Kickstarter-Kampagnen: Tops und Flops



Viele tausend Kampagnen wurden über Kickstarter bereits erfolgreich finanziert, noch mehr scheiterten. Aber was macht eigentlich eine gute Kampagne aus? Und weshalb sind andere nicht erfolgreich? Das zeigen wir euch anhand von fünf Geschäftsideen.

Manche Ideen kommen bei Kickstarter so gut an, dass die Initiatoren ihre selbstgesteckten Ziele haushoch übertreffen können. So auch bei diesen Kampagnen.

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Wie kommt man bei der Crowd gut an? Mit einer guten Geschäftsidee und starkem Marketing. (Foto: Unsplash)

#1 Coffeejack: Taschen-Barista ohne Elektrizität

Wer kennt es nicht: Der Kaffee von zu Hause schmeckt nicht einmal halb so gut wie der vom Lieblings-Barista und schön anzusehen ist die eigene Kreation meistens auch nicht. Trotzdem spart es Zeit und Geld, den morgendlichen Kaffee von zu Hause mitzunehmen, statt sich auf dem Weg zu Arbeit noch in eine endlos lange Warteschlange beim Café nebenan zu stellen. Mit Coffeejack gibt es kein Warten, keine hohen Preise für einen Espresso und vor allem: keine Plastikverschmutzung.

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Mit einem eigenen Taschen-Barista Zeit, Geld und Plastik sparen. (Foto: Coffeejack / Kickstarter-Kampagne)

Coffeejack punktet nicht nur mit einem edlen Design, sondern auch mit der durchdachten Technik. Die Funktionsweise ist dieselbe wie bei einer Vollautomat-Espressomaschine – nur eben in klein. So kann der Verbraucher das Kaffeepulver seines Lieblings-Baristas nutzen und sich den Espresso ganz gemütlich zu Hause oder auf der Arbeit zubereiten.

  • Zielbetrag: 12.024 Euro
  • Erreicht: 865.990 Euro
  • Erfolgreich, weil: nützlich für den Alltag, modernes Design, umweltfreundliche Anwendung; hilfreiches und hochwertiges Video

#2 Solo Stove: sichere und transportierbare Feuerstellen

Feuer hat seit jeher eine geradezu magische Anziehungskraft auf Menschen. Vielleicht ist das einer der Gründe, weshalb alle drei Solo-Stove-Kampagnen derart erfolgreich waren. Die Geschäftsidee war bei den Kampagnen stets dieselbe: eine portable Feuerstelle, die man sich zum Beispiel in den Garten stellen oder auf Campingtrips mitnehmen kann.

Die Botschaft, die in den Kampagnen vermittelt wird, lautet: Raus mit euch in die Natur! Da alle Solo-Stove-Modelle grundsätzlich portabel sind und für ein gutes Feuer nicht mehr benötigt wird, als ein bisschen Holz und gegebenenfalls ein paar Anzünder, eignet sich das Gerät für Campingtrips, Roadtrips und eigentlich jegliche Art von Ausflug, bei der man längere Zeit draußen verbringt.

Ein klarer Vorteil des Solo Stoves gegenüber einer normalen Feuerstelle ist die Sicherheit. Wer schon einmal einen Abend am Lagerfeuer verbracht hat, weiß, dass man nicht nur bei hochschlagenden Flammen aufpassen muss. Selbst wenn das Feuer später scheinbar gelöscht ist, kann es sich teilweise nochmals entzünden. Und während das auf ausgeschriebenen Camping- und Grillplätzen nicht unbedingt gefährlich ist, kann ein Feuer in der freien Natur schnell großen Schaden anrichten. Solo Stove verbindet somit ein Gefühl der Freiheit und Sicherheit. Und das nicht zuletzt mit einem edlen Design.

  • Zielbetrag: 20.000 US-Dollar
  • Erreicht: 1.704.331 US-Dollar
  • Erfolgreich, weil: edles Design des Produkts; ansprechendes Video & hochwertige Bilder; geht auf Outdoor-Trend ein
  • Zahlen für dritte Kampagne

#3 Coolest Cooler: Kühlbox mit allem, was man braucht

Vom Feuer zum Eis: Zum Thema Outdoor passt auch die nächste Kampagne, der Coolest Cooler. Diese Kühlbox kann mehr als nur ein paar Flaschen Bier kühlen. In erster Linie punktete das schon etwas ältere Projekt durch diverse nützliche Features.

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Der Coolest Cooler ist ein wirkliches Upgrade im Vergleich zur normalen Kühltruhe. (Foto: Coolest Cooler/ Kickstarter Kampagne)

Integriert in die Kühlbox sind nämlich unter anderem ein Mixer, ein Bluetooth-Lautsprecher, ein Licht im Deckel sowie ein USB-Anschluss, über den ihr beispielsweise euer Handy laden könnt. Eine Menge nützlicher Dinge also, die euch den Ausflug schlicht angenehmer gestalten.

Auch hier werden natürlich in erster Linie Personen angesprochen, die es nach draußen zieht. Eine Kühlbox darf schließlich bei keinem Campingtrip oder Familienausflug fehlen. Und die Ausstattung des Coolest Coolers ergänzt solche Aktivitäten hervorragend. Interessanterweise scheiterte der Initiator Ryan Grepper mit seinem ersten Versuch, den Coolest Cooler über die Crowd zu finanzieren. Die meisten Features der Kühlbox blieben im zweiten Anlauf dieselben, doch das Design überarbeitete Grepper vollständig.

  • Zielbetrag: 50.000 US-Dollar
  • Erreicht: 13.285.226 US-Dollar
  • Erfolgreich, weil: wirkliche Verbesserung eines Gegenstandes, der sich in fast jedem Haushalt findet; Kühlbox hat viele praktische Features; bedient Outdoor-Trend

#4 Footloose: Alles für die Katz?

Hands aufs Herz: Für unsere Haustiere würden wir so ziemlich alles tun, das gilt insbesondere für Hunde und Katzen. Und auch wenn Letztere oftmals den Anschein erwecken, andersherum so überhaupt keinen Wert auf unsere Existenz zu legen, wissen wir doch alle, dass die schnurrenden Vierbeiner trotzdem nur das Beste verdienen.

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Das selbstreinigende Katzenklo sieht ziemlich futuristisch aus. (Foto: Footloose/ Kickstarter Kampagne)

Ein Haustier bedeutet immer auch Verantwortung. Denn das Tier muss regelmäßig versorgt werden. Dazu gehört neben dem Füttern unter anderem auch das Reinigen des Katzenklos. Diese lästige Aufgabe übernimmt künftig Footloose für euch. Das selbstreinigende Katzenklo separiert Ausscheidungen von sauberem Katzenstreu, sodass ihr selbst nur noch gelegentlich ein Tütchen mit Exkrementen entsorgen müsst.

Footloose überwacht außerdem den Toilettenbesuch eurer Katze. Was erstmal ziemlich merkwürdig klingt, hat tatsächlich einen sinnvollen Hintergrund. Kranke Tiere können uns nicht einfach sagen, wenn es ihnen nicht gut geht und häufig sind die Symptome einer Krankheit nicht ohne Weiteres ersichtlich. Die Ausscheidungen eines Tieres können jedoch frühzeitig Auskunft darüber geben, ob etwas nicht in Ordnung ist.

  • Zielbetrag: 50.000 US-Dollar
  • Erreicht: 1.347.164 US-Dollar
  • Erfolgreich, weil: nützlich im Alltag; witziges und ansprechendes Video; Funktionsweise anschaulich erklärt

Flop: Nicht jede Kampagne ist erfolgreich

Wie ihr seht, können manche Kickstarter Kampagnen ganz schön durch die Decke gehen. Aber das ist natürlich nicht immer der Fall. Viele Kampagnen scheitern auch. Das liegt zum Teil an den Produkten selbst. Oftmals ist aber auch die Kampagne einfach nicht ansprechend, zum Beispiel wenn die konkreten Inhalte nicht klar veranschaulicht werden oder der Mehrwert des Produkts nicht schnell ersichtlich wird.

Wir stellen euch drei Beispiele vor, bei denen die Finanzierung über Kickstarter nicht geklappt hat.

#1 Unhackable Computer: der Traum jedes Unternehmens

Ein Computer, der nicht gehackt werden kann. Das klingt zunächst einmal sehr interessant. Cyberkriminalität ist ein ernst zu nehmendes Problem, nicht nur für die Wirtschaft. Daher sollte ein solches Gerät doch eigentlich großen Zuspruch finden… oder?

Bevor ihr euch für eine Crowdfunding-Kampagne entscheidet, solltet ihr euch stets überlegen, wen ihr mit eurem Produkt erreichen wollt und ob Kickstarter und Co. tatsächlich die richtigen Kanäle sind, um diese Zielgruppe zu erreichen.

Angenommen, Projektinitiator Pritam Nath hat wirklich eine Möglichkeit gefunden, Cyberkriminalität ein für alle Mal zu verhindern: Hätten daran nicht viele Unternehmen und zum Beispiel auch staatliche Institutionen großes Interesse? Und ist es nicht sehr viel wahrscheinlicher, dass Experten das Potenzial eines solchen Computers deutlich eher erkennen und fördern würden, als das breite Publikum auf Kickstarter?

Hinzu kommt, dass die Kampagne so gut wie keine konkreten Aussagen zu dem Computer macht. Stattdessen geht Nath ausführlich auf seine eigene Hintergrundgeschichte und die geplante Nachhaltigkeit bei der Produktion des Computers ein.

Noch einen Tipp am Rande: Wenn ihr ein revolutionäres Tech-Produkt vermarkten wollt und kaum Details dazu liefert – verzichtet zumindest darauf, mehrfach anzumerken, dass euch die Idee dazu in einem Traum gekommen ist.

  • Zielbetrag: 870.000 Euro
  • Erreicht: 336 Euro (Das Projekt wurde am 4. Juli 2019 abgebrochen)
  • Nicht erfolgreich, weil: langweilige Präsentation; schlechtes Video; keine Produktvorschau; keine Details; wenig Alltagsrelevanz für die meisten Privatpersonen

#2 Calming Pebble: Minimalismus kann man auch übertreiben

Es stimmt, dass sich viele Leute nach Entschleunigung sehnen. Und die Idee, diese Entschleunigung “zwischendurch” mithilfe eines kleinen Gegenstandes zu ermöglichen, ist – obwohl nicht neu, wie das Beispiel Fidget Spinner  zeigt – grundsätzlich gut.

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Minimalismus kann gut sein, übertreiben muss man es damit jedoch nicht. (Foto: Calming Pebble/ Kickstarter Kampagne)

Weniger gut hingegen ist, dass es sich bei dem Calming Pebble scheinbar tatsächlich nur um einen Pebble, also um einen Kieselstein, handelt. Und das zum stattlichen Preis für 19 US-Dollar pro Stück.

Auf der anderen Seite muss gesagt sein, dass es auf Kickstarter auch regelmäßig Scherzprojekte gibt. Ob die Kampagne also absolut ernstzunehmen war, sei dahingestellt.

  • Zielbetrag: 10.000 Euro
  • Erreicht: 2.288 Euro (Stand 27. Juni)
  • Nicht erfolgreich, weil: kein klarer Mehrwert ersichtlich; ähnliche Produkte sind bereits günstiger erhältlich (zum Beispiel am Straßenrand)

#3 RooL: Rolle zur Muskelentspannung

Stundenlanges Sitzen am Schreibtisch mit der falschen Körperhaltung kann schnell zu Verspannungen, Kopfschmerzen und Stress führen. Das Gadget RooL möchte dafür eine Lösung bieten. Mit dem kleinen, eiförmigen RooL sollen die Schmerzen innerhalb kürzester Zeit aus den betroffenen Stellen herausmassiert werden. Die Rollen gibt es in zwei verschiedenen Größen und der Preis liegt zwischen 22 und 28 US-Dollar.

In dem Video der Kampagne sind besonders Sportler zu sehen, welche die Rolle zum Beispiel nach einer falsch ausgeführten Übung zum Einsatz bringen. Eine Anleitung, wie man RooL im Detail anwendet, gibt es allerdings nicht. Wer sich also nicht besonders gut damit auskennt, könnte mit dieser Rolle sogar noch mehr Schaden anrichten. Die Unsicherheit gegenüber dieser Kampagne zeigen auch die Zahlen:

  • Zielbetrag: 37.039 Euro
  • Erreicht: 875 Euro
  • Nicht erfolgreich, weil: Anwendung nicht erklärt; ähnliche Produkte erhältlich, die schon weitaus bekannter sind (zum Beispiel: Blackroll)

Regelmäßig neue Tops und Flops bei Kickstarter

Für Inspiration und die eine oder andere Erkenntnis, wie es nicht funktioniert, lohnt sich ein regelmäßiger Besuch auf verschiedenen Crowdfunding-Plattformen vorbeizugucken. Weitere Kampagnen haben wir euch bereits in diesem Beitrag vorgestellt, hier findet ihr außerdem unseren Beitrag zum Kickstarter-Roulette.

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