Geschäftsideen: Leckeres Essen mit Insekten



Statt Fleisch: Wir stellen fünf Geschäftsideen vor, die auf Insekten setzen, um Gesundes, Nachhaltiges und Schmackhaftes auf die Teller zu bringen.

#1 CheWOW – von Insekten zur Bohne

CheWow Leckeres Essen Insekten 1200
Sieht aus wie Hähnchenfleisch, aber diese Nuggets bestehen aus Ackerbohnen. (Foto: CheWow)

Marlo Kockerols und Federico Jan Krader waren dabei, in der Frankfurter Finanzbranche durchzustarten. Doch eines Tages saßen die Freunde in einem Café, als vor ihnen ein Fleischlieferanten-Laster anhielt. In diesem Moment machte es Klick: Fleisch ist der Haupttreiber für den Klimawandel. Wenn wir nicht dringend etwas ändern, steuern wir auf eine Katastrophe zu.

Das Schicksal wollte es, dass kurz später eine Freundin anrief: Insekten seien die Alternative, erklärte sie. Und fragte: Wäre das nicht etwas für uns? Und ob. Die beiden schmissen ihre Jobs hin und gründeten das Start-up CheWOW.

Das Unternehmen entwickelte mit Hilfe eines Lebensmitteltechnikers Burger mit zum Beispiel blanchierten Larven der Buffalowürmer. Sie verkauften ihre Kreationen vor allem im Lebensmitteleinzelhandel.

Die neuartigen Burger mit hervorragender Ökobilanz und hohem Eiweißgehalt wurden angenommen. Aber nicht gut genug. Für Insekten am Stück ist die Zeit hierzulande noch nicht reif, glauben die Gründer. CheWOW hat daher letzten Herbst die Produktpalette modifiziert. Vegane Produkte auf Basis von zum Beispiel Ackerbohnen bestimmen jetzt das Sortiment. In Kürze wird dies um Lasagne und Fischstäbchen erweitert.

#2 dineinsects – gemahlene Larven

Ric Hentze sagt von sich selbst, er sei „grün angehaucht“. In fast allen Lebensbereichen setzt der studierte Sportwissenschaftler auf Nachhaltigkeit. Er ging nach dem Studium in die Finanzbranche und investiert seither ausschließlich in grüne Geldanlagen.

Auch seine Ernährung wollte Ric Hentze so umstellen, dass sie nachhaltig ist. Doch reiner Fleischverzicht hilft da nicht, sagt er. Auch die vegane Ernährung sei eine „ökologische Katastrophe“, etwa weil zur Soja-Gewinnung der Regenwald abgeholzt wird. Nach eingängiger Recherche wurde dem 30-Jährigen dann klar: Die Ernährung der Zukunft muss auf Insekten aufbauen. Sie sind nährstoffreich und hinterlassen den kleinstem ökologischen Fußabdruck.

Nur: In Europa und in den USA hält der Ekelfaktor die Menschen davon ab, Insekten zu verspeisen. Ric Hentze also gründete Mitte 2019 sein Start-up dineinsects mit dem Ziel, verarbeitetes Insekten-Food anzubieten: Er startete mit einem Mehl, hinzu kam Pasta, ganz neu ein Proteinriegel. Derzeit versucht der Gründer, die Produkte in die Supermärkte zu bekommen. In einigen Monaten sind hoffentlich auch Restaurants und Sportstudios wieder offen – und für dineinsects aufgeschlossen.

#3 isaac nutrition – Insekten für Sportler

Bereits 2016 hatten Charlotte Binder, Nicolas Viegener und Tim Dapprich die Idee, Insekten als Nahrungsquelle in Europa zugänglich zu machen. In ihren heimischen Küchen experimentierten sie mit Datteln, Haferflocken, Nüssen, Honig und Insektenprotein, um einen Proteinriegel zu kreieren. Sie holten sich Feedback bei Freunden, Bekannten und Sportlern ein, kurz später war der perfekte Riegel erfunden. Nur: Es fand sich kein Produzent, der ihn genau nach den Vorstellungen des Kölner Trios in Serie herstellen konnte. Die drei gründeten 2017 dennoch das Start-up isaac nutrition.

Gemeinsam mit Lebensmitteltechnologen und Ernährungswissenschaftlern der Fachhochschule Münster haben haben sie ein Proteinpulver für Sportler entwickelt. Es besteht zu 15 Prozent aus Insektenprotein aus gemahlenen Buffalowürmern.

Mit dem Riegel hat es 2020 dann übrigens doch noch geklappt: Durch Zufall lernten die Gründer, die sich Anfang 2019 in der Fernsehshow Die Höhle der Löwen eine Finanzierung sicherten, eine Manufaktur in der Region kennen. Diese fertigt die Riegel seither in zwei Geschmacksrichtungen und in Handarbeit.

#4 Plumento Foods – Würmer zu Nudeln

Plumento Leckeres Essen Insekten 1200
Pasta, Cookies etc.: So vielfältig können Insekten aussehen und schmecken. (Screenshot: Plumento Foods)

Beim Drogeriemarkt dm oder im Lebensmittelladen Rewe sind sie zu finden: Die Pasta-Gerichte, Kekse oder Croutons von Plumento Foods in Pforzheim. Die drei lebenserfahrenen Männer Daniel A. Mohr, Reinhard Käppel und Nicolas Stöckert haben das Start-up gegründet, um die Essgewohnheiten der Menschen auf dem Planeten radikal zu ändern.

Die Weltbevölkerung wird in den nächsten Jahrzenten voraussichtlich auf neun Milliarden Menschen anwachsen. Wie sollen sie alle satt werden, fragten sich die Gründer, ohne die sowieso begrenzten Ressourcen nicht noch weiter auszubeuten. Sie stießen auf Insekten als alternative und effiziente Proteinquelle und entwickelten auf dieser Basis diverse Nahrungsmittel.

Corona-bedingt ist der Umsatz eingebrochen. Daniel A. Mohr sagt:

Die Menschen erachten derzeit anderes als wichtiger, nachhaltige Ernährung ist als Luxus-Thema ein Stück weit in den Hintergrund getreten.

Aber: Das sei nur eine vorübergehende Delle. Das Start-up sei finanziell gut aufgestellt. Nach dem Ende der Pandemie werde Ernährung auf Insektenbasis stark an Fahrt gewinnen. Dabei hilft seiner Meinung nach auch eine wichtige EU-Entscheidung vom 13. Januar 2021: Mehlwürmer gelten seither als gesundheitlich unbedenkend.

#5 ofrieda – ideal für Hunde

Der Markt für Tiernahrung wird von wenigen großen Konzernen beherrscht. Laut Felix Bierholz ist das Futter oft minderwertig, mit zu vielen Zuckerzusätzen angereichert. Immer mehr Hunde leiden daher an Allergien und Unverträglichkeiten. Außerdem: So gut wie immer ist Fleisch im Spiel.

Er sagt:

Das ist ein riesen Problem.

Fleischkonsum ist schließlich schlecht für die Umwelt.

Der Duisburger hat eine Alternative gefunden. Sein Start-up Ofrieda entwickelt und verkauft seit 2017 Hundefutter auf Insekten-Basis. Hergestellt werden die Produkte von zwei Familienbetrieben in Deutschland.

Felix Bierholz studierte Wirtschaftswissenschaften und hatte einen chinesischen Gaststudenten in seiner Wohngemeinschaft aufgenommen. Häufig kochten sie abends gemeinsam und sprachen über die verschiedenen Esskulturen. Der neue Mitbewohner erzählte, dass man in China selbstverständlich Insekten isst. Felix Bierholz recherchierte daraufhin, ob das eine Alternative fürs Hundefutter sein könnte. Denn Hunde verspeisen drei Mal so viel Fleisch wie Menschen. Hier tat eine Lösung also am dringendsten Not.

Ofrieda ist längst am Makt etabliert, das Team entwickelt immer wieder neue Sorten. Demnächst etwa kommt ein spezielles Welpenfutter heraus.

Ähnliche Beiträge zum Thema
Das Geschäftskonto für Gründer: jetzt 6 Monate Grundgebühr sparen