Selbstständig mit Foodtruck: Dieser Gründer kommt aus der Sterneküche



Der Imbiss ist tot, lang lebe der Imbiss! Essen auf Rädern hat eine lange Tradition, aber erst seit ein paar Jahren sieht man sie auch auf deutschen Straßen: Foodtrucks, jeden Tag an einem anderen Ort, in einer anderen Stadt, auf einem anderen Event. Warum und wie man sich mit einem eigenen Foodtruck selbständig macht? Das erzählt uns Tristan de Cap, Gründer von Fritamin B.

GründerDaily: Hallo Tristan. Warum hast du dich mit deinem eigenen Foodtruck selbstständig gemacht?

Tristan von Fritamin B: Ich habe 17 Jahre in der Gastronomie, vorwiegend in der Sterne-Gastronomie, gearbeitet. Ich war auf der ganzen Welt unterwegs und bin dann wegen der Liebe in Deutschland – um genau zu sein in Bad Honnef – gelandet. Auch hier habe ich in großen Häusern gearbeitet, war es dann aber irgendwann leid, für Investoren zu arbeiten, die keine Ahnung von der Gastronomie haben, aber immer den höchsten Gewinn abschöpfen wollten. Der chronische Personalmangel, leider in Deutschland ein hausgemachtes Problem, spielte bei meiner Entscheidung auch eine große Rolle.

Ich bin Gastronom durch und durch, habe von der Pike auf gelernt: Koch-, Hotelfach- und Sommelier-Ausbildung. Dadurch weißt du, was der Gast möchte, und wenn du diese Erwartungen einfach gar nicht mehr erfüllen kannst, weil du kein geeignetes Personal findest, sondern dich ständig entschuldigen musst, dann bist du irgendwann genervt. Ich bin eine belgische Frohnatur, aber als meine Frau mit unserem Baby auf dem Arm irgendwann sagte, „Du hast dich verändert, du bist nur noch genervt,“ dann fängst du an zu überlegen.

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Von der Sterneküche in den Foodtruck: Mit Fritamin B hat sich Tristan de Cap seinen Traum verwirklicht. (Foto: Fritamin B)

Und so habe ich meinen Job hingeworfen und mich mit meiner Idee, einen eigenen kleinen Imbiss zu eröffnen, selbstständig gemacht. Am Ende ist es ein Foodtruck geworden, aber jetzt bin ich mein eigener Chef und im Grunde war es ein „back to the roots“.

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GründerDaily: „Back to the Roots“?

Tristan von Fritamin B: Ja, zum einen hatten meine Eltern in Belgien einen Imbiss und ich habe, seit ich laufen kann, dort mitgeholfen und so schon sehr früh gelernt, wie man die perfekten Pommes macht; und zum anderen gibt es kein ehrlicheres Essen als frittierte Kartoffeln.

GründerDaily: Du hast viel Erfahrung und auch eine fundierte Ausbildung in der Gastronomie. Braucht man diese, um einen eigenen Imbiss zu eröffnen?

Tristan von Fritamin B: Nein, in Deutschland kann jeder einen Imbiss, ein Restaurant, Café oder eine Bar eröffnen. Man muss nur ein geeignetes Objekt suchen und sich um die nötigen Anmeldungen kümmern und dann kann es im Grunde genommen losgehen. Ich würde aber jedem dazu raten, zumindest eine Zeit lang mal in der Gastronomie gearbeitet zu haben, damit man ein Gefühl dafür bekommt, was es bedeutet. Und es ist eben nicht nur die Arbeit am Gast.

Du bist, wenn du dich mit einem Imbiss oder Foodtruck selbständig machst, auch Koch, Reinigungskraft, Buchhalter, Einkäufer, Organisator und Fahrer.

Es gehört einfach sehr viel mehr dazu, als nur die Tür aufzumachen und Pommes zu verkaufen.

GründerDaily: Wie lange hat es gedauert, bis du loslegen konntest?

Tristan von Fritamin B: Nachdem ich gekündigt hatte, habe ich noch gut ein Jahr gebraucht, bis alles stand und ich meine erste Portion Fritten über den Tresen reichen konnte. Da war zu erst einmal die Idee. Sie war schon lange da, aber eben noch nicht ausgereift, also habe ich mich daran gemacht und einen Businessplan geschrieben.

Zudem war ich tagelang unterwegs, um nach geeigneten Standplätzen für meinen Wagen zu suchen. Es gibt zwar öffentliche Plätze, aber du hast keine Garantie, dass du auch einen Platz bekommst, denn die Stadt zählt nicht, wie viele Trucks oder Anhänger dort hinpassen, sondern kassiert nur die Gebühr und überlässt es den Betreibern sich zu einigen, da ist Stress vorprogrammiert. Diesem unnötigen Stress wollte ich entgehen. Darum habe ich mich nach anderen Möglichkeiten umgesehen – und diese auch durch privaten Raum und Festivals gefunden.

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Ein Jahr nach der Kündigung seines Jobs reichte Tristan de Cap die erste Portion Fritten über die Theke seines Foodtrucks. (Foto: Fritamin B)

Ich habe daneben beim Businessplan wirklich versucht, an alles zu denken, von der Warenqualität über die aktuelle Marktanalyse, Marketingmaßnahmen, Umsatzentwicklung bis hin zu den nötigen Versicherungen. Aber selbst wenn du glaubst, alles bedacht zu haben, kannst du dir sicher sein, du hast mindestens eine Kleinigkeit übersehen. Du kannst einfach nicht alles bedenken, es gibt immer Unvorhersehbares.

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GründerDaily: Gab es viele bürokratische Hürden, die du überwinden musstest?

Tristan von Fritamin B: In Deutschland gibt es viele Regeln und Ämter, und bis du alle notwenigen Unterlagen zusammen hast, dauert es einige Zeit. Ich habe mich beim hiesigen Arbeitsamt beraten lassen und war wirklich sehr angenehm überrascht, wie freundlich und hilfsbereit die Mitarbeiter dort waren. Aber das ist sicher nicht über all so.

Ich bekam eine Liste mit allen notwendigen Punkten und konnte diese abarbeiten: Gewerbeanmeldung, Reisegewerbeschein, Infektionsschutz Belehrung. Dann musste mein Fahrzeug von der Lebensmittelüberwachung abgenommen werden, und natürlich wurden die notwendigen Versicherungen zum Thema gemacht.

GründerDaily: Was für Versicherungen sind denn notwendig?

Tristan von Fritamin B: Zuerst einmal musst du dich als Selbstständiger krankenversichern, dann brauchst du eine Betriebshaftpflicht und dann musst du dein Fahrzeug versichern. Schließlich habe ich eine rollende Küche und will damit Geld verdienen, also darf nichts passieren. Es war gar nicht so einfach. Ich habe lange nach einer Versicherung gesucht, die meinen Wagen und damit meinen Lebensunterhalt versichert und sichert. Nur mit dieser Versicherung gibt dir eine Bank dann das nötige Geld für diese rollende Küche, die natürlich, wenn du ordentliches Equipment, eine vom Gesundheitsamt abgenommene Einrichtung mit Edelstahloberflächen und einen soliden fahrbaren Untersatz haben willst, nicht ganz günstig ist.

GründerDaily: Wie hast du dir deinen Traum finanziert?

Tristan von Fritamin B: Ich hatte einiges zur Seite gelegt, aber ich konnte nicht alles alleine finanzieren. Meine Frau hatte gerade unser erstes Kind zur Welt gebracht und da kann man nicht alles Ersparte in seine Selbständigkeit investieren. Man braucht eine solide Finanzierung und genügend Puffer, um nicht gleich beim ersten Hindernis aufgeben zu müssen. Mit Hilfe der KfW-Bank habe ich aber eine gute Finanzierung hinbekommen.

GründerDaily: Du bist jetzt im dritten Jahr deiner Selbstständigkeit. Gab es bis jetzt viele Hindernisse?

Tristan von Fritamin B: Nach den Behördengängen und der Finanzierung wurde es einfacher. Jetzt sind es weniger Hindernisse, sondern eher Ärgernisse. Zum Beispiel, wenn man auf jedem Event vom Gesundheitsamt kontrolliert wird, gerade dann, wenn die Fritteuse auf Hochtouren läuft. Das ist schon blöd und kostet Geld. Ich habe nichts gegen Kontrollen, denn es gibt sicher einige schwarze Schafe, aber oft kommen sie zeitlich sehr ungelegen.

Die meisten Probleme, die ich jetzt noch habe, passieren aber aus mangelnder Erfahrung oder aus Selbstverschulden. Man lernt halt nie aus.

Ärgerlich ist zum Beispiel, wenn man sich das falsche Event aussucht. Dann stehst du dir die Beine in den Bauch und niemand kommt. Aber zum Glück habe ich mittlerweile ein gutes Händchen und die meisten Veranstaltungen sind lukrativ. Denn wenn du auf einem dreitägigen Event Stammkundschaft generierst, weißt du, du hast was richtig gemacht.

GründerDaily: Neben der Zeit im Foodtruck musst du vorbereiten, sauber machen, einkaufen, Buchhaltung erledigen, deinen Terminkalender mit Events füllen. An den Wochenenden bist du unterwegs mit dem Truck. Wo bleibt da die Familie?

Tristan von Fritamin B: Meine Frau kommt aus einer Gastronomie-Familie; sie weiß daher, was es bedeutet, in diesem Bereich zu arbeiten und welche Konsequenzen es hat. Darüber bin ich sehr froh, denn jemand anderes hätte sicher schon das Handtuch geworfen.

Ein geregeltes Leben ist nur bedingt möglich, wenn man Erfolg haben will.

Man ist immer und überall bei der Arbeit. Auch wenn man mal einen Tag frei hat, ist man im Kopf immer bei der Arbeit, denn irgendetwas bleibt liegen, was eigentlich gemacht werden müsste. Und leider bleiben auch, gerade am Anfang, die Freunde auf der Strecke. Das soziale Leben reduziert sich auf ein Minimum. Das tut mir unendlich leid, aber so ist es nun einmal. Da kann man nur hoffen, dass die Freunde Verständnis und Geduld mit einem haben. Ich gelobe auf jeden Fall Besserung.

GründerDaily: Bereust du es manchmal, dich selbstständig gemacht zu haben?

Tristan von Fritamin B: Immer mal wieder, aber das hält oft nicht lange an. Solche Gedanken kommen dir vor allem dann, wenn es nicht richtig läuft und du dich fragst, ob du etwas falsch gemacht hast. Aber man kann halt nicht immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Ich habe unter der Woche inzwischen einen festen Standort mit meinem Truck und damit fast so etwas wie einen geregelten Tagesablauf. Und, was mir sehr wichtig ist, ich kann meinen Sohn abends zu Bett bringen, dass ist toll. Die Veranstaltungen an den Wochenenden sind weiterhin ein Abenteuer, bringen aber jede Menge Spaß und oft sehr gutes Geld. Gerade überlege ich sogar, ob ich in einen zweiten Foodtruck investiere.

GründerDaily: Tristan, vielen Dank für diese Einblicke. Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg!

Keyfacts über Fritamin B

  • Gegründet im Jahr: 2017
  • Firmensitz in: Bad Honnef
  • Die erste Finanzierung erfolgte durch/über: KfW und Eigenmittel
  • Besonders geholfen haben mir/uns bisher: Eigene Erfahrungswerte und Research im Netz
  • Besonders wichtig im Arbeitsalltag sind für mich/ uns folgende:
    • Menschen: Meine Frau und Familie
  • Kontakt

  • Tristan de Cap
  • Fritamin B
    Wittichenauer Str. 7
    53604 Bad Honnef
  • mail@fritamin.de
  • www.fritamin.de