Liquidität Autohaus König aus Berlin insolvent: Wie es zur Krise kam

Insolvenz: 1.200 Mitarbeiter an 82 Standorten betroffen
Einer der größten Autohändler Deutschlands steckt in der Krise. Die Autohaus Gotthard König GmbH stellte am 26. August 2026 einen Insolvenzantrag.
Das Amtsgericht Charlottenburg bestellte Anfang September Rechtsanwalt Rainer Eckert zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Betroffen sind rund 1.200 Mitarbeiter an 82 Standorten.
Für Kunden ändert sich zunächst wenig: Verkauf, Werkstätten und Service laufen weiter.
Auch laufende Fahrzeugbestellungen und Reparaturen sollen bearbeitet werden. Ziel des Verfahrens ist laut Insolvenzverwaltung, das Unternehmen zu restrukturieren und möglichst viele Standorte und Arbeitsplätze zu erhalten.
Der unmittelbare Grund für den Insolvenzantrag ist Zahlungsunfähigkeit. Die Insolvenzverwaltung verweist zugleich auf den Strukturwandel im Autohandel, wachsenden Wettbewerb und ein stagnierendes Neuwagengeschäft.
Doch damit ist noch nicht erklärt, wie König in diese Lage geraten konnte. Denn noch kurz zuvor vermittelte die Unternehmensgruppe ein ganz anderes Bild.
Gewinn schmolz, bevor die Krise sichtbar wurde
Nach außen ist Autohaus König zu diesem Zeitpunkt weiterhin eine der großen Adressen im deutschen Autohandel. Doch ein Blick auf die Geschäftszahlen zeigt: Der finanzielle Ertrag geht schon Jahre vor der Insolvenz deutlich zurück.
Im Geschäftsjahr 2021/22 erwirtschaftete die König-Gruppe noch einen Jahresüberschuss von knapp 16 Millionen Euro. Ein Jahr später waren es rund 8,3 Millionen Euro.
Für das Geschäftsjahr bis Ende August 2024 weist der veröffentlichte Konzernabschluss nur noch rund 1,2 Millionen Euro Gewinn aus. Damit war der Jahresüberschuss binnen zwei Jahren um mehr als 90 % eingebrochen.
Eine akute Krise lässt sich daraus allein noch nicht ableiten. König schrieb weiterhin schwarze Zahlen.
Doch der schrumpfende Gewinn bedeutete auch: Der Puffer für Rückschläge wurde kleiner – ausgerechnet in einer Phase, in der das Unternehmen weiter wachsen sollte. Und genau dieses Wachstum nahm kurz darauf noch einmal Fahrt auf.
Unsere Partner-EmpfehlungenTrotz Gewinneinbruch: König meldet 2025 ein Rekordquartal
Von dem Gewinneinbruch ist im Frühjahr 2025 wenig zu spüren. Anfang April verkündet Autohaus König nach eigenen Angaben das beste erste Quartal seit der Firmengründung 1966.
Von Januar bis März verkauft die Gruppe 11.612 Fahrzeuge – 11 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Auch der Werkstattumsatz erreicht im März mit 6,8 Millionen Euro einen unternehmenseigenen Monatsrekord.
Gleichzeitig setzt König seinen Wachstumskurs fort. Bereits im März übernimmt die Gruppe den Betrieb der insolventen Autohaus Staffel Suhl GmbH und führt ihn mit den Marken Opel und Fiat weiter.
Ein weiterer Standort kommt damit zum Netz der Handelsgruppe hinzu. Das Branchenmagazin AUTOHAUS bestätigt die Übernahme des Betriebs zum 1. März 2025.
Auch danach steht das Unternehmen weiter auf Expansion. Im September nimmt König die chinesische Elektroautomarke BYD an sechs Standorten ins Sortiment.
Nach außen spricht zu diesem Zeitpunkt wenig für einen bevorstehenden finanziellen Absturz: König meldet Rekordverkäufe, erweitert sein Standortnetz und nimmt weitere Marken ins Portfolio auf.
Doch der Wachstumskurs ist damit noch nicht beendet. Anfang 2026 expandiert König erneut und übernimmt diesmal sogar zwei Standorte eines insolventen Wettbewerbers.
Noch acht Monate vor der Insolvenz kauft König weiter zu
Zum Jahreswechsel 2026 bremst Autohaus König seinen Wachstumskurs nicht, im Gegenteil. Zum 2. Januar übernimmt die Gruppe das insolvente Autozentrum Treskow mit Standorten in Neuruppin und Zehdenick. Mehr als 30 Mitarbeiter wechseln zu König, für beide Betriebe plant das Unternehmen im laufenden Jahr den Verkauf von rund 500 Neu- und Gebrauchtwagen.
Fast gleichzeitig wächst König auch in Hamburg. Zum 1. Januar übernimmt das Unternehmen einen bisherigen KTM-Betrieb in Lokstedt und eröffnet dort seinen dritten Rollerhaus-Standort in der Hansestadt. Innerhalb weniger Tage wächst das Standortnetz damit gleich an drei Orten weiter.
Die Übernahmen zeigen, wie offensiv König zu diesem Zeitpunkt noch auf Expansion setzt. Neue Standorte bringen allerdings nicht nur zusätzliche Verkaufschancen, sondern auch Personal, Warenbestände und laufende Kosten mit sich und erhöhen die Anforderungen an die Unternehmenssteuerung.
Dass die Zukäufe die spätere Insolvenz verursacht haben, ist nicht belegt. Auffällig ist jedoch der zeitliche Abstand: Weniger als acht Monate nach den Übernahmen stellt Autohaus König den Insolvenzantrag.
Im Sommer häufen sich die Warnzeichen – Kunden warten auf Autos und Papiere
Im Sommer 2026 bekommt das bis dahin vor allem intern bestehende Finanzproblem sichtbare Folgen. Auf Bewertungsplattformen berichten Kunden zunehmend von verzögerten Fahrzeugauslieferungen, fehlenden Fahrzeugbriefen und ausstehenden Rückzahlungen. Teilweise waren Fahrzeuge nach Angaben der Käufer bereits vollständig bezahlt, konnten aber über Wochen nicht zugelassen oder übergeben werden.
Was dahintersteckte, wird erst nach dem Insolvenzantrag deutlicher. Recherchen von Business Insider zufolge soll König bei einem Teil der finanzierten Fahrzeuge Kaufpreise nicht vollständig an die beteiligten Banken weitergeleitet haben.
Die Banken hielten demnach Fahrzeugbriefe zurück. Business Insider berichtet, das Unternehmen habe dadurch Liquiditätslücken überbrückt. Die Vorwürfe sind bislang nicht abschließend geklärt.
Gleichzeitig liefen hinter den Kulissen bereits Gespräche über eine Rettung des Unternehmens. Der spätere Insolvenzverwalter Rainer Eckert erklärte, Geschäftsführung, Gesellschafter, Kreditgeber und Herstellerpartner hätten intensiv nach einer Lösung außerhalb der Insolvenz gesucht. Sie kam nicht zustande. Am 26. August stellte König schließlich den Insolvenzantrag.
212 Millionen Euro fällig: Am Ende fehlt König das Geld
Wie dramatisch die Lage am Ende war, zeigen Zahlen vom Zeitpunkt des Insolvenzantrags. Nach Medienberichten standen bei Autohaus König mehr als 212 Millionen Euro fällige Verbindlichkeiten lediglich rund 1,3 Millionen Euro liquide Mittel gegenüber.
Schon der letzte veröffentlichte Konzernabschluss zeigt, wie kapitalintensiv das Geschäft war. Ende August 2024 lagen Waren im Wert von rund 382 Millionen Euro in den Büchern, zugleich bestanden rund 451 Millionen Euro Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten. Der Jahresgewinn war auf 1,23 Millionen Euro geschrumpft.
Diese Zahlen sind für sich genommen kein Beleg für eine bevorstehende Insolvenz. Sie zeigen aber, wie stark König auf laufende Finanzierung und ausreichend Liquidität angewiesen war. Dazu kamen laut Insolvenzverwaltung der Wandel zur Elektromobilität, stärkerer Wettbewerb und ein stagnierendes Neuwagengeschäft.
Der Fall zeigt damit ein grundsätzliches Risiko schnellen Wachstums: Steigende Umsätze können verdecken, dass Gewinn, Cashflow und finanzieller Spielraum nicht im gleichen Tempo wachsen.
Entscheidend ist deshalb nicht allein, wie viel ein Unternehmen verkauft. Es muss sein Wachstum auch finanzieren können.
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Quellen:
AUTOHAUS: Autohaus Gotthard König: Übernahme des insolventen Autozentrums Treskow
Autohaus König: Autohaus Gotthard König startet mit Rekordquartal ins Jahr 2025 – Bestes erstes Quartal seit Firmengründung
Business Insider: Fahrzeugbriefe, Steuern, Immobiliengeschäfte – neue Details zur Pleite des „Autohaus König“ [Paywall]
Handelsblatt: Größter deutscher Renault-Händler meldet Insolvenz an [Paywall]
Tagesschau: Nach Insolvenzantrag stehen König-Mitarbeiter vor ungewisser Zukunft
Unternehmen24: Autohaus Gotthard König GmbH