Persönlichkeitsentwicklung: Geht sie aktiv an



Eine starke Persönlichkeit ist selbstbewusster, unabhängiger und erfolgreicher. Es spricht also viel dafür, aktiv an der Persönlichkeitsentwicklung zu arbeiten.

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Kleine Übungen wie Meditation regelmäßig ausüben: Persönlichkeitsentwicklung wird am besten täglich praktiziert. (Foto: Unsplash)

Was gehört alles zur Persönlichkeitsentwicklung?

Die Persönlichkeit ist die Kombination aller prägenden Eigenschaften eines Menschen, also das, was ihn ausmacht. Das Fünf-Faktoren-Modell der Persönlichkeitspsychologie (Big Five) spricht dabei von den fünf entscheidenden Dimensionen, die bei einem Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt sind – und somit seine Persönlichkeit formen:

  1. Extraversion: Durchsetzungsfähigkeit, Geselligkeit, Energie
  2. Verträglichkeit: Mitgefühl, Freundlichkeit, Herzlichkeit
  3. Gewissenhaftigkeit: Ordnung, Struktur, Pflichtbewusstsein
  4. Neurotizismus: Emotionalität, Unsicherheit, Launenhaftigkeit
  5. Offen für Erfahrungen: Offenheit, Neugier, Interesse, sich auf Neues einzulassen

Jeder Mensch hat seine eigene Persönlichkeit, zum Teil ist diese genetisch veranlagt, also quasi in die Wiege gelegt. Aber sie hängt auch vom Umfeld, der Sozialisation ab. Alleine Letzteres zeigt, dass sie sich verändert.

Praktische Tipps zur aktiven Weiterentwicklung der Persönlichkeit:

  • Macht mal was Neues: Wer eine Veränderung herbeiführen möchte, muss auch etwas verändern. Da echte Veränderungen der Persönlichkeit ihre Zeit dauern, ist es sinnvoll, einfache, direkt sichtbare Veränderungen vorzunehmen. Das kann alles und in allen Lebensbereichen sein. Zum Beispiel: eine Stunde früher aufstehen als sonst, mit dem Fahrrad statt mit dem Auto ins Büro fahren, nur noch ein Mal die Woche Fleisch essen, jeden Tag fünf Euro in ein Sparschwein werfen etc. Diese Dinge sind recht leicht umzusetzen und haben dennoch eine enorme Wirkung: Sie zeigen, dass Veränderungen recht leicht möglich sind. Das spornt enorm an und vermittelt ein gutes Gefühl.
  • Neues lernen: Ähnlich wie oben, nur ein bisschen herausfordernder. Ob Kommunikationstraining, eine Fremdsprache oder eine Software-Anwendung: Setzt euch das Ziel, bis zum Zeitpunkt x etwas neues gelernt, erfahren zu haben. Es beflügelt, setzt Energien für Weiteres frei.
  • Neue Herausforderungen meistern: Wieder ähnlich wie oben, aber doch etwas anders gelagert. Ein Beispiel, das es verdeutlicht: Ein Architekt hatte vor mehr als 15 Jahren das Ziel, mehrgeschossige Wohnhäuser aus Holz in der Innenstadt zu realisieren. Die Bauordnung untersagte dies damals noch. Der Architekt hat sich die Mühe gemacht, nach Feierabend eine entsprechende Planung in Angriff zu nehmen, zu beweisen, dass seine Vision machbar ist. Mit Erfolg: Kurz später baute er dieses Haus tatsächlich. Er hat eine kleine Revolution ausgelöst. Selbst die Bauordnung wurde viele Jahre später angepasst.
  • Rettet euch selbst: Eine höhere Stufe der Persönlichkeit erlangt ihr nur, wenn euch bewusst ist, dass ihr die Damen und Herren eures Lebens seid. Niemand ist für einen Erwachsenen verantwortlich außer er selbst. Wenn ihr euch also über andere ärgert, über die Politik, die Umstände, eure Mitarbeiter: Schiebt ihnen nicht die Schuld an eurer Situation zu. Überlegt immer, inwiefern ihr eure Situation ändern könnt.

Ein kürzlich entdecktes Meme verdeutlicht die Situation anschaulich: Ein Schiffbrüchiger ist auf einer einsamen Insel gestrandet: Linkes Bild: Er „schreibt“ mit Holzstöckchen „HELP“ in den Sand. Er wartet auf Hilfe. Rechtes Bild: Er baut mit den Hölzern ein Floß und rettet sich selbst.

  • Tipp: Übt es bei der allernächsten Gelegenheit, die sich bietet: Jemand erschwert euer Leben? Arbeitet euch nicht daran ab, über ihn zu lästern, ihn als den Bösen hinzustellen, der euch an eurem Glück hindert. Überlegt euch eine Strategie, wie ihr die Situation zu euren Gunsten umkehrt. Und handelt. Seht euch als Gestalter und nicht als Opfer.

Mantra: Die Persönlichkeit ist genauso individuell wie die Veränderung derselben. Überlegt euch also ein Mantra, das genau zu euch passt. Wichtig ist: Sagt es euch mehrmals am Tag leise vor. Oder schreibt es euch mit Lippenstift auf den Badezimmerspiegel. Soll heißen: Nehmt euer Anliegen ernst. Und vor allem: Formuliert es positiv. Also z.B. anstatt: „Ich möchte nicht mehr jede Woche 70 Stunden arbeiten.“: „Ich werde jede Woche höchstens 50 Stunden arbeiten. Ich werde jeden Sonntag Zeit für meine Familie haben.“

Perspektivenwechsel: Ihr liegt im Clinch mit wem auch immer. Ihr wollt einfach nicht verstehen, warum ihr nicht übereinkommt. Und das belastet euch. Versetzt euch gedanklich in diese Person hinein. Versucht, so empathisch wie möglich zu sein: Warum handelt er/sie genau so? Verstehen ist immer der erste Schritt zum Annähern und Konflikte lösen. Und um selbst zu wachsen.

Keine Prokrastination: Jammern hilft nicht. Nur die Handlung führt zu Ergebnissen. Das heißt: Was ihr heute könnt besorgen, das verschiebt nicht auf morgen. Räumt euch daher 30 Minuten pro Tag ein (an stressigen Tagen notfalls weniger, aber mindestens 15 Minuten), um ernsthaft an eurer Veränderung zu arbeiten. Ob ihr dann Fahrrad fahrt, meditiert oder E-Mails schreibt, die euch weiterbringen: Wichtig ist: Ihr verschiebt es nicht auf morgen.

Langfristige Tipps: Wie entwickelt ihr euch nachhaltig zu einer starken Persönlichkeit?

Da Persönlichkeitsentwicklung kein Sprint, sondern ein Marathon ist (der im Grunde niemals endet), kann es sein, dass ihr aufgebt, kaum, nachdem ihr angefangen habt. Diese Gefahr besteht immer, wenn Erfolge sich langsam einstellen. Der Weg erscheint euch vielleicht als zu mühsam, ihr seht zu wenig Output im Vergleich zu eurem Input, euren Bemühungen.

Genau deshalb ist der allererste Schritt: Akzeptiert, dass ihr nicht von heute auf morgen zum neuen Menschen werdet. Selbst bei täglicher Übung ändert ihr Gewohnheiten nach frühestens einem Monat nachhaltig. Tipp: In der Praxis ist es leichter alte Gewohnheiten durch neue (bessere) zu ersetzen, als die alten bloß abzulegen.

  • Vorsicht: Seine Persönlichkeitsentwicklung aktiv voranzutreiben, bedeutet nicht, zehn Bücher zum Thema zu verschlingen, Podcasts zu hören, einen Coach aufzusuchen etc. All das kann Impulse geben und somit helfen, den Prozess einzuleiten und zu begleiten. Aber: Mit dem Lesen, Hören, Sprechen ist es nicht getan. Es besteht gar die Gefahr, dass all das zur Ersatzhandlung wird. Ihr beruhigt euer Gewissen, indem ihr euch einredet, doch eine ganze Menge zu tun. Das ist aber in etwa so, als ob ihr Diätbücher lest, anstatt eure Ernährung umzustellen. Entscheidend ist echtes Handeln: Rausgehen aus der eigenen Komfortzone und wirklich loslegen.

Zu Beginn des Prozesses solltet ihr den Ist-Zustand analysieren: Was macht euch aus? Wer seid ihr? Wo liegen eure Stärken und Schwächen, was gefällt euch an euch, was nicht?
Ihr solltet euch diese Fragen für euch selbst beantworten (und aufschreiben). Ihr könnt zudem Freunde, Kollegen etc. befragen. Nicht, dass ihr deren Einschätzung eins zu eins übernehmen sollt. Das gerade nicht. Und doch können nur andere von außen auf euch schauen, also den Part der Fremdwahrnehmung übernehmen. In manchen Punkten kann diese stark von der Eigenwahrnehmung abweichen. In den Fällen solltet ihr euch darüber noch einmal ein paar gesonderte Gedanken machen.

Eine weitere gute Methode, um mehr über euch herauszufinden, ist, gedanklich die Sicht von anderen einzunehmen: Wie glaubt ihr, würden x oder y euch beschreiben?

Selbstreflexion ist nicht die einfachste Disziplin, zumal, wenn man nicht geübt darin ist. Folgende Themengebiete und Fragestellungen sind daher gute Leitplanken. Beantwortet sie ehrlich:

  • Gesundheit: Fühle ich mich wohl in meinem Körper?
  • Wohnen: Ist mir meine Wohnung ein Zuhause?
  • Familie: Wie ist mein Verhältnis zu Eltern, Geschwistern, Kindern?
  • Partnerschaft: Ist meine Beziehung erfüllend und liebevoll?
  • Freunde: Unterstützen und bereichern mich meine Freunde?
  • Finanzen: Lässt mich meine finanzielle Situation beruhigt leben?
  • Unternehmen: Bin ich mit der Entwicklung der Firma zufrieden?

Wenn ihr in etwa wisst, wer ihr seid, mit welchen Punkten ihr zufrieden seid, mit welchen ihr weniger zufrieden seid, dann wisst ihr auch, wo ihr ansetzen könnt, um eure Persönlichkeit zu entwickeln.

  • Tipp: Fangt mit nur einer Sache an. Überforderung führt schnell zu Frust und damit zum Scheitern. Außerdem: Setzt euch ein konkretes Ziel: Was wollt ihr in welchem Zeitrahmen erreicht haben?

Warum ist die Persönlichkeitsentwicklung wichtig?

Die Persönlichkeit ist nicht statisch, sie verändert sich im Laufe der Zeit.

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Humor und gesunde Lebensführung: Resilienz oder Widerstandskraft ist nichts, was vom Himmel fällt. (Foto: Unsplash)

Positiv formuliert könnte man sagen:

Persönlichkeitsentwicklung bedeutet, reifer zu werden, zu wachsen.

Im besten Fall wird der Mensch zur starken Persönlichkeit. Eine starke Persönlichkeit ist selbstbewusster und erfolgreicher als eine schwache.

Wie entwickelt sich eine Persönlichkeit?

Die meisten Menschen gehen davon aus, dass sich die Persönlichkeit mit zunehmendem Alter verändert. Andere glauben allerdings, dass die Entwicklung nebenher, fast ohne ihr Zutun passiert. Das ist ein passiver Ansatz, nach dem Motto: Das Leben ist die Summe all meiner Erfahrungen. Aber: Diese Menschen denken, dass ihnen die Dinge, Erlebnisse quasi widerfahren sind. Sie waren dann lediglich so schlau, daraus etwas mitzunehmen und sich so weiterzuentwickeln.

So kann man natürlich leben. Aber dann besteht die Gefahr, irgendwann in einer Sackgasse zu landen. Zumindest aber bleibt man immer unter seinen Möglichkeiten. Um dies zu vermeiden, um aus einer Sackgasse herauszukommen, um mehr aus sich zu machen, ist es elementar, selbst aktiv die eigene Persönlichkeit weiterzuentwickeln.

Aktive Persönlichkeitsentwicklung: Darum lohnt sie sich

Je nachdem, wo ihr aktuell steht, habt ihr mehr oder weniger „Arbeit“ vor euch. Fakt ist, dass sich das Aufmachen auf den Weg lohnt.

Das zeichnet eine starke Persönlichkeit aus:

  • Eine starke Persönlichkeit ist selbstbewusst und hat großes Selbstvertrauen.
  • Diese Menschen ruhen in sich selbst.
  • Sie denken positiv, glauben an einen guten Ausgang, auch in schwierigen Situationen.
  • Sie besitzen eine hohe Widerstandsfähigkeit, sind resilient.
  • Sie lernen sich selbst besser kennen, wissen, wo ihre Stärken und Schwächen liegen. Sie können die Stärken ausbauen und ihre Schwächen mehr und mehr abstellen, aber auch zum Teil schlicht mit diesen leben.
  • Sie sind unabhängig von der Meinung anderer.

Habt ihr eine starke Persönlichkeit, werdet ihr gern Neues lernen und ausprobieren. Dadurch entwickelt ihr euch automatisch immer weiter. Ihr wisst, was euch gut tut und was nicht. Was euch lähmt oder runterzieht, werdet ihr abstellen oder gar ins Gegenteil verkehren. Was euch gut tut, behaltet ihr bei oder baut ihr aus. Ihr verliert eure Ängste oder könnt mit ihnen leben. Ihr könnt Krisen und schwierige Phasen besser meistern, Probleme einfacher lösen.

Insgesamt werdet ihr als starke, gefestigte Persönlichkeit entspannter, glücklicher und erfolgreicher durchs Leben gehen.

All die oben genannten Attribute gelten selbstverständlich für jegliche Lebensbereiche, für Familie, Freunde, für das Berufliche. Eine starke Persönlichkeit ist der bessere Unternehmer, der bessere Chef, der bessere Kollege etc.

  • Ein letzter, aber wichtiger Tipp zum Schluss: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Wenn ihr also auf eurem Weg zum Ziel Rückschläge einstecken müsst: Aufstehen, Krönchen richten, weitermachen!
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