Marktpotenzial: wie groß könnte der Markt werden?

Ausgehend von der heutigen Marktgröße und der Einschätzung zum Marktwachstum stellt sich die Frage nach dem künftigen Marktpotenzial: Wie groß kann der Markt maximal werden? Wann ist der Markt komplett gesättigt?

Das Marktpotenzial zu bestimmen ist ein wichtiger Teil der Marktanalyse in Ihrem Businessplan. Trends und Produktlebenzyklus sind dabei wichtige Faktoren für das Marktpotenzial. Das effektive Marktpotenzial können Sie dann anhand einer einfachen Formel relativ schnell berechnen.



Letzter Teil der Marktanalyse: Marktpotenzial

Nachdem Sie die aktuelle Marktgröße (inklusive Marktvolumen), die Marktdynamik sowie das Marktwachstum in Ihrem Businessplan bestimmt haben, fehlen nun noch  Angaben zu der theoretisch möglichen Marktgröße, dem Marktpotenzial. Mit dem Marktpotenzial schließen Sie den Bereich Marktanalyse in Ihrem Businessplan ab.

Das Marktpotenzial zeigt auf, ab wann von einer kompletten Marktsättigung gesprochen werden kann. Dabei können Aussagen zum Marktpotenzial Auskunft darüber geben, ob der Markt in Zukunft eher wachsen (signifikantes Marktpotenzial vorhanden) oder stabil bleiben wird (Marktpotenzial ist ausgeschöpft).

Ihre Einschätzung zur Marktentwicklung hat einen Einfluss auf die Erfolgsaussichten Ihrer Existenzgründung: denn tendenziell ist es einfacher, in einem Markt Erfolg zu haben, der über weiteres Marktpotenzial verfügt und dementsprechend wächst, als in einem Markt der stagniert und dessen Marktpotenzial gering ist.

Das Marktpotenzial beschreibt die maximale Größe, die in Ihrem Markt erreicht werden könnte. Wenn z.B. heute 6 Millionen Wellness Getränke verkauft werden, aber theoretisch bis zu 15 Millionen verkauft werden könnten, so spricht man von einer Marktsättigung von 40% - es besteht somit noch ausreichend Marktpotenzial.

Wie Sie das Marktpotenzial ermitteln

Um eine fundierte Schätzung zum Marktpotenzial abgeben zu können, empfehlen wir folgende drei Punkte in Ihren Businessplan zu integrieren:

  1. Trends in und rund um Ihrem Zielmarkt
    Bestehende oder neue Trends können einen großen Einfluss auf das Marktpotenzial haben. Es gilt, diese frühzeitig zu erkennen.
  2. Den Produktlebenszyklus nicht vergessen
    Das Marktpotenzial in der Wachstumsphase unterscheidet sich maßgeblich vom Marktpotenzial in der Reifephase. In welcher Phase des Produktlebenszyklus ist Ihr Angebot?
  3. Marktpotenzial: Eine einfache Berechnung
    Nachdem Sie die Marktgröße identifiziert, das Marktwachstum festgelegt, Trends analysiert und den Produktlebenszyklus bestimmt haben, können Sie eine erste Schätzung zum Marktpotenzial abgeben. Sie können das Marktpotenzial aber auch ganz einfach berechnen...

1. Trends beeinflussen das Marktpotenzial

Beschreiben Sie in Ihrem Businessplan, ob Sie mit Ihrem Unternehmen einen neuen Trend verfolgen oder ob Sie in einen bereits etablierten Markt einsteigen. Erwähnen Sie die Trends der jeweiligen Branche und erklären Sie in Ihrem Businessplan, welchen Einfluss diese Trends auf das Marktpotenzial haben. Unter Umständen wirkt sich ein Trend auch negativ auf Ihr Marktpotenzial aus - auch das gehört in den Businessplan!

Informationen zu den Trends finden Sie entweder bei Branchenverbänden, Branchen/Marktstudien oder Fachzeitschriften.

Beispiel: Auch wenn fast jeder mindestens ein Handy besitzt (Total in D: 120 Millionen Handys) so scheint das Marktpotenzial für Smartphones noch lange nicht ausgeschöpft: I-Phone und Co. dürften auch in Zukunft weiter Marktanteile gewinnen.

2. Abhängigkeit Produktlebenszyklus und Marktpotenzial

Wenn ein neues Produkt auf den Markt kommt, werden in der Anfangsphase normalerweise nur kleine Mengen abgesetzt, dafür ist das Marktpotenzial aber auch hoch. Mit zunehmender Popularität steigt dann auch die Nachfrage und damit der Gewinn - solange bis Konkurrenten das interessante Segment erkennen und Konkurrenzprodukte anbieten - das Marktpotenzial wird kleiner.

Zunächst besteht in der Einführungsphase ein großes Marktpotenzial. Auf die Phase 1 folgend ist der Markt geprägt von einem hohen Marktwachstum (Wachstumsphase), bei dem das Marktpotenzial zunehmend ausgeschöpft wird. Während der Reifephase besteht immer weniger zusätzliches Marktpotenzial und dementsprechend nimmt auch der Konkurrenzkampf zu. Die Sättigungsphase ist geprägt von sehr geringem Marktpotenzial, das in der Regel dann auch kontinuierlich abnimmt. Bei der Degenerationsphase wird das Produkt dann von einem neuen Produkt, einem neuen Trend, abgelöst, da kein Marktpotenzial mehr besteht.

In Ihrem Businessplan sollten Sie entsprechend aufzeigen, in welcher Phase des Produktlebenszyklus Sie sich mit Ihrem Angebot befinden. Damit können Sie das Marktpotenzial besser abschätzen und sind für die nächste Phase bereits vorbereitet. Der Produktlebenszyklus ist außerdem wichtig für zukünftige Investoren, die tendenziell eher in einen Wachstumsmarkt mit hohem Marktpotenzial investieren.

Beispiel: Das Autotelefon war Anfang der neunziger Jahren eine absolute Marktneuheit - es bestand enormes Marktpotenzial. Das Marktwachstum zog rasant an und brachte den Hersteller hohe Gewinne. Mit den Handys wurde diese Erfindung dann aber relativ schnell durch einen neuen Trend abgelöst - das Marktpotenzial war plötzlich nicht mehr vorhanden. Autotelefone wurden überflüssig und der Markt brach relativ schnell zusammen.

3. Theoretisch mögliche Marktgröße, das Marktpotenzial

Nachdem Sie die Trends analysiert und den Produktlebenszyklus definiert haben, können Sie bereits eine erste Schätzung zum Marktpotenzial abgeben. Trotzdem ist es hilfreich, das Marktpotenzial zu beziffern, da dies ein wichtiger Bestandteil Ihrer Marktanalyse ist. Das theoretische Marktpotenzial können Sie dabei relativ einfach anhand der folgenden Formel ermitteln:

Bei der Marktpotenzial Berechnung multiplizieren Sie die theoretisch maximal mögliche Käuferanzahl mit der Kauffrequenz und dem Preis. Das Marktpotenzial wird typischerweise in Euro pro Jahr angegeben.

Das Ziel ist es...

... dass in Ihrem Businessplan das Marktpotenzial beziffert wird und Sie die wichtigsten Trends erwähnen, die sich auf das Potenzial maßgeblich auswirken können. Bestimmen Sie den Produktlebenszyklus und versuchen Sie auch bei diesem Kapitel Grafiken einzusetzen, die dem Businessplan Leser schnell und einfach aufzeigen, wie groß Ihr Marktpotenzial ist.

Wenn Sie mit dem Marktpotenzial fertig sind, können Sie sich dem Wettbewerb und Ihren Konkurrenten widmen.

TIPP

Nutzen Sie das geförderte Gründercoaching! Ein erfahrener Coach unterstützt Sie beim Thema Marktpotenzial und bei der Erstellung des Businessplans. Wir suchen kostenlos den richtigen für Sie!

Marktpotenzial Beispiel 1 - Wellnessgetränk

Sie möchten ein neues Wellnessgetränk in Deutschland auf den Markt bringen. Ihre Zielgruppe sind gesundheitsbewusste 25-35 jährige Frauen. So bestimmen Sie das Marktpotenzial:

Zielgruppe

  • Beim Statistikportal Destatis haben Sie herausgefunden, dass in Deutschland ca. 4 Mio. Frauen leben, die zwischen 25 und 35 Jahre alt sind.
  • Anhand ihrer Schätzung (eventuell haben Sie schon Marktforschung betrieben und haben Frauen in Fitness-Studios oder auf der Einkaufsstrasse befragt) gehen Sie davon aus, dass jede 10. Frau an einem derartigen Wellnessgetränk interessiert sein könnte; d.h. ihre theoretische Zielgruppe beträgt somit gut 400.000.

Frequenz

  • Ihrer Meinung nach (aufgrund einer kleiner Umfrage in Ihrem Bekanntenkreis) könnte jede Frau Ihr Produkt 2 mal pro Woche (Frequenz) nachfragen.

Preis

  • Der durchschnittliche Preis, zu dem sie Ihr Getränk verkaufen wollen, liegt bei 1 Euro.

Marktpotenzial

  • Demnach entspricht das Marktpotenzial (400.000*2*52*1 Euro) 41,6 Mio. Euro oder knapp 42 Mio. Flaschen pro Jahr.

 

Marktpotenzial Beispiel 2 - Handwerker

Sie haben schon jahrelange Erfahrung als Maler bei einem größeren Malergeschäft und finden, dass Sie eine bessere Arbeit abliefern als die meisten Ihrer Kollegen. Sie sind zuverlässig, kennen die Auftraggeber und sind der Meinung, dass Sie Ihr eigenes Malergeschäft mindestens so erfolgreich sein kann wie Ihr derzeitiger Arbeitgeber. So ermitteln Sie Ihr Marktpotenzial:

Zielgruppe / Volumen

  • Folgendes Vorgehen hilft ihnen bei der Ermittlung von Zielgruppe/Volumen: Frage: Welche Kunden möchten Sie ansprechen? Antwort:  Kunden, die Ihre Wohnung renovieren möchten Frage: In welchem Gebiet?
  • Antwort:  In Frankfurt, Gebiet Bockenheim Frage: Wie viele Haushalte existieren in Bockenheim?
  • Antwort: Ca. 50.000 Wohnungen (mögliche Anzahl, Zielgruppe sind somit die Eigentümer der Wohnungen)

Frequenz

  • Frage: Wie viele Häuser werden in Bockenheim etwa jedes Jahr renoviert?
  • Antwort: Nach Ihrer Erfahrung werden alle 10 Jahre die Wohnungen komplett renoviert (Frequenz), d.h. etwa 5.000 Wohnungen werden theoretisch pro Jahr renoviert.

Preis

  • Pro Renovierung werden durchschnittlich 1.500 Euro ausgegeben (Preis)

Marktpotenzial

  • Das Marktpotenzial für Malerarbeiten im Bereich Renovierungsarbeiten in Bockenheim liegt bei 7,5 Mio. Euro (5.000 * 1.500 Euro)
Vorheriger Artikel:
Marktdynamik
Nächster Artikel:
Wettbewerber