Geschäftsideen gegen die Plastikflut



Es gibt Alternativen zu Kunststoffen, man muss sie nur einsetzen. Wir stellen 5 Geschäftsideen vor, die Schönes und Nützliches ohne Plastik anbieten.

#1 pandoo – Bambus statt Plastik

https://www.plastikalternative.de/
Küche und Bad plastikfrei? Mit diesen Produkten ist das einfach umsetzbar. (Screenshot: Website Pandoo)

Ob Thermobecher, wiederverwendbare Abschminkpads oder Rasierhobel – alle Produkte des Konstanzer Start-ups pandoo sind aus natürlichen und schnell wachsenden Rohstoffen wie etwa Bambus hergestellt. Das Anfang 2017 von Salvatore Decker gegründete Unternehmen konzentriert sich auf Dinge mit sehr kurzer Lebensdauer, vor allem Einwegprodukte. Denn sie landen sehr bald nach dem Benutzen im Müll und stellen somit die größte Umweltverschmutzung dar.

Die Idee zu pandoo entwickelte der passionierte Taucher während seiner vielen Reisen. Ihm fiel auf, wie Strände, Ozeane und Landschaften mehr und mehr verschmutzen. Sein ursprüngliches Ziel war, der weltweiten Abholzung der Regenwälder entgegenzuwirken. Mittlerweile hat sich das Unternehmen auch auf die Fahne geschrieben, Plastikmüll zu reduzieren.

Das Geschäft lief schnell sehr gut, bereits 2018 war der Umsatz siebenstellig. Alleine konnte Salvatore Decker den Aufwand nicht mehr bewerkstelligen. Auch die Ersparnisse schmolzen wegen der Vorfinanzierung der mehr und mehr werdenden Waren dahin. Also holte er die Brüder Sebastian und Christian Breyer an Bord und nahm zwei Kredite auf.

#2 Plastikalternative – Bagasse aus Thailand

Plastik-Einweggeschirr belastet die Umwelt. Nicht ohne Grund ist es EU-weit seit Anfang 2021 verboten. Olga Grundmann hatte bereits Anfang 2019 die Idee, Menu-Boxen, Besteck und Ähnliches in einer umweltfreundlicheren Alternative anzubieten. So gründete sie in Bonn ihr Start-up Plastikalternative. Das junge Unternehmen vertreibt Einwegprodukte aus Bagasse (Zuckerrohr), Maisstärke, Bambus und Birkenholz. Etwa 40 Produkte sind im Portfolio, darunter Suppenschalen, Becher oder Hamburger-Boxen.

Olga Grundmann ist seit vielen Jahren Unternehmerin. Mit Rheinwunder betreibt sie eine Online-Marketing-Agentur. Ihr Wunsch war, zudem „etwas für die Zukunft, für unsere Kinder zu tun“. Sie recherchierte, fasste Alternativen wie Pappe oder Bambus ins Auge, verwarf sie aber wieder. Schließlich vermittelten ihr thailändische Freunde den Kontakt zu einem dortigen Hersteller. Mit diesem arbeitet sie seither zusammen. Er stellt die Artikel aus Abfallprodukten her, die sonst verbrannt werden und damit Smog erzeugen würden. Die Wiederverwendung ist folglich im doppelten Sinne umweltfreundlich.

#3 My Little Steps – Glücklich in Küche und Bad

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Nachhaltig verbrauchen und weniger wegschmeißen: Schritt für Schritt zum Zero-Waste-Lifestyle. (Screenshot: Website My Litte Steps)

Es war ein Weg in kleinen Schritten und mit manchen Rückschlägen, der Sigrid Bernard zur Gründung ihres Start-ups My Little Steps führte (daher der Firmenname). Eines Tages fragte sie sich, was sie selbst gegen „den katastrophalen Zustand des Planeten“ unternehmen könne und begann, alltägliche Plastikprodukte gegen nachhaltigere Alternativen einzutauschen. Vor allem im Badezimmer und in der Küche räumte sie gründlich auf und um.

Nach drei Jahren Selbsttest und vielen Gesprächen mit Bekannten entschloss sie sich 2019, My Little Steps zu gründen. Die gebürtige Französin wollte allen ermöglichen, was sie selbst erlebte: Das Leben mit weniger Plastik macht glücklich und ist nicht teuer.

In ihrem Online-Shop vertreibt sie sowohl Produkte anderer Hersteller wie etwa Kosmetik von ODEN oder wiederverwendbare Gefrierbeutel von Flax & Stitch sowie eigens entwickelte Produkte. Das sind vor allem Artikel aus Stoff, zum Beispiel Kuchentaschen oder Schüssel-Abdeckungen (als Alternative zu Plastik-Kuchenboxen bzw. Frischhaltefolien) sowie diverse Do-it-yourself-Sets wie zum Beispiel das biologische Geschirrspülmittel „Mein Abwasch-Cake“.

#4 Balu BOWLS – Wer hat die Kokosnuss geklaut?

Im Sommer 2018 hat Jessica Hinteneder all ihr Erspartes zusammengekratzt und die Sustainable Souls GbR gegründet. Unter der Marke Balu BOWLS vertreibt das Start-up Schalen aus Kokosnüssen. Sie ersetzen Holz- oder Plastikschalen und sind somit umweltfreundlicher.

Im Repertoire der Münchner befinden sich verschiedenste Bowls, etwa Müsli-Schalen, Duftkerzen oder Pflanzengefäße. Etwa 30 Artikel hat das Unternehmen im Angebot, sie sind im eigenen Online-Shop zu erwerben, außerdem im ausgesuchten Einzelhandel, online und stationär.

Den Ausschlag für die Unternehmensgründung gab ein Urlaub in Vietnam. Dort stieß Jessica Hinteneder auf die Kokosnuss-Schüsseln. Allerdings waren diese nicht lebensmittelecht. Sie dachte, dass es aber gerade toll wäre, „daraus essen zu können“ – und begab sich fortan auf die Suche nach Herstellern, die dies umsetzen können. Ein erster Hersteller wurde gefunden, er lieferte allerdings nicht die gewünschte Qualität. Mittlerweile arbeitet Balu BOWLS mit einem vietnamesischen Produzenten zusammen, der extrem robuste Kokosnüsse verarbeitet und somit die Ansprüche des Start-ups erfüllt.

#5 simplymeal – Wegwerfen mit gutem Gewissen

Teller, Schüsseln, Messer oder Gabeln für den einmaligen Gebrauch müssen nicht aus Plastik bestehen. Eine Alternative ist Kleie, ein Nebenprodukt, das beim Mahlen von Getreide wie Weizen, Roggen oder Hafer entsteht. Das in Köln von René Robin gegründete Start-up simplymeal bietet seit 2018 genau solche Einwegprodukte aus Naturmaterialien an.

René Robin arbeitete als Angestellter im Vertrieb. Doch sein Wunsch war, sich selbstständig zu machen, einen Beitrag für die Umwelt zu leisten. Als er im Fernsehen eine Dokumentation über die Affen im Regenwald sah, fasste er den Entschluss, seine Firma zu gründen. Ihm wurde bewusst, dass die Menschen vieles einfach achtlos wegschmeißen (mehr noch als die Affen, die das hauptsächlich mit Bananenschalen machen) – und er wollte dazu beitragen, dass wir alle in Zukunft die Dinge ohne schlechtes Gewissen wegwerfen können.

Anfangs hat das Unternehmen sein Geschirr und Besteck an Endkunden und die Gastronomie verkauft. Da sich der Vertrieb an Privatpersonen nicht lohnte, hat es sich auf Großabnehmer wie die Veranstaltungsbranche fokussiert. Corona-bedingt ist das Geschäft stark eingebrochen. Doch René Robin hält durch.

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