Geschäftsideen für Gesundheit



Krankheiten können umso besser geheilt werden, desto früher sie erkannt werden. Wir stellen fünf Geschäftsideen vor, die schneller und schonender als bisher herausfinden, ob ein Leiden vorliegt.

#1 Thinksono – mit Ultraschall gegen die Venenthrombose

Thinksono
Das Team von Thinksono ermöglicht Ärzten eine einfachere Diagnose der Krankheit TVT. (Bild: Thinksono)

Die „tiefe Venenthrombose“ (TVT), ein Blutgerinnsel in der Beinvene, kann, wenn es sich löst und in die Lunge wandert, schnell zur tödlichen Embolie führen. Umso schlimmer ist, dass die TVT schwer zu diagnostizieren ist. Deshalb sterben in Europa und den USA jährlich rund 800.000 Menschen daran.

2017 haben Sven Mischkewitz und Fouad Al-Noor das Start-up ThinkSono gegründet, um die Früherkennung der Krankheit zu verbessern. Bislang war die Diagnose teuer, extrem zeitaufwendig und überdies häufig fehlerhaft. Zuerst hatten die beiden, die sich in London im Rahmen eines Gründerstipendiums kennenlernten, die TVT gar nicht auf dem Schirm. Sie forschten in verschiedene Richtungen, unter anderem zu Antibiotika-Resistenzen. Doch alle Ansätze führten ins Nichts.

Also fing das Gründer-Duo noch einmal von vorne an. Sie interviewten Ärzte, um herauszufinden, welches die drängendsten Probleme in der Praxis sind. So stießen sie auf die TVT und entwickelten eine Diagnose-Software sowie ein transportables Ultraschallgerät.

Beides in Kombination ermöglicht den Ärzten die einfache Erkennung der TVT mit Hilfe einer Bildanalyse auf Ultraschall-Basis.

#2 VivoSensMedical – mit KI zum Kind

Ein unerfüllter Kinderwunsch ist für Frauen eines der schlimmsten Schicksale. Die moderne Medizin versucht seit Jahren, Abhilfe zu schaffen. Das 2011 von Henry Alexander, Holger Runkewitz und Sebastian Alexander gegründete Start-up VivoSensMedical hat in dieser Disziplin Bahnbrechendes geleistet: Der patentgeschützte OvulaRing der Leipziger ermöglicht eine einfachste Zyklusdiagnostik, also die präzise Bestimmung der fruchtbaren Tage.

Es handelt sich dabei genau genommen um einen medizinischen Kunststoffring, ferner einem Temperatursensor, einem Lesegerät und einer webbasierten Auswertungssoftware.

Die Frau trägt den Ring während des gesamten Zyklus im Körper. Er misst täglich die Temperatur und kann mithilfe von Algorithmen den Zyklusverlauf abbilden und somit die fruchtbare Phase prognostizieren.

Der OvulaRing ist nur ein Produkt des Medizintechnikunternehmens. Seine Vision ist, weitere Produkte im Bereich Frauengesundheit, aber auch in den Bereichen Autoimmunerkrankungen und Chronobiologie zu entwickeln, immer basierend auf dem Biomarker Körpertemperatur.

#3 Discovering hands – Blinde Begabung

Eine von acht Frauen in Deutschland erhält im Laufe ihres Lebens die Diagnose Brustkrebs. Jährlich erkranken rund 70.000 Frauen bundesweit. Die Brustkrebsfrüherkennung kann Leben retten. Der Mühlheimer Frauenarzt Frank Hoffmann ist mit seinem Start-up Discovering hands einen ungewöhnlichen Weg gegangen, um die so wichtige Früherkennung zu verbessern: Er bildet blinde und sehbehinderte Frauen zu sogenannten Medizinischen Tastuntersucherinnen (MTUs) aus. Nach der neunmonatigen Qualifizierung sind sie in der Lage, sogar kleinere Gewebeveränderungen zu ertasten.

Ihre Quote ist bedeutend höher als die von Ärzten. Der Grund ist, dass sehbehinderte Menschen einen stark ausgeprägten Tastsinn besitzen.

Die Idee dazu kam Hoffmann im Rahmen seiner Tätigkeit als Frauenarzt. In der Sprechstunde hatte er oft nicht die nötige Zeit, um die Brust aufmerksam abzutasten. Er suchte also eine Assistenzkraft dafür – und da fielen ihm die Fähigkeiten von Sehbehinderten ein.
Die Methode ist längst etabliert. In vielen Praxen und Kliniken in ganz Deutschland sind die MTUs im Einsatz.

#4 Vara – mit KI gegen Brustkrebs

Noch einmal geht es um die Brustkrebsvorsorge. Das Start-up Vara hat einen gänzlich anderen Ansatz, um diese Vorsorge zu verbessern, also den Krebs effektiver zu erkennen. Das Berliner Start-up setzt mit seiner Software auf Künstliche Intelligenz. Nach eigenen Angaben handelt es sich um die erste CE-zertifizierte Software in Deutschland zur Brustkrebsvorsorge mittels KI. Die Zertifizierung ist die Voraussetzung dafür, dass die Software als Medizinprodukt auf den Markt gebracht werden konnte. Bislang wurden nur physische Produkte CE-zertifiziert, nicht aber Software.

Vara, eine Ausgründung des nach eigenen Angaben führenden Studios für Künstliche Intelligenz Merantix, wendet sich mit seiner Software an Radiologen. Diese begutachten die Mammografien und erstellen daraufhin einen Befund. Da 97 Prozent der Aufnahmen unbedenklich sind, müssen die Ärzte zwangsläufig viel Zeit darauf aufwenden, diese vielen Dateien zu betrachten.

Die Vara-Software entlastet sie von dieser Tätigkeit, sie sortiert die gesunden Brüste sozusagen aus. Somit haben die Radiologen bedeutend mehr Zeit, sich die kritischen Aufnahmen anzusehen, was die Chance auf eine richtige Beurteilung der wichtigen Fälle erhöht.

#5 inveox – Digital gegen Krebs

inveox - Maria Driesel und Dominik Sievert
inveox – Maria Driesel und Dominik Sievert digitalisieren Pathologie-Labore. (Bildquelle: Astrid Eckert)

Manche Verbindungen haben es in sich – etwa die von Maria und Dominik Sievert. Nachdem sich die beiden bei einem Qualifzierungsprogramm an der Technischen Universität München kennengelernt hatten, beschlossen sie sowohl privat als auch beruflich gemeinsame Wege zu gehen. Ersteres mündete in der Hochzeit, letzteres im Start-up inveox. 2017 haben es die Wirtschaftsingenieurin und der Molkekular-Biotechnologe in Garching bei München gegründet.

Seither treibt das mittlerweile mehrfach ausgezeichnete Start-up die Digitalisierung und Automatisierung in Pathologielaboren voran, um die Auswertung von entnommenen Gewebeproben effizienter und sicherer zu machen. Dafür haben sie eine integrierte Hard- und Software-Lösung entwickelt. Die Hardware bestehend aus einem Transportbehälter und einem Automaten zur Einführung und Verarbeitung der Proben.

Zusammen mit der Softwareplattform ermöglicht das System Fehldiagnosen sowie andere Unregelmäßigkeiten zu reduzieren und somit die Diagnostik, insbesondere im Bezug auf die Erkennung von Krebs, deutlich zu verbessern.

Nach der ersten großen Finanzierungsrunde über 17 Millionen Euro 2019 ist die Serienproduktion in diesem Jahr gestartet.

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