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Dieses Start-up lässt Milchkühe glücklicher leben



Die derzeitige Milchproduktion basiert auf dem Prinzip, je mehr eine Kuh frisst, desto besser ist das für sie. Diese Theorie halten die Gründerinnen von PerformaNat jedoch für fragwürdig und entwickelten stattdessen einen schonenden Futtermittelzusatz. Über diesen soll die Kuh alles bekommen, was sie braucht, ohne jene rauen Mengen fressen zu müssen, die sie normalerweise bräuchte, um alle notwendigen Nährstoffe aufzunehmen. Diese forschungsbasierte Gründung erhielt nicht nur eine Förderung durch EXIST-Forschungstransfer Phase I, sondern qualifizierte sich auch für Phase II des Förderprogramms.



Für-Gründer.de: Hallo Frau Rosendahl, bitte stellen Sie sich und Ihre Geschäftsidee kurz vor.

Julia Rosendahl von PerformaNat: Wir sind das vierköpfige Gründerteam von PerformaNat: Hannah-Sophie Braun, Katharina Schrapers, PD Dr. Friederike Stumpff und Dr. Julia Rosendahl. Wir haben uns vor etwa drei Jahren während der Doktorandenzeit am Fachbereich Veterinärmedizin der Freien Universität Berlin kennengelernt.

Unsere Geschäftsidee ist die Entwicklung und Vermarktung von schonenden Futterzusätzen, welche einen positiven Effekt auf die Tiergesundheit haben. Unser erstes Produkt haben wir speziell für den Einsatz bei Milchkühen entwickelt.

Für-Gründer.de: Wer gehört zu Ihrer Zielgruppe und wie groß schätzen Sie Ihren Markt?

Julia Rosendahl von PerformaNat: Unser erstes Produkt ist für den Einsatz bei Milchkühen entwickelt worden, daher ist der Endkunde der Halter von Milchkühen. Allein in Deutschland werden derzeit über 4 Mio. Milchkühe gehalten, in der EU sind es ca. 23 Mio. Tiere und weltweit sprechen wir immerhin von 239 Mio. Milchkühen, die von unserem Futterzusatz profitieren könnten. Um diese Kühe und damit natürlich auch die Kunden bestmöglich zu erreichen und einen flächendeckenden Einsatz zu ermöglichen, findet der Vertrieb vor allem über etablierte Partner statt.

Gründerinnen von Performanat
Die Gründerinnen von PerformaNat mit ihrem Produkt (v.l.n.r.) Julia Rosendahl, Katharina Schrapers und Hannah-Sophie-Braun (Foto: T.Richter)

Für-Gründer.de: Was ist das Besondere an Ihrer Idee?

Julia Rosendahl von PerformaNat: Wir haben im Rahmen unserer Forschungsarbeiten bestimmte Mechanismen aufgedeckt, die einen erheblichen Einfluss auf die Aufnahme von Nährstoffen haben. Das Besondere an unserer Idee ist somit, dass unsere Technologie auf einer verbesserten Verwertung der im Futter bereits vorhandenen Stoffe basiert.

Die derzeitige Milchproduktion basiert auf dem Prinzip, je mehr die Kühe fressen, desto besser. Aber ob dieses Futter überhaupt verwertet werden kann, ist fraglich.

Wir konnten in wissenschaftlichen Studien zeigen, dass unser Futterzusatz bei gleichem Nährstoffgehalt die Nährstoffaufnahme steigert. Entsprechend sind die Tiere bei gleichem Futter besser versorgt. Durch diese Lösung wird unterschiedlichen leistungsbedingten Stoffwechselerkrankungen vorgebeugt und die Tiere sind somit gesünder.

Wir sind der Meinung, dass die Milchleistung der Kuh längst eine kritische Schwelle überschritten hat. Um die Profitabilität der Milchproduktion zu gewährleisten, bleiben daher nur zwei Möglichkeiten: die Gesundheit der Tiere zu verbessern und die Futterkosten zu reduzieren. Genau das ist unser Ansatz.

Für-Gründer.de: Was gab den finalen Impuls zur Existenzgründung?

Julia Rosendahl von PerformaNat: Zunächst war einer der wichtigsten Punkte, dass wir auch in Fütterungsstudien zeigen konnten, dass unser Zusatz einen positiven Effekt auf die Kühe hat und somit der Proof of Concept erbracht war. Hinzu kam, dass wir Gründerinnen in den letzten zwei Jahren so eng zusammengearbeitet haben, dass wir mit Überzeugung sagen konnten, dass wir uns auch eine Unternehmensgründung zusammen vorstellen konnten.

Wir glauben an unser Konzept und haben uns dann zur Gründung unseres Unternehmens entschieden. Die weitere Finanzierungszusage durch Förderphase II des EXIST-Forschungstransfers hat uns in unserer Unternehmung nochmals bestätigt.

Für-Gründer.de: Wo lagen bisher die größten Hürden?

Julia Rosendahl von PerformaNat: Eine große Umstellung war für uns das bisher rein wissenschaftlich geprägte Denken in eine wirtschaftliche Vorgehensweise zu wandeln. Plötzlich ging es nicht mehr „nur“ um Publikationen, sondern vor allem um ein solides Geschäftskonzept, welches sich im Markt beweisen muss.

Eine bedeutende Hürde stellt für uns die Übertragung der Laborergebnisse ins Tier dar. Bei diesem so wichtigen Proof of Concept ging es nicht mehr um einzelne Zellen oder Organe, sondern nun musste der Einfluss der Wirkstoffe auf den komplexen Stoffwechsel der Kuh mit berücksichtigt werden. Wir sind natürlich sehr froh, dass wir auch diese Hürde bewältigen konnten.

Für-Gründer.de: Welche Aufgaben stehen Ihnen in nächster Zeit bevor?

Julia Rosendahl von PerformaNat: Ein nächster Schritt ist die Fertigstellung des Prototyps – also eine verkaufsfähige Darreichungsform des Futterzusatzes. Die Art der Fütterung variiert auf den einzelnen Betrieben und vor allem auch zwischen den einzelnen Ländern. Dies muss nun bei der finalen Produktfertigstellung berücksichtigt werden, um einen reibungslosen Einsatz zu garantieren. Parallel wird der Markteintritt des ersten Produktes vorbereitet und auch an einer Vergrößerung unseres Portfolios arbeiten wir derzeit. Gleichzeitig sind wir auf Investorensuche, um unseren noch fehlenden Kapitalbedarf zu decken.

Für-Gründer.de: Was motiviert Sie, jeden Tag aufzustehen und nicht als Angestellter, sondern als Gründer ins Büro zu gehen?

Julia Rosendahl von PerformaNat: Ich glaube, es gibt kaum einen besseren Grund, morgens aufzustehen und als Gründer ins Büro zu gehen und zu sehen, wie aus einer ursprünglichen Idee inzwischen ein kleines Unternehmen geworden ist. Wir haben natürlich Gestaltungsfreiräume und Entscheidungsfreiheiten, die man als Angestellter selten hat.

Auf der anderen Seite kann man die Verantwortung auf keinen Vorgesetzten übertragen, sondern muss die Konsequenzen für die Entscheidungen selbst tragen, was sicherlich viele Menschen von der Selbstständigkeit abhält.

Ich selbst bin in einer Unternehmerfamilie aufgewachsen und kenne dies nicht anders. Wir wollen unsere Zukunft selbst in die Hand nehmen und dafür lohnt es sich, schon früh vor sechs Uhr im Kuhstall zu stehen oder auch bis spät in die Nacht am Businessplan zu arbeiten. Gerade diese Vielfältigkeit ist es, was uns als Gründer ausmacht.

Für-Gründer.de: Wie sind Sie auf EXIST gekommen und wie lief der Bewerbungsprozess ab?

Julia Rosendahl von PerformaNat: Ich bin damals durch einen Freund, der selbst ein EXIST-Gründerstipendium eingeworben hatte, auf das Programm EXIST-Forschungstransfer aufmerksam geworden. Zunächst haben wir dann bei einem Gespräch mit der Gründungsförderung der FU Berlin geprüft, ob dieses Programm für unser Vorhaben passt.

Zum Bewerbungsprozess haben wir dann eine umfangreiche Projektskizze eingereicht. Nach einer positiven Bewertung wurden wir zur Präsentation vor einer ausgewählten Jury eingeladen, bei der wir unser Projekt und das Geschäftsmodell überzeugend darstellen mussten.

Für-Gründer.de: Welche Tipps können Sie anderen Gründern für die Bewerbung um EXIST geben?

Julia Rosendahl von PerformaNat: Wer sich als Gründer für eine Förderung durch EXIST interessiert, sollte am besten Kontakt mit der Gründungsförderung seiner Hochschule aufnehmen. Auch die Erfahrungen von anderen Start-ups, die den ganzen Prozess bereits durchlaufen haben, sind sehr hilfreich, denn irgendwie stößt man dann doch immer auf die gleichen Fragen und Probleme.

Ganz besonders wichtig ist es aus meiner Sicht ein passendes Team zu haben. Die Chemie muss einfach stimmen und man muss sich einfach aufeinander verlassen können, sei es bei schwierigen Verhandlungsrunden oder aber auch zwischen aufgeregten Kühen im Stall.

Wichtig ist es, dass man den Spagat schafft. Auf der einen Seite muss man euphorisch und bedingungslos hinter seiner Idee stehen, auf der anderen Seite aber diese regelmäßig kritisch hinterfragen.

Für-Gründer.de: Was haben Sie neben der finanziellen Förderung aus dem Programm mitgenommen?

Julia Rosendahl von PerformaNat: Die positive Bewertung und Bewilligung der Fördergelder bestätigte uns, dass auch erfahrene Fachleute unser Geschäftsmodell und unserer Idee für umsetzbar hielten. Die finanzielle Absicherung für einen bestimmten Zeitraum gab uns die Möglichkeit, weiterer Versuche durchzuführen und weiter zu entwickeln.

Die zum Programm gehörenden Meilensteine, wie zum Beispiel die Regelung über die Nutzung der Schutzrechte oder Erstellung eines Businessplans gaben uns einen Rahmen, an dem man sich auf dem Weg von der Forschung zur Vermarktung orientieren konnte. Die Kontakte, die ebenfalls über das EXIST-Programm entstanden sind, haben uns in verschiedenen Bereichen sehr weiter geholfen, was gerade für ein kleines, junges Unternehmen sehr wichtig ist.

Für-Gründer.de: Wie ging es nach der EXIST-Förderung bei Ihnen weiter?

Julia Rosendahl von PerformaNat: Im Anschluss an EXIST-Forschungstransfer Phase I haben wir einen Antrag auf Förderphase II gestellt. Diese Förderung beinhaltet eine weitere Förderung, welche an die Einbringung von Eigenkapital gekoppelt ist.

Jetzt in dieser Phase arbeiten wir an der Fertigstellung des Prototyps. Wir sind dabei den Markteintritt mit Vertriebspartnern vorzubereiten und auf der intensiven Suche nach Investoren, um die weiterer Produktentwicklungen voranzutreiben.

Für-Gründer.de: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg weiterhin mit PerformaNat.

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Sie interessieren sich für EXIST? Alle Informationen finden Sie unter www.exist.de oder an der entsprechenden Einrichtung Ihrer Hochschule.

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