Digitalstrategie für KI-Start-ups



Die EU-Kommission hat ihre Digitalstrategie für Künstliche Intelligenz vorgestellt. Durch neue Maßnahmen soll die digitale Wirtschaft gefördert werden. Um welche Schritte geht es genau und was haben Start-ups davon?

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Mensch und Maschine wachsen zusammen: Die Digitalstrategie der EU-Kommission fördert Künstliche Intelligenzen mit mehreren Hundertmillionen Euro. (Foto: Unsplash)

Weltführer bei gleichzeitig hohem Datenschutz

Drunter geht es nicht: Die EU soll der wirtschaftlich und ethisch weltweit führende Standort für Künstliche Intelligenz und Datenwirtschaft werden. Und das mit wesentlich strengerem Datenschutz als andere Global Player wie die USA oder Indien. Ein ambitioniertes Ziel, das die EU-Kommision mit folgenden Maßnahmen erreichen will:

  • Massive Investitionen in KI-Projekte
  • Speicherung von Daten europäischer Unternehmen innerhalb der EU anstatt im Ausland
  • Förderung eines Austausches anonymisierter Daten der Unternehmen untereinander
  • Vorprüfung auf nationaler Ebene, ob es sich um eine riskante oder unbedenklicke Künstliche Intelligenz handelt
  • Einrichtung von mindestens einem Digitalen Innovationszentrum und verschiedenster Netzwerke

Die neue Digitalstrategie der EU stützt sich auf zwei zentrale Säulen: Fördermittel und technische Regulation.

Im Weißbuch der EU-Kommission zur Künstlichen Intelligenz steht dazu:

KMU und Start-ups müssen Zugang zu Finanzmitteln haben, um ihre Verfahren anpassen oder mit KI innovativ arbeiten zu können.

Aufbauend auf dem geplanten, mit 100 Mio. EUR ausgestatteten Pilotinvestitionsfonds für KI und Blockchain will die Kommission den Zugang zu Finanzmitteln für KI im Rahmen des Programms „InvestEU“ noch weiter ausbauen.

Das Pilotprogramm als Beteiligungskapital für innovative KI-Entwicklungen soll noch in diesem Quartal starten. Geplant sind weitere Aufstockungen für 2021. KI-Unternehmen kommen für diese Finanzierung ausdrücklich infrage.

In Hinblick auf den Umgang mit Daten heißt es im Weißbuch:

Ohne Daten ist die Entwicklung von KI- und anderen digitalen Anwendungen nicht möglich. Da die enormen Mengen neuer Daten erst noch erzeugt werden müssen, hat Europa die Chance, sich an die Spitze der Daten- und KI-Revolution zu setzen.

Flächendeckende Förderung von Industrie und Bildungswesen

Um dies umzusetzen, sollen die geplanten Forschungszentren, Test- und Versuchsanlagen sowie Netzwerke sich auf die folgenden Bereiche konzentrieren:

  • Industrie
  • Gesundheitswesen
  • Verkehr
  • Finanzwesen
  • Agrar- und Lebensmittelwertschöpfungsketten
  • Energie/Umwelt
  • Forstwirtschaft
  • Erdbeobachtung und Raumfahrt

Zugleich soll auf allen Bildungsebenen stärker für das Thema Künstliche Intelligenz sensibilisiert und die Zusammenarbeit mit Behörden erleichtert werden.

Was bedeutet die neue Digitalstrategie für Start-ups?

Vor allem für Start-ups im Tech- und KI-Sektor bringt die neue Digitalstrategie drei entscheidende Vorteile:

Neue Chancen für Finanzierungen und Kooperationen

Mehrere Hundertmillionen Euro sollen an Tech-Unternehmen fließen, KI-Start-ups stehen dabei besonders im Fokus. Abseits von reinen Geldbeträgen geht es um Projektpartnerschaften.

Sowohl finanziell als auch für Kooperationen mit anderen Unternehmen ergeben sich für Start-ups dadurch völlig neue Potenziale. Über die entsprechende Website der EU-Kommission erfahrt ihr im Detail alles rund um Fördermöglichkeiten, Beantragungsformulare, Auswahlverfahren etc.

Gute Zukunft für KI-Ausbilder, aufgeschlossenere Kunden

Von der Schule bis zum Ausbildungsplatz und Uni-Hörsaal werden die Bürger Europas über den verantwortungsvollen Umgang und Einsatz von KI informiert. Kompetenzen sollen so an Schüler, Studenten und Berufstätige gleichermaßen vermittelt werden. Für Start-ups im entsprechenden Bereich bedeutet dies zum einen, selbst als attraktive Anlaufstellen für Weiterbildungen infrage zu kommen.

Zum anderen wird die Bevölkerung – sofern die Bildungsmaßnahmen greifen – mit dem Thema aufgeschlossener, besser informiert und mit weniger Berührungsängsten umgehen. KI-Start-ups werden es dadurch leichter haben als bisher, ihre technischen Dienstleistungen und die damit verbundenen Vorteile zu kommunizieren und Kunden zu gewinnen.

Höhere Marktchancen bei kleinen mittelständischen Unternehmen

Die neue Digitalstrategie setzt explizit den Schwerpunkt auf kleine mittelständische Unternehmen (KMU). Dabei geht es nicht nur darum, KI-Start-ups zu fördern, sondern den KMU Zugang zu Künstlichen Intelligenz und deren Nutzung zu gewähren.

Gefördert werden also Partnerschaften zwischen KMU – die immerhin 47 Prozent der Bruttowertschöpfung in Deutschland ausmachen – und technisch versierten Start-ups. Wenn ihr euch in diese Richtung aufstellt, habt ihr also den vollen Rückenwind aus Brüssel.

Herausforderungen der Digitalstrategie

Start-ups und Unternehmen dürfen den Anschluss an die Finanzierungs- und Förderpläne der EU nicht verpassen. Wer sich als Gründer und Unternehmer nicht mit Künstlicher Intelligenz beschäftigt und deren Voranschreiten in allen Bereichen der Gesellschaft ignoriert, kann wirtschaftlich unter die Räder kommen. Dann nämlich, wenn die technisch fittere Konkurrenz an euch vorbeizieht.

Eine weitere Aufgabe liegt in der Einhaltung des Datenschutzes: Die DSGVO war gerade erst der Anfang – die sichere Speicherung von Unternehmensdaten innerhalb der EU sowie die Anonymisierung für einen Austausch wird Start-ups vor neue technische Herausforderungen stellen. Welche das im Einzelnen sind, solltet ihr durch ständige Beobachtung der politischen Entwicklungen in Erfahrung bringen.

Wie komplex die Lage jetzt schon ist, zeigt das Beispiel ADAC: Der Verein forderte kürzlich einen strengeren Datenschutz in Autos, welche Daten ihrer Fahrer aufzeichnen und speichern. Auch kommt der ewige Streitpunkt Vorratsdatenspeicherung nicht zur Ruhe. Juristische Auseinandersetzungen um dieses Thema veranschaulichen, wie undurchsichtig die Gemengelage tatsächlich ist. In jedem Fall aber werdet ihr über die nächsten Jahre an diesem Thema dranbleiben müssen.

Fazit: Was könnt ihr tun?

Informiert euch regelmäßig über die Website der EU-Kommission über Fördermöglichkeiten und Antragsverfahren für euer Start-up. Das gilt insbesondere dann, wenn ihr ein Unternehmen mit dem Schwerpunkt KI führt.

Haltet euch weiterhin bezüglich des InvestEU-Programms auf dem Laufenden und setzt neue Datenschutzverordnungen so zügig wie möglich um. Das ist zwar anstrengend, aber so stehen die Chancen gut, dass euer Start-up ein erfolgreicher Teil der auf Langfristigkeit ausgelegten EU-Digitalstrategie sein wird.

Bislang gibt es jedoch noch keine konkreten Gesetzesvorschläge. Umso sinnvoller ist es, die Entwicklungen in dieser spannenden Richtung im Blick zu behalten.

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