Solidaritätszuschlag in der Lohnabrechnung: Berechnung 2020 und Änderungen 2021

Wir erklären, wie sich die Höhe des Solidaritätszuschlags unter Berücksichtigungen der Milderungszonen und Freigrenzen im Jahr 2020 berechnet und welche Änderungen ab 2021 greifen. Anhand von Berechnungsbeispielen sehen Sie, wer wie viel Soli zahlt, was sich für Ihr Unternehmen und für die Lohnabrechnungen Ihrer Mitarbeiter ändert.

1. Der Soli: Was bisher geschah

Der Solidaritätszuschlag wurde 1991 zur Deckung der Kosten für den Aufbau der neuen Bundesländer eingeführt. Bis auf Geringverdiener muss jeder Berufstätige in Deutschland den Solidaritätszuschuss abführen. Ab 2021 soll der Soli nun stark reduziert werden. Das bedeutet, dass viele Arbeitnehmer und auch Selbstständige ab dem 1.  Januar 2021 von der Rückführung des Solidaritätszuschlags und einem höheren Netto-Gehalt profitieren.

Zu berechnen, wer wie viel Soli auf sein Gehalt zahlen muss, ist nicht ganz trivial. Wir erläutern die die Rückführung des Solis und geben einen Ausblick auf 2021.

Die Systematik zur Berechnung

Jeder Berufstätige muss die vollen 5,5 % Solidaritätszuschlag zahlen, sofern die Einkommen- bzw. Lohnsteuer eine gewisse Grenze (Soli-Grenze) überschreitet. Die Steuer errechnet sich durch das zu versteuernde Einkommen – also dem Entgelt abzüglich Freibeträge oder Ähnliches. Für Geringverdiener, deren Einkommensteuer die Soli-Grenze nicht überschreitet, fällt kein Soli an. Sofern die Soli-Grenze nur knapp überschritten wird, greift eine Gleitzone (Milderungszone), in der nur ein Teil des Solidaritätszuschlages erhoben wird. Diese Freigrenzen (und auch die Milderungszone) werden zum 1. Januar 2021 allerdings stark angehoben, sodass lediglich Besserverdiener noch zur Abgabe des Solis verpflichtet sind.

Im Jahr 2020 ändert sich zunächst noch nichts. Wer wie viel Solidaritätszuschlag in diesem Jahr zahlen muss, zeigen wir weiter unten in verschiedenen Beispielrechnungen auf.

2. Wer muss den Solidaritätszuschlag zahlen?

Soli für Selbstständige

Selbstständige müssen wie der Rest der arbeitenden Bevölkerung Soli bezahlen – sobald das zu versteuernde Einkommen (also nach Abzug aller Freibeträge oder Ähnlichem) die Grenze des Soli-Freibetrags überschreitet. Da Selbstständige ihre Steuer in der Regel vorauszahlen, ist zu prüfen, inwieweit der Soli Sie 2021 noch betrifft bzw. ob Sie die neuen Freigrenzen überschreiten werden. Hier kann sich der Gang zum Steuerberater lohnen, der für Sie prüft, ob Sie den Solidaritätszuschlag weiterhin regulär zahlen müssen oder nicht. Berechnungen des Finanzministeriums zufolge sind 88 % der Gewerbetreibenden, für die Einkommensteuer anfällt, ab 2021 vom Solidaritätszuschlag befreit.

Soli für Kapitalgesellschaften

Kapitalgesellschaften müssen Körperschaftsteuer auf den Gewinn abführen. Sie sind damit von der Soli-Reform ausgeschlossen. Das bedeutet, dass Kapitalgesellschaften den Solidaritätszuschlag auch zukünftig in voller Höhe abführen müssen. Grund dafür ist die Tatsache, dass der Körperschaftsteuersatz lediglich 15 % beträgt und somit generell ein niedrigerer Soli anfällt als bei Personengesellschaften, Einzelunternehmen und Einzelkaufleuten, die der Einkommensteuer unterliegen.

Angestellte Geschäftsführer profitieren unter Umständen jedoch von der Soli-Reform, da das Geschäftsführergehalt der Einkommensteuer unterliegt. Sofern sich das Gehalt innerhalb der Freigrenzen und Milderungszone bewegt, fällt weniger oder gar kein Soli an. Da Geschäftsführergehalt mindert zudem den Gewinn des Unternehmens, also die Bemessungsgrundlage für den Solidaritätszuschlag, den die Kapitalgesellschaft zahlen muss.

Solidaritätszuschlag in der Lohnbuchhaltung für Mitarbeiter

Haben Sie Angestellte, müssen Sie Lohn- und Gehaltsabrechnungen erstellen. Hier ist 2021 eine Neuberechnung des abzuführenden Solis unter Berücksichtigung der neuen Regelungen erforderlich. 

TIPP

Schluss mit komplizierten Berechnungen. Lagern Sie die Lohnbuchhaltung für Ihre Mitarbeiter einfach aus.

Jetzt Angebote vergleichen

3. Soli 2020: Systematik und Erläuterungen

Geringverdiener sind über den Grundfreibetrag von der Einkommensteuer befreit (2020: 9.408 bzw. 18.816 Euro). Erst für das zu versteuernde Einkommen (zvE), das diesen Beitrag übersteigt, fällt Einkommensteuer (ESt) an. Auf diese wird dann schlussendlich der Solidaritätszuschlag erhoben.

2020Wie hoch ist der Soli?
Höhe Einkommensteuer bei Einzelveranlagung
< 972 €Soli wird nicht erhoben
972,01 bis 1.340,69 €Einkommensteuer liegt in der Milderungszone; Soli wird nur anteilig berechnet
> 1.340,69 €Die vollen 5,5 % Soli fallen an
Höhe Einkommensteuer bei Zusammenveranlagung
< 1.944 €Soli wird nicht erhoben
1.94,01 bis 2.681,38 €Einkommensteuer liegt in der Milderungszone; Soli wird nur anteilig berechnet
> 2.681,38 €Die vollen 5,5 % Soli fallen an

Beispielrechnungen

In den folgenden Beispielen wollen wir das Soli-System mit dem zu versteuernden Einkommen erläutern; allen Beispielen legen wir der Einfachheit halber eine kinderlose Person mit Einzelveranlagung zugrunde.

SzenarioErläuterung
ESt unter Soli-Freigrenze 2020

Bei einem zu versteuernden Einkommen von 12.000 € fallen 427 € Einkommensteuer an.

⇒ 427 € liegen unter der Soli-Freigrenze von 927 €, es muss also kein Solidaritätszuschlag gezahlt werden.

ESt in Milderungszone 2020

Bei einem zu versteuernden Einkommen von 15.000 € fallen 1.084 € Einkommensteuer an.

⇒ 1.084 € liegen knapp über der Soli-Freigrenze, aber noch in der Milderungszone bis 1.340,60 €. Hier fällt ein Grenzsteuersatz von 20 % des Unterschiedbetrags zwischen ESt und der Freigrenze an. Es wird also der unter der ESt liegende Freibetrag (927 €) von der anfallenden ESt (1.084 €) abgezogen (= 157 €) und davon 20 % berechnet. Das ergibt einen Soli von 31,40 € anstatt von 59,62 €.

ESt über Soli-Freigrenze 2020

Bei einem zu versteuernden Einkommen von 30.000 € fallen 5.187 € Einkommensteuer an.

⇒ 5.187 € liegen weit über der Soli-Freigrenze. Hier fällt der volle Solidaritätszuschlag von 5,5 % (285,29 €) an.

4. Soli 2021: Die Rückführung im Detail

Mit der Rückführung bzw. teilweisen Abschaffung des Solis ändern sich 2021 zwei zentrale Dinge:

  1. Anhebung der Freigrenze, bis zu der kein Solidaritätszuschlag zu entrichten ist: Während man bis Ende 2020 bereits ab einer Einkommensteuer von 972 bzw. 1.944 Euro (Einzel- bzw. Zusammenveranlagung) zur Kasse gebeten wird, wird die Freigrenze ab dem 1. Januar 2021 stark angehoben.
  2. Die Milderungszone, in der ein geringerer Soli anfällt, wird 2021 ebenfalls angehoben. Wenn das eigene Einkommen die Freigrenze für den Solidaritätszuschlag nur geringfügig übersteigt, fällt nur ein Teilbeitrag der eigentlichen 5,5 % Soli an. Dieser steigt mit dem Einkommen.

Das bedeutet, dass eine alleinstehende Person 2021 erst ab einem Bruttoeinkommen von ca. 74.000 Euro Soli zahlen muss – und das auch nur zum Teil, denn hier beginnt die Milderungszone. Erst ab einem Bruttoeinkommen von ca. 110.000 Euro zahlt man die vollen 5,5 % Soli. Die Einkommenshöhe lässt sich jedoch nicht pauschal nennen, da hier auch die verschiedenen möglichen Freibeträge berücksichtigt werden müssen.

2021Wie hoch ist der Soli?
Höhe Einkommensteuer bei Einzelveranlagung
< 16.956 €Soli wird nicht erhoben
16.956,01 bis 31.527,56 €Einkommensteuer liegt in der Milderungszone; Soli wird nur anteilig berechnet
> 31.527,56 €Die vollen 5,5 % Soli fallen an
Höhe Einkommensteuer bei Zusammenveranlagung
< 33.912 €Soli wird nicht erhoben
33.912,01 bis 63.055,13 €Einkommensteuer liegt in der Milderungszone; Soli wird nur anteilig berechnet
> 63.055,13 €Die vollen 5,5 % Soli fallen an

Beispielrechnungen für den Soli 2021

Allen folgenden Beispielen für 2021 legen wir wie in den Beispielen für 2020 zur Vereinfachung eine kinderlose Person mit Einzelveranlagung zugrunde.

SzenarioBeispielrechnung
ESt unter Soli-Freigrenze 2021

Bei einem zu versteuernden Einkommen von 30.000 € fällt eine Einkommensteuer von 6.278 € an.

⇒ 6.278 € liegen unter der Soli-Freigrenze von 16.956 €, es fällt hier also kein Solidaritätszuschlag an.

ESt in Milderungszone 2021

Bei einem zu versteuernden Einkommen von 60.000 € fällt eine Einkommensteuer von 17.450 € an.

⇒ 17.450 € liegen knapp über der Soli-Freigrenze von 16.956 €, es kommt also die Milderungszone (bis 31.527,56 €) zu Tragen: Hier fällt ein Grenzsteuersatz von 11,9 % des Unterschiedbetrags zwischen ESt und der Freigrenze an. Es wird also der unter der ESt liegende Freibetrag (16.956 €) von der anfallenden ESt (17.450 €) abgezogen (= 494 €) und davon 11,9% berechnet. Das ergibt einen Soli von 58,79 €. Anstatt 5,5 % der ESt (959,75 €) fällt hier also nur ein Bruchteil an.

ESt über Soli-Freigrenze 2021

Bei einem zu versteuernden Einkommen von 120.000 € fällt eine Einkommensteuer von 42.087 € an.

⇒ 42.087 € liegen weit über der Soli-Freigrenze. Hier fällt der volle Solidaritätszuschlag von 5,5 % (2.314,79 €) an.

5. Fazit: Was müssen Unternehmer beachten?

Ab 2021 ändert sich einiges. Die Soli-Freigrenzen werden stark angehoben und nur noch Besserverdiener werden zur Kasse gebeten. Die Steuererleichterung betrifft auch die Mehrheit der deutschen Unternehmer, denn der Großteil der selbstständig tätigen Personen in Deutschland führt ein Einzelunternehmen. Hier fällt auf den Unternehmensgewinn Einkommensteuer an – für die die neuen Soli-Freigrenzen gilt.

Unternehmer innerhalb einer Kapitalgesellschaft haben nicht so viel Glück: Der Soli wird auch 2021 weiterhin in voller Höhe auf die Körperschaftsteuer erhoben. Für angestellte Geschäftsführer, die sich selbst ein Geschäftsführergehalt zahlen, kann sich jedoch der Gang zum Steuerberater lohnen, um zu überprüfen, ob man von der Rückführung des Solis profitiert.

Unternehmen mit Angestellten sollten überlegen, ihre Lohnbuchhaltung an einen Steuerberater zu geben, um für die Soli-Rückführung 2021 und weitere Gesetzesänderungen im Bereich Lohn und Gehalt gewappnet zu sein.

TIPP

Schluss mit komplizierten Berechnungen. Lagern Sie die Lohnbuchhaltung für Ihre Mitarbeiter einfach aus. So sind Sie auf der sicheren Seite, was Gesetzesänderungen betrifft.

Jetzt Angebote vergleichen