PKV oder GKV? Tipps zur Wahl der Krankenkasse



Als Unternehmer stellt ihr euch vielleicht die Frage, ob ihr in diesen turbulenten Corona-Zeiten lieber in die PKV wechseln solltet, um besser abgesichert zu sein und um möglicherweise durch den schnelleren Erhalt einer Impfung zügiger in ein „normales Leben“ zurückkehren könnt.

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Private oder gesetzliche Krankenversicherung? Wägt die Pros und Contras gut ab, bevor ihr wechselt. (Foto: Unsplash)

Die Kosten für die Corona-Impfung werden sowohl von der GKV als auch von der PKV vollständig übernommen.

Da die einzelnen Bundesländer für die Vergabe von Impfterminen zuständig sind und die Anmeldung über Online-Portale abläuft, werden Privatpatienten dort im Moment nicht bevorzugt.

Das könnte sich jedoch ab April ändern, wenn – wie vorgesehen – auch Hausärzte die Corona-Impfungen durchführen dürfen und entsprechend die Termine an ihre Patienten vergeben.
Dieser Umstand allein sollte nicht das ausschlaggebende Kriterium für euch sein, in die PKV zu wechseln. Wägt die Vor- und Nachteile der GKV und PKV gut gegeneinander ab, damit ihr die beste Entscheidung für euch und eventuell für eure Familie) trefft.

Leistungen der GKV und PKV

Da in Deutschland Krankenversicherungspflicht herrscht, ist sie keine optionale Versicherung. Die gesetzliche Krankenversicherung muss daher grundsätzlich jeden aufnehmen, ganz gleich, wie alt jemand ist, ob er/sie Vorerkrankungen hat oder wie viel jemand verdient. Die GKV gewährt jedem den Zugang zur medizinischen Grundversorgung und stellt diese sicher.

Je nach gesetzlicher Krankenkasse werden auch zusätzliche Leistungen angeboten, wie z. B. alternative Behandlungsmethoden oder Reiseschutzimpfungen.

Die Extraleistungen solltet ihr daher miteinander vergleichen, da diese unter Umständen eure Wahl beeinflussen können, je nachdem, auf was ihr Wert legt.

Im Gegensatz zur GKV geht das Leistungsangebot der PKV über die Grundversorgung hinaus – zumindest bei den Premiumtarifen, die die übliche Wahl sind, wenn man sich für die PKV entscheidet.

Es gibt bei der PKV auch Basistarife, die dem Leistungsumfang der GKV entsprechen. Da diese im Vergleich zur GKV aber teurer sind, empfehlen sich diese nur, wenn man nicht mehr in die GKV zurück wechseln kann und finanzielle Probleme hat (dazu mehr im letzten Abschnitt „Wechsel zurück in die GKV möglich?“).

Wenn ihr euch für die PKV entscheidet, lassen sich Leistungen, die ihr haben wollt, selbst nach dem Baukastenprinzip zusammenstellen.

Wenn ihr zum Beispiel kein Krankentagegeld haben wollt, könnt ihr diesen Baustein einfach weglassen und der monatliche Tarif wird dann entsprechend günstiger.

Auch wenn es verlockend ist, um den Tarif nach unten zu drücken, solltet ihr hier trotzdem auf Minimalismus verzichten und darauf achten, dass ihr im Fall der Fälle eine ausgewogene Rundum-Versorgung erhaltet.

So könnt ihr in der PKV von Chefarztbehandlung im Krankenhaus, Einbettzimmer und Erstattung der Kosten für Zahnersatz oder medizinische Hilfsmittel wie Sehhilfen profitieren, ohne dafür eine Zusatzversicherung abschließen zu müssen.

Tarifgefüge in der GKV und PKV

Die Beiträge in der GKV sind vom Einkommen abhängig, in der PKV sind sie unabhängig davon.

Wenn ihr euch für die GKV entscheidet, seid ihr dort als Selbstständige freiwillig versicherte Mitglieder und bezahlt eure Beiträge komplett selbst – im Gegensatz zum Angestelltenverhältnis, wo der Arbeitgeber die Hälfte der monatlichen Kosten übernimmt.

Verdient ihr sehr gut, kann die GKV schnell teuer werden: Bei einem Verdienst von 4.837,50 Euro brutto im Monat bezahlt ihr 770 Euro monatlich in die GKV ein (Quelle: Finanzen.de).
Auf der anderen Seite des Tarifgefüges bezahlt ihr einen Mindestbeitrag von ungefähr 160 Euro pro Monat, wenn ihr 1096,67 Euro oder weniger im Monat verdient.

Bei der PKV kann das Tarifgefüge günstiger aussehen, vor allem wenn ihr noch jung seid und keine Kinder habt.

Falls ihr schon ein ordentliches Einkommen habt, profitiert ihr bei der PKV wahrscheinlich von günstigeren Tarifen als in der GKV.

Wenn ihr noch nicht so viel verdient, schaut euch die Angebote der privaten Krankenversicherer genau an, und rechnet durch, ob ihr euch das leisten könnt. Bei geringem Einkommen ist der Verbleib in der GKV oft die bessere Lösung.

Vor- und Nachteile der GKV für Selbstständige

Auch wenn die GKV möglicherweise teurer ist als die PKV, solltet ihr in Hinblick auf die Zukunft abwägen, ob ihr wechseln möchtet.

Wenn ihr nämlich in den nächsten Jahren Kinder haben möchtet, ist die GKV möglicherweise die bessere Wahl.

Denn hier spielt sie ihren größten Vorteil aus:

Kinder sind in der GKV kostenlos beim Hauptverdiener mitversichert.

In der PKV dagegen muss jedes Kind einzeln versichert werden, was sich in einem höheren Tarif niederschlägt.

Die Vor- und Nachteile der GKV auf einen Blick:

Vorteile

  • Kinder bis zum 25. Lebensjahr sind kostenlos mitversichert, sofern sie sich vorher nicht selbst versichern müssen.
  • Tarif ändert sich je nach Einkommen: bei finanziellen Einbußen entstehen nicht so schnell Engpässe, weil der Tarif niedriger wird.

Nachteile

  • GKV ist sehr teuer bei hohem Einkommen im Vergleich zur PKV.
  • Geringerer Leistungsumfang als in der PKV macht unter Umständen das Abschließen von Zusatzversicherungen nötig.
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Rundum gut versorgt mit einer zuverlässigen Krankenversicherung. (Bild: Pixabay.com)

Vor- und Nachteile der PKV für Selbstständige

Genau wie die GKV hat auch die PKV ihre Stärken und Schwächen. Sofern man jung und ohne Vorerkrankungen ist und noch keine Kinder hat, sind die Tarife in der PKV verhältnismäßig günstig. Hat man dazu noch ein hohes Einkommen, empfiehlt sich hier eher die PKV als die GKV.

Auf einen Blick lassen sich die Vor- und Nachteile der PKV so zusammenfassen:

Vorteile

  • Einkommensunabhängig: Gutverdiener, die jung, gesund und kinderlos sind, kommen hier am günstigsten weg.
  • Leistungsplus mit individuell wählbaren Leistungen

Nachteile

  • Kinder müssen einzeln versichert werden: Schaut euch dann die Familientarife an, wenn ihr in die PKV wechseln wollt.
  • Wechsel zurück in die GKV ist nicht immer möglich.
  • Gerät man in finanzielle Schieflage und hat ein niedrigeres Einkommen, bleibt der PKV-Tarif gleich hoch.
  • Sehr hohe Tarife, wenn man schon älter ist oder Vorerkrankungen hat.

Wechsel zurück in die GKV möglich?

Wenn ihr in der GKV versichert seid und überlegt, ob ihr in die PKV wechseln wollt, wägt alle Vor- und Nachteile gut gegeneinander ab, denn die Entscheidung für die PKV ist oft eine Entscheidung fürs Leben.

Der Wechsel zurück in die GKV ist möglich, wenn ihr jünger als 55 Jahre alt seid. Allerdings dürft ihr eure Selbstständigkeit dann nur noch nebenberuflich ausüben, während ihr in einem Angestelltenverhältnis arbeitet, oder die Selbstständigkeit komplett an den Nagel hängen.

Seid ihr älter als 55 Jahre, ist der Wechsel zurück in die GKV kaum mehr möglich. Falls ihr euch dann den Tarif nicht mehr leisten könnt, müsst ihr einen der Basistarife auswählen, der die Grundversorgung abdeckt.

Lest euch die Konditionen bei den privaten Versicherern sehr gut durch und vergleicht deren Angebote miteinander, damit ihr das am besten zu euch passende aussucht, falls ihr in die PKV wechseln wollt.

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