Deckungsbeitragsrechnung: DB1 bis DB5 berechnen

Die Deckungsbeitragsrechnung zeigt Unternehmern, wie wichtig einzelne Produkte oder Dienstleistungen für den Betriebserfolg sind. Anhand des Deckungsbeitrags können Optimierungen des Sortiments bzw. des Angebots vorgenommen werden, um das Unternehmensergebnis zu erhöhen.

Mit Beispielen zeigen wir, wie die ein- und mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung funktioniert. Um selbst Deckungsbeiträge zu berechnen, steht unser kostenfreies Excel-Tool zur Verfügung.

Das Wichtigste auf einen Blick
  • In der einstufigen Deckungsbeitragsrechnung wird der Deckungsbeitrag nach Abzug der variablen Kosten ermittelt.
  • Bei der mehrstufigen Deckungsbeitragsrechnung werden zusätzlich die Fixkosten aufgeteilt.
  • Die Aufteilung der fixen Kosten ist dabei eine besondere Herausforderung.
  • Die ermittelten Deckungsbeiträge sollten nicht das ausschließliche Kriterium für Sortiments-Entscheidungen sein.

1. Gründe für die Deckungsbeitragsrechnung

Durch die Berechnung von Deckungsbeiträgen wird die Kostenstruktur des Unternehmens genauer beleuchtet. Die Erkenntnisse helfen Unternehmern bei folgenden Entscheidungen:

  • Optimierung der Zusammensetzung des Angebots oder Produktsortiments
  • Unwirtschaftliche Produkte zu entfernen
  • Fokus auf die wirtschaftlichsten Produkte zu lenken
  • Neue Aufträge an- oder abzulehnen
  • Produkte selbst produzieren bzw. Dienstleistungen selbst erbringen oder bei Lieferanten bzw. Dienstleistern einkaufen
  • Preisuntergrenzen festlegen

2. Einstufige Deckungsbeitragsrechnung

In der einstufigen Deckungsbeitragsrechnung werden von den Umsatzerlösen lediglich die variablen Kosten abgezogen. Es ergibt sich der sogenannte Deckungsbeitrag 1 (DB 1).

In der Regel haben Unternehmen mehrere Produkte oder Dienstleistungen, sodass der DB 1 für diese berechnet wird.

 Produkt AProdukt BProdukt CUnternehmen
Umsatz2.000 €5.000 €3.000 €10.000 €
minus variable Kosten1.000 €2.000 €1.000 €4.000 €
= DB11.000 €3.000 €2.000 €6.000 €

Der DB1 beträgt 6.000 € und steht zur Deckung der Fixkosten des Unternehmens zur Verfügung. Die variablen Kosten können zusätzlich in variable Material-, Fertigungs- oder Vertriebskosten detaillierter aufgeteilt werden.

Im Ergebnis zeigt sich, dass Produkt B und C einen größeren Teil zum DB1 des Unternehmens liefern als Produkt A. In der Analyse der einstufigen Deckungsbeitragsrechnung sind die Produkte B und C rentabler als Produkt A.

Das Unternehmen sollte sich verstärkt auf den Absatz der Produkte B und C fokussieren. Wird das Produkt A einfach aus dem Angebot gestrichen, bedeutet dies zunächst, dass ein Deckungsbeitrag von 1.000 Euro fehlt. Das Ergebnis des Unternehmens sinkt. Nur wenn der Absatz der Produkte B und C gesteigert oder sich die Fixkosten durch den Wegfall von Produkt A reduzieren lassen, ergibt sich ein positiver Einfluss auf das Ergebnis.

Wird der Absatz der einzelnen Produkte in die Analyse einbezogen, kann der jeweilige Stückdeckungsbeitrag berechnet werden. Für eine abschließende Bewertung bietet es sich an, den relativen Deckungsbeitrag zu ermitteln.

Der Nachteil der einstufigen Deckungsbeitragsrechnung besteht darin, dass die Fixkosten bei der Analyse der einzelnen Produkte unberücksichtigt bleiben bzw. nicht den einzelnen Produkten zugerechnet werden. Die Fixkosten werden als gesamter Kostenblock vom DB 1 abgezogen, wodurch sich das Unternehmensergebnis ergibt.

Um diesen Nachteil zu beheben, wird die mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung angewendet.

TIPP

Das Excel-Tool für die Deckungsbeitragsrechnung nutzen.

Zum kostenfreien Download

3. Mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung

In der mehrstufigen Deckungsbeitragsrechnung werden die Fixkosten des Unternehmens auf die Bereiche bzw. Abteilungen, Produkte oder Dienstleistungen verteilt, wo sie anfallen bzw. verursacht werden. Deshalb wird sie auch als Fixkostendeckungsrechnung bezeichnet.

Je nachdem, wie der Fixkostenblock aufgeteilt wird, ergeben sich verschiedene Stufen des Deckungsbeitrags:

  • Deckungsbeitrag 1 (DB 1) ist, wie oben dargestellt, die Differenz zwischen den Umsätzen eines Angebots und dessen variablen Kosten.
  • Deckungsbeitrag 2 (DB 2): zur Ermittlung des DB 2 werden vom DB 1 die sogenannten produktspezifischen Fixkosten abgezogen. Produktspezifische Fixkosten bzw. produktfixe Kosten sind bspw. Kosten einer Maschine, auf denen das Produkt gefertigt wird. Auch Marketing- oder Vertriebskosten können einem Produkt spezifisch zugeordnet werden.
  • Deckungsbeitrag 3 (DB 3): beim DB 3 werden produktgruppenspezifische Kosten berücksichtigt und vom DB 2 abgezogen. Wie der Name produktgruppenspezifische Kosten schon ausdrückt, handelt es sich um Fixkosten, die einer Gruppe von Produkten zugeordnet werden können. Dies könnte z.B. die Halle sein, in der die Maschinen zur Herstellung der Produkte A und B stehen. Im Restaurant könnten zwischen den Kosten der Küche für die Speisen und der Bar für die Getränke unterschieden werden.  
  • Deckungsbeitrag 4 (DB 4): um den DB 4 zu berechnen werden Bereichsfixkosten zugeteilt und vom DB 3 abgezogen. Bereichsfixkosten entstehen häufig in größeren Unternehmen. Diese Kosten sind nicht mehr einzelnen Produktgruppen zuzuordnen. Sie könnten nur reduziert werden, wenn der Bereich stillgelegt wird. Die Personalkosten eines Bereichsleiters wären dementsprechend im DB 4 anzusetzen.
  • Deckungsbeitrag 5 (DB 5): die nicht aufteilbaren Fixkosten werden dann als Unternehmensfixkosten vom DB 4 abgezogen. Der DB 5 ist identisch mit dem Unternehmensergebnis. Zu den Unternehmensfixkosten werden bspw. Kosten für die Buchhaltung, die Personalabteilung oder die Geschäftsführergehälter gezählt.

4. Beispiel

Das Beispiel für die mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung (DB 1 bis DB 5) sieht wie folgt aus:

 UnternehmenSumme
 Abteilung 1Abteilung 2 
 Produktgruppe 1Produktgruppe 2Produktgruppe 3 
 Produkt AProdukt BProdukt CProdukt DProdukt E 
Umsatz2.000 €1.500 €3.000 €1.500 €3.000 €11.000 €
- variable Kosten500 €500 €750 €300 €500 €2.550 €
DB11.500 €1.000 €2.250 €1.200 €2.500 €8.450 €
- produktfixe Kosten300 €300 €600 €200 €500 €1.900 €
DB21.200 €700 €1.650 €1.000 €2.000 €6.550 €
- Gruppenfixkosten500 €700 €500 €1.700 €
DB31.400 €1.950 €1.500 €4.850 €
- Bereichsfixkosten2.000 €500 €2.500 €
DB41.350 €1.000 €2.350 €
- Unternehmensfixkosten1.400 €1.400 €
DB5 / Ergebnis950 €950 €

Die mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung ermöglicht damit eine deutlich detailliertere Analyse der Produkte und Unternehmensbereiche als die einstufige Deckungsbeitragsrechnung.

  • So zeigt sich im Beispiel, dass die Abteilung 2 einen nahezu identischen Anteil am Betriebsergebnis beiträgt wie Abteilung 1. Dabei ist Abteilung 1 mit 4 Produktgruppen deutlich größer. Die Abteilung 2 hingegen ist wesentlich rentabler.  
  • Als Schlussfolgerung ist aus Unternehmenssicht zu überlegen, ob nicht Bereich 2 in Zukunft stärker ausgebaut werden sollte. Dies hängt stark davon ab, wie die Absatz- und Marktchancen eingeschätzt werden.
  • Parallel können Produkte mit den niedrigsten Deckungsbeiträgen heruntergefahren werden. Zu beachten ist jedoch, dass diese Deckungsbeiträge wegfallen und damit das Ergebnis zunächst sinkt.
  • Zudem kann im Absatz ein Sortimentszusammenhang bestehen: Produkte mit niedrigen Deckungsbeiträgen sind nötig, um den Verkauf von Produkten mit hohen Deckungsbeiträgen zu ermöglichen.  Werden nun die Produkte mit niedrigen Deckungsbeiträgen aus dem Sortiment entfernt, sinken ggf. die Verkaufszahlen der anderen Produkte.
  • Niedrige oder negative Deckungsbeiträge sollten daher stets im Gesamtzusammenhang betrachtet werden.
  • Niedrige Deckungsbeiträge können z.B. auch die Folge von verstärkten Marketingaktivitäten und Rabatten gewesen sein. Diese kurzfristigen Einflüsse müssen in der Entscheidungsfindung ebenfalls berücksichtigt werden.

Auf Basis der Ergebnisse der Deckungsbeitragsrechnung stehen nicht nur Entscheidungen für oder gegen bestimmte Produkte oder Abteilungen im zur Wahl. Stattdessen können auch Maßnahmen ergriffen werden, um

  1. Deckungsbeiträge einzelne Produkte zu erhöhen, bspw. durch Preisanpassungen
  2. Variable Kosten zu senken
  3. Fixkosten zu senken

5. Herausforderungen

Die Ergebnisse der Analyse aus der mehrstufigen Deckungsbeitragsrechnung hängen im Wesentlichen davon ab, ob die Kostenposten möglichst korrekt zugeordnet wurden. Nur dann sind die Schlussfolgerungen valide.

Bevor die Aufteilung der Kosten ansteht, ist festzulegen, welche Produkte, Kundengruppen oder Dienstleistungen für die Berechnung des Deckungsbeitrags als Ausgangspunkt genutzt werden sollen. Dies ist in der Praxis gar nicht so leicht, wie einige Beispiele zeigen:

  • Gastronomie: eine Deckungsbeitragsrechnung im Restaurant auf Produktebene, also bpsw. anhand der einzelnen Positionen der Speisekarte ist nicht hilfreich. Vielmehr können als Produktgruppen der Mittagstisch, das Abendessen, der Brunch am Sonntag und der Barumsatz zugrunde gelegt werden.
  • Einzelhandel: Händler haben in der Regel unglaublich viele einzelne Produkte. Dies macht die Deckungsbeitragsrechnung sehr komplex. Ohne, dass die Aussagekraft steigt. Deshalb sollten ähnliche Produkte zu Produktgruppen zusammengefasst werden. In einem Spielzeugladen könnte die Einteilung der Spielzeuge bspw. anhand von Altersgruppen der Kinder erfolgen.
  • Dienstleistungen: Handwerker können ebenfalls ein sehr kleinteiliges Leistungsangebot haben, das zusammengefasst werden muss, um eine handhabbare Analyse vornehmen zu können. Alternativ können auch Kundengruppen gebildet werden: Privatkunden, Unternehmen, Behörden.
  • Abo-Geschäfte: Bei einem Fitnessstudio scheint es zunächst auf der Hand zu liegen, Monats- und Jahresabos als Ausgangspunkt für die Deckungsbeitragsrechnung zu nutzen. Dies lässt jedoch außer Acht, dass es vermutlich große Unterschiede im Nutzungsverhalten zwischen einzelnen Kundengruppen gibt. Z.B. im Hinblick darauf, wie häufig jemand aus einer bestimmten Kundengruppe das Fitnessstudio aufsucht. Somit könnte eine Unterteilung in Studenten, Berufstätige und Senioren vorgenommen werden.

Die Entscheidung, für welche Angebote oder Kundengruppen im Detail Deckungsbeiträge berechnet werden sollen, hat einen großen Einfluss auf die Ermittlung und Verteilung der angefallenen Kosten.

Die grundlegende Entscheidung für die Aufteilung ist in der Umsatzplanung des Unternehmens zu treffen. Werden im Finanzplan die zentralen Umsatzposten wohlüberlegt definiert, vereinfacht dies die Berechnung der Deckungsbeiträge.

Unterteilung variable und fixe Kosten

Im ersten Schritt der Kostenaufteilung bei der Deckungsbeitragsrechnung muss zwischen variablen und fixen Kosten unterschieden werden. Zu den variablen Kosten zählen grundsätzlich alle Kosten, die sich direkt mit dem Absatz ändern. In der Regel ändern sich die variablen Kosten proportional zur Menge. In einigen Fällen können die variablen Stückkosten mit steigender Menge auch sinken, da sich bspw. Einkaufspreise pro Stück bei der Abnahme höherer Mengen reduzieren.

Die fixen Kosten hingegen stehen nicht im direkten Verhältnis zur Produktionsmenge, da sie in einer bestimmten Periode konstant sind. Die Kosten, die sich also nicht bei Steigerung oder Verringerung der Absatzmenge ändern, sind den fixen Kosten zuzurechnen.

Höhe der variablen Kosten bestimmen

Bei der Ermittlung der variablen Kosten sind neben den Herstellungs- oder Materialkosten auch Rabatte, Verkaufsminderungen oder Warenverluste zu berücksichtigen.

Es ist hilfreich mit plausiblen Durchschnittswerten zu arbeiten. So werden bspw. die variablen Kosten pro Gast für den Mittagstisch angesetzt. Diese können entweder auf den bisherigen Erfahrungen beruhen oder Schätzwerte darstellen.

Aufteilung und Höhe der fixen Kosten

Der Fixkostenblock wird in der mehrstufigen Deckungsbeitragsrechnung auf verschiedene Ebene verteilt. Als Hilfe für die korrekte Zuordnung der Fixkosten dient folgende Leitfrage: Fallen die jeweiligen Fixkosten weg, sofern das Produkt, die Produktgruppe, der Bereich oder das Unternehmen aufhört zu bestehen? Die Kosten für Fitnesstrainer, die in einem Studio Sportkurse durchführen, werden der Abteilung Fitnesskurse zugeordnet. Werden die Kurse nicht mehr angeboten, werden auch die Trainer nicht mehr beschäftigt. Die Fixkosten entfallen. Ein Mitarbeiter am Empfang des Studios wird weiterhin benötigt, da Kunden die Fitnessgeräte in Anspruch nehmen. Er ist den Unternehmensfixkosten zuzuordnen.

Zusätzlich erschwert wird die Aufteilung der Fixkosten bspw. im Fall von Mitarbeitern, die für mehrere Produkte oder Abteilungen tätig sind. Die Lohnkosten könnten dann anteilsmäßig aufgeteilt werden. Entfällt bspw. 60 % der Arbeitszeit auf Produkt A, dann werden Produkt A 60 % der Lohnkosten als produktfixe Kosten zugerechnet. Nach dem gleichen Prinzip kann bspw. bei der Aufteilung der Miete für eine Lagerhalle verfahren werden.  

Zu beachten ist bei der Höhe der Fixkosten, dass sie nicht gänzlich unabhängig von der Absatzmenge sein müssen. Wird bspw. eine bestimmte Produktionsmenge überschritten, müssen neue Kapazitäten geschaffen werden. Das Niveau der Fixkosten erhöht sich entsprechen. Hierbei wird von sprungfixen Kosten gesprochen.

  • Beispiel: Wenn die Nachfrage steigt, reichen die verfügbaren Mitarbeiter nicht mehr aus und neue Mitarbeiter müssen eingestellt werden. Oder die Produktionskapazitäten müssen durch zusätzliche Maschinen erhöht werden.

6. Excel-Tool nutzen

Für die Berechnung der Deckungsbeiträge 1 bis 5 haben wir ein kostenfreies Excel-Tool erstellt.

Zum Tool