Leitzins bleibt stabil EZB-Zinsentscheid heute: Im Schatten des Iran-Konflikts

So hat die EZB entschieden
Die EZB hat in Frankfurt die Leitzinsen wie erwartet unverändert gelassen und damit ein Signal der Vorsicht gesendet. Verkündet wurde der Beschluss wie üblich am frühen Nachmittag, die Einordnung liefert EZB-Präsidentin Christine Lagarde kurz danach. Auf den ersten Blick ist das eine Nachricht ohne Überraschung. Auf den zweiten ist es ein hochpolitischer Zinsentscheid.
Denn diesmal ging es nicht nur um Inflation, Wachstum und Kredite: Über der Sitzung lag auch der Schatten des Iran-Konflikts. Steigende Öl- und Gaspreise, nervöse Märkte und neue Risiken für Lieferketten erhöhen den Druck auf die Notenbank.
Gerade für Gründer, Selbstständige und Unternehmen ist das heikel. Sie spüren die Folgen der EZB-Politik über Kreditzinsen, Finanzierungskosten und die Stimmung an den Märkten oft direkt. Auch die Zinsen für Tagesgeld und Festgeld dürften vorerst auf dem aktuellen Niveau verharren
Die aktuellen Leitzinsen der EZB
Nach dem erwarteten Beschluss gelten weiter diese drei Zinssätze:
- Einlagensatz: 2,00 %
- Hauptrefinanzierungssatz: 2,15 %
- Spitzenrefinanzierungssatz: 2,40 %
Der Blick zurück zeigt, warum viele Marktteilnehmer diesmal nicht mit einer Änderung gerechnet haben. Die EZB hatte ihre drei Leitzinsen zuletzt im Juni 2025 gesenkt. Seitdem blieben sie unverändert. Schon für Februar 2026 hatte der EZB-Rat die Zinsen stabil gehalten. Eine Reuters-Umfrage unter Ökonomen ergab vor dem jetzigen Termin, dass mehr als 90 % der Befragten den Einlagensatz auch für den Rest des Jahres 2026 bei 2,0 % sehen. Das ist ein starkes Signal für den Erwartungskorridor vor dieser Sitzung.
Unsere Partner-EmpfehlungenSo begründet die EZB den Beschluss
Anfang März warnten EZB-Chefökonom Philip Lane und Bundesbankpräsident Joachim Nagel, dass ein längerer Iran-Krieg die Inflation im Euroraum steigen lassen und das Wachstum dämpfen könnte. Reuters berichtete zudem, dass am Markt zwar weiterhin überwiegend mit stabilen EZB-Zinsen gerechnet wurde, dieser Ausblick aber "auf wackligen Beinen" stehe. ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski erwartet zwar für diese Sitzung ebenfalls keine Änderung, sieht aber den Diskurs über weitere Zinssenkungen vorerst als beendet.
Dass die Notenbank stillhält, passt zur Datenlage. Die Inflation im Euroraum lag zuletzt bei 1,9 %. Zugleich fielen die jüngsten Konjunkturdaten laut EZB-Rat überraschend robust aus. Das Bruttoinlandsprodukt legte um 0,2 % zu, die Arbeitslosenquote sank im Januar 2026 auf 6,1 %. Für hektische Zinsschritte gab es also wenig Anlass.
Umso wichtiger ist nun die Botschaft hinter dem Beschluss: Die EZB bleibt bei ihrer Linie, entscheidet von Sitzung zu Sitzung und will sich in unsicheren Zeiten nicht auf einen festen Kurs festlegen.
Die EZB-Zinsentscheid-Termine für 2026
Für 2026 stehen noch diese geldpolitischen Ratssitzungen mit Zinsentscheid an:
- Donnerstag, 30. April
- Donnerstag, 11. Juni
- Donnerstag, 23. Juli
- Donnerstag, 10. September
- Donnerstag, 29. Oktober
- Donnerstag, 17. Dezember
Prognose: Was ist für die nächsten Entscheide zu erwarten?
Die EZB steckt in einer unangenehmen Lage. Eigentlich ist die Inflation wieder nahe am Ziel. Doch der Krieg zwischen Israel und Iran treibt Öl und Gas nach oben und schafft neue Unsicherheit. Deshalb spricht derzeit mehr für Warten als für den nächsten Zinsschritt.
Olli Rehn aus dem EZB-Rat sprach in diesem Zusammenhang von einem kühlen Kopf. Für Unternehmen heißt das: Kredite werden wohl nicht so schnell deutlich billiger.
Auch spannend:
- Iran-Krieg: So sollten Selbstständige reagieren
- ChatGPT: Expertin erklärt rätselhaftes Phänomen
- Gastro-Mehrwertsteuer: Warum die Preise kaum sinken
Quellen:
AP: Brent crude nears $115 after Iran attacks key energy facilities in the Gulf
Bloomberg: Rehn Says ECB Must Maintain 'Cool Head' Amid Iran War
Eurostat: Inflation in the euro area; Euro area unemployment at 6.1%; GDP and employment both up by 0.2% in the euro area
EZB: Geldpolitische Beschlüsse
Investing.com: Inflation threats heat up but ECB to keep rates on ice this year, say economists: Reuters poll