Weltweiter Vorsprung: Der Erfolg von Circunomics

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Best Practice

Automobilhersteller bringen zunehmend Elektroautos auf den Markt. Sie haben jedoch keinen Prozess, was sie mit den Tonnen an alten Autobatterien machen, die sie gesetzlich zurücknehmen müssen. Das Start-up Circunomics, Bundessieger des KfW Award Gründen 2021, hat die Lösung.

Circunomics - Bundessieger KfW Award Gründen 2021
Das Gründerteam von Circunomics, Bundessieger des KfW Award Gründen 2021, ist mit ihrem Clean-Tech-Start-up auf Erfolgskurs. (Foto: Miga & Mike).

Jeder sollte bestmöglich einen Plan B haben, falls es mit Plan A nicht klappt. Was simpel klingt, ist nicht selbstverständlich. Denn was unternehmen, wenn es weder den einen noch den anderen Plan gibt? Patrick Peter, Gründer und CEO des Clean-Tech-Start-up Circunomics, fragen:

Wir haben das Problem vor den Kunden gesehen und wissen, was mit den Batterien gemacht werden kann.

Während die Kunden, sprich die Autohersteller, mit der Produktion von Elektroautos beschäftigt sind, denken die Gründer von Circunomics den Prozess nicht nur zu Ende, sondern bieten eine KI-gestützte Lösung, wie unbrauchbare E-Auto-Akkus in ein zweites Leben oder später ins Recycling überführt werden können. Und das nachhaltig und gewinnbringend für alle Beteiligten.

Patrick Peter kam während seiner PhD-Forschung und Beratung in der Automobilindustrie auf die Geschäftsidee.

Ich bin nicht einfach morgens aufgestanden und hatte die Idee. Sie ist in mehreren Etappen und durch viele Gespräche mit Marktteilnehmern entstanden.

Und da kein Automobilhersteller die Lösung umsetzen wollte, habe er die Idee mit dem Company Builder Next Mobility Labs ausgearbeitet. Im Juni 2019 folgte die Ausgründung.

Nach der Erstellung eines technischen Prototyps mithilfe von EU-Förderung und dem Google/SAP Accelerator konnte die Geschäftsidee eines Marktplatzes für alte Autobatterien und die Erstellung von digitalen Zwillingen weiter ausgebaut werden. Die Erfolgschancen sind hoch, Google und SAP stufen Circunomics als eines der fünf führenden Start-ups der Circular Economy weltweit ein.

Den Kreislauf schließen

Während aktuell die meisten unbrauchbaren Batterien einfach entsorgt werden, will Circunomics als Experten für Second Life und Recyclingprozesse den Kreislauf schließen. Dafür erstellen sie digitale Zwillinge der Batterien in Zusammenarbeit mit den Automobilherstellern und können somit anhand der Herstellerdaten und ihren Tools Analysen durchführen. Wie lange wird der erste Lebenszyklus sein? Wann muss die Batterie im E-Auto ausgetauscht werden? Wo können die E-Akkus mit ihrer Restleistung künftig eingesetzt werden?

Viele Batterien können noch bis zu 15 Jahre in Energiespeichern verwendet werden. Anschließend kann man sie bestmöglich recyceln und somit den Kreislauf schließen.

Circunomics Marktplatz kann modellieren, wann welche Batterie zum Automobilhersteller zurückkommt.

Der Prozess wird planbar. Frühzeitig können Interessenten, Logistiker und Recycler eingebunden werden.

So können die gebrauchten Batterien strukturiert in ihr zweites Leben oder ins Recycling zur Rückgewinnung der Rohstoffe Kobalt, Nickel und Kupfer überführt werden.

Die komplexe Supply Chain nach hinten raus ist belastbar. Wir können viele Batterien bewerten, klassifizieren und versenden.

Die Prozesse laufen KI-unterstützt und automatisiert und modernisiert die Automobilbranche, die noch viel mit Mails und Excel arbeite.

Einzigartigkeit als Erfolgsrezept

Es gibt viele Faktoren, die im Zusammenspiel das Start-up zum Erfolg führen. Dabei spielt nicht nur die Einzigartigkeit des Produkts und der Technologie eine Rolle, sondern auch die guten Investoren, die hoch qualifizierten Mitarbeiter, die sie binden konnten und insbesondere das Wissen aus dem Markt, das nicht öffentlich ist.

Rolle des Unternehmers

Zunächst ist der Unternehmer der wichtigste Akteur. Er braucht Selbstbewusstsein und muss die Prozesse verstehen, um seine Geschäftsidee voranzutreiben. Es gibt nicht das eine Erfolgsrezept. Sehr resilient zu sein, ist wichtig, da es viele intensive Phasen gibt. Für Patrick sei das kein Problem, da er schon immer viel gearbeitet habe.

Gründer müssen bereit sein, kalkulierbare Risiken einzugehen und damit auch gut umgehen können.

Ein Unternehmer ist aber auch immer auf Unterstützung angewiesen.

Mitgründer gesucht: Per Casting zum Gründer-Trio

Um die nächsten erfolgreichen Schritte gehen zu können, hat sich Patrick Peter nach Mitgründern umgeschaut. Es waren weder frühere Kommilitonen noch Freunde oder alte Bekannte.

Ich habe meine Mitgründer über mein Netzwerk gesucht und schließlich gecastet.

Es habe genügend Interessenten gegeben, aber die Anforderungen waren hoch und es sei ein anstrengender und risikobehafteter Prozess gewesen.

Die Kandidaten habe ich fachlich extrem gechallenged und es gab erfreulicherweise viele Treffer.

Patrick kam es nicht nur auf die fachliche Expertise an, sondern auch, ob die Personen self-driven arbeiten, sich selbst Ziele stecken, wie sie mit Risiko umgehen und wie sie Mitarbeiter führen.

Man bekommt schnell das Gefühl, ob sie eher Gründer oder Angestellte sind. Unser Gründerteam ist gut abgestimmt und jeder entscheidet frei in seinem Bereich, was er tut.

Circunomics Gründerteam
Per Mitgründer-Casting fand sich das Gründerteam zusammen. Ihr Erfolgsrezept: Einzigartige Technologie, hoch qualifizierte Mitarbeiter und die richtigen Investoren. (Foto: Miga & Mike)

Das Gründerteam - bestehend aus Cesar Prados, Patrick Peter und Sebastiaan Wolzak - hat sich außerdem mit hoch qualifizierten Mitarbeitern umgeben. "Letztere können sich aussuchen, für wen sie arbeiten und haben teilweise super Stellen für uns aufgegeben", erklärt Patrick. "Als Start-up ist man kein stabiles Umfeld wie ein Corporate."

Wert legt der CEO vor allem auf eigenverantwortliches Arbeiten sowie Gestaltungsfreiraum und weniger auf Hierarchie.

Im Start-up ist es ein anderes, aber sehr spannendes Arbeiten. Es gibt auf jeden Fall persönliches Wachstum und man kann sein Potenzial einsetzen.

Da die Ressourcen sehr begrenzt sind, muss jedoch klar formuliert sein, was bis wann umgesetzt werden muss, um viel auf die Straße zu bringen. Das Team des Mainzer Start-ups besteht aktuell aus dreizehn Mitarbeitern, die flexibel an circa drei Tagen im Office und zwei Tage von zu Hause aus arbeiten. Selbstorganisation, Routinen und Tools, wie Scrum in der Produktentwicklung, helfen bei der täglichen Arbeit.

Wir reden häufig, aber nie lang. Die interne Meetingdauer ist auf 15 bis 30 Minuten festgelegt.

Mit den Dailies wisse jeder, was er an dem Tag zu tun habe. Auch Entscheidungen werden in dieser Zeit gefällt.

Unsere wenigen, aber sehr wichtigen Ziele haben wir mit OKRs festgehalten. Jeder soll diese verstehen und selbst entscheiden, ob sein Tun auf die Ziele einzahlt.

Die nächsten Ziele sind, mehr ins Sales zu investieren und das Technikteam zu vergrößern.

Investoren und was es bei der Auswahl zu beachten gibt

Neben der Expertise brauchen Unternehmer Kapital. Das Gründerteam konnte unter anderem Angel-Investoren wie den Ex-Audi-Manager und Entwicklungsvorstand Peter Mertens oder Arndt Hüsges, CEO der Hüsges-Gruppe, die KFZ-Gutachten erstellen, ins Boot holen.

Wir haben sehr viele Investorenanfragen. Es ist wichtig, sich die richtigen Partner herauszusuchen.

Dabei solle man sich als Unternehmer bewusst machen, dass Investoren nicht nur investieren wollen, sondern man eine lange Partnerschaft eingeht. Daher ist es wichtig, dass man zusammenpasst.

Aber ohne Unternehmer und Team geht nichts. Sie sind der Katalysator fürs Wachstum.

Während das Gründerteam sehr viel - eigentlich immer - arbeite, achten sie darauf, wie es den Mitarbeitern gehe.

Es gibt keine absurden Überstunden. Achtsamkeit und Wertschätzung spielen eine große Rolle. Denn gute Mitarbeiter sind superwichtig, schwer zu finden und man möchte sie behalten.

Herausforderungen für alle

Der Wunsch von Circunomics ist es, die Batteriewirtschaft in eine Kreislaufwirtschaft zu wandeln. Denn die Batterie ist die wichtigste Kerntechnologie der Energiewende.

Die Batterie muss grün werden, ansonsten würden neue Ressourcenverschwendungen entstehen.

Ideal wäre es, wenn jede Batterie an ein System wie das von Circunomics angeschlossen wäre, um ihr eine längere Laufzeit zu ermöglichen und am Ende richtig recycelt zu werden.

Unser System ist skalierbar, egal wie viele Batterien gemanagt werden. Das Problem ist, dass es in Europa noch nicht genügend Recyclingkapazitäten gibt.

Es seien Hunderte an Werken nötig. Auch wenn es noch nicht den idealen Prozess am Ende eines Batterielebens gebe, die Marktchancen seien riesig. 

Allein bis 2025 werde es 400 Millionen Tonnen wertvolle Batterierohstoffe geben. Die Batteriewirtschaft in einen Kreislauf zu bringen, zahlt auf das Zero Waste Ziel ein.

Wir sind weltweit aktiv und wollen den Entwicklungsvorsprung nutzen.

KfW Award Gründen

  • Seit 24 Jahren zeichnet die KfW Bankengruppe Unternehmen in den ersten fünf Jahren ihrer Geschäftstätigkeit mit dem KfW Award Gründen (ehemals GründerChampions) aus. Für den renommierten Preis können sich Unternehmen aller Branchen bewerben, die ihren Sitz in Deutschland haben. Die Preisträger werden von einer Jury aus erfahrenen Vertreterinnen und Vertretern aus der KfW, Politik und Wirtschaft ausgewählt. Die Preisverleihung fand am 28. Oktober statt. Das sind die 16 besten Start-ups Deutschlands.
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