Jimdo-ifo-Geschäftsklimaindex Geschäftsklima: Hälfte der Selbstständigen klagt über Auftragsmangel

ifo-Umfrage: Ein Fünftel der Selbstständigen bangt um Existenz
Die ifo-Umfrage macht deutlich, wie drückend die Lage ist. Unter den Soloselbständigen und Kleinstunternehmen (weniger als 9 Mitarbeitende) ergaben sich folgende Daten:
- 19 % der Befragten befürchten, ihr Geschäft aufgeben zu müssen
- 46,6 % der Befragten gaben im Oktober an, keine neuen Aufträge zu haben (43,6 % im Juli, Gesamtwirtschaft: 36,9 %)
- Geschäftsklimaindex für Selbständige und Kleinstunternehmen sank im Oktober auf -23,7 Punkte nach (-19,8 im September)
- 33,7 % der Befragten gaben an, es falle ihnen schwer, die eigene Geschäftsentwicklung einzuschätzen (September: 30,4 %, Gesamtwirtschaft: 22,6 %).
Diese Daten machen klar: Es geht nicht nur um Stimmung, sondern um reale Auftrags- und Existenzprobleme für viele Selbständige.
Unsere Partner-EmpfehlungenWelche Branchen besonders betroffen sind
Die Auftragsflaute trifft nicht alle Bereiche gleichermaßen. Besonders deutlich zeigt sich die Krise im Dienstleistungssektor. Dort vor allem bei Firmen, die stark von externen Auftraggebern abhängen. Am härtesten erwischt es gegenwärtig die Leiharbeits- und Personalvermittlungsbranche. Nach aktuellen ifo-Daten berichten mehr als 70 % der Unternehmen in diesem Segment von einem unzureichenden Auftragsbestand. Einer der höchsten Werte überhaupt. Der Grund: Viele Firmen reduzieren ihre Personalausgaben und setzen neue Projekte seltener um. Leidtragende sind Dienstleister, die in normalen Zeiten als flexible Kapazität gefragt sind.
Auch das Gastgewerbe und die Hotellerie kämpfen weiter mit einer angespannten Lage. Rund 60 % der Hotels bewerten ihre Auftrags- und Buchungssituation als unbefriedigend. Geschäftsreisen bleiben vielerorts unter Vor-Corona-Niveau, Privatgäste geben wegen der wirtschaftlichen Unsicherheit weniger aus. In dieser Branche wird sich die Situation durch die beschlossene Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns zusätzlich zuspitzen: Ab dem 1. Januar 2026 wird der Mindestlohn von derzeit 12,82 € auf 13,90 € pro Stunde steigen. Ein Jahr später – zum 1. Januar 2027 – ist bereits eine weitere Erhöhung auf 14,60 € pro Stunde vorgesehen.
Überraschend stark betroffen sind zudem IT-Dienstleister. Knapp die Hälfte der Tech-Unternehmen meldet zu wenige Projekte. Die Zurückhaltung kommt häufig aus dem Mittelstand: Digitalisierungsprojekte werden zwar nicht komplett gestoppt, aber in vielen Fällen verschoben. Für Solo-ITler oder kleine Agenturen ist dieser Rückgang unmittelbar spürbar – vor allem, wenn sie von wenigen Hauptkunden abhängig sind.
B2B-Segment unter Druck
Damit zeigt sich ein klarer Trend: Je stärker eine Branche von Investitionsentscheidungen anderer Unternehmen abhängt, desto schärfer schlägt die aktuelle Auftragsflaute durch. Während Konsumdienstleistungen vergleichsweise stabil bleiben, stehen viele Selbständige in B2B-Segmenten unter massivem Druck. Für Gründer, die sich in diesen Märkten bewegen, wird damit die Frage zentral, wie breit das Geschäftsmodell aufgestellt ist – und wie schnell sich neue Kundengruppen erschließen lassen.
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Quellen:
ifo-Institut: Jeder fünfte Selbständige sieht Existenz bedroht; Knapp 40% der Unternehmen beklagen Auftragsmangel