Safety first: Start-up macht K.O.-Tropfen sichtbar und euren Club-Besuch sicher



Erschreckend viele Menschen kennen jemanden in ihrem Umfeld, der schon einmal Opfer von K.O.-Tropfen wurde. Das Gründerteam Kim Eisenmann und Sven Häuser haben deshalb ein Armband entwickelt, genannt Xantus, mit dem sich ganz einfach nachprüfen lässt, ob GHB, die gängigste Art von K.O.-Tropfen, in einem Getränk ist.

GründerDaily: Hallo Kim, gemeinsam mit Sven Häuser hast du ein Armband entwickelt, dass den Inhaltsstoff GHB in Getränken nachweist. GHB ist ein Rauschmittel, das als K.O.-Tropfen missbraucht werden kann. Wie kam es zu eurer Geschäftsidee?

Kim von Xantus: Der Hintergrund zu der Idee ist leider kein schöner. Vor einem Jahr waren wir auf einem Stadtfest, bei dem eine Bekannte von uns Opfer von K.O.-Tropfen wurde. Das war ein Schock und wir beschlossen ein Produkt zu entwickeln, mit dem man sich ab sofort schützen kann.

GründerDaily: Stelle dich und Sven doch bitte kurz vor.

Kim von Xantus: Wir sind zwei fröhliche, strukturierte und motivierte Gründer mit viel Energie. Wir bewegen uns gern außerhalb unserer Komfortzone, suchen Herausforderungen und wollen eines: schneller, höher, weiter. Immer. Dabei gehen wir sehr reflektierend und analytisch an Aufgaben heran.

Xantus
Gründerin Kim hat das Xantus-Schutzarmband gemeinsam mit ihrem Partner Sven entwickelt. (Foto: Twinvay)

Um als Unternehmen schlank zu bleiben und um schnell wachsen zu können haben wir alle Kompetenzen, die wir nicht selbst erfüllen, outgesourced. Wir nehmen das Business ernst, uns selbst aber nicht.

Uns sind Werte und Vertrauen sehr wichtig. Auch schaffen wir uns regelmäßig einen Ausgleich, um in Balance zu bleiben. Dafür spielt für uns auch gutes Essen eine wichtige Rolle.

GründerDaily: Ihr habt euer Unternehmen Twinvay 2016 als UG gegründet, 2019 habt ihr die Rechtsform zu einer GmbH geändert. Weshalb habt ihr euch dafür entschieden?

Kim von Xantus: Wir haben damals mit der UG gestartet, als wir dann gemerkt haben, dass das ganze neue und größere Formen annimmt, haben wir uns für die Umwandlung in eine GmbH entschieden. Wirkt einfach besser.

GründerDaily: Wie genau funktioniert das Xantus-Armband?

Kim von Xantus: Das Armband funktioniert ganz einfach. Es bietet einen präventiven Schutz, eine Erinnerungsfunktion und man kann ein Getränk testen. Dafür rührt man sein Getränk kurz um, tupft einen Tropfen daraus mit Finger, Strohhalm oder Serviette auf ein Testfeld und wartet kurz. Färbt sich dieses blau, so ist der K.O.-Tropfen Wirkstoff GHB darin. Pro Armband gibt es zwei Tests.

Xantus
Färbt sich das Testfeld blau – Finger weg! Euer Getränk enthält GHB. (Foto: Twinvay)

GründerDaily: Das Armband gibt es mittlerweile im dm-Onlineshop und in den Filialen der Drogeriekette zu kaufen. Wie habt ihr dm von eurem Produkt überzeugt?

Kim von Xantus: Das wissen wir selber nicht so genau. Das Produkt ist ein echter Problemlöser, weltweit einzigartig und kann Menschen vor Schlimmem bewahren – das hat dm sicherlich überzeugt. Zudem ist es preiswert – pro Test circa 1,30 Euro – und passt gut in das Sortiment „Gesundheit“.

GründerDaily: Habt ihr auch noch andere Vertriebswege im Visier?

Kim von Xantus: Ja klar. Wir agieren mit vielen Partnern mittlerweile in 15 Ländern und planen für Deutschland ebenfalls neue Vertriebswege. Es bleibt wie immer spannend.

GründerDaily: Wie habt ihr die Entwicklung von Xantus finanziert? Und wie lange hat sie gedauert?

Kim von Xantus: Wir sind eigenfinanziert, das heißt, dass wir unser durch Studenten-Nebenjobs Erspartes in das Projekt gesteckt haben. Unterstützung von der Sparkasse hatten wir auch. Von der Idee bis zum Start bei dm vergingen neun Monate.

GründerDaily: Ein Kritikpunkt an Xantus lautet, das Armband vermittle ein falsches Gefühl von Sicherheit, da es nur auf GHB teste, es jedoch noch andere Arten von K.O.-Tropfen gebe. Neben dieser sachlichen Kritik finden sich online jedoch auch viele andere negative und teils beleidigende Kommentare. Wie erklärst du dir das? Und wie geht man mit so etwas um?

Kim von Xantus: Wichtig ist zu verstehen, dass sich theoretisch mehrere Substanzen als K.O.-Tropfen eignen, sie in der Realität aus verschiedenen Gründen wie Geschmack, Geruch oder Wirkung jedoch kaum bis nicht einsetzbar sind. GHB ist der aus Tätersicht ideale und bekannteste Wirkstoff. Der Test darauf erhöht die Sicherheit daher enorm und kann Leben retten.

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Das Xantus-Armband ist als weitere Absicherung gedacht. Trotzdem solltet ihr euer Getränk niemals unbeaufsichtigt lassen. (Foto: Twinvay)

Das Armband löst erstmals ein gesellschaftliches Problem und hat große Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Wo Licht ist, gibt es bekanntlich auch Schatten. Viele versuchen „einen Haken“ zu finden, das Produkt gewollt madig zu machen und manche verbreiten auch einfach gerne miese Stimmung. Anderen kann man es nicht recht machen. Einige weisen erpicht darauf hin, dass Xantus kein Allheilmittel ist.

Was ist schon 100 Prozent sicher? Der Gurt im Auto kann einen auch nicht vor allem schützen, aber er erfüllt einen hohen Beitrag für mehr Sicherheit.

Unangeschnallt Autofahren ist auch keine Lösung – was ist also an dem Armband anders?

GründerDaily: Auch Gastronomiebetreiber zeigen sich nicht begeistert, sie fürchten ein schlechtes Image, da die Ausgabe des Schnelltests suggeriere, es gebe ein Problem mit K.O.-Tropfen in der Lokalität. Dabei wäre der Test gerade dort wohl als Präventivmaßnahme sinnvoll. Wie überzeugt man diese Leute?

Kim von Xantus: Die meisten haben noch nicht verstanden, dass der Club durch das Armband an Sicherheit gewinnt. Das wiederum kommt sehr gut bei den Gästen an, da signalisiert wird, dass dort alles für deren Wohl getan wird. Sicheres Feiern macht mehr Spaß, da man unbeschwerter sein kann. In Gesprächen machen wir den Betreibern genau das klar – denn nur so kann ein Perspektivenwechsel und daraus ein Umdenken erfolgen. Am Ende gewinnen alle.

GründerDaily: Plant ihr denn eine ‚Verbesserung‘ des Produkts dahingehend, dass auch andere gefährliche Stoffe erkannt werden? Welche weiteren Pläne habt ihr für die kommenden drei Jahre?

Kim von Xantus: Wir sind bestrebt, immer weiterzuforschen und weiterzuentwickeln, Stillstand ist nichts für uns. Wir wollen Xantus außerdem weiter am deutschen und internationalen Markt etablieren und diesen ausweiten, neue Partner gewinnen und viel bewegen. Persönlich wachsen, lernen und sich weiterentwickeln.

GründerDaily: Kim, vielen Dank für dieses Gespräch. Wir drücken euch auch weiterhin alle Daumen.

Keyfacts über Twinvay GmbH

    • Gegründet im Jahr: 2016
    • Firmensitz in: Waldbronn
    • Unser aktuelles Team besteht aus: Kim Eisenmann, Sven Häuser + zig Partner
    • Die erste Finanzierung erfolgte durch/über: Familie, Bank
    • Besonders geholfen haben mir/uns bisher: Familie, unsere Mentoren (insbesondere unser Harry) und die Steinbeis Stiftung, besonders die Gründerinitiative Hilzingen
    • Menschen: Sven, Partner
    • Tools: Slack, Trello, Google Drive