5 Geschäftsideen, die aus Alt Neu machen



Aus gebrauchten Materialien entstehen außergewöhnliche Möbel, Kosmetika, Schmuckstücke und vieles mehr. Wir stellen fünf Geschäftsideen vor, die besonders kreativ upcyclen.

#1 Airpaq – der luftige Rucksack

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Nachhaltige Rucksackproduktion: Dieses Start-up verwendet dafür Autoschrott. (Foto: Airpaq)

Michael Widmann und Adrian Gosses lieben Schrottplätze. Als die beiden 2015 zum ersten Mal in Rotterdam über ausrangierte Fahrzeuge stiegen, hatten sie nichts Weiteres vor, als im Rahmen ihres Master Studiums Inspirationen für ein Recycling-Projekt zu erhalten.

Doch es wurde mehr daraus. Sie entwickelten den Airpaq, einen Rucksack aus Airbags und Sitzgurten. Ein Jahr später gründeten sie das gleichnamige Start-up mit Sitz in Köln. Die beiden waren schlichtweg fasziniert von der Idee, für Dinge, die andernfalls im Müll landen würden, alternative Verwendungen zu finden.

Mit dem Airpaq haben sie nicht nur ein nachhaltiges, unter fairen Arbeitsbedingungen produziertes, sondern auch ein ästhetisches Produkt kreiert. Die Rucksäcke aus Airbag-Stoffen gibt es in verschiedenen knalligen Farben – für rund 160 Euro. Mittlerweile haben die Gründer ihr Sortiment um Bauchtaschen und Beutel erweitert, seit Beginn der Corona-Krise nähen sie außerdem Masken. Diese sind allerdings nicht aus dem Stoff vor Airbags, da das Tragegefühl nicht angenehm wäre.

#2 BigBoxBerlin – Wohnen im Seecontainer

Steffen Tröger hat beruflich schon so einiges gemacht, er war in der Immobilienwirtschaft, der Unternehmensberatung und der Wissenschaft tätig. Doch irgendwann wollte er sich mit etwas beschäftigen, das man anfassen kann und zudem nachhaltig ist. Im Jahr 2015 hatte er es gefunden. Er gründete BigBoxBerlin und begann, Seecontainer in Pools, Bühnen oder Schließfächer umzufunktionieren.

Tröger verwendet ausschließlich Hochseecontainer, die ausgemustert wurden, weil sie ein paar Kratzer und Schrammen haben – und deshalb als nicht mehr seetauglich gelten. Würde BigBoxBerlin sie nicht abnehmen, würden sie in der Schrottpresse landen. Die vom Berliner Start-up aufgepeppten 2,6 Tonnen schweren Kolosse stehen hingegen auf Musikfestivals. Die Besucher können ihre Sachen in dem mobilen Schließfachsystem mit Hunderten Fächern verstauen und dank der integrierten Steckdosen ihre Smartphones aufladen.

Derzeit konzentriert sich das Unternehmen verstärkt auf Wohn- und Office-Boxen. Es erschafft als Full-Service-Anbieter kompakten und funktionalen Lebensraum, von der Planung bis zur Aufstellung.

#3 Skateboard Recycling – vom Sport zum Schmuck

Manschettenknöpfe, Ohrringe, Eierbecher oder Topfuntersetzer – sofern sie aus der Hamburger Upcycling-Schmiede Lockengelöt und ihrem 2018 gegründeten Label Skateboard Recycling stammen, sind sie ein besonderer Hingucker und zudem nachhaltig. Denn alle Produkte werden aus verschlissenen, in der Regel entzweigebrochenen Skateboards hergestellt.

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Mehr als nur ein fahrbarer Untersatz: Aus kaputten Skateboards stellt Lockengelöt Schmuck und Haushaltsgegenstände her. (Foto: Unsplash)

Das Unternehmen arbeitet mittlerweile mit 35 Partnern aus der Skater-Branche in Deutschland und Holland zusammen. Diese sammeln die kaputten Boards und lassen sie – sofern genügend zusammengekommen sind –  von den Gründern Dennis Schnelting und Carsten Trill abholen. Die beiden bauen aus dem Material Gegenstände aller Art und verkaufen sie vor allem über den Online-Shop von Lockengelöt.

Ob Schmuck oder Alltagshelfer – die Artikel sind recht günstig (Armreifen gibt es zum Beispiel für 18 Euro, Eierbecher für 7,50 Euro) und vor allem farbenfroh.

#4 Magnus Mewes Barriquemöbel – bequem sitzen auf einem Eichenfass

Der Designer Magnus Mewes hatte schon immer ein Faible für Holz. Doch seit gut zehn Jahren stellt er seine Möbel aus einem ganz bestimmten Holz her: aus Eichenfässern, in denen zuvor Wein gelagert wurde. Vor allem Weingüter aus Deutschland und Frankreich überlassen Mewes ihre Fässer, damit er ihnen neues Leben einhaucht.

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Alte Weinfässer kommen nicht mehr auf den Müll, sondern dank Magnus Mewes als geschmackvolle Möbel in die Wohnung. (Foto: Magnus Mewes)

Die Idee dazu kam ihm auf dem Weingut seiner Frau. Er lernte, dass Eichenfässer eine begrenzte Einsatzdauer haben. Nur ein paar Mal wird ein Barrique-Fass mit Rotwein gefüllt, danach gibt es keine Aromen mehr an den Wein ab und wird daher aussortiert. Der Pfälzer aus der Nähe von Neustadt an der Weinstraße nimmt die Fässer gerne ab – und macht vor allem Stühle, Hocker und Tische daraus, außerdem individuelle Anfertigungen nach Kundenwunsch, etwa Bartresen.

Mewes verwendet nicht nur deshalb Fässer für seine Produkte, weil das 200 Jahre alte Eichenholz stabil und langlebig ist. Die in Handarbeit gefertigten Möbel sind aufgrund des besonderen Rohstoffs auch nachhaltig. Sie sind Teil eines ökologischen Kreislaufes. Außerdem verleihen die Brennstempel der Winzer, meist auf den Fassböden und -deckeln angebracht, den Möbeln eine ganz eigene Note.

#5 Hennis – Vom Fahren zum Gehen

Abgefahrene oder beschädigte Autoreifen landen normalerweise auf dem Schrottplatz. Hendrik Kaltwasser nutzt sie für seine Schuhproduktion. Anstelle einer Gummisohle, die aus einem erdölbasierenden Kunststoff besteht, verwendet er ausrangierte Reifen.

Kaltwasser ist gelernter Zimmerer. Während seiner Ausbildung bekam er einen Einblick in die nachhaltige Forstwirtschaft und beschäftigte sich fortan mehr und mehr mit dem Thema Nachhaltigkeit. Der sinnvolle Umgang mit Naturressourcen faszinierte ihn. Da der Hesse außerdem Schuhe liebt, gründete er 2018 in Idstein Hennis shoes.

Dass die Schuhsohlen seiner Damen- und Herrenschuhe aus alten Reifen gemacht werden, ist nicht nur umweltschonend. Da Autoreifen ursprünglich für extrem hohe Beschleunigungs- und Verzögerungskräfte konstruiert sind, sind die Sohlen aus diesem Material auch besonders verschleißarm. Sie können nicht abgelaufen werden.

Obermaterial und Innenfutter der Schuhe bestehen im Übrigen aus pflanzlich und chromfrei gegerbtem Leder aus Deutschland. 

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