Bestattung: Geschäftsideen bis zum letzten Atemzug



Am Ende des Lebens braucht es Experten, die alles regeln: die Bestattung, die Trauerfeier, den Nachlass. Vier Geschäftsideen, die die Angehörigen umfassend betreuen und den Toten einen würdigen Abschied bereiten.

Mymoria
Bestattung digital: Mymoria ermöglicht die Planung und Beauftragung einer Beerdigung online. (Bild: Mymoria – Chris Soult)

#1 Mymoria – Bestattung von A bis Z online

Niemand setzt sich gerne mit dem Tod auseinander – Felix Maßheimer und Björn Wolff tun es seit 2015. Damals haben sie, nach dem Tod eines gemeinsamen Freundes, ihr Start-up Mymoria gegründet, ein digitales Bestattungshaus, das es Hinterbliebenen ermöglicht, zu jeder Uhrzeit und von überall her unkompliziert eine komplette Beisetzung zu beauftragen.

Die Hinterbliebenen können die gesamte Beerdigung, von der Trauer-Einladung bis hin zur Wahl der Blumen, online, per Video-Chat oder telefonisch planen. Auch Formalitäten wie etwa die GEZ-Abmeldung übernimmt Mymoria bei Bedarf. Damit der Dienst deutschlandweit flächendeckend angeboten werden kann, arbeiten die Berliner nicht nur mit angestellten Bestattern, sondern darüber hinaus auch mit rund 250 Partner-Bestattern zusammen.

Um die Sichtbarkeit des Unternehmens zu erhöhen, hat das Start-up im Oktober dieses Jahres in der Kölner Innenstadt seine erst „Bestattungs-Boutique“ eröffnet, eine weitere soll in Kürze in München eröffnen. In der Berliner Zentrale und bei den kooperierenden Bestattungshäusern konnten die Kunden schon immer auf Wunsch auch persönlich vorsprechen.

#2 e-Memoria – das Leben nach dem Tod

Es gibt einen schönen Trauerspruch, das Zitat wird Immanuel Kant zugeschrieben: „Wer im Gedächtnis seiner Lieben lebt, der ist nicht tot, der ist nur fern; tot ist nur, wer vergessen wird.“

Christian Paechter und Timo Maier gehen seit 2014 mit ihrem Start-up e-Memoria gegen das Vergessen vor. Sie bewahren Erinnerungen – mit Hilfe einer technischen Lösung: einem QR-Code auf dem Grabstein oder der Grabvase. Wer ihn einscannt, landet auf der Gedenkseite des Leonberger Unternehmens und erfährt alles, was die Hinterbliebenen – oder zum Teil auch der Verstorbene vor seinem Tod – dort eingepflegt hat. Das können Texte oder Gedichte sein, Fotos, Videos, Links zu allen möglichen Webseiten. Je nach Wunsch sind die Inhalte für alle Interessierten einsehbar – oder aber nur für einen geschlossenen Nutzerkreis.

Die Idee dazu hatte Christian Paechter, nachdem sein Großvater gestorben war. Er war noch ein Kind, er kannte den alten Herrn kaum. Er wusste nur: Der Opa hatte ein interessantes, bewegtes Leben, er hätte gerne mehr über ihn gewusst. Als er Erwachsen war, überführte er diese Wünsche in sein eigenes Unternehmen.

# 3 Funeria – Friede im Baum

Jonas Miebach war Projektentwickler. Seit 2016 ist er mit seinem Start-up Funeria als Unternehmer in der Bestatter-Branche tätig. Die Intention dazu war der Tod der Großeltern – und die eher schlechten Erfahrungen mit dem Bestatter. Jonas Miebach fand: Das kann man besser machen. Also hängte er seinen Beruf an den Nagel und gründete, gemeinsam mit Andreas Zeiser und Philipp Wapler, Funeria.

Das Berliner Start-up begann als Bestatter-Netzwerk. Es arbeitet mit rund 150 lokalen Bestattern in ganz Deutschland zusammen. Alle wurden persönlich geprüft – und für gut befunden. Seit diesem Frühjahr bietet Funeria zwei weitere Dienstleistungen an: RuheDirekt organisiert, ebenfalls gemeinsam mit regionalen Partnern, naturnahe Bestattungen wie etwa die Wald- oder Wiesenbestattung. BaumFrieden ermöglicht, die Asche des Verstorbenen in den Niederlanden einem Baumsetzling nach Wahl beizugeben. Nachdem die Asche vollständig ins Wurzelwerk des Baumes übergegangen ist, wird der Baum im eigenen Garten oder wo sonst gewünscht eingepflanzt.

# 4 November – Bestattung auf Weltreise

Gründerteam November
Das Gründerteam Robin Klemm und Christoph Basner von November hilft bei der Planung der eigenen Bestattung. (Bild: November)

Normalerweise regeln Angehörige die Bestattung, nach dem Tod des geliebten Menschen. Das von Robin Klemm und Christoph Basner 2016 gegründete Start-up November ermöglicht, die eigene in der Zukunft liegende Bestattung zu organisieren. Einer der Vorteile: Dann läuft alles nach dem Ableben genauso, wie man sich selbst es wünscht. Sogar eine “Weltreisebestattung” macht November möglich.

Robin Klemm war noch Student an der WHU – Otto Beisheim School of Management in Vallendar, als er im Familienkreis zwei Trauerfälle hatte. Er merkte, wie wichtig das Thema ist – und wie kompliziert, wenn alles über Hunderte Kilometer Entfernung geregelt werden muss. Robin Klemm tat sich deshalb mit seinem früheren Kommilitonen Christoph Basner zusammen und gründete November. Ihre Mission: das schwere Thema Trauer leichter zu machen. Und digitaler. Schließlich ist die Kundschaft mehr und mehr digital affin. Also sucht sie entsprechende Angebote. Schon zwei Finanzierungsrunden haben die Berliner hinter sich, insgesamt fünf Millionen Euro Kapital haben sie eingesammelt.

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