Liquidität: Probleme aller Art können teuer werden



Wer sein Start-up erfolgreich aufziehen möchte, braucht Liquidität. Denn auch zugesagte Investments können gerade in Krisenzeiten schnell wegbrechen. Welche Herausforderungen es bei der Finanzierung gibt und wie Factoring vor dem Stillstand retten kann, erklärt uns Johannes Musiol, Mitgründer von MaisterBBQ. 

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Johannes Musiol und sein Mitgründer Valentin Schnoor wollen mit ihrer Maiskohle die herkömmliche Holzkohle ersetzen. (Bilder: Maister BBQ)

Gründer Daily: Hallo Johannes, ihr wollt mit Maisspindeln den weltweiten Grillkohlekonsum ersetzen. Wie wollt ihr dieses hohe Ziel erreichen?

Johannes von MaisterBBQ: Schlussendlich fängt man irgendwo an – in unserem Fall in Deutschland. Hier wird stark auf Nachhaltigkeit geachtet. Jedoch ist es mit viel Erklärarbeit und PR verbunden, da oft das Problem nicht verstanden wird, warum man die Holzkohle nicht kaufen sollte. Die Menge selbst ist dann kein Thema mehr.

In vielen Regionen der Welt wird Mais angebaut. So lange jedoch Holz da ist, was gerodet werden kann und nicht stark kontrolliert wird, so lange suchen viele keine Alternative zum Feuer machen.

Da setzen wir an. Wir sind in Deutschland und in anderen europäischen Ländern gestartet. Aber gerade in Afrika sowie auch in Südamerika wird viel Mais angebaut, sodass dort viel Potenzial vorhanden ist.

GründerDaily: Was musstet ihr alles unternehmen, um eure nachhaltigen Produkte aus Mais und ohne Tropenholz umzusetzen?

Johannes von MaisterBBQ: Wir haben auf verschiedene Dinge geachtet:

  • Marktchancen: Die Chancen waren gut, im Markt der Holzkohle eine Marke zu etablieren. Denn die Holzkohleverpackungen sind meistens in schwarz und rot gehalten und ein Mitnahmeprodukt. Somit haben wir die Chance genutzt und ein anderes Design entworfen – eine weiße Verpackung mit großer Flamme und der Minutenangabe, wie schnell man seine Glut hat.
  • Werte: Unser Produkt soll gewisse Werte und Eigenschaften vermitteln, wie zum Beispiel die Nachhaltigkeit.
  • Produktentwicklung: Darauf lag natürlich der Fokus und die Produktentwicklung dauerte circa eineinhalb Jahre. Wir haben die Maisspindel als Rohstoff, der bereits als Grillkohleersatz verwendet werden kann. Die Kür bestand darin, daraus dann eine verkohlte Spindel zu schaffen, die nah an der klassischen und bei den Endverbrauchern akzeptierten Holzkohle ist und keine Anwendungsprobleme bereitet. Für die Maiskohle mussten wir schließlich einen Produzenten finden. Es gibt nur ein bis zwei Produzenten in Europa, da die Produktion anders als bei der normalen Holzkohle ist. Darüber hinaus mussten wir die Logistikkette etablieren und schauen, wie wir günstig an den Rohstoff kommen, da es nicht nur ein Abfallprodukt ist.
  • USP: Die Vorteile zur bekannten Holzkohle sind, dass sich die Maisspindeln extrem schnell anzünden lassen. In fünf Minuten hat man eine fertige Glut. Bei der Maiskohle hält die Glut deutlich länger als bei der naturbelassenen Spindel. So können die Grillfans problemlos eine Stunde lang grillen.
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MaisterBBQ hat bei der Produktentwicklung viel Wert auf das Design gelegt, um sich von den Wettbewerbern abzuheben. (Bild: MaisterBBQ)

GründerDaily: Mittlerweile findet man eure Produkte in über 1.000 Läden in Deutschland und ihr habt auch Vertriebspartner Österreich. Wie habt ihr das geschafft und was sind eure nächsten Ziele?

Johannes von MaisterBBQ: Mit Klinkenputzen und Kaltakquise. Wir haben recherchiert, welche Handelspartner besonders nachhaltig denken, um über sie unsere Zielgruppe zu erreichen.

Es war und ist klassische, harte Vertriebsarbeit.

Um die nächsten Ziele zu erreichen und die Masse zu steigern, brauchen wir mehr Märkte. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Kommunikation.

Wir wollen den Leuten den Bedarf erklären und über die Herkunft von Holzkohle aufzuklären. Während der Mais einen Wachstumszyklus von einem Jahr hat, dauert der von Bäumen mehrere Jahrzehnte. 

Dennoch ist dies nicht einfach zu vermitteln und wir wollen dies in die breite Öffentlichkeit tragen. Und natürlich müssen auch die Abverkäufe stimmen, denn es gibt keine zweite Chance, wenn man rausfliegt.

GründerDaily: Wie habt ihr euch bisher finanziert?

Johannes von MaisterBBQ: Zunächst mit Eigenkapital und haben dann eine Crowdinvesting-Kampagne gestartet. Als Drittes folgte die Teilnahme bei der österreichischen Version von DHDL, 2 Minuten 2 Millionen. Der Pitch hatte super geklappt, alle Investoren wollten sich beteiligen. Wir waren sehr euphorisch und haben mit dem zugesagten Investment fest gerechnet, doch ist der Deal dann durch Corona leider gescheitert.

Der Investmentstop hat uns unvorbereitet getroffen. Für uns war es klar, dass es funktioniert.

Wir hätten 150.000 Euro vor der Saison für die Produktion erhalten. Wir mussten die Produktion finanzieren, die Lieferanten schnell bezahlen und bei den Supermärkten gibt es grundsätzlich lange Zahlungsziele.

Somit war unser Start gefährdet. Dank Factoring konnten wir es stark abfedern und die Bezahlung rechtzeitig durchführen.

GründerDaily: Was sind für euch die Vorteile von Factoring und wofür eignet sich VC?

Johannes von MaisterBBQ: Die Ware konnten wir dank Factoring wie geplant ausliefern. Das haben wir unserem Factoring-Partner A.B.S. Global Factoring, die auf Start-ups spezialisiert sind, belegt und sie haben die Rechnungen bezahlt. Somit konnten wir die Lieferanten bezahlen, weiterproduzieren und den gesamten Prozess gut managen.

Der Vorteil von Factoring ist die schnelle Liquidität und dass sie einem das Forderungsmanagement abnehmen. Das ist eine Entlastung.

Da bei Start-ups die Liquidität das Hauptthema ist, wären wir kurz oder lang beim Factoring gelandet, da man für die laufenden Geschäfte möglichst schnelle Zahlungsströme hinbekommt. Für andere, strategische Ziele und die Erreichung gewisser Umsatzziele sind Eigenkapital und Investments sinnvoll. Dazu zählen Marketing und Anlagevermögen, wie die Maschinenfinanzierung.

GründerDaily: Worauf sollten Gründer bezüglich Unternehmensfinanzierung achten?

Johannes von MaisterBBQ: Wichtig ist es, immer einen Plan B und Plan C zu haben. Das haben wir gelernt, als wir unerwartet das zugesagte Investment nicht bekommen haben.

Wir hatten keinen Plan B, das war ein starkes Learning. Probleme aller Art können teuer werden. Dafür sind starke Liquiditätspolster nötig.

Damit lassen sich anfängliche Krisen gut überstehen. Aktuell ist es aufgrund von Corona schwer, Investments zu bekommen und Eigenkapital aufzubauen. Aber wer eine gute Geschäftsidee hat und damit einen gewissen Nerv der Zeit trifft, hat viele Möglichkeiten, Geld einzusammeln. Für uns waren die Crowdinvest-Kampagne und Crowdfunding gut.

GründerDaily: Johannes, vielen Dank für das Gespräch und die spannenden Einblicke und Tipps.

Keyfacts über MaisterBBQ

  • Gegründet im Jahr: 2017
  • Firmensitz in: Berlin
  • Unser aktuelles Team besteht aus: 5 Mitarbeitern
  • Die erste Finanzierung erfolgte durch / über: Mello GmbH
  • Besonders geholfen haben mir/uns bisher: Firma Mello GmbH
  • Wichtige Tools im Arbeitsalltag: Pipedrive, Asana

Über A.B.S. Global Factoring

  • Die A.B.S. Global Factoring AG ist der größte private konzern- und bankenunabhängige Qualitätsdienstleister für Full-Service-Factoring in Deutschland. Weitere Gesellschaften im Ausland werden betrieben. Als unternehmergeführtes Institut bietet die A.B.S. Global Factoring AG seit 1996 persönliche Beratung, maßgeschneiderte Finanzierungslösungen sowie 100%igen Schutz vor Forderungsausfällen. Mehr erfahrt ihr auf der Website der A.B.S. Global Factoring AG.
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