Kreativ durchstarten, aber die Finanzen im Blick behalten!



Sicherlich träumen viele angestellte Grafik- und Produktdesigner davon, später einmal ein eigenes Kreativbüro zu führen. Aber der Schritt in die Selbstständigkeit wird oft hinausgezögert, weil man nicht weiß, wie man den Fuß in die Tür bekommt. Man stellt sich das unermüdliche Klinkenputzen und die vielen aufwendigen, aber unbezahlten Pitches vor. Unsere heutigen Gründer – ausgezeichnet u.a. mit dem KfW-Award „Kreativ” – berichten von ihrem Durchbruch in der Kreativwirtschaft.

Für-Gründer.de: Hallo Herr Bräutigam, hallo Herr Rotermund, Sie beide sind Gründer und Namensgeber von Bräutigam & Rotermund. Was macht Ihr Unternehmen?

Stefan Bräutigam von B&R: B&R ist ein Kreativstudio, spezialisiert auf Marken-Entwicklung und Design. Wir helfen Kunden, sich durch klare Strategien und modernes Design zu wiedererkennbaren Marken mit Mehrwert zu entwickeln.

Die beiden Gründer und Namensgeber von Bräutigam und Rotermund haben vorher bei Mutabor Design gearbeitet, bevor sie sich für die Selbstständigkeit entschieden haben.
Die beiden Gründer und Namensgeber: Stefan Bräutigam und Tim Rotermund (Foto: B&R)

Für-Gründer.de: Ihre vier großen Bereiche sind Corporate, Editorial, Information und Raum. Was fällt jeweils darunter – und was macht besonders viel Spaß?

Tim Rotermund von B&R: Spaß macht jeder der Bereiche und insbesondere die Kombination der Disziplinen. Wie viel Spaß man dann genau hat, hängt auch vom Kunden ab – wie mutig er ist und wie weit er mit uns gehen möchte.

Generell geht es bei uns immer um die Marke. Im Bereich Corporate geht es um die Entwicklung einer Marke. Angefangen beim

Im Bereich Editorial entwickeln wir Konzepte für die Kommunikation einer Marke mit dem Endkunden oder den eigenen Mitarbeitern. In den Zeiten des Content Marketings ist es wichtig, dass diese Geschichten plattformübergreifend funktionieren.

Das Medium können gedruckte Objekte wie Magazine, Geschäftsberichte oder Coffee-Table-Books sein oder auch digitale Anwendungen wie Websites oder Apps. Innerhalb dieser Projekte besteht häufig die Anforderung, komplexe Themen in greifbare Sachverhalte zu übersetzen. Dies schaffen wir dann mit ästhetischen Infografiken.

Um die Markengeschichte auch im Raum weiter zu erzählen und den Kunden näher an die Marke zu bringen, entwerfen wir auch die Kommunikation im Raum. Dabei gestalten wir Wegeleitsysteme und übertragen das Corporate Design auf Pop-up-Stores, Shops, Cafés, Bars, Messen und Events. Im besten Fall ergibt sich somit ein professionelles und einheitliches Bild der Marke in allen Kommunikationsdisziplinen.

Für-Gründer.de: Wie haben Sie sich kennengelernt und wie kam es dann zur gemeinsamen Existenzgründung?

Stefan Bräutigam von B&R: Wir haben uns bei Mutabor Design kennengelernt. Nach über fünf Jahren dort war es aber Zeit für einen Wechsel. Da Mutabor schon die erste Adresse für Design hier in Hamburg ist, kam also nur noch die Selbstständigkeit infrage. Bislang haben wir es nicht bereut.

Die beiden Designer setzen in ihrem Kreativstudio die nötigen Akzente, um eine Marke aufzubauen.
Das Design einer Produktverpackung von Bräutigam & Rotermund (Foto: B&R)

Für-Gründer.de: Auf welche Weise haben Sie die Gründung des Kreativstudios finanziert?

Tim Rotermund von B&R:

Wir brauchten zu Beginn keine großen finanziellen Mittel. Zwei Laptops und zwei Arbeitsplätze in einer Bürogemeinschaft mit Freunden haben anfangs gereicht. Nach und nach schafften wir alles Weitere an. Es ist wichtig, dass man nicht über seinen Verhältnissen lebt.

Für-Gründer.de: Wie sind Sie an die Kundenakquise herangegangen?

Stefan Bräutigam von B&R: Wir haben bislang das Glück gehabt, dass wir keine Akquise betreiben mussten. Wir haben jeden Job über Empfehlungen aus dem Freundeskreis und dem Netzwerk bekommen.

Für-Gründer.de: Mittlerweile zählen große Versicherungen, Autobauer und Elektrohersteller zu Ihrem Kundenkreis. Nennen Sie uns doch ein paar Namen.

Tim Rotermund von B&R: Wir arbeiten viel mit dem Hoffmann & Campe Verlag zusammen, der die Kunden betreut. Wir übernehmen dann einzelne Teilprojekte, entwickeln unter anderem Magazin-Konzepte wie für T-Systems, BMW oder MINI beispielsweise. Ein weiterer Schwerpunkt in der Zusammenarbeit mit Hoffmann & Campe ist das Thema Infografik. Hier haben wir unter anderem für die Allianz, Merk und ZF Grafiken und Konzepte erstellt.

Für-Gründer.de: Sie wurden mit dem KfW-Award „Kreativ” ausgezeichnet. Wie kam es dazu und welche Relevanz haben Awards für Agenturen?

Stefan Bräutigam von B&R: Wir haben den Preis aufgrund unserer Erfolge als „Rookie Agentur” beim ADC Wettbewerb 2014 erhalten.

Leider haben sie eine zu hohe Relevanz. Man versucht als kleine Agentur im Bugwasser mitzuschwimmen, hat aber durch die Dominanz der großen Agenturen, die durch ihre finanziellen Mittel viel mehr Projekte einreichen können, keine Chance eine relevante Rolle zu spielen.

Ein durchdachtes Konzept sowie ein stringenter Aufbau helfen bei der Entwicklung einer Marke.
Produkt- und Grafikdesigns von Bräutigam & Rotermund (B&R)

Für-Gründer.de: Daneben gibt es eine Vielzahl weiterer Awards in der Kreativbranche. Wie viel ist eine Auszeichnung in Ihren Augen wert, wenn man für die Teilnahme und die anschließende Nutzung von beispielsweise Gütesiegeln bezahlen muss?

Tim Rotermund von B&R: Für die großen Agenturen sind die Preise als Referenz essenziell. Unsere Kunden sehen nicht, was wir für Awards gewonnen haben, sondern welche Projekte wir im Portfolio haben. Natürlich ist eine Auszeichnung einer unabhängigen Jury über seine Leistung großartig. Aber genau diese Unabhängigkeit muss der kritische Betrachter hinterfragen. Denn wie unabhängig kann ein Wettbewerb sein, wenn man für die Teilnahme, Auszeichnung und Veröffentlichung zahlen muss?

Wenn man zum Beispiel das Lufthansa Magazin durchblättert, dort ist jedes zweite Produkt mit einem Design-Award ausgezeichnet. Dann verliert die Auszeichnung an Bedeutung und der Betrachter den Glauben an einen fairen und unabhängigen Wettbewerb.

Bräutigam & Rotermund Showreel 2015 from Bräutigam & Rotermund on Vimeo.

Für-Gründer.de: Die Kreativwirtschaft ist für die Bundesregierung noch ein junges Feld – wo sehen Sie persönlich Handlungsbedarf?

Stefan Bräutigam von B&R: Für die Bundesregierung gibt es in der Kreativwirtschaft noch viel zu tun. Besonders kleine Büros würden von einer Förderung profitieren. In Deutschland gibt es das generelle Problem, dass der Mehrwert durch Design noch nicht verstanden wird.

Das ist in den skandinavischen Ländern, den Niederlanden oder England anders. In dem Bereich muss in Deutschland Aufklärungsarbeit geleistet werden. Auf dem Markt gibt es heutzutage eine Vielzahl von Produkten mit fast identischen Features oder Qualitätsstandards. Da wäre Design doch das beste Differenzierungmerkmal.

Für-Gründer.de: Sicherlich träumen viele Kreative davon, eine eigene Agentur zu gründen – welche drei wichtigsten Tipps können Sie anderen mit auf den Weg geben?

Tim Rotermund von B&R:

  • Partner suchen.
  • Dem eigenen Stil treu bleiben.
  • Vernünftig kalkulieren und immer die Finanzen im Blick haben. Preisdumping funktioniert nicht!

Für-Gründer.de: Vielen Dank für das Interview.

Bräutigam & Rotermund

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