Innovative Health-Start-ups



Die Digitalisierung unterstützt Patienten bei der Heilung und ermöglicht Ärzten bessere Diagnosen und Behandlungen. Wir stellen 5 Geschäftsideen von jungen, vielversprechenden Health-Start-ups vor.

#1 Kinderheldin – mit Hebammen chatten

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Hebammen-Beratung via Chat und Telefon bietet das Start-up Kinderheldin. (Foto: Kinderheldin)

Hebammen sind Heldinnen. Jede Mutter weiß das. Der Name des 2017 gegründeten Start-ups ist daher passend: Hebammen beraten Eltern und werdende Eltern zu allen Fragen rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Kind. Täglich von 7.00 bis 22.00 Uhr sind die Expertinnen per Chat oder Telefon erreichbar.

Kinderheldin bietet Frauen (und dem einen oder anderen Mann) damit eine moderne, unkomplizierte Form der Gesundheitsversorgung und Beratung an: Innerhalb kürzester Zeit erhalten junge Eltern fundierte und zugleich persönliche Informationen. Dafür sorgt ein Team von mehr als zehn Hebammen, jede mit staatlich anerkannter Ausbildung und mehrjähriger Berufserfahrung.

Unterstützt werden die Hebammen von einem dreiköpfigen medizinischen Beirat.

Ein Erstgespräch ist für die Eltern immer kostenlos. Für alle weiteren Gespräche, unabhängig von Anzahl und Dauer, zahlt man einen Pauschalpreis von knapp 40 Euro pro Monat. Allerdings kooperiert das Berliner Start-up mit fast 50 Krankenkassen. Nutzer, die bei einer diesen Kassen versichert sind, erhalten die Leistungen kostenlos. Laut den Gründern Paul Hadrossek und Fabian Müller gilt das für rund 20 Prozent aller Versicherten in Deutschland.

#2 M-sense – Kampf den Kopfschmerzen

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Kofpschmerztagebuch mit Analyse-Funktion: M-Sense hilft Migränepatienten mit einer App. (Foto: M-Sense)

Die Digital Health App M-sense wäre wahrscheinlich nie entwickelt worden, wenn Stefan Greiner immer alleine gewohnt hätte. Greiner beschäftigte sich zwar schon länger mit Mensch-Computer-Interaktion und war von den Möglichkeiten neuer Technologien in Zusammenhang mit Medizin und Gesundheit fasziniert. Doch seine Mitbewohnerin, die unter Migräne litt, gab den Ausschlag.

Gemeinsam mit seinem Freund Markus Dahlem und zwei Softwareanalysten gründete Greiner Anfang 2016 in Berlin Newsenselab. Im September des gleichen Jahres ging M-sense an den Start.

Die App hilft Menschen mit Migräne oder häufigen Kopfschmerzen, ihr Leid zu lindern.

Dazu führen sie in der App ein Kopfschmerztagebuch, welches ihnen einen Überblick über ihre Schmerzen und die Medikamenteneinnahmen gibt. M-sense analysiert daraufhin die Eingaben und findet die Auslöser der Schmerzen heraus.

Zusätzlich wird ein persönliches Kopfschmerzmuster erstellt. Dabei lernt die App kontinuierlich und wird besser, je mehr Eintragungen vorhanden sind. Vor allem aber schlägt M-sense dem Patienten nicht-medikamentöse Therapiemethoden wie Autogenes Training oder Muskelentspannung vor. So sollen sich Häufigkeit und Intensität der Schmerzattacken um 40 Prozent reduzieren.

#3 mediaire –  bessere Bilder, bessere Behandlung

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Software und KI unter den Top 50: mediaire verbessert radiologische Befunde und wurde damit eines der erfolgreichsten Health-Start-ups. (Foto: mediaire)

Andreas Lemke und Jörg Döpfert haben sich ein ehrgeiziges Ziel gesteckt: Sie wollen den Alltag von Radiologen „revolutionieren“. Aus diesem Grund haben die beiden Physiker mediaire gegründet. Das Berliner Start-up entwickelt KI-basierte Softwarelösungen, die effizientere Bilddatenanalysen und schlankere Arbeitsabläufe ermöglichen.

Somit können Radiologen bessere Diagnosen erstellen und ihren Patienten eine qualitativ höherwertige Behandlung zukommen lassen. 2018 wurde mediaire gegründet, die Idee aber keimte vor mehr als zehn Jahren, als Lemke und Döpfert zwar noch getrennt forschten, sich aber häufig austauschten.

Es war die Zeit, als die Arbeit von Radiologen wegen steigender Patientenzahlen und stetig wachsender Datenmengen immer komplexer und anspruchsvoller wurde.

Somit wurde klar: Die medizinischen Bilddaten müssen auf hocheffiziente Art analysiert werden. Genau das hat mediaire umgesetzt, bislang in seinem ersten zugelassenen Produkt mdbrain. Es quantifiziert Hirn-MRTs und visualisiert die Ergebnisse innerhalb weniger Minuten in einfach verständliche Berichte. Die Software unterstützt die Ärzte vor allem bei der Diagnostik neurologischer Erkrankungen wie Demenz oder Multiple Sklerose.

#4 Selfapy – Online-Hilfe bei psychischen Erkrankungen

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Online-Hilfe bei psychischen Problemen: Durch die Zusammenarbeit mit mehreren Krankenkassen sind Kurse z. T. kostenlos. (Foto: Selfapy)

Wer in der Krise steckt, unter Depressionen, Angst oder Burnout leidet, braucht Hilfe. Und zwar sofort. Doch die Wartezeiten bei Therapeuten sind lang. Zu lang. Health-Start-ups wie Selfapy bieten einen Ausweg aus der Misere. Das 2016 in Berlin gegründete Start-up ist nach eigenen Angaben Deutschlands erstes Internetportal, das Online-Therapiekurse und persönliche Gespräche mit Psychologen am Telefon oder im Chat anbietet.

Selfapy will Menschen in Not so schnell wie möglich helfen. Ohne Wartezeiten können sie über ihre Probleme sprechen.

Außerdem tun sie dies im häuslichen, geschützten Raum. Diese Anonymität baut mögliche Berührungsängste sowie die Sorge vor Stigmatisierung ab.

Der Therapiekurs im Netz geht über neun Wochen. Danach, so sagen die Gründerinnen Nora Blum, Kati Bermbach und Farina Schurzfeld, vermindern sich die Symptome der Patienten um durchschnittlich 20 Prozent.

Das heißt aber auch: Selfapy will den Gang zum Therapeuten nicht ersetzen, sondern ist als Unterstützung gedacht. 5.000 registrierte Betroffene nehmen die Angebote derzeit wahr, seit dem Start haben mehr als 30.000 Menschen die Online-Therapieprogramme absolviert.

#5 FirstActKit – erste Hilfe für Ersthelfer

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Via Livestream mit Sanitätern verbunden, bevor diese am Unfallort eintreffen: FirstActKit hilft Ersthelfern bei einem Autounfall. (Foto: Unsplash)

Noch ist es nicht viel mehr als eine Idee, aber immerhin eine preisgekrönte. Das Team FirstActKit der privaten Programmierer-Hochschule CODE in Berlin ist der Sieger der von Samsung ausgeloteten Initiative „Solve for Tomorrow. 5G for Society.“

Zehn Teams von 13 Hochschulen hatten sich bereits vorab für den Wettbewerb qualifiziert und Ideen für 5G-Anwendungen für gesellschaftlich relevante Fragestellungen entwickelt. Da die Entwicklung des Health-Start-ups noch in der Entwicklungsphase steckt, gibt es noch keine eigene Website, aber eine Pressemeldung.

Als Gewinner erhält FirstActKit mindestens sechs Monate lang weitere Unterstützung von einem Samsung-Expertenteam.

FirstActKit entwickelt eine App, die Ersthelfer am Unfallort in Notsituationen unterstützt, also jene Autofahrer, die unmittelbar nach dem Geschehen an Ort und Stelle sind.

Die App unterstützt die Unsicheren: Der Helfer ruft in der Notrufzentrale an und erhält sofort eine Nachricht auf seinem Smartphone. Öffnet er den Link, ist er direkt via Live-Stream mit einem Sanitäter oder Arzt verbunden, welcher Anleitungen für die Versorgung der Verletzten gibt. Umgekehrt erhält das professionelle Rettungsteam detaillierte Informationen, schon bevor es am Unfallort eintrifft.

Weitere Health-Start-ups kennenlernen

  • Mehr über eines der erfolgreichsten Health-Start-ups mediaire und weitere Top-Start-ups findet ihr in unserem Magazin. Auch spannend: Lucas Gollner erzählt im Interview, wie das Darmstädter Start-up Tec4Med mit seiner smarten Kühlbox die Pharmaindustrie revolutioniert.
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