Vier Start-ups, die der Umwelt helfen



Start-ups mit nachhaltigen Geschäftsideen bereichern die Wirtschaft und schonen die Umwelt. Für entsprechende Lösungen wurden vier von ihnen beim diesjährigen KfW Award Gründen als beste ihres Bundeslandes ausgezeichnet. Wir stellen die innovativen Ideen der Sieger vor.

Genussvolle Nachhaltigkeit in Kapselform

Allein in Deutschland werden pro Tag acht Millionen Kapseln verbraucht und weggeschmissen. Dadurch entsteht ein riesiger Müllberg von etwa 20 Tonnen pro Tag.

Das Brandenburger Start-up UniCaps möchte dem entgegenwirken. Verkauft werden Kaffee- und Teekapseln, die denselben Komfort bieten wie herkömmliche Kapseln. Nur sind sie klimaneutral und kompostierbar. “Kaffee und Tee sind die weltweit am meisten nachgefragten Getränke nach Wasser. Und viele Konsumenten nutzen Kapselmaschinen. Das war ein perfekter Ansatz”, erzählt Geschäftsführer Dirk N. Tillmann.

Unicaps - Landessieger KfW Award Gründen 2019
Mit kompostierbaren Bio-Kapseln für Tee und Kaffee möchte Gründer Dirk N. Tillmann dem Kunden Genuss und Umweltschutz bieten. (Foto: © UniCaps GmbH)

Mit UniCaps wollen wir den Konsumenten eine genussvolle Nachhaltigkeit bieten und sie zu einem umweltbewussteren Alltag anregen.

Der Genuss spielt also eine entscheidende Rolle bei UniCaps, nicht ohne jedoch auf den Convenience-Vorteil für den Kunden zu verzichten. Genuss und Komfort müssen sich also nicht widersprechen, wie UniCaps zeigt.

Deshalb werden die Produkte nicht nur nachhaltig produziert, sondern sollen im Vergleich zur Konkurrenz auch keine Geschmackseinbußen mit sich bringen. Daher wird das Kaffeesortiment, welches von exotischen Spezialitäten hin zum koffeinfreien Single-Origin reicht, wie bei anderen Herstellern auch in Aromakapslen konserviert.

Statt aus Aluminium und Plastik werden die Kapseln von UniCap aus nachwachsenden Rohstoffen produziert. Sie bestehen aus dem Rohstoff Lignin, der bei der Holz- und Papierverarbeitung verwendet wird und sich aus Glukose sowie Stärke zusammensetzt.

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Die Kaffeekapseln von UniCap werden aus kompostierbarem Material hergestellt. (Foto: UniCaps)

Nicht nur bei den Kapseln wird auf nachhaltige Prozesse geachtet. Die Produktion wird mit Ökostrom betrieben und der Inhalt der Kapseln ist biozertifiziert, er wird ohne Pestizide angebaut.

UniCaps bietet auch verschiedene Tees an. Zur Unternehmengründung im Jahr 2016 war die Geschäftsidee sogar nur auf den Vertrieb von Teekapseln konzentriert, bevor Kaffee hinzukam.

Um den Tee in Kapselform frisch zu halten, hat das Start-up die Aroma Technology entwickelt. Mit einem mechanischen Zerkleinerungsverfahren der Teeblätter könne der Tee schneller ziehen und sei so innerhalb weniger Sekunden genießbar. Dabei werden Geschmack, Duft und Farbe in kurzer Zeit aus den Teekapseln extrahiert.

Die Produkte von UniCaps werden über die Marken My-Teacup und My-Coffeecup vertrieben und für die Kapselmaschinen von Nespresso angeboten.

Wir wollten mit den Teekapseln als Pioniere auf dem Markt vorstoßen. Erst als uns Kunden fragten, ob wir nicht auch Kaffee verkaufen, erweiterten wir unser Sortiment. Seitdem bieten wird auch Kaffeekapseln.

Zu den Kunden von UniCaps gehören zahlreiche Hotels und Einzelhandelsgeschäfte wie DM-Drogeriemarkt, Rewe, Kaufland und Tegut. Ein Großteil des Vertriebs findet über den Onlineshop statt. “Europaweit gibt es in unserem Marktsegment noch ganz viel zu tun. Deshalb wollen wir zukünftig an einer geografischen Skalierung unserer Produkte sowie an weiteren Kapselformaten wie zum Beispiel Dolce Gusto arbeiten”, so Tillmann.

Robustes Saatgut und optimierter Dünger für bessere Erträge

SeedForward entwickelt spezielle Saatgutbeschichtung für die Agrarproduktion. (Foto: deGut)

Immer mehr Regionen und Länder haben in der Agrarwirtschaft mit trockenen und unfruchtbaren Böden zu kämpfen. Durch die Veränderungen des Klimas haben besonders Kontinente wie Afrika Probleme in der Landwirtschaft.

Wir wollen Landwirtschaft so verändern, dass sie Produktivität steigert, aber gleichzeitig umweltfreundlich ist, Biodiversität fördert, CO2 speichert und sich dem Klimawandel anpassen kann.

In Afrika lernten sich 2015 auch die beiden Gründer des niedersächsischen Start-ups SeedForward kennen. Anfang 2017 bekamen sie die Fördermittel, die sie brauchten, um ihre Forschung und Produkte weiter voranzutreiben.

Obwohl sie den Wunsch hatten, war es ihnen in Afrika selbst leider nicht möglich, zu gründen:

Wir konnten unser Start-up nicht in Afrika aufbauen, weil es nicht genügend Fördermittel gab und die politische Lage viel zu kompliziert war.

In Kooperation mit Bioverbänden, Universitäten und Landwirtschaftskammern entwickelten die Gründer hierzulande die Idee einer nachhaltigen Saatgutbeschichtung, die die Pflanzen widerstandsfähiger macht und sie vor Krankheitserregern schützt.

Daraus hervorgegangen ist eine Saatgutbeschichtung, welche die Keimrate der Nutzpflanzen erhöht, den Wasserbedarf verringert und die Nährstoffzufuhr vereinfacht. Weiterhin wird durch die Beschichtung der Keime die Aussaatgenauigkeit verbessert. Düngemitteleinsparung und ein erhöhter Ertrag sind das Ergebnis für die Landwirte.

Aktuell befindet sich Saatgut für Mais und Getreide im Sortiment. Auf bisherigen Erfolgen ruhen sich die Gründer aber nicht aus: Nach wie vor führt SeedForward in ihrer Produktionshalle in Osnabrück Testläufe durch und probiert optimierte Rezepturen aus.

Die Produkte von SeedForward sollen nicht nur die Pflanzen schützen, sondern gleichzeitig auch den Boden verbessern. Neben der Saatgutbeschichtung bietet das Start-up auch Düngemittel – sogenannte FREYA-Produkte, die verschiedene Vorteile mit sich bringen.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Düngemitteln, wird das Saatgut bei uns mit natürlichen Wirkstoffen ummantelt und stärkt dadurch das Wachstum und die Widerstandsfähigkeit der Pflanze.

Speziell der Stickstoffdünger und der NP-Dünger sorgen für kräftigeres Wachstum, während der organisch-pflanzliche NPK-Dünger nicht von Wildtieren gefressen wird und die Pflanzen mit einer optimalen Nährstoffkombination versorgt. Die einzelnen Düngearten haben noch weitere Eigenschaften, die ihr auf der Website des Anbieters nachlesen könnt.

Eis aus frischer Bio-Milch und ohne Zusatzstoffe

Henry’s Eismanufaktur bietet Eis aus der Region für die Region. (Foto: deGut)

Das Start-up Henry’s Eismanufaktur aus dem Saarland bietet kein gewöhnliches Eis an. Gründer und Geschäftsführer Dominik Heil verkauft handwerklich produziertes Speiseeis aus Milch von der biozertifizierten Bliesgau-Molkerei. Dabei wird auf jegliche Aroma- oder Konservierungsstoffe, Geschmacksverstärker und zugesetzte Farbstoffe verzichtet.

Von den Klassikern bis hin zu ausgefallenen Eissorten wie Ananas-Purple-Curry ist alles dabei. “Außerdem sind wir ganz nah dran an unseren Kunden – ob am Eisauto, am Fensterverkauf unserer Eisdiele oder bei der Belieferung unserer Handelspartner. Das hat den Vorteil, dass wir aus erster Hand genau das Feedback bekommen, das für unsere Weiterentwicklung wichtig ist. Ein Eismann zum Anfassen quasi”, erzählt Dominik Heil.

Dabei ist Regionalität ein wichtiges Thema für den Gründer. Denn “Bio” allein macht die Wirtschaft noch nicht nachhaltig.

Was bringt mir eine Birne aus Bioanbau, wenn sie mit dem Flugzeug tausende Kilometer eingeflogen wird, obwohl ich von meinem Obstbauern des Vertrauens eine wunderbare Frucht bekomme, die genau meinen Qualitätsansprüchen entspricht?

Es sei ihm von Anfang an wichtig gewesen, nicht ganz Deutschland zu beliefern, sondern „ein Eis aus der Region für die Region“ zu bieten. Dieser Philosophie bleibt er treu: Bereits während er die Eisdiele als Nebentätigkeit betrieb, baute er sich ein beachtliches Netzwerk an Obstbauern auf. Bei ihnen bekäme er die Gewissheit, dass auf die Qualität Verlass sei und die Produkte frei von Spritzmitteln seien. “Mit Regionalität verbindet man automatisch Verbundenheit, Heimat. Regionalität ist für mich das neue Bio”, so Heil.

In Zeiten, wo es immer um das Höher, Schneller, Weiter geht und alles rund um die Uhr online bestellbar ist, sehnt sich der Kunde nach dem Altbewährten. Nach der wertigen Handwerkskunst.

2016 machte Dominik Heil die Eismanufaktur zu seinem Hauptberuf. Mittlerweile ist das Geschäft keine One-Man-Show mehr, sondern wird zur Hochsaison von bis zu 35 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen unterstützt. Das hilft nicht nur in der Produktion und im Vertrieb, sondern auch in der Kreativität der Eissorten. “Die meisten der mittlerweile rund 300 Rezepturen entwickelten sich in den Jahren 2011 bis 2016”, erklärt Dominik Heil.

Die stärkste Inspiration habe ich auf meinen Reisen im Winter. In anderen Ländern lerne ich fremde Früchte kennen und esse exotische Gerichte. Dann überlege ich mir, wie ich den Geschmack ins Eis transferieren kann.

Der Rekord lieg bei knapp 70 Tonnen verkauften Eis pro Jahr. Das kommt der Massenware in der Eisindustrie zwar nicht gleich, ist aber eine beachtliche Menge. Und sie wächst – deshalb steht Gründer Dominik Heil ein Umbau der Produktionsfläche bevor. 35 Quadratmeter seien zu wenig und müssen jetzt verdoppelt werden, auch ein drittes Tiefkühlhaus sei notwendig.

Ansonsten halten wir an der Philosophie fest, unsere Qualität zu halten, stetig, aber gesund zu wachsen und Tag für Tag das zu machen, was unsere Kunden von uns gewohnt sind – gutes Eis.

Blumenduft bei SystemaNatura

Das Start-up SystemaNatura aus Schleswig-Holstein unterstützt Arzneimittel- und Kosmetikhersteller bei der Produktentwicklung und der Optimierung von Wirkstoffen aus Arznei- und Duftpflanzen. Die Gründerin Claudia Valder ist gelernte Apothekerin und Parfumeurin. 2016 hat sie SystemaNatura ins Leben gerufen und baut seit 2018 ihre eigene Produktion auf.

Claudia Valder ist Expertin für Wirkstoffe aus Arzei- und Duftplanzen. (Foto: IB.SH)

Spezialgebiet von SystemaNatura sind ätherische Öle: Für die Produktion werden schonende Ressourcen genutzt, die zu einem maximalen Ertrag führen. Die Öle werden u. a. in der naturbasierten Kosmetik und in Erkältungspräparaten verwendet. Das Start-up baut eigene Duft- und Medizinalpflanzen an, teilweise auch in strukturschwachen Regionen. Damit möchte das SystemaNatura die Werte Fairness und Menschlichkeit fördern.

Wir optimieren weltweite Lieferketten, sodass am Ende einer Produktion rückverfolgbar alles aus einer Hand kommt, vom Samen einer Pflanze bis zum fertigen Wirkstoff. 

Parallel dazu baut die Tochterfirma Symaplant eine Produktion für pflanzliche Wirkstoffe am Unternehmensstandort Flintbek mit umweltfreundlichen Recycling-Technologien auf. Aber auch weltweite Plantagen werden mit einem Netzwerk nachhaltiger Anbieter sukzessive errichtet.

Bis ein Öl in der Industrie fertig aufbereitet ist, muss es verschiedene Schritte durchlaufen. Für diese Schritte bereiten die Gründerin und ihre sieben Mitarbeiter eine spezielle Systementwicklung vor. Das Start-up kümmert sich neben der Extraktion ebenso um Dienstleistungen bei der Analytik wie auch um eine korrekte Dokumentationserstellung.

Dabei ist es uns besonders wichtig nachhaltig zu operieren und unseren Lieferanten auf Augenhöhe zu begegnen. 

Mehr ausgezeichnete Start-ups: Die Sieger des KfW Awards Gründen 2019. Den Bundessieger und Publikumssieger Boreal Light stellen wir in unserer Gründerstory vor sowie auch einen weiteren Gewinner des Awards You Mawo.

  • Seit 20 Jahren zeichnet die KfW Bankengruppe Unternehmen in den ersten fünf Jahren ihrer Geschäftstätigkeit mit dem KfW Award Gründen (ehemals „GründerChampions“) aus. Für den renommierten Preis können sich Unternehmen aller Branchen bewerben, die ihren Sitz in Deutschland haben. Die Preisträger werden von einer Jury aus erfahrenen Vertreterinnen und Vertretern aus der KfW, Politik und Wirtschaft ausgewählt. Die Preisverleihung fand am 17. Oktober im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung der deGUT statt.
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