5×3 Legal Techs: Mit diesen Start-ups kommt ihr einfacher an euer Recht



Verstaubte Aktenberge und unverständliches Juristendeutsch – diese Bilder passen nicht ins Zeitalter der Digitalisierung? Und ob! Doch einmal mehr sind es junge Start-ups, die mit ihren innovativen Geschäftsmodellen eine Branche kräftig aufmischen. Das Ziel: Mehr Transparenz für Mandanten, Verbesserung des Verbraucherschutzes und einfacher Zugang zu juristischen Leistungen.

Der Einzug der Digitalisierung in der Rechtsbranche bedeutet für Kanzleien und Rechtsabteilungen oft nicht weniger als eine komplette Neuorganisation von Arbeitsprozessen. Findige Legal Techs machen sich diesen Trend zunutze und sind dabei, mit ihren innovativen Technologien eine ganze Branche umzukrempeln. So ersetzen Algorithmen etwa aufwändige Recherchearbeiten, Verbraucher finden online schnell und unkompliziert juristischen Beistand und Unternehmen profitieren von praktischen Legal Tools. Was Investitionen betrifft, hinkt Deutschland dem Vorreiter USA zwar noch weit hinterher, dennoch gibt es schon viele nennenswerte Start-ups. Wir stellen euch jeweils drei Legal Techs aus fünf verschiedenen Feldern vor.

Einfach, sicher und transparent ist die Vermittlung von Anwaltsleistungen durch Jurato (Bildquelle: Jurato).

#1 Online-Marktplätze für Anwaltsleistungen

Die Gründer von Jurato sind im September 2013 als Teil des ProSiebenSat1 Accelerators in Berlin gestartet. Vier Jahre später beschreibt sich das Start-up als Marktführer und erster Online-Marktplatz für Rechtsfälle in Deutschland. Nach Registrierung und Schilderung des individuellen Falls in einem Kontaktformular erhält der Nutzer unverbindliche Beratungsangebote von verschiedenen Vertragsanwälten. Ist die Entscheidung für einen Rechtsbeistand gefallen, kann man mit diesem direkt über die Plattform in Kontakt treten. Besonders wichtig ist Jurato Transparenz und Kostenkontrolle durch den Mandanten. Der Rechtsratsuchende entscheidet sich selbst für eines der Festpreispakete und hat die Gewissheit, den richtigen Anwalt für seinen Fall gefunden zu haben.

Ein ähnliches Geschäftsmodell hat auch Legalbase aus Berlin. Das Start-up des Smartlaw-Gründers Daniel Biene bietet die Vermittlung von Anwaltsleistungen für Privatpersonen, Gründer und Unternehmen an. Das 2014 von Maximilian Block und Jacob Saß in Greifswald gegründete Legal Tech advocado möchte seine Kunden vor Beauftragung mit einer kostenfreien Ersteinschätzung des Falls überzeugen.

#2 Legal Tech-Trend Fluggastrechte

Der Markt der Fluggastrechte ist hart umkämpft: Start-ups, die für Flugpassagiere gegenüber den Airlines Entschädigungen durchfechten, gibt es inzwischen viele. Das Geschäftsmodell kommt beim Verbraucher gut an. Muss man sich im Fall von Flugausfällen oder Verspätungen selbst um eine Erstattung kümmern, drohen meist langwierige Verfahren. Zudem weigern sich die Fluglinien oft zunächst, einen Anspruch auf Entschädigung anzuerkennen. Verständlich, dass viele Fluggäste hier entnervt aufgeben und den Gang zum Anwalt scheuen.

Das Legal Tech Flightright aus Potsdam, das sich selbst als Marktführer bezeichnet, wurde bereits 2009 gegründet und wirbt mit einer Erfolgsquote von 98 Prozent gewonnener Fälle vor Gericht. Der Kunde kann zunächst durch Angabe von Flugnummer und Datum die voraussichtliche Entschädigungssumme erfahren. Bei Erteilung der Vollmacht für eine Klage an Flightright tritt er dann im Erfolgsfall eine Provision von 25 Prozent der Entschädigungssumme an das Unternehmen ab. Attraktiv für den Kunden ist, dass er bei einer Niederlage vor Gericht nicht zahlen muss. Wettbewerber wie WirkaufendeinenFlug.de oder Compensation2Go aus Hamburg grenzen sich damit ab, dass die Kunden bei berechtigten Ansprüchen eine Sofortentschädigung erhalten und nicht erst einen, häufig langwierigen, Prozess abwarten müssen.

#3 Hilfe bei Knöllchen, Abos & Co.

Tausenden von Autofahrern passiert das regelmäßig: Kaum mal nicht richtig aufgepasst, schon ist man zu schnell unterwegs, bei Rot über die Ampel oder zu dicht aufgefahren. Pech nur, wenn man in einem solchen Moment der Unachtsamkeit dann auch noch geblitzt wird und bald einen Bußgeldbescheid im Briefkasten hat. Doch auch für dieses Problem hat ein pfiffiger Gründer eine Lösung gefunden. Jan Ginhold aus Berlin betreibt mit Geblitzt.de das größte deutsche Portal zur kostenlosen Prüfung von Bußgeldverfahren. Da viele Bußgeldbescheide oft falsch oder inhaltlich mangelhaft sind, lässt sich häufig die Einstellung des Verfahrens erreichen. Das bedeutet für den Kunden dann kein Bußgeld und keine Punkte in Flensburg. Der Service ist für Nutzer kostenlos, da die von Geblitzt.de vertraglich verpflichteten Verkehrsrechtsanwälte zur Bearbeitung der Fälle eine spezielle Software nutzen, für die sie Lizenzgebühren zahlen müssen.

Im nachfolgenden Video seht ihr, wie genau der Service von Geblitzt.de funktioniert:

Entschädigungen für Bahnkunden bietet das im März 2016 gestartete Start-up BahnBuddy. Der Prozess funktioniert komplett online: der Kunde muss nur sein Online-Ticket hochladen, die Daten werden dann automatisch ausgelesen. Ein weiteres Verbraucherschutzthema deckt das Legal Tech aboalarm aus München ab. aboalarm bietet seinen Nutzern über 20.000 Vorlagen für Kündigungsschreiben zur Beendigung von z.B. Handyverträgen, Kfz-Versicherungen oder Fitnessstudioverträgen.

#4 Legal Tools für Unternehmen

Juristische Verträge lesen, geschweige denn verstehen, ist für viele eine Qual. Genau dieses Problem löst das Berliner Start-up Leverton mit seiner cloudbasierten Software. Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz werden komplexe Vertragswerke ausgelesen und analysiert. Die Software ist insbesondere dafür gedacht, Großkonzerne bei der Verwaltung von umfangreichen Dokumenten zu unterstützen. Benötigt ein Mitarbeiter bestimmte Informationen aus einem Vertrag, muss er nicht mehr alles selbst lesen, sondern kann sich von der Software die relevanten Stellen anzeigen lassen. Eine Anbindung an SAP erleichtert zudem die Verlinkung mit internen Arbeitsprozessen. Das 2012 gegründete Legal Tech kann einen Stamm an namhaften Kunden wie z.B. Goldman Sachs, Deutsche Bank, Linde oder Bilfinger vorweisen. Beteiligt an Leverton ist der Sohn von SAP-Mitgründer Dietmar Hopp, Daniel Hopp über seine DAH Beteiligungs GmbH.

Das 2014 gegründete Darmstädter Start-up Lexalgo hat eine Software entwickelt, die es Unternehmenskunden ermöglichen soll, juristische oder stark regelbasierte Probleme ohne großen personellen und zeitlichen Aufwand zu lösen. Etwas weniger komplex ist dagegen das Tool des Start-ups Busylamp aus Frankfurt, welches seinen Kunden ein übersichtliches Controllling externer Beraterkosten sowie automatisierte Rechnungsprüfung bietet.

#5 Smart Contracts: Rechtssichere Dokumente online

Eine weitere Sparte der Legal Techs sind Online-Portale, die ihren Kunden sogenannte Smart Contracts zur Verfügung stellen. Die in 2012 gestarteten Gründer von Smartlaw werben zum Beispiel damit, dass Nutzer einfach und innerhalb weniger Minuten rechtssichere Verträge und Dokumente erstellen können. Mit den von hoch spezialisierten Anwälten erstellten Rechtsdokumenten sollen die Kunden den Überblick über ihre rechtliche Situation behalten und Risiken vermeiden. Zudem können die individualisierten Verträge eine rechtssichere Alternative zu häufig veralteten und zu allgemein formulierten Mustervorlagen sein. Seit 2014 gehört das Start-up zu Wolters Kluwer, einem Informationsdienstleister in den Bereichen Recht, Wirtschaft und Steuern.

Auch die Wettbewerber agreement24.de oder unser Partner Formblitz aus Berlin wollen ihren Kunden die zeitraubende Beratung beim Anwalt ersparen, indem sie individualisierte Rechtsdokumente, wie z.B. Vollmachten, Mietverträge oder Arbeitszeugnisse auf ihren Portalen anbieten.

  • In unserem Für-Gründer.de-Shop findet ihr alle relevanten Dokumente für Gründer von unserem Partner Formblitz auf einen Blick.
Das Team vom Smartlaw bietet seinen Kunden rechtssichere Dokumente online (Bildquelle: Smartlaw).

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