Made in Germany Rucksack-Hersteller Red Rebane aus Schwerin insolvent

Red Rebane ist insolvent: Produktion eingestellt, Mitarbeiter gekündigt
Die Schweriner Taschenmanufaktur Red Rebane ist insolvent. Das Amtsgericht Schwerin hat das Insolvenzverfahren über die Red Rebane GmbH am 1. August 2026 eröffnet.
Als Insolvenzgrund nennt die amtliche Bekanntmachung Zahlungsunfähigkeit. Das Verfahren läuft unter dem Aktenzeichen 580 IN 380/26.
Zum Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Dr. Mathias Gellert bestellt. Gläubiger können ihre Forderungen noch bis zum 12. September 2026 beim Insolvenzverwalter anmelden.
Für Red Rebane bedeutet die Insolvenz das Ende der bisherigen Taschen- und Rucksackproduktion in Schwerin. Nach 14 Jahren stellt die Manufaktur diesen Geschäftsbereich ein. Als Gründe nennt das Unternehmen unter anderem gestiegene Material-, Energie- und Lohnkosten sowie Schwierigkeiten, geeignetes Fachpersonal zu finden.
Damit endet vorerst das Geschäftsmodell, mit dem Red Rebane über Mecklenburg-Vorpommern hinaus bekannt geworden war: die Herstellung hochwertiger Taschen und Rucksäcke in Deutschland.
Ist "Made in Germany" noch ein Verkaufsargument?
Für Red Rebane war "Made in Germany" ein zentraler Teil des Geschäftsmodells. Nach eigenen Angaben entstand jedes Produkt vom Zuschnitt bis zur letzten Naht in der Schweriner Manufaktur.
Rund 90 % der verwendeten Materialien kamen aus Deutschland. Das Unternehmen setzte damit bewusst auf Handarbeit, Qualität und Langlebigkeit.
Eine Befragung der Initiative Digitale Handelskommunikation aus dem Jahr 2025 zeigt: 83 % der Befragten vertrauen Marken aus Deutschland stark oder sehr stark. Wenn Preis und Verfügbarkeit keine Rolle spielten, würden 80 % Produkte aus Deutschland bevorzugen. Gleichzeitig verbinden viele Verbraucher europäische Produkte mit höheren Preisen.
Genau hier liegt das Problem für kleinere Hersteller: Die Herkunft kann ein Kaufargument sein, sie hebt die Bedeutung des Preises aber nicht auf. Besonders schwierig wird es, wenn Wettbewerber ähnliche Produkte deutlich günstiger anbieten.
Nach Angaben von Red-Rebane-Mitgründer Christian Karius war genau das ein zusätzliches Problem. Konkurrenten hätten Produktideen aufgegriffen und vergleichbare Lösungen zu niedrigeren Preisen auf den Markt gebracht. Wie groß der wirtschaftliche Schaden für Red Rebane dadurch konkret war, ist öffentlich nicht bekannt.
Eine gemeinsame Untersuchung von OECD und EUIPO kommt zu einem deutlichen Ergebnis: KMU, deren geistiges Eigentum verletzt wurde, hatten eine um 34 % geringere Überlebenschance als vergleichbare Unternehmen ohne solche Verletzungen. Fälschungen und andere Verletzungen von Schutzrechten können Umsätze und Gewinne drücken und Unternehmen die Mittel für weitere Innovationen nehmen.
Unsere Partner-EmpfehlungenViele KMU schützen Marke und Produktdesign nur unzureichend
Gerade für kleine Unternehmen können Marken, Designs und Patente ein wichtiger Schutz gegen Nachahmer sein. Trotzdem nutzt nur ein kleiner Teil der KMU diese Möglichkeiten.
Laut einer aktuellen Analyse des Europäischen Amts für geistiges Eigentum (EUIPO) besitzen lediglich 9,7 % der kleinen und mittleren Unternehmen in der EU mindestens ein eingetragenes Schutzrecht in Form eines Patents, einer Marke oder eines Designs. Bei großen Unternehmen liegt der Anteil dagegen bei rund 49 %.
Besonders groß ist die Lücke beim Designschutz: Nur 1,1 % der untersuchten KMU besitzen ein eingetragenes Design. Bei Marken sind es immerhin 9,2 %, bei Patenten ebenfalls nur rund 1,1 %. Die Untersuchung umfasst mehr als 119.000 Unternehmen aus allen 27 EU-Staaten.
Dabei kann gerade der Designschutz für Hersteller physischer Produkte relevant sein. Er schützt die äußere Erscheinungsform eines Produkts, etwa Linien, Konturen, Farben, Form oder Oberflächenstruktur. Eine Marke schützt dagegen beispielsweise Namen und Logos.
Für Gründer ist der Schutz des geistigen Eigentums deshalb mehr als eine juristische Formalität. Eine EUIPO-Analyse zeigt, dass Unternehmen mit eingetragenen Schutzrechten wirtschaftlich im Durchschnitt besser abschneiden als Unternehmen ohne solche Rechte: Sie erzielen pro Mitarbeiter einen höheren Umsatz.
Warum Schutzrechte allein kleine Unternehmen nicht retten
Eine eingetragene Marke oder ein geschütztes Design kann Nachahmer abschrecken. Vollständig verhindern kann es Kopien aber nicht. Entscheidend ist, dass ein Unternehmen seine Rechte im Ernstfall auch durchsetzt.
Für kleine Unternehmen kann das schnell zum Ressourcenproblem werden. Sie müssen mögliche Verletzungen zunächst erkennen und anschließend entscheiden, ob sie dagegen vorgehen.
Möglich sind etwa außergerichtliche Einigungen oder Ansprüche auf Unterlassung, Schadensersatz, Auskunft sowie Rückruf oder Vernichtung rechtsverletzender Produkte. Im Streitfall können dafür anwaltliche Hilfe und ein Gerichtsverfahren notwendig werden.
Das Deutsche Patent- und Markenamt sieht gerade KMU hier im Nachteil. Sie bauen ihr Geschäft häufig auf wenigen wichtigen Produkten oder Designs auf und verfügen gleichzeitig nur über begrenzte Ressourcen, um diese zu überwachen und gegen Rechtsverletzungen vorzugehen.
Ob ein stärkerer Schutz Red Rebane vor der Insolvenz bewahrt hätte, lässt sich daraus nicht ableiten. Der Fall verdeutlicht aber ein grundsätzliches Problem: Wer viel Geld und Zeit in die Entwicklung eines Produkts steckt, muss nicht nur dessen Herstellung finanzieren. Er muss im Zweifel auch die Ressourcen besitzen, seine Ideen gegen Nachahmer zu verteidigen.
So geht es für Red Rebane nach der Insolvenz weiter
Ganz vorbei ist die Geschichte für die Gründer von Red Rebane nicht. Die Produktion neuer Taschen und Rucksäcke ist zwar eingestellt.
Auch Reparaturen an bestehenden Red-Rebane-Produkten bietet das Unternehmen nicht mehr an. Kunden verweist die Firma für Reparaturen unter anderem an Schuster, Sattler oder Änderungsschneidereien.
Weitergeführt wird aber der Easy EXO. Die Ladeflächenerweiterung für Fahrräder soll weiterhin in Deutschland gefertigt, weiterentwickelt und vertrieben werden. Auch ausgewählte Restbestände von Red Rebane bleiben nach Unternehmensangaben lokal in Schwerin erhältlich.
Vor allem wollen sich die Gründer künftig stärker auf einen anderen Geschäftsbereich konzentrieren: die Anfertigung, Reparatur und Änderung von Bootsverdecken und Persenningen. In diesem Bereich war das Team bereits vor der Insolvenz tätig.
Eine Insolvenz oder das Ende eines Produkts bedeutet also nicht zwangsläufig, dass auch das vorhandene Know-how wertlos wird. Red Rebane verabschiedet sich von seinem bisherigen Kerngeschäft mit Taschen und Rucksäcken, nutzt Erfahrungen in Verarbeitung, Fertigung und Produktentwicklung aber in anderen Bereichen weiter.
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Quellen:
EUIPO: Firm-level analysis report, January 2025 [englisch]
Marktguru: IDH-Konsumentenreport Q3-2025: Klares Votum für “Made in Germany”
NDR: Insolvenz angemeldet: Red Rebane stellt Produktion ein
OECD: Risks of Illicit Trade in Counterfeits to Small and Medium‑Sized Firms [englisch]