EZB-Fassadenbauer Insolvenz bei Roschmann Konstruktionen aus Stahl und Glas GmbH

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Ein renommiertes Bauunternehmen meldet Insolvenz an. Die Roschmann Konstruktionen aus Stahl und Glas GmbH in Gersthofen galt als Spezialist für komplexe Fassadenlösungen. Rund 100 Beschäftigte bangen nun um ihre Zukunft. Doch hinter der Pleite steckt mehr als ein einzelnes Unternehmensdrama. Der Fall wirft ein grelles Licht auf die angespannte Lage der gesamten Bauwirtschaft in Deutschland.

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EZB-Fassade hinter Stacheldraht
Die Roschmann Konstruktionen aus Stahl und Glas GmbH realisierte die Glasfassade der EZB. Bild: Kerstin Herrmann / Pixabay.

Traditionsunternehmen insolvent

Ende Juli 2025 stellte die Roschmann Konstruktionen aus Stahl und Glas GmbH einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beim Amtsgericht Augsburg. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Dr. Alexander Zarzitzky von der Kanzlei Anchor Rechtsanwälte bestellt. Die traditionsreiche Firma aus Gersthofen, die seit Jahrzehnten komplexe Stahl- und Glasfassaden realisierte – unter anderem für die Europäische Zentralbank – musste ihren Geschäftsbetrieb massiv einschränken.

Insgesamt 121 Mitarbeiter waren zuletzt am Standort beschäftigt. Rund 100 davon verlieren laut Medienberichten ihren Arbeitsplatz. Als Gründe für die Zahlungsunfähigkeit nennt das Unternehmen eine drastisch rückläufige Auftragslage, massive Kostensteigerungen bei Material und Energie sowie das Scheitern der Suche nach einem Investor. Während für die Schwesterfirma Roschmann Glas GmbH eine Übernahme durch die österreichische Ertl Glas AG zustande kam, blieb für den Stahl- und Glasteil bisher jede Rettung aus.

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Baubranche unter Druck

Die Insolvenz bei Roschmann ist kein Einzelfall. Tatsächlich zeigt ein Blick auf die offiziellen Statistiken, dass die deutsche Bauwirtschaft unter erheblichem Druck steht. Laut dem Statistischen Bundesamt sank das preisbereinigte Bauvolumen im Jahr 2024 um 3,7 % – der vierte Rückgang in Folge. Besonders betroffen ist der Hochbau: Im Juli 2025 lag der Auftragseingang hier 5,8 % unter dem Vormonatswert. Lediglich der Tiefbau konnte mit einem Plus von 8,9 % zulegen.

Auch die Beschäftigungszahlen entwickeln sich rückläufig. Zwar sind laut Bauindustrie.de im Juni 2024 noch rund 1,95 Millionen Menschen im Baugewerbe sozialversicherungspflichtig beschäftigt, doch die Zahl stagniert – vor allem im Bauhauptgewerbe, wo rund 860.000 Beschäftigte registriert sind. Gleichzeitig schrumpft die Umsatzrendite der Branche, belastet durch steigende Materialpreise, höhere Energiekosten und wachsende Finanzierungslasten infolge steigender Zinsen.

Hinzu kommen strukturelle Herausforderungen: Der Fachkräftemangel hemmt nicht nur die Umsetzung neuer Projekte, sondern erhöht auch die Personalkosten. Regulatorische Anforderungen etwa im Bereich Nachhaltigkeit und Digitalisierung zwingen viele Unternehmen zu Investitionen, die sich kurzfristig kaum refinanzieren lassen. Besonders stark betroffen sind dabei hochspezialisierte Anbieter wie Roschmann, die in Nischenmärkten agieren und oft stark von Großprojekten abhängig sind.

Hat die deutsche Baubranche noch Zukunft?

Im Fall Roschmann stehen die Chancen auf eine Sanierung aktuell schlecht. Der Insolvenzverwalter prüft zwar Optionen, doch ein Investor ist bislang nicht in Sicht. Der bereits vollzogene Verkauf der Glas-Sparte zeigt: Die Zerschlagung des Unternehmens ist im Gange. Für die Konstruktionen GmbH droht das Aus – und mit ihr verschwinden nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch jahrzehntelanges Know-how im Spezialbau.

Die Branche insgesamt blickt mit Sorge auf die kommenden Monate. Zwar gab es im Juli 2025 einen leichten Anstieg der Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe (+1,9 % im Vergleich zum Vormonat), doch die Prognosen bleiben verhalten. Der Hauptverband der Bauindustrie rechnet für 2025 mit einem realen Umsatzrückgang von rund 1 %. Eine schnelle Erholung ist nicht in Sicht.

Stattdessen rückt die Sanierung des Bestands stärker in den Fokus: energetische Modernisierungen, altersgerechter Umbau und nachhaltige Gebäudekonzepte gewinnen an Bedeutung. Staatliche Förderungen könnten hier neue Impulse setzen. Doch wer im Markt bestehen will, muss sich anpassen: Effizienz steigern, Risiken aktiv managen, Digitalisierung vorantreiben – und vor allem frühzeitig auf Veränderungen reagieren.

Auch spannend:

Quellen:

Anchor: Roschmann Konstruktionen aus Stahl und Glas GmbH stellt Insolvenzantrag

Bauindustrie: Zahlen & Fakten

Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung: Bericht zur Lage und Perspektive der Bauwirtschaft 2025

Statistisches Bundesamt: Auftragseingang im Bauhauptgewerbe im Juli 2025: +1,9 % zum Vormonat

t-online: Traditionsreiche Baufirma insolvent – Mitarbeiter entlassen

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