„Uns war immer klar, dass wir in Thüringen gründen werden“



Mit ihrem Jenaer Start-up Heyfair sind Robert Hellmundt und Alexander Döpel auf Erfolgskurs. Das verdanken sie einer innovativen Idee, unermüdlichem Einsatz und der Gründer-Infrastruktur in Thüringen. Welche Schritte sie gegangen sind, welche Erfolge sie bisher hatten und was ihre Ziele sind, verraten sie im Interview. [Sponsored Post]

Heyfair
Die beiden Heyfair-Gründer Robert Hellmundt (l.) und Alexander Döpel.

Sichtbar machen, was sauber ist – das ist kurz gesagt die Idee hinter Heyfair, einem Start-up aus Jena. Die längere Version erzählt uns CEO und Co-Gründer Robert Hellmundt: „Unsere Idee war es, ein Desinfektionsmittel auf den Markt zu bringen, das sichtbar macht, ob die Hände richtig desinfiziert wurden. Unsere Zielkunden finden sich an allen Orten, an denen es wichtig ist, die Übertragung von Keimen zu vermeiden, zum Beispiel Krankenhäuser, Labore oder lebensmittelverarbeitende Betriebe. Unser Desinfektionsmittel funktioniert ganz einfach: Man trägt es auf die Hände auf und die desinfizierten Stellen färben sich pink ein. So kann man schon während der Desinfektion überprüfen, ob man sorgfältig genug war und kann Benetzungslücken sofort beheben. Nach ein bis zwei Minuten verschwindet die Farbe von allein wieder. In der Zeit kann man aber natürlich bereits weiter arbeiten.“

Die „Wirtschaftswoche“ urteilte in ihrer Rubrik „Elevator Pitch“:

Die Geschäftsidee stiftet einen klaren Mehrwert

und vergab Spitzennoten in den Rubriken „Timing“, „Geschäftsmodell“ und „Idee“. Auch ansonsten konnten die Heyfair-Gründer sich über viel gute Presse freuen, und das deutschlandweit. Ein Produkt, das eines der größten Probleme in Krankenhäusern zu lösen verspricht – die Ansteckung mit lebensgefährlichen Keimen: Das klingt nicht nur nach einer spannenden Geschichte, sondern potenziell auch ziemlich lukrativ.

Das Produkt ist aber noch nicht erhältlich. „Es sind noch einige Schritte bis zur Markteinführung zu gehen“, sagt Hellmundt. „Einen wichtigen Meilenstein haben wir aber schon genommen: wir haben unsere Technologie etwas modifiziert und im April unser Schulungsprodukt SteriCoach® auf den Markt gebracht, mit dem bereits über 100 Unternehmen ihre Mitarbeiter in der richtigen Desinfektionstechnik schulen, vor allem Krankenhäuser. Vor kurzem wurde die 10.000 Schulung damit durchgeführt.”

Die wilde Vorgründungszeit an der Bauhaus-Uni Weimar

Die Geschichte von Heyfair begann vor fünf Jahren in Weimar. Robert und Alexander hatten gerade ihr Studium an der Bauhaus-Universität beendet. Sensibilisiert durch ihr Fachgebiet – visuelle Kommunikation – kamen sie in Berührung mit der Thematik mangelhafter Händehygiene und so auf die Idee des temporär sichtbaren Desinfektionsmittels. Bei den ersten Schritten stand ihnen das neudeli zur Seite, die an die Uni angeschlossene Gründerwerkstatt. „Das neudeli hat uns dabei geholfen die wilde Vorgründungszeit zu strukturieren“, erinnert sich Hellmundt. „Hier haben wir den Kontakt zu ersten Beratern bekommen, die Geschäftsidee weiterentwickelt, die strategische Ausrichtung geschärft und unseren ersten Businessplan geschrieben.“

Heyfair
Die Chemie stimmt: das Heyfair-Team bei der Qualitätskontrolle.

Beide Gründer sind gebürtige Thüringer, und für sie war immer klar, dass sie ihre Idee auch im Freistaat umsetzen würden. Das hat viel damit zu tun, dass hier ihre Heimat ist und die beiden Väter zweier kleiner Kinder die kurzen Entfernungen ebenso zu schätzen wissen, wie das grüne Umland: „Nur die vielen Möglichkeiten auszugehen können wir zur Zeit leider eher selten nutzen“, sagt Hellmundt und lacht.

Zwei Jahre Heyfair: Presse, Preise, Förderungen

Doch Thüringen ist für Robert und Alexander nicht nur Heimat:

Thüringen ist eine gute Wahl, um hier ein Unternehmen zu gründen,

sagt Robert. Er lobt die Hochschullandschaft, weil hier potenzielle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hervorragend ausgebildet würden.

Und die Gründer-Infrastruktur. Dazu gehören Business Angels und VC-Geber, aber auch die „vielen Gründerveranstaltungen und –Wettbewerbe, bei denen man seine Ideen und Produkte präsentieren kann und Kontakt zu potenziellen Geschäftspartnern bekommt“.

In den vergangenen zwei Jahren hat Heyfair gleich vier der wichtigsten Wettbewerbe in Thüringen gewonnen, darunter den Innovationspreis und den Gründerpreis. „Solche Preise helfen enorm dabei, die ersten Unternehmensschritte zu finanzieren und das Produkt auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt zu machen“, so Hellmundt.

Einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zur Markteinführung ihres Produkts machten Hellmundt und Döpel Ende 2018: Sie sammelten ein Invest im hohen sechsstelligen Bereich ein. Zu den Investoren gehört die Beteiligungsmanagement Thüringen GmbH (bm|t), eine Tochter der Thüringer Aufbaubank, dem zentralen Förderinstitut des Freistaats. Die bm|t setzt auf Investitionen in wachstumsstarke Technologieunternehmen und macht, so Hellmundt, „auch schon frühe Finanzierungsrunden mit, die kaum einer der größeren VC-Fonds in Erwägung ziehen würde. Die bm|t hat ein Thüringer Start-up sogar in den USA an die Börse gebracht. Eine beachtliche Nummer und keine Selbstverständlichkeit in Deutschland.“

Wie es jetzt weitergeht? „Momentan ist unser kurzfristiger Fokus das Schulungsprodukt SteriCoach® erfolgreich im Markt zu etablieren“, sagt Hellmundt, „um weitere Umsätze zu generieren und die hohen Entwicklungskosten in Teilen decken zu können – und um die künftigen Anwender des richtigen Desinfektionsmittels schon mal an pinke Hände zu gewöhnen. In wenigen Jahren sollen möglichst viele hygienesensible Einrichtungen weltweit unser Produkt nutzen, um für eine funktionierende Händedesinfektion zu sorgen.“

Heyfair
Die Gründer vor ihrer „Gemäldewand“: Auf den Drucken berühmter Bilder wurden die Hände pink eingefärbt.

Die Zukunft der Hygiene ist pink, hoffen Hellmundt und Döpel. So pink wie die Hände auf den Nachdrucken berühmter Gemälde, die in ihrem Büro hängen – die weisen einen feinen, aber entscheidenden Unterschied zu den Originalen auf: Da Vincis Mona Lisa, Michelangelos Adam und all die anderen sehen aus, als hätten sie gerade Heyfairs Produkt benutzt. „Richtig desinfizieren ist halt auch eine Kunst“, so Döpel und Hellmundt.

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