Sie machen Müll zu Geld: Geschäftsideen der Kreislaufwirtschaft



Am 29. April 2016 war der Erdüberlastungstag. An diesem Tag hat die Erdbevölkerung die Menge an natürlichen Ressourcen aufgebraucht, die ihr rechnerisch pro Jahr zusteht. Wir leben also seit über einer Woche auf Pump. Dabei mangelt es nicht an neuen Ideen, mit den vorhandenen Ressourcen besser auszukommen. Aber nicht allein die Konzerne mit ihren großen Forschungsabteilungen sind es, die hier glänzen, sondern Start-ups, die immer häufiger innovative Ansätze für eine nachhaltige Zukunft liefern. 



Seit über drei Jahren werden eben diese vorausschauenden Jungunternehmen auch von der Green Alley unterstützt, einer Anlaufstelle in Berlin für grüne Gründer aus ganz Deutschland und Europa. Im Fokus stehen gute Geschäftsideen aus der Kreislaufwirtschaft, die sich mit der Frage beschäftigt, wie man aus Müll wieder etwas Wertvolles schaffen kann.

  • Der aktuell laufende Green Alley Award sucht genau solche Geschäftsideen. Zu gewinnen gibt es für die grünen Gründer neben Geldpreisen auch Unterstützung bei der Investorensuche und kostenfreie Büros. Bis zum 27. Juli ist eine Bewerbung online möglich.

Auf den ersten Blick mag die Kreislaufwirtschaft nicht gerade nach einem Beschäftigungsfeld für hippe Start-ups aussehen, auf den zweiten Blick dafür um so mehr, wie Miriam Kehl vom Green Alley Award verdeutlicht:

Stetig wachsende Anforderungen an Branchen und globale Herausforderungen sind eine gute Basis, um ein Start-up zu gründen. Der Markt ist bereit für neue Konzepte. Endkonsumenten suchen gezielt nach Möglichkeiten, Abfall zu vermeiden oder zu reduzieren. Und auch Unternehmen orientieren sich immer mehr in Richtung Nachhaltigkeit. 

Einige Gründer, die sich mit ihren Konzepten der Kreislaufwirtschaft widmen und bisher beim Green Alley Award punkten konnten, stellen wir heute vor.

Geschäftsidee GreenLab Berlin: Dünger aus Kakaoschalen

In Deutschland werden große Mengen an Kakao verarbeitet. Die Kakaofrucht besteht aus Kakaosamen und der Kakaoschale. Nur die Bohnen werden bei der Schokoladenproduktion weiterverwendet. Die Schalen, die einen großen Anteil des ursprünglichen Gewichts ausmachen, landen meistens im Abfall. Zwei promovierte Agraringenieurinnen haben im Rahmen ihrer Forschung entdeckt, dass sich aus diesen Schalen ein hervorragender Dünger herstellen und eine Geschäftsidee entwickeln lässt. Unter dem Produktnamen Pimp my Gärtchen und Blümchenfutter verkaufen sie nun je einen Biodünger für den Heimgarten und den Balkon.

Bei Green Lab entsteht aus Abfällen der Lebensmittelindustrie Bio-Dünger
Bei GreenLab Berlin entsteht aus Abfällen der Lebensmittelindustrie Bio-Dünger. (Bild: Greenlab Berlin)

Geschäftsidee TerraCycle recycelt das Unrecycelbare

Deutschland hat mit über 60 % eine der höchsten Recyclingquoten in Europa. Trotzdem landet ein großer Teil des Abfalls in der Müllverbrennungsanlage, da die Verwertungsgesellschaften nicht für jedes Material eine Verwendung haben. TerraCycle hat sich genau auf diesen Teil des Mülls spezialisiert. Dazu arbeitet das Start-up mit den Herstellerfirmen und dem Einzelhandel zusammen und bietet den Kunden kostenlose Recyclingprogramme an. Dahinter steckt das Prinzip Upcycling. Aus den eingesammelten Gütern entstehen also neue Produkte. Aus Einmalhandschuhen werden Parkbänke und aus Deosprays Fahrräder. Voraussetzung ist, dass der Müll bis zur Abholung sortenrein gelagert und an die Hersteller bzw. den Einzelhandel geschickt wird. Den Kunden entstehen keine Kosten, denn diese werden inklusive des Versands von den Unternehmenspartnern übernommen.

Ziel von TerraCycle ist es, wertvolle Rohstoffe vor der Verbrennung zu bewahren (Bild: terracycle.com)
Ziel von TerraCycle ist es, wertvolle Rohstoffe vor der Verbrennung zu bewahren. (Bild: TerraCycle)

Geschäftsidee binee verfolgt Elektroschrott bis zum Recycler

Elektroschrott ist wertvoll. In ihm sind Metalle wie Gold und Kupfer enthalten, aber auch seltene Erden, die für die Elektronikindustrie von besonderer Bedeutung sind. Trotzdem landet Elektroschrott häufig im Hausmüll. Damit gehen wertvolle Ressourcen der Wiederverwertung verloren. Gründe hierfür gibt es viele. Manchen Verbrauchern sind sich der Bedeutung von Elektroschrott nicht bewusst. Andere glauben, dass der Schrott ohnehin über dunkle Kanäle auf Müllhalden in Afrika landet.

Deswegen hat das Dresdner Start-up binee eine smarte Abfalltonne für Elektroschrott entwickelt. Sie filmt und dokumentiert den Schrott bei der Abgabe, spuckt einen Trackingcode ähnlich wie bei der Sendungsverfolgung eines Pakets aus und informiert auf Wunsch über den weiteren Verlauf des Recyclingsprozess. Zudem können Händler, die eine derartige Tonne bei sich aufstellen, den Kunden mit Bonuspunkten belohnen und so an ihr Geschäft binden. So wird durch die Geschäftsidee von binee die Akzeptanz für das Recycling gesteigert und mehr Transparenz im Recyclingprozess geschaffen.

Das Team von binee vor ihrem ersten Piloten in Leipzig (Bild: binee.com)
Das Team von binee vor ihrem ersten Piloten in Leipzig. (Foto: binee)

Infarm verlagert die Lebensmittelproduktion in den Supermarkt

Man stelle sich vor, das Obst und Gemüse würde direkt im Supermarkt wachsen. Man könnte sich die weiten Transportwege sparen, auf denen die Lebensmittel Vitamine verlieren und häufig sogar verderben. Man könnte aber auch Ackerfläche einsparen und der Natur zurückgeben. Das klingt utopisch? Zwei Brüder aus Israel wollen mit ihrem Start-up Infarm diese Geschäftsidee verwirklichen. Erste Prototypen wurden bereits zusammen mit dem Handelskonzern Metro und verschiedenen Restaurants getestet.

In Zukunft könnte unser Obst und Gemüse genau da wachsen, wo es auch verkauft wird. (Bild: infarm.com)
In Zukunft könnte unser Obst und Gemüse genau da wachsen, wo es auch verkauft wird. (Bild: Infarm)

Geschäftsidee von kaputt.de rettet das Smartphone vor der Müllhalde

Was ist besser als recyceln? Genau! Gar nicht erst wegwerfen. Gerade bei einem teuren Smartphone kann sich eine Reparatur oft noch lohnen. kaputt.de bietet drei Möglichkeiten, wie man mit einem kaputten Smartphone umgeht. Mithilfe von Foto- und Videoanleitungen repariert man das Smartphone selbst von zu Hause aus. Traut man sich das nicht zu, liefert das Portal einen Vergleich für professionelle Reparaturdienstleistungen. Sollte auch das keine Option sein, besteht noch die Möglichkeit das Smartphone für seinen Restwert zu verkaufen.

Kaputt.de sorgt sich um reparaturbedürftige Smartphones (Bild: kaputt.de)
Das Portal kaputt.de sorgt sich um reparaturbedürftige Smartphones (Bild: kaputt.de)

Geschäftsideen für die Kreislaufwirtschaft gesucht!

  • Noch bis zum 27. Juli 2016 können sich Gründer und Start-ups mit einer Geschäftsidee aus dem Umfeld der Kreislaufwirtschaft beim Green Alley Award bewerben.

Die Sieger erwarten neben einem Preisgeld in Höhe von 7.000 Euro und kostenlosen Büros Unterstützung bei der Investorensuche sowie die Möglichkeit zur Teilnahme an einem Accelerator-Programm in London. Miriam Kehl unterstreicht die Bedeutung solch eines Programms:

Die Kreislaufwirtschaft unterliegt diversen Gesetzen. Das heißt aber nicht, dass man dies als Barriere verstehen sollte. Vielmehr ergeben sich daraus Möglichkeiten, insbesondere für Start-ups: sie sind agil, feste Strukturen sind für sie ein Fremdwort. Ein starker Partner an der Seite, der einen strategisch in diesem Umfeld unterstützen kann, ist Gold wert – und als Tochter der Landbell AG haben wir Experten, die sich mit Abfallströmen bestens auskennen. Start-ups profitieren also von unserem Know-how und unserem Netzwerk.

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