Anleger in Deutschland betroffen Sun Contracting insolvenz: 47 Millionen Euro Schulden

News

Der Fall Sun Contracting erschüttert die Solarbranche: Die Unternehmensgruppe, einst als innovativer Vorreiter für Photovoltaik-Contracting gefeiert, ist zahlungsunfähig. Fünf Gesellschaften aus Österreich, die zur liechtensteinischen Sun Contracting AG gehören, haben Insolvenz angemeldet. Insgesamt sollen 47 Millionen Euro Schulden aufgelaufen sein. Betroffen sind auch Landwirte und Kleinanleger in Deutschland.

Google Preferred Source
Photovoltaik-Anlage auf dem Land
Photovoltaik-Contracting (Symbolbild): Sun Contracting übernahm Finanzierung und Planung der Anlagen und verdiente dafür am Strom mit. Bild: Samuel Faber / Pixabay.

Der Zusammenbruch eines Solar-Giganten

Am 31. Oktober 2025 meldeten stellten fünf österreichische Gesellschaften der Sun Contracting AG mit Sitz in Liechtenstein Insolvenz an. Kurz darauf beantragten fünf Tochtergesellschaften in Österreich beim Landesgericht Linz ein Konkursverfahren. Betroffen sind unter anderem die Sun Contracting Austria GmbH, die Sun Contracting Projekt GmbH und die Sun Contracting Solutions GmbH.

Laut dem Alpenländischen Kreditorenverband (AKV) ist keine Sanierung geplant. Die Unternehmen sollen abgewickelt werden. Der Gesamtschaden beläuft sich laut AKV auf rund 47 Millionen Euro, den Aktiva von nur 16,6 Millionen Euro gegenüberstehen. Damit endet die Geschichte eines Unternehmens, das sich einst als "einer der größten Anbieter für Photovoltaik-Contracting in Europa" bezeichnete.

Sun Contracting: Wie das Geschäftsmodell funktioniert

Sun Contracting setzte auf das sogenannte Photovoltaik-Contracting. Dabei werden Solaranlagen auf Dächern von Betrieben oder Bauernhöfen installiert, ohne dass die Eigentümer selbst investieren müssen. Die Firma übernimmt Planung, Finanzierung und Wartung, verdient aber am erzeugten Strom.

Finanziert wurde das Modell über Anleihen und Nachrangdarlehen. Anleger versprachen sich stabile Renditen durch die Energiewende. Doch das Konzept geriet ins Wanken, als sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen drastisch verschlechterten.

Unsere Partner-Empfehlungen
sevdesk
sevdesk

Buchhaltung

  • 60 % Rabatt auf alle Tarife
  • Code: FG60
  • Nur für kurze Zeit
Zum Deal
Finom Basic
Finom Basic

Geschäftskonto

  • Ab 0 €
  • 5 % Zinsen p. a.
  • Bis zu 3 % Cashback
Zum Deal

Teure Kredite, fallende Strompreise, steigende Risiken

Steigende Baukosten, hohe Zinsen und Inflation trafen die Solarwirtschaft seit 2023 hart. Gleichzeitig fielen die Strompreise, teilweise sogar ins Negative. Das führte zu Abschaltungen von Anlagen und erheblichen Einnahmeausfällen. Laut Branchenberichten war Sun Contracting mit diesen Entwicklungen überfordert.

Hinzu kam eine empfindliche Strafe der ungarischen Finanzaufsicht MNB im Jahr 2024: Rund eine Million Euro musste das Unternehmen wegen unerlaubten Vertriebs von Anleihen zahlen. Auch der enge Partner Green Finance Broker AG wurde in diesem Zusammenhang sanktioniert.

Ermittlungen wegen Betrug und Bilanzfälschung

Wie fondsprofessionell berichtet, laufen gegen Sun Contracting seit Ende 2024 umfassende Ermittlungen der österreichischen Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA). Der Vorwurf: Betrug und Bilanzfälschung.

Der Schaden wird aktuell auf rund 15 Millionen Euro geschätzt. Sechs Beschuldigte und vier beteiligte Unternehmen stehen im Fokus, es gab bereits Hausdurchsuchungen in Linz. Die Ermittlungen betreffen auch die Kooperation mit Green Finance, einem Finanzpartner, über den zahlreiche Anleger in die Anleihen von Sun Contracting investiert hatten.

Anleger und Bauern als Leidtragende

Die Pleite trifft nicht nur Investoren, sondern auch Landwirte, auf deren Höfen die Anlagen installiert wurden. In Deutschland betreibt Sun Contracting nach eigenen Angaben 34 Photovoltaikanlagen, viele davon auf landwirtschaftlichen Gebäuden.

Für über 1.000 Kleinanleger, die über Crowdfunding-Plattformen investiert haben, ist der Schaden besonders bitter. Ihre Investments gelten als nachrangige Darlehen. Im Insolvenzfall stehen sie am Ende der Gläubigerkette und werden ihr Geld wohl verlieren. Laut Kreditschutzverband KSV sind 127 Gläubiger offiziell betroffen.

Keine Rettung in Sicht

Die Insolvenzverwalter sehen keine positive Fortführungsprognose. Eine Sanierung sei ausgeschlossen, die Abwicklung unvermeidlich. Auch von Seiten der Unternehmensführung gibt es bislang keine öffentliche Stellungnahme. Weder die Website der Sun Contracting AG noch ihre Social-Media-Kanäle informieren über das Insolvenzverfahren.

Laut fondsprofessionell stammt der letzte veröffentlichte Geschäftsbericht aus dem Jahr 2022. Seither gab es kaum Transparenz über die Finanzlage. Was als nachhaltiges Investment begann, endet für viele mit Verlusten. Für die Solarwirtschaft könnte der Fall zum Prüfstein werden: Nur wer solide wirtschaftet und offen kommuniziert, kann das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen.

zurück