Das Hotelzimmer als Alternative zum Homeoffice: ja oder nein?



Die Arbeit zu Hause klingt für viele Menschen verlockend – birgt aber so manche Hürde. Nicht jeder hat ausreichend Platz oder Ruhe, um in den eigenen vier Wänden zu arbeiten. Wer trotzdem ins Homeoffice will oder muss, kann daher auf Alternativen zurückgreifen und etwa in einem Coworking Space oder einem klassischen Hotelzimmer arbeiten. Immer mehr Hotels bieten eine tageweise Zimmerbuchung an, die zahlreiche Vorteile mit sich bringt.

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Keine Ruhe zum Arbeiten zu Hause? Dann bietet sich das Hotelzimmer als Alternative an. (Bild: stock.adobe.com, © lordn)

Vorteile der Arbeit im Hotelzimmer

In der Corona-Krise mussten viele Hotels neue Wege finden, um ihre minimale Auslastung aufzustocken, da touristische Besuche zeitweise nicht erlaubt waren. So wurden beispielsweise spezielle Lockdown-Zimmer ins Leben gerufen, um einen Tapetenwechsel vornehmen zu können. Doch diese war nicht die einzige neue Idee: Viele Menschen mussten oder wollten zeitweise im Homeoffice arbeiten, hatten in den eigenen vier Wänden dafür aber nicht die optimalen Bedingungen.

Demgegenüber stehen nicht nur zu Lockdown-Zeiten immer wieder Hotelzimmer leer, während Unternehmer ihren Angestellten vielleicht keine geeigneten Büroräumlichkeiten zur Verfügung stellen können. Das Hotelzimmer als Homeoffice wird daher als Konzept immer beliebter. Es bringt schließlich zahlreiche Vorteile mit sich:

  • Günstiges Büro, das flexibel tageweise angemietet werden kann und damit weniger Geld kostet als ein dauerhaft gemietetes Büro sowie viele Coworking Spaces.
  • Leistungsstarkes und zuverlässiges WLAN, das kostenlos inbegriffen ist.
  • Professionelle Ausstattung mit Schreibtisch, Stuhl, Beleuchtung etc.
  • Ruhe, die viele Arbeitnehmer und Selbstständige zu Hause nicht finden, ohne klingelnde Telefone, störende Postboten, spielende Kinder usw.
  • Möglichkeit zur Mitnahme des Haustiers, sodass der Hund nicht alleine zu Hause bleiben muss. Schließlich sind diese in den meisten Unternehmen (noch) nicht erlaubt.
  • Verpflegung durch Kaffee, Tee und weitere Getränke, oft als kostengünstige Flatrate. Häufig steht auch ein Lunchpaket, der Roomservice oder das hauseigene Restaurant zur Verfügung.
  • Kurze Fahrtwege, da fast immer ein geeignetes Hotel in unmittelbarer Nähe ist, vor allem in größeren Städten.
  • Wer ein Hotelzimmer in der Innenstadt wählt, ist durch die gute Anbindung in den meisten Städten schnell bei Kunden oder Geschäftspartnern für eine persönliche Besprechung.
  • Bei Bedarf können professionelle Konferenzräume in der benötigten Größe mitgebucht werden.
  • Es gibt Parkplätze direkt vor der Haustür, die kostenlos oder günstig genutzt werden können.
  • Flexible Nutzungszeiten durch lange „Öffnungszeiten“, zum Beispiel von 6 bis 23 Uhr. So kann jeder seine Arbeitszeiten größtenteils selbst bestimmen. Die Nacht muss hingegen nicht mitbezahlt werden.
  • Professionelles Umfeld für Telefonate, Videokonferenzen oder persönliche Meetings, ohne Familienmitglieder im Hintergrund oder störende Geräusche.
  • Gute Hygiene, sprich: keine Ansteckungsgefahr durch Kollegen, andere Coworker, öffentliche Toiletten etc.

Hotelzimmer als „Arbeitgeberleistung“ – ja oder nein?

Inzwischen entscheiden sich auch immer mehr Unternehmer dafür, ihren Angestellten diese Option im Lockdown kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Eine Idee, die ebenso für Gründer relevant sein kann, wenn sie noch über keine eigenen Büroräumlichkeiten verfügen. Schließlich bedeuten solche stets auch hohe Kosten, die sogar anfallen, wenn die Arbeitsplätze nicht (vollständig) besetzt sind.

Es handelt sich also um einen starren Kostenblock und das Unternehmen ist weniger flexibel, wenn es um die Anzahl an Mitarbeitern geht. Ein leeres Büro ist schließlich genauso unwirtschaftlich wie der ständige Umzug in größere Räumlichkeiten. Die Anmietung von Hotelzimmern bietet deutlich mehr Flexibilität. Kosten fallen nur an, wenn die Zimmer auch tatsächlich benötigt und genutzt werden.

Jederzeit können zudem mehr oder weniger Hotelzimmer gebucht werden. Unterm Strich kommen viele Arbeitgeber mit dieser Lösung günstiger weg als mit eigenen Büroräumlichkeiten, vor allem – aber nicht nur – in der Gründungsphase.

Weitere Alternativen zum Homeoffice

Alternative Bürolösungen sind kein neuer Trend. Schon länger entwickeln sich immer mehr Arbeitskonzepte, die örtliche Unabhängigkeit erlauben. Immer mehr Menschen nutzen inzwischen diese Möglichkeit für sich. Die digitalen Technologien machen solche Alternativen möglich und auch immer einfacher.

Vereinzelt gibt es sogar Unternehmen, die vollständig „virtuell“ bestehen, sprich, die Mitarbeiter kommunizieren digital miteinander, sitzen aber niemals gemeinsam in einem Büro. Dass sich solche Lösungen flächendeckend durchsetzen, ist noch Zukunftsmusik. Auch das Homeoffice oder Remote Work im Allgemeinen hatten es in Deutschland lange Zeit schwer.

Doch die Corona-Krise hat der Entwicklung einen Aufschwung verliehen und plötzlich ist die Arbeit im Homeoffice zum neuen Normal geworden. Einige dieser Entwicklungen werden auch nach der Pandemie bleiben, dessen sind sich viele Menschen sicher.

Wann die Arbeit zu Hause nicht optimal ist

Nicht jeder hat eine Wohnung oder ein Haus, wo die Anforderungen während des Lockdowns an ein Arbeitszimmer erfüllt werden. Wer alleine wohnt, kann vielleicht einen Kompromiss finden und beispielsweise im Wohnzimmer eine Arbeitsecke einrichten. Das geht auch, wenn der Partner oder andere Familienmitglieder während der Arbeitszeit nicht zu Hause sind.

Wo hingegen zu viele Störquellen lauern, ist ein produktives Arbeiten beinahe unmöglich. Wann immer im eigenen Zuhause also die Produktivität oder Gesundheit unter den Bedingungen leiden würde, ist das klassische Homeoffice nicht die optimale Wahl. Das bedeutet jedoch nicht, dass nicht eine ähnliche Lösung möglich ist. Der Gang ins Unternehmen ist nämlich nicht die einzige Alternative – und für Selbstständige ohnehin nicht machbar, wenn sie über kein offizielles Büro verfügen.

Mögliche Alternativen zur klassischen Heimarbeit

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Es muss nicht der Arbeitsplatz zu Hause sein: Schaut euch schon jetzt nach Alternativen um, wenn Lockerungen kommen. (Bild: stock.adobe.com, © Maksym Povozniuk)

Durch eigene Büroräume fallen oft monatliche Kosten im dreistelligen Bereich an. Viele Menschen wünschen sich zudem mehr Flexibilität, sodass sie frei entscheiden können, wann sie zu Hause arbeiten wollen, wann vor Ort im Unternehmen und wann woanders.

Das moderne Remote Working bietet schließlich völlige Ortsunabhängigkeit, sofern am gewählten Arbeitsplatz ein Strom- und Internetanschluss vorhanden sind. Daher haben sich zuletzt viele neuartige Büroalternativen entwickelt, die auch über den Lockdown hinaus sinnvoll sind.

  • Internetcafé: In immer mehr Cafés und Restaurants gibt es kostenlose WLAN-Zugänge. Sofern sie regelmäßig etwas bestellen und somit Einnahmen generieren, sind dort arbeitende Gäste willkommen. Allerdings herrscht oft ein vergleichsweise hoher Lärmpegel. Zudem ist die Arbeitsumgebung nicht geeignet für Telefonate oder Videokonferenzen mit Zoom. Somit ist die Arbeit im Internetcafé nur für gewisse Tätigkeiten geeignet und für Personen, die sich vom „Trubel“ nicht ablenken lassen.
  • Hotspot für die Arbeit in der „freien Natur“: Gerade in den warmen Monaten wünschen sich viele Menschen, draußen arbeiten zu können. Neben Balkon oder Garten kann ein Hotspot für den Internetzugang sorgen. Immer häufiger finden sich solche kostenfreien WLAN-Zugänge auch in Parks, in Freibädern oder anderen Outdoor-Bereichen. Auch ein mobiler WLAN-Stick wäre eine Lösung.

Allerdings warten auch hier zahlreiche Ablenkungen. Zudem sollte eine ordentliche Sitzmöglichkeit geboten sein, denn eine Picknickdecke oder Parkbank eignet sich als rückenschonender und gesundheitsförderlicher Arbeitsplatz nicht. Jeder Arbeitnehmer und -geber muss jedoch Maßnahmen ergreifen, um die Gesundheit zu wahren.

  • Arbeitsplatz in einer Bibliothek: Von Studierenden werden Bibliotheken oft und gerne zum Arbeiten genutzt. Auch immer mehr Erwerbstätige kommen auf die Idee, die Bibliothek als Alternative zum Homeoffice zu verwenden. Ruhe herrscht hier allemal, allerdings ist nicht immer die gewünschte Privatsphäre gegeben. Zudem dürfen in der Bibliothek keine Telefonate oder Videochats geführt werden.
  • Coworking Space: Dies ist vor allem bei Selbstständigen beliebt. Dort können sie stunden-, tage- oder monatsweise einen Arbeitsplatz anmieten – inklusive Internetanschluss und professioneller Büroausstattung. Der Vorteil liegt in der freien Wahl, ob es sich nur um einen Schreibtisch oder um einen Arbeitsplatz mit mehr Privatsphäre wie ein Einzelbüro handeln soll. Zudem lassen sich vor Ort wertvolle Kontakte mit anderen Selbstständigen, Unternehmern oder Arbeitnehmern knüpfen. Allerdings ist der Coworking Space auf Dauer nicht günstig. Manchmal ist es ausgebucht oder kann schlichtweg nicht genutzt werden, wie zu Lockdown-Zeiten.
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