Geschäftsideen für Fahrradfreunde



Der Sommer ist da, Fahrradfahren macht endlich wieder richtig Spaß. Kein Wunder, dass Start-ups rund um Räder boomen. Wir stellen interessante Geschäftsideen für Bike-Liebhaber vor.

INFRONT Bikes – elektrisch durchs Gelände

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Die schicke Website von INFRONT vermittelt das Freiheitsgefühl des Radfahrens. (Screenshot: INFRONT)

Markus Bauer war Profi-Mountainbiker. Doch nach seinem letzten Titel als Deutscher Meister im Jahr 2017 fand er kein Team mehr. Der Freiburger hatte sich allerdings schon während seiner Karriere auf die Zeit danach vorbereitet – er absolvierte den Master-Studiengang Produkt Innovation.

Somit konnte er 2018 mit der Entwicklung eines neuartigen E-Mountainbikes beginnen und sein Start-up INFRONT Bikes gründen. Sein im Studium gesammeltes Wissen in Bereichen wie 3-D-Konstruktion oder Leichtbau half ihm dabei, ebenso natürlich seine Erfahrungen als Profi im Rennsport.

Seine Bekanntheit wiederum erleichterten den Aufbau und die Etablierung der Marke. Im Freiburger Test-Center und auf verschiedenen Events können Interessenten die Bikes zum Teil mit ihm gemeinsam testen.

Dennoch musste auch Markus Bauer mit spitzem Bleistift kalkulieren, um sich gegenüber Wettbewerbern behaupten zu können.

Sein Geschäftsmodell: Er bietet die E-Montainbikes im Schnitt bedeutend günstiger an als die Konkurrenz.

Dies ist möglich, weil er größtenteils auf Direktvertrieb via Internet setzt. Mittlerweile arbeitet INFRONT aber auch mit einigen Partner-Händlern in Deutschland und Österreich zusammen.

smartvélo – mobiler Reparaturservice

Die eigene Leidenschaft zum Fahrradfahren und der Wunsch, nachhaltige Mobilität voranzutreiben, machte Guido Rielke, Lukas Rielke und Konrad Essers zu Unternehmern. Mittlerweile haben sie bereits zwei Start-ups aufgebaut: 2018 haben die Kölner smart racoon gegründet, einen mobilen Fahrradwäsche-Service, der vor allem auf Fahrradtouren und Festen zu finden ist – und dort die verschmutzen Räder reinigt.

Zwei Jahre später gründete das Trio das nächste Start-up: smartvélo ist ein mobiler Radservice. Das Team kommt mit einem großen Anhänger nach Hause, holt das Rad ab, stellt auf Wunsch ein Ersatzrad zur Verfügung und bringt weniger später das reparierte und gewaschene Fahrrad zurück. Damit bleibt den Radbesitzern der lästige Weg zur Werkstatt erspart. Wer schon einmal einen Platten hatte, weiß, welche Erleichterung das bedeutet. Aber auch für Inspektionen oder andere Reparaturen ist ein bequemer Service angenehm.

Entsprechend hoch ist der Zuspruch. Das erst im letzten Jahr gegründete Start-up hat sich bereits im Mai dieses Jahres vergrößert und ist in neue, größere Räume umgezogen. Derzeit arbeiten die Mitarbeiter an einer noch leichteren Buchung: Sie entwickeln eine App.

Dance – E-Bikes im Abo

Ein Auto zu leasen statt zu kaufen ist längst Normalität. Das junge Berliner Start-up Dance will das Mieten von E-Bikes etablieren. E-Bikes im Abo nennen es die Gründer Eric Quidenus-Wahlforss, Alexander Ljung und Christian Springub. Quidenus-Wahlforss und Ljung hatten 2017 SoundCloud gegründet und damit in der Musikbranche den Wandel weg vom Besitz hin zum Abo aktiv vorangetrieben. Das Gleiche soll nun im Mobilitätssektor passieren.

Dazu sagt Co-Founder Springub:

Seit Langem beobachten wir den Markt und sind erschrocken darüber, dass das eigene Auto immer noch so beliebt ist.

Dabei sind E-Bikes in Städten eine klimaschonendere Alternative zum Wagen. Das Abo wiederum sehen sie als die bessere Alternative zum Kauf. Ein E-Bike kostet im Schnitt immerhin 2.300 Euro. Viele Modelle sind weitaus teurer. Ein Dance-Bike gibt es für rund 60 Euro pro Monat – inklusive Anlieferung nach Hause und Reparaturen, sofern nötig. Auch im Falle eines Diebstahls erhält der Kunde sofort ein neues Rad als Ersatz.

Gestartet ist Dance im Juli letzten Jahres. Bereits im Oktober konnte das Start-up 15 Millionen Euro Risikokapital einsammeln.

CARLA CARGO – für Schweres

Lieferdienste prosperieren. Und je mehr diese auf Fahrräder umsteigen, desto mehr Lastenanhänger werden nachgefragt. Start-ups wie das 2018 in Kenzingen gegründete CARLA CARGO Engineering profitieren davon. Bereits 2019 lieferte Gründer Markus Bergmann Anhänger nach New York City. Der Kunde: kein Geringerer als Amazon.

Die Anfänge des Unternehmens reichen einige Jahre weiter zurück. Die solidarische Landwirtschaft Gartencoop Freiburg benötigte einen Lastenanhänger für Fahrräder, um große Mengen Gemüse CO2-frei ausliefern zu können.

Markus Bergmann, der sich selbst als Erfinder bezeichnet, trommelte Freunde zusammen und begann – auch mithilfe einer Crowdfunding-Kampagne – einen Anhänger mit integrierter mechanischer Anlaufbremse zu entwickeln. Nach rund einem Jahr tüfteln war der besonders stabile Anhänger geboren. Er kann Lasten bis zu 150 Kilogramm transportieren. Herkömmliche Anhänger sind in der Regel für höchstens 60 Kilogramm ausgelegt.

Das erste Ziel, das Gemüse ausliefern zu können, wurde 2014 erreicht. Vier Jahre später entschloss sich Markus Bergmann, mehr aus seiner Idee zu machen und ein Unternehmen zu starten.

flexini – einfache Händlersuche

Der Onlinehandel nimmt stark zu. Doch es gibt nach wie vor etliche Kunden, die die persönliche Beratung im stationären Laden schätzen. Umgekehrt wissen versierte Händler, dass ein eingängiges, individuelles Verkaufsgespräch meist auch zum Abschluss führt. Gerade Anbieter von hochwertigen E-Bikes, die schon mal 10.000 Euro kosten, sind daher an ernst gemeinten Terminen mit potenziellen Kunden interessiert.

Dominic Land hat jahrelang in der Branche gearbeitet, zuletzt bei einem Online-Fahrradanbieter. 2018 hat er seine Festanstellung gekündigt und in Köln das Start-up flexini gegründet. Auf der Plattform können Kaufinteressenten einen Termin bei einem Händler ihrer Wahl buchen. Derzeit hat das junge Unternehmen Kooperationen mit rund 1.000 Fahrradhändlern in Deutschland. Weitere, auch in Österreich und der Schweiz, sollen folgen.

Mittelfristig kann sich Dominic Land eine Expansion in weitere Staaten vorstellen.

Doch das Start-up mit derzeit zwölf Mitarbeitern will behutsam wachsen. Bislang wurden lediglich eigene Mittel eingesetzt. Lediglich ein Gründerstipendium des Landes Nordrhein-Westfalen brachte weiteres Kapital in die Kasse.

Fazua GmbH, Ottobrunn – rank, schlank, herausnehmbar

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Schlank, kompakt und schnell: Dieses Start-up beweist, dass E-Bikes nicht klobig sein müssen. (Foto: Fazua)

Soll man sich ein herkömmliches oder ein E-Bike zulegen? Warum nicht beides – in einem. Möglich macht diese Option das 2013 in Ottobrunn gegründete Start-up Fazua. Die Bayern haben mit „evation“ das nach eigenen Angaben leichteste und kompakteste Mittelmotorsystem auf den Markt gebracht. Die Motoreinheit ist schlank und mit etwas mehr als drei Kilogramm sehr leicht. Das ermöglicht es den Fahrradherstellern, Rahmen zu entwickeln, bei denen sich die Motoreinheit unaufdringlich in das Unterrohr integrieren lässt.

Eine Besonderheit von evation liegt darin, dass ab einer Geschwindigkeit von 25 km/h Motor und Tretlagergetriebe komplett voneinander entkoppelt werden, sodass sich ein natürliches und dynamisches Fahrgefühl einstellt. Diese Eigenschaft hat die Akzeptanz von E-Rädern bei sportlichen Fahrern deutlich gesteigert. Ferner lässt sich der Motor mit einem Handgriff herausnehmen, wodurch sich das E-Bike in ein herkömmliches Fahrrad verwandelt.

Bereits mehr als 40 namhafte Fahrradhersteller haben die in Deutschland produzierte Technik in rund 50 verschiedene Bike-Modelle eingebaut. Seit Ende letzten Jahres sind einige dieser Marken erstmals auch in USA und Kanada erhältlich.

Comodule GmbH, Berlin – Vernetzte Räder

Fahrradbesitzer plagen so manche Ängste, etwa, dass das gute Stück gestohlen wird. Ein E-Bike-Fahrer fragt sich außerdem, wann sein Gefährt möglicherweise stehen bleibt. Das Start-up Comodule hat eine Technologie entwickelt, die diese Sorgen vergessen lässt. Es liefert Herstellern und Zulieferern sogenannte Connectivity-Lösungen zur Vernetzung der Räder.

Der Endkunde bekommt also zum Beispiel eine App zum Rad, mit der er eine Versicherung abschließen kann. Oder aber es wird ihm die Reichweite seines E-Bikes mittels On-board-Kommunikation mitgeteilt. Auch Fahrzeugeinstellungen wie etwa die Höchstgeschwindigkeit kann er auf diese Weise vornehmen.

Anders als die meisten Mitbewerber lässt das 2014 von Kristjan Maruste und zwei Kommilitonen gegründete Start-up nicht in China produzieren. Seit Ende 2019 stellt Comodule, mit Sitz in Berlin und Tallin, in einer eigenen Fabrik in Tallin die Telematik-Module her, die mittlerweile in zahlreichen E-Scootern und E-Bikes eingebaut werden. Das ermöglicht dem Start-up, mehr Einheiten zu produzieren; langfristig sollen es 30.000 pro Monat sein. Außerdem sind die Unternehmer flexibler, sie können Produkte schneller modifizieren, sofern ein Kunde dies wünscht.

Hinterher, München – schön und stabil

Seit rund 30 Jahren ist Peter Hornung-Sohner selbstständig. Mehr als 15 Jahre lang hat er in München hochwertige Möbel hergestellt. Als er wieder einmal ein Möbelstück zu einem Kunden transportieren wollte, und für ein paar Hundert Meter einen Lieferwagen benutzen musste, schaute er sich nach einem Fahrradanhänger um. Allerdings fand er keinen, der seinen Ansprüchen genügte: stabil und optisch ansprechend. Der Architekt und Schreiner begann kurzerhand, selbst zu konstruieren, was er vermisste.

So entstand der „Hinterher“, ein hochwertiger, formschöner und multifunktionaler Fahrradanhänger. Er ist sehr stabil, theoretisch kann man Lasten von bis zu 150 Kilogramm mit ihm transportieren. Aus Rücksicht auf die Bremskraft und die Konstruktion der Zugfahrräder rät Hornung-Sohner allerdings, maximal 45 Kilogramm drauf zu packen – oder aber eine Zusatzbremse zu installieren.

2012 entstanden die ersten Prototypen, 2013 brachte Hornung-Sohner die ersten beiden Modelle des Hängers auf den Markt. Bis heute fertigen er und sein Team die Produkte fast ausschließlich in München. Mittlerweile bietet Hinterher nach eigenen Angaben die breiteste Palette an Modellen am Markt an. Sein Unternehmen gilt europaweit als Marktführer in der Branche.

Bicicli GmbH, Berlin – rund ums Rad

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Bicicli macht den Fahrradkauf zum Shopping-Erlebnis vor Ort. (Foto: Bicicli)

Schon der Name „Bicicli Cycling Concept Store“ lässt es erahnen – und tatsächlich: Mit einem gewöhnlichen Fahrradladen hat das Geschäft in Berlin-Mitte wenig gemeinsam. Hier ist viel Platz, viel Licht, ein schickes Café ist integriert. Dazu passend werden hochwertige, ästhetische Räder von Marken wie Ahooga, Schindelhauer, Vello oder Triobike verkauft, ferner ebenso designorientiertes Zubehör – von Copenhagen Parts (magnetische Leuchten, die am Stahlrahmen haften) bis hin zum Airbag-Helm der schwedischen Firma Hövding.

Doch das Anfang 2017 von Martha Marisa Wanat und Stephan A. Jansen gegründete Start-up ist viel mehr: Bicicli ist ein umfassender Rad-Mobilitätsanbieter. Das Unternehmen entwickelt zeitgemäße und ganzheitliche Lösungen für die betriebliche Mobilitätswende in Unternehmen. Als „Spezialist für Radflotten- und Dienstrad-Programme“ bietet es seinen Kunden Beratung, Beschaffung, Finanzierung, Versicherung, Wartung und Fuhrpark-Management aus einer Hand an. Darüber hinaus berät es Firmen und Kommunen zur nachhaltigen Mobilität. Einmal im Monat veranstalten die Macher außerdem den „Berliner Salon für Urbane Mobilität“: Experten diskutieren mit Interessierten über die Verkehrswende.

Urwahn Engineering GmbH, Magdeburg – ausgezeichnet und abfedernd

73 Millionen Fahrräder rollen über Deutschlands Straßen. Der Markt ist also nahezu gesättigt und damit äußerst schwierig. Doch das hielt die passionierten Fahrradfahrer Sebastian Meinecke, Konrad Joerss und Ramon Thomas nicht ab, ein neues Rad zu entwickeln.

Urwahn Engineering heißt ihr in Magdeburg gegründetes Start-up. 2019 haben sie, nach vielen Jahren Entwicklungsarbeit, ihr erstes Modell „Stadtfuchs“ auf den Markt gebracht.

Beide Namen, Urwahn (von urban) wie Stadtfuchs, zeigen, dass es sich bei dem Bike um ein Fahrrad für die tägliche Benutzung in der Stadt handelt. Zu den Besonderheiten des mit dem reddot award ausgezeichneten Rades gehört unter anderem ein neuartiger Hinterbau, der das Hinterrad elastisch aufhängt.

So werden Fahrbahnunebenheiten ausgeglichen, der Fahrkomfort steigt. Ferner sind im Stahlrahmen ein LED-Licht- sowie ein GPS-Tracking-System integriert. Letzteres soll das Rad auch vor Diebstahl schützen. Zudem können mithilfe einer speziellen Software die Positionsmaße des Fahrrads individuell an den Körper angepasst werden.

Mittlerweile haben die Magdeburger zudem das E-Bike „Platzhirsch“ sowie das Leichtbau-Rad „Schmolke Edt.“ konzipiert.

  • Auch für Kinder gibt es Luxus-Fahrräder. Die woom-Gründer Christian Bezdeka und Marcus Ihlenfeld erzählen im Interview, warum ihr Produkt so gut ankommt. Der transportable Grill für den Fahrrad-Lenker und weitere Geschäftsideen für den Sommer kennenlernen.
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