co:funding 2012 in Berlin: rund um Crowd funding und Crowd investing



Am 4. Mai 2012 stand in Berlin die zweite Runde der co:funding – die Konferenz in Deutschland rund um Crowd funding und Crowd investing – auf dem Programm. Im Rahmen der re:publica brachte die Konferenz nahezu alle wichtigen Akteure aus Deutschland aber auch aus Übersee in einem interessanten Vortragsprogramm zusammen.

Der Rekord von Crowd funding im ersten Quartal 2012 mit rund 240.000 € und 83 erfolgreichen Projekten in Deutschland (siehe Crowd funding-Monitor) nahm vorweg, was oft in den Gesprächen und Diskussionen auf der co:funding mitschwang: „Crowd funding ist in Deutschland angekommen“. Und so waren viele Themen auf der co:funding schon konkret auf die zukünftige Entwicklung von Crowd funding und Crowd investing gerichtet. Pünktlich zur co:funding ist das neue co:funding Handbuch in seiner 2. Auflage erschienen. Auf fast 100 Seiten werden hier Crowd funding und Crowd investing in ihrer Funktionsweise beleuchtet, werden erfolgreiche Projekte vorgestellt und ein umfangreicher Teil zu den rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen geboten. Ganze im Sinne der Crowd findet sich auf Startnext derzeit dann ein Projekt, um die Produktionskosten des co:funding Handbuchs zu refinanzieren. Für-Gründer.de hat als Partner der co:fundig die Konferenz besucht und so möchten wir erste Eindrücke von der co:funding nachfolgend wiedergeben.

Die co:funding 2012 (Quelle: co:funding-Website)

 

Vorträge und Paneldiskussionen

Den Anfang der co:funding machte kurz nach 10 Uhr Prof. Dr. Andreas Will von der TU Ilmenau, der sich in seinem Vortrag den Zahlen, den Plattformen und den Erfolgsfaktoren von Crowd funding widmete. Dabei stellte er die provokante Frage in den Raum, warum es eigentlich Crowd funding-Plattformen gibt: zentrale Punkte waren dabei die Aufgabe der Plattformen Vertrauen im Markt zu schaffen und Skaleneffekte zu realisieren, woraus er schon Konsolidierungs- und Marktbereinigungstendenzen ableitete. Dies scheint aus unserer Sicht aufgrund der aktuellen Marktgröße doch noch etwas verfrüht zu sein. Zu den Erfolgsfaktoren für Projekte zählte er die umfangreiche Beschreibung und Gestaltung der Projektseiten – insbesondere mit einem Video – und die kontinuierliche Kommunikation des Projektfortschritts. Insgesamt sah Herr Prof. Will in erster Linie intrinsischer Faktoren als Motivation bei den Unterstützern  der Crowd funding-Projekte.

Für den zweiten Vortrag ist es dem Organisationsteam der co:funding gelungen Slava Rubin – CEO von indiegogo – zu gewinnen. In 25 Minuten gab Slava eine tour d`horizon durch die indiegogo-Welt. Er stellte die Funktionsweise von indiegogo vor – insbesondere der gogo-factor, ein Algorithmus, der von indiegogo eingesetzt wird, um Projekte auf der Plattform zu ranken. Wichtig auch aus seiner Sicht für den Erfolg von Crowd funding-Projekten sind das Video und kontinuierliche Updates zum Projekt-Fortschritt. 75 % der Finanzierung der Projekte kommen laut Slava über Familie und Freunde sowie Freunde von Freunden – erst 25 % stammen von Fremden. Allerdings hält er einen Anstieg auf über 50 % in den nächsten Jahren für möglich.

Im nächsten Panel ging es dann um „Die Zukunft von Crowdfunding in Europa“ verbunden mit der Frage „Brauchen wie viele kleine Crowd funding-Plattformen für Nischen, Regionen, Länder oder eine übergreifende Plattform für ganz Europa“. Derzeit kommen fast täglich neue Crowd funding und Crowd investing-Plattformen in den verschiedenen Ländern in Europa hinzu. Selbst auf indiegogo finanzieren sich neue Crowd funding-Plattformen wie Slava Rubin zuvor anmerkte. Gleich zu Beginn wurde auf dem Panel klar gemacht, dass bisher keine Plattform in der aktuellen Größe hier in Deutschland bereits Geld verdiene. Doch angesichts des noch jungen Markts in Deutschland und Europa ist es noch zu früh über Zusammenschlüsse – insbesondere über Landesgrenzen hinweg – zu sprechen. Aktuell hat sich das European Crowdfunding-Network gegründet, um der noch jungen Industrie mehr Gehör zu verschaffen. Zudem war zu erfahren, dass in Brüssel zahlreiche Diskussionen mit Vertretern der EU zum Thema Crowd funding gestartet wurden. Tenor der Panel-Teilnehmer war jedoch, dass zunächst noch eine bessere Marktübersicht über die sich dynamisch entwickelnde Crowd funding-Bewegung notwendig ist.

„Journalisten und Crowd funding“ mit diesem Thema ging es auf der co:funding dann weiter. Im Mittelpunkt standen die Crowd funding-Bemühungen der Tageszeitung taz, der neue Verlag Kraut Publishers und das auf Startnext erfolgreiche Buchprojekt „Hartz IV-Möbel“ von Van Bo Le-Mentzel. Van Bo hatte dann auch direkt einen Hartz IV-Stuhl auf der Bühne aufgebaut und erläuterte umfassend seine sieben Erfolgsfaktoren für den Aufbau einer Crowd, die im nachfolgenden im Video zu finden sind.

Nach der Mittagspause stand dann auf der co:funding stärker Crowd investing im Fokus der Vorträge und Diskussionen. Den Anfang machte „Crowd investment als Innovationsmotor: Erste Erfahrungen, Erfolgsgeschichten und regulatorische Hürden“. Auf dem Panel waren Vertreter von Innovestment, Seedmatch und gründerplus vertreten. Dabei wurden schnell teilweise unterschiedliche Philosophien der Plattform-Betreiber deutlich, die sich auch in den verschiedenen Ansätzen der Plattformen äußern. So bestehen deutliche Unterschiede in der Mindestfinanzierungshöhe – so reicht das Spektrum von 50 € bis mindestens 1.000 € – und in er Funktionsweise. Während Unternehmen auf Seedmatch und gründerplus Anteile für einen festgelegten Preis verkaufen, besteht auf innovestment ein Auktionsverfahren. Gemeinsam ist den Plattformen die hohe Bedeutung der Kommunikation der Unternehmen mit ihren Anteilseignern – so bestehen vor allem auf innovestment und Seedmatch „Investor Relations-Bereiche“. Zudem wird die Unterstützung der Crowd nicht nur in dem Kapital gesehen, sondern auch in der Möglichkeit als Multiplikatoren für die Start-ups tätig zu werden und so weitere wertvolle Unterstützung durch Marketing, neue Ideen sowie Kontakte zu liefern. Problematisch ist natürlich die aktuell bestehende Prospektpflicht, die Crowd investing jenseits von 100.000 € verhindert. Hier engagieren sich die Vertreter der Plattformen jedoch bereits und arbeiten auf eine mögliche Änderung in Zusammenarbeit mit der Politik hin (Offener Brief von Jens-Uwe Sauer)

Vorletztes Thema auf der co:funding war dann „Impulse der Crowd funding-Bewegung für Finanzierungsmodelle der Zukunft. Ersetzt Crowd funding in Zukunft die Kapitalvermittlung von Banken“. Kurzum – diese Frage konnte kaum beantwortet werden. Hingegen stand der Launch der neuen Plattform Bergfürst im Mittelpunkt. Allerdings setzt Bergfürst nicht bei bisherigen Konzepten des Crowd investing in Deutschland wie Seedmatch oder Innovestment an – dies eignet sich nach Angaben des Initiators Herrn Dr. Sandler nicht: „Die Crowd ist nicht für die Seedfinanzierung geeignet“. Vielmehr stehen auf Bergfürst Wachstumsfinanzierungen ab 2 Mio. € Emissionsvolumen im Fokus, die wie bei der herkömmlichen Börse als Aktien ausgegeben werden sollen und dann jederzeit handelbar sind.

Ideen-Pitch

Zum Abschluss der co:funding stellten Projektinitiatoren laufende oder bereits erfolgreich abgeschlossene Projekte vor:

  • CAPITAL C – der Crowd funding-Film
    Timon Birkhöfer sammelt derzeit auf Kickstarter für den ersten Dokumentarfilm über Crowd funding Geld ein.
  • Dresden Durchstarter
    In Dresden ging eine weitere regionale Crowd funding-Plattform an den Start.
  • Neuro Nation
    NeuroNation konnte sich im letzten Jahr erfolgreich auf Seedmatch finanzieren (zum Interview)
  • Im Augenblick der Liebe
    Auf der co:funding ging auch ein neues Filmprojekt auf startnext an den Start: Zielsumme ist 100.000 € für den Spielfilm „Im Augenblick der Liebe“

Die co:funding hat zahlreiche Facetten beleuchtet und man darf gespannt sein, auf die weitere Entwicklung von Crowd funding und Crowd investing in Deutschland und Europa. Die nächste co:funding soll im September dieses Jahres in Hamburg stattfinden.
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