Nachhaltig: Crowdbutching und Kuhleasing



Nach Crowdfunding haben sich auch Crowdbutching und Kuhleasing etabliert: Über eine Internetplattform kaufen die Verbraucher Anteile an einer Kuh, einem Schwein oder einem anderen Tier. Wir stellen 5 Geschäftsideen der direkten Schlachttiervermarktung vor.

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Beim Crowdbutching werden die Tiere artgerecht gehalten und später alle Schlachterzeugnisse genutzt. (Foto: Unsplash)

Was ist Crowdbutching?

Der Begriff Crowdbutching ist eine Zusammensetzung der Wörter crowd (Menge) und butching (Schlachtung) – und ist an Crowdfunding angelehnt, bei dem sich mehrere Menschen an einem Unternehmen beteiligen, welches sich auf diese Weise finanziert.

Beim Crowdbutching kaufen die Verbraucher Anteile an einem Schwein oder einer Kuh, einer Gans oder einem Huhn. Erst wenn das Tier komplett verkauft wurde, wird es geschlachtet – und das Fleisch anschließend direkt vom Bauernhof an die Kunden ausgeliefert. Diese Form der Schlachttiervermarktung ist besonders transparent. Schließlich weiß der Konsument, von welchem Tier das Fleisch kommt, das er später – mit gutem Gewissen – verspeisen wird.

#1 Crowdbutching – Kühe, Schweine, Hühner, Gänse

Das Unternehmen Crowdbutching mit Sitz im bayerischen Aub gilt als einer der Pioniere des Crowdbutchings. Mittlerweile betreibt Crowdbutching die vier Internetplattformen kaufnekuh.de, kaufeinschwein.de, kaufeinhuhn.de und kaufnegans.de. Die Domain-Namen sind Programm: Auf den drei erstgenannten kaufen die Verbraucher ganzjährig Teile einer Kuh, eines Schweins bzw. eines Huhnes. Auf Kaufnegans.de ist eine Bestellung nur in der Vorweihnachtszeit möglich.

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Der Anbieter Crowdbutching.com hat mehrere Unterseiten, darunter auch kaufeinschwein.de für die Gemeinschaftsschlachtung. (Screenshot: kaufeinschwein.de)

Crowdbutching-Gründer Berend Willem te Voortwis stammt aus einer Bauernfamilie, die einmal im Jahr eine Kuh geschlachtet und das Fleisch dann übers Jahr hinweg verzehrt hat. So kam er auf die Idee zum Unternehmen. Sein Anliegen: Gutes Fleisch zu verkaufen, das direkt vom Bauern zum Kunden auf den Teller kommt.

Da sich der Verbraucher für ein bestimmtes Tier registriert – es ist mit einer Ohrmarke gekennzeichnet, außerdem werden die Rasse und der Herkunfts-Hof genannt – weiß er, was er kauft. Dabei hat er die Wahl zwischen verschieden großen Fleischpaketen. Sie beinhalten unter anderem Steaks, Schnitzel, Gulasch oder Leberwurst – und auf Wunsch auch Bratwürste.

#2 MeinBioRind.de – sag der Kuh hallo

Mein Biorind ist eine weitere Crowdbutching-Plattform der ersten Stunden. “Sehen was man isst” lautet das Motto des von Kevin Schulze Ende 2013 gegründeten Unternehmens. Und so zeigt die Webseite auch jede Menge glückliche Kühe auf grünen Weiden. Selbst die aktuell zu verteilende Kuh ist auf einem Foto zu sehen – nebst ihrem Alter sowie dem Monat der Auslieferung.

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MeinBioRind.de bietet nicht nur Rinder-Sharing, sondern auch Rinder-Leasing an, wobei ihr euer Kalb jederzeit besuchen könnt. (Screenshot: MeinBioRind.de)

Im Angebot sind lediglich Rinder von bio-zertifizierten Betrieben. Das Fleich ist hochwertiges Bio-Fleisch, frei von Antibiotika und Hormonen. Neben Crowdbutching bietet das Unternehmen aus Sachsen-Anhalt auch Rinder-Sharing an. Dabei teilen sich die Käufer ebenfalls ein Rind, allerdings müssen sie mindestens ein Achtel erwerben, ebenso können sie sich ein Viertel oder ein halbes Rind reservieren.

Darüber hinaus offeriert Mein BioRind Rinder-Leasing. Dabei sucht sich der Konsument ein acht Wochen altes Kalb aus, das er jederzeit besuchen kann. Ein Jahr lang zahlt er jeden Monat eine Leasingrate. Danach kann er die Schlachtung veranlassen – oder aber die Leasinglaufzeit noch ein wenig verlängern.

#3 Pielers – erntefrisch auf den Tisch

Wer auf dem Land lebt, kann mit etwas Glück Obst, Gemüse, Fleisch und Milchprodukte vom regionalen Hofladen oder dem heimischen Bauernhof beziehen. Ein Städter aber hat keinen Bauern um die Ecke, der ihn mit saisonalem Gemüse versorgen könnte.

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Der Hofladen um die Ecke: Mit dem Nachhaltigkeitsindex erkennt ihr im Online Shop von Pielers sofort, ob das Fleisch aus artgerechter Haltung stammt. (Screenshot: pielers.de)

Möchte man trotzdem nicht auf erntefrische Lebensmittel direkt vom Erzeuger verzichten, ist das Angebot von Pielers eine Alternative. Das Start-up mit Sitz im niedersächsischen Geestland verschickt die chemie- und gentechnikfreien Lebensmittel, gekühlt und in umweltverträglichen Verpackungen, innerhalb von ein bis zwei Tagen versandkostenfrei direkt nach Hause.

Zum Sortiment zählen ferner Käse, Fisch, Saucen, Gewürze, Kaffee, Tee, Brotaufstriche, Säfte, Süßwaren und einiges mehr. Die Produkte stammen von Höfen und Manufakturen aus ganz Deutschland. Die meisten sitzen in Niedersachsen, alle sind namentlich auf der Webseite aufgelistet. Pielers setzt nicht nur auf Transparenz und auf Nachhaltigkeit durch eine dezentrale Landwirtschaft, sondern auch auf Fairness: Das Unternehmen garantiert, dass 85 Prozent der Verkaufserlöse direkt an die Erzeuger gehen.

#4 Ziegenhof im Wiesengrund – köstlicher Käse, uriger Urlaub

Die Familie Lorenzen betreibt bereits seit 14 Jahren im schleswig-holsteinischen Malkwitz den Ziegenhof im Wiesengrund. Der Betrieb wird nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus betrieben, die Ziegen haben das ganze Jahr über Zugang zur Weide. In den Wintermonaten übernachten sie in Stallungen.

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Urlaub auf dem Bio-Bauernhof: Der Ziegenhof im Wiesengrund bietet Familien die Möglichkeit, im Einklang mit der Natur Urlaub zu machen. (Screenshot: ziegenhof-im-wiesengrund.de)

Der Betrieb, geführt von Bärbel Lorenzen, bietet aber längst nicht mehr nur von den Ziegen gewonnene Produkte wie Käse, Wurst oder Fleisch an. Mittlerweile leben auf dem Hof auch Schweine, Hühner, Enten und Gänse.

Durch eingegangene Kooperationen sind außerdem Hinterwälder-Rinder und Pommersche Landschafe im Angebot. Der Verbraucher kann sein Fleisch direkt im Hofladen erstehen oder sich zusenden lassen.

Zudem kann man die Schweine und Rinder leasen: Vier Wochen vor dem Schlachttermin stimmt das Unternehmen mit dem Leassingnehmer ab, wie er das Fleisch portioniert und welche Wurst er haben möchte. Ein weiteres Standbein ist Urlaub auf dem Ziegenhof: Bis zu vier Personen können im Holzwagen im Garten des Hofes übernachten.

#5 kuhleasing.ch – Schweizer Käse

Deutschland ist ein schönes Land. Mit der Schweiz kann es aber nicht mithalten. Auf den dortigen Alpen leben die wahrscheinlich glücklichsten Kühe der Welt. Auf zehn solcher Alpen weiden Kühe, die Iris Wittwer-Wyler, die Inhaberin der Kuhleasing-Plattform kuhleasing.ch, seit vielen Jahren vermietet.

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Wenn das mal nicht entspannt aussieht: Kuhleasing auf der Schweizer Alm hat seit 35 Jahren Tradition. (Screenshot: kuhleasing.ch)

Anfangs zählten vor allem Restaurantbesitzer zu den Kunden, mittlerweile sind es auch Privatpersonen. Im Sommer besuchen sie ihre Kuh, im Herbst beziehen sie den Käse von ihr. Das Prozedere ist einfach: Auf der Webseite sucht sich der Interessent seine Kuh zum Leasen aus. Diese wird im Sommer auf der Alpe versorgt und gemolken.

Aus der Milch wird der Käse hergestellt, elf Liter Milch sind für ein Kilo Käse nötig. Ab September/Oktober bezieht der Konsument seinen Käse, die Menge richtet sich nach dem Leasing-Modell. Beim Voll-Leasing beträgt die Abnahmemenge zwischen 30 und 120 Kilogramm. Dazu gibt es ein Zertifikat der Kuh in einem Bilderrahmen sowie eine Brotzeit und eine Führung beim ersten Besuch auf der Alpe.

  • “Komm, wir teilen uns eine Kuh” – Brian Lettkemann erzählt im Interview die nicht ganz gewöhnliche Entstehungsgeschichte des Hamburger Start-ups besserfleisch. Lebensmittel müssen nicht Hochglanz, sondern schmackhaft sein.
  • Wie das Start-up ResteRitter nachhaltige Marmeladen und Fruchtaufstriche aus Obst und Gemüse mit Makeln produziert, erfahrt ihr in unserer Gründerstory.
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