft zu finden.

Beschaffenheit der Straße kennen

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Schluss mit bösen Überraschungen beim Autofahren: Mit Bareways erhaltet ihr wertvolle Informationen über die Strecke. (Foto: Bareways)

Das Unternehmen Bareways hilft Autofahrern dabei, die Besonderheiten von Fahrstrecken zu kennen, noch bevor die Reifen sie berühren. So sollen böse Überraschungen wie schwer oder kaum befahrbare Straßen der Vergangenheit angehören. Der Einfall zu diesem Kartografie-Dienst kam Moritz von Grotthuss als er sich selbst in einer solchen Situation wiederfand:

Ganz konkret kam die Idee im November 2017, als ich als Beifahrer in einem schneebedeckten Waldweg hängengeblieben. Ich konnte mir nicht erklären, warum das Auto nicht wusste, wie die Strecke ist. Das war der Beginn der Assistenzsysteme im technischen Bereich.

Fortan bestand der Wunsch, eine entsprechende Lösung zu entwickeln, welche das mobile Fahrerlebnis sicherer und effizienter gestaltet. Dabei ist es Grotthuss zufolge wichtig, die richtigen Fragen zu stellen.

Wir brauchen nicht zu fragen: Wo ist ein weiterer Weg, wichtiger ist die Frage: Wie sieht dieser Weg aus? Wie verändern sich die Wege bei Regen, was passiert, wenn ganz viele LKW drüberfahren oder drei Monate lang kein Fahrzeug die Strecke befährt?

Auf diese Weise könnte Bareways zum Standard in Kraftfahrzeugen werden. In Kombination von Big Data und KI wird ein Datenlayer geschaffen, der sich in bestehende Navigationssysteme integrieren lässt.

Und für wen eignet sich die Lösung?

Eigentlich für jeden, der sich in dem ländlichen Bereich bewegt und nicht vor Ort lebt.

Somit ist Bareways interessant für die Agrarbranche mit Lohnfahrern, für Buschtaxis (Uber in Ruanda), aber auch für den Privatmenschen, der sich in Namibia ein Auto leiht und die Region nicht kennt.

Von Grotthuss bringt die Vision auf den Punkt:

Die Idee ist, schöne Strecken zu fahren, schöne Ecken zu sehen, wir sind so ein bisschen das Lonely Planet der Navigation, etwas abseits der breitgetretenen Wege.

2021 bringt das Unternehmen eine entsprechende App auf den Markt.

Mobile Zapfsäulen für E-Autos

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Keine Sorgen mehr wegen fehlendem Strom: Die Gründer Holger und Alexander von ME Energy entwickeln Überland-Zapfsäulen für Elektroautos. (Foto: ME Energy)

Das Startup ME Energy – Liquid Electricity stellt elektronische Zapfsäulen für E-Autos her. Für Founder und CEO Alexander Sohl war der Stein des Anstoßes die in Deutschland dürftige Abdeckung mit Möglichkeiten zum Aufladen:

Wir haben festgestellt, dass die derzeitige Lade-Infrastruktur hierzulande nicht ausreicht und uns gefragt, wieso es die noch nicht gibt.

Warum ist das in einem so hoch entwickelten Land wie Deutschland so? Könnte man nicht einfach Strom von einem Netzanbieter anzapfen? So einfach ist es leider nicht, wie Sohl feststellt:

Man kann nicht einfach irgendeinen Generator kaufen und ihn an das Stromnetz anschließen, das funktioniert nicht.

Die Alternative zu den Zapfsäulen sind Hochleistungsbatterien, die wie Powerbanks für E-Autos funktionieren. Allerdings sind diese Batterien gegenüber der Technologie von ME Energy im Nachteil:

Diese Batterien sind das gleiche Speichermedium wie im Auto: Ich kann mit ihnen nur eine sehr begrenzte Energiemenge speichern. Wir haben eine andere Energiemenge, wir nehmen eine viel höhere Energiedichte.

Anders als die Batterien müssen die Stationen nicht ständig mit LKW hin und her transportiert werden. Das spart Fahrkosten und macht die Ladestationen attraktiv für Kunden, was das erklärte Ziel von ME Energy ist:

Es soll einfach und profitabel werden, die Ladestationen zu errichten. Deshalb sind wir auch dabei, Investitionskosten und die Planungszeit zu senken.

Wichtig ist hierfür nicht nur das fachliche Verständnis, sondern uch die wirtschaftliche Betrachtungsweise:

Wir müssen das als Geschäft begreifen, dann wird es bald flächendeckende Schnelllademöglichkeiten geben.

Schnelle Bilderkennung mit innovativer Sensorik

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Mehr Sicherheit durch bessere Qualitätsprüfung: Die Technologie von DENKweit soll auch auf internationalen Märkten Fuß fassen. (Foto: DENKweit)

DENKweit verbindet neuronale Netze und moderne Sensorik miteinander. So wird eine verbesserte Qualitätskontrolle ermöglicht, beispielsweise bei Batterien in Autos. Wie wichtig das ist, erklärt Dr. Dominik Lausch, CEO von DENKweit:

Kleine Kontaktfehler können dramatische Folgen im Fahrzeug haben, unter anderem sogenannte Burning Events, die durch Batteriebrände ausgelöst werden.

Mit der Technologie des Hallenser Unternehmens werden die Batterie und die Kontakte, bei deren Zusammenarbeit Brände entstehen können, geprüft. Lausch und sein Team ahnten schon früh, welches Potenzial in ihrer Idee der Messung elektrischer Ströme steckt:

Mir war in der ersten Sekunde klar, dass das etwas Neues ist, das in der Photovoltaik einen neuen Zugang bringt.

Gemessen wird nicht mehr außen an der Batterie, sondern im Inneren, was als ortsausgelöst bezeichnet wird:

Wir können auch die Stromrichtung beurteilen, wo etwas passiert, das ist auch etwas Besonderes an unserer Messmethode. Dadurch können wir elektrische Kontakte extrem gut evaluieren.

Die Erfolge spornen an, weitere Märkte zu erschließen:

Wir wollen im Bereich Batterie eine Messmethode anbieten, die den Herstellern und Anwendern den Mehrwert bringt, um global zu wachsen.

Eine Furcht vor der Erschließung gibt es nicht. Wohl aber bodenständige Ziele mit Weitblick: Das große Ziel ist es, einen erfolgreichen Mittelstand aufzubauen. Hierfür setzt das Unternehmen auf Kooperation:

Unsere Strategie ist, partnerschaftlich zu arbeiten und mit den verschiedensten Businessmodellen.

Für das Team von DENKweit gilt daher der Grundsatz, lieber zu teilen und gemeinsam erfolgreich zu sein, als den maximalen Gewinn auf Teufel komm raus zu erzielen. Einfacher gesagt als getan, wie Lausch weiß, schließlich müssen Gewinne dennoch erwirtschaftet werden. Er und sein Team haben sich jedoch für einen anderen Ansatz entschieden:

Für unsere große Strategie sind wir offen für Kooperationen verschiedenster Art.

Vor Kurzem hatte das Start-up beispielsweise eine Evaluation für Glasfaserkabel und damit abseits von Batterien einen Auftrag gewonnen.

Doch nicht immer läuft es so gut: So haben die Unternehmer auch schon negative Erfahrungen mit Partnerschaften gemacht. Aber woran lässt sich ein zweifelhafter Partner erkennen? Lausch gibt zu bedenken:

Wenn Leute über Sachen verhandeln, die noch gar nicht richtig auf dem Tisch sind, aber Exklusivität haben wollen.

Besser ist es aus der Sicht von DENKweit, trotz Kostengetriebenheit partnerschaftlich zu handeln, um vertrauensvolle Partner zu gewinnen, mit denen die Zusammenarbeit Spaß macht.

Um weitere Negativerfahrungen zu vermeiden, bekommen sie Unterstützung und Beratung von ihrem Investor, der die nachhaltige Unternehmenskultur schätzt.

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