Handwerksberufe: Meisterpflicht für Gründer oder nicht?

Wenn Sie sich im Handwerk selbstständig machen möchten, müssen Sie verschiedene Anforderungen bei der Qualifikation der Handwerksberufe beachten. So gibt es Handwerksberufe mit Meisterpflicht, zulassungsfreie Handwerksberufe und handwerksähnliche Betriebe.

Wir zeigen Ihnen, welche Handwerksberufe meisterpflichtig sind und was sich zum 1. Januar 2020 geändert hat.

Gründer im Handwerk: Meisterpflicht für Handwerksberufe?

Viele Handwerksberufe dürfen nur selbstständig ausgeübt werden, wenn man die Meisterprüfung in diesem Handwerk abgelegt hat – in diesen gilt dann die Meisterpflicht.

Ein Ausweg aus der Meisterpflicht für Handwerksberufe besteht für Gründer darin, jemand mit Meistertitel einzustellen. Entsprechend § 7 Abs. 2 der Handwerksordnung (HWO) können auch andere Ausbildungen den Grad eines Meisters erfüllen. Außerdem gilt für die meisten Handwerksberufe mit Meisterpflicht, dass sie auch von Personen mit langjähriger Berufserfahrung (auch in leitender Position) ausgeübt werden können.

Nachfolgend finden Sie eine Abgrenzung der unterschiedlichen Handwerksberufe, unterteilt nach ihrer Einordnung innerhalb der HWO:

  • Handwerksberufe mit Meisterpflicht (gemäß Anlage A)
  • Zulassungsfreie Handwerksberufe ohne Meisterpflicht und (Anlage B1)
  • Handwerksähnliche Gewerbe (Anlage B2).

Ansprechpartner ist für Gründer im Handwerk bei allen Fragen über Handwerksberufe oder die Meisterpflicht die Handwerkskammer.

Änderungen seit dem 1. Januar 2020

Zum Jahreswechsel wurde die Meisterpflicht für zwölf Handwerksberufe wieder eingeführt, nachdem 2004 zuletzt 53 Berufe aus dem Handwerk dereguliert wurden. Betriebe dieser Gewerke, die nach 2004 ohne Meistertitel gegründet wurden, können aufatmen: Trotz Wiedereinführung der Meisterpflicht erhalten diese einen Bestandsschutz und können ihren Betrieb auch nach dem Jahreswechsel ohne Meistertitel weiterführen.

Handwerker, die sich selbstständig machen möchten, sollten sich umfassend bzgl. der Meisterpflicht informieren und ob es für ihr Gewerk Ausnahmeregelungen gibt.

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Handwerksberufe: Meisterpflichtige und zulasssungsfreie Gewerke in der Übersicht

ZulassungsvoraussetzungBerufe
Handwerksberufe mit Meisterpflicht (Anlage A)Augenoptiker, Bäcker, Boots- und Schiffbauer und Seiler, Brunnenbauer, Büchsenmacher, Dachdecker, Elektrotechniker und Elektromaschinenbauer, Feinwerkmechaniker, Friseure, Glasbläser und Glasapparatebauer, Glaser, Hörgeräteakustiker, Informationstechniker, Installateur und Heizungsbauer, Karosserie- und Fahrzeugbauer, Klempner, Konditoren, Kraftfahrzeugtechniker, Kälteanlagenbauer, Landmaschinenmechaniker, Maler und Lackierer, Ofen- und Luftheizungsbauer, Orthopädieschuhmacher, Orthopädietechniker, Reifenmechaniker, Steinmetzen und Steinbildhauer, Straßenbauer, Stukkateure, Tischler, und Fleischer, Vulkaniseure, Wärme-, Kälte- und Schallschutzisolierer, Zahntechniker, Zimmerer, Zweiradmechaniker
Wiedereingeführt 2020Behälter- und Apparatebauer, Betonstein- und Terrazzohersteller, Böttcher, Drechsler und Holzspielzeugmacher, Estrichleger, Fliesen-/Platten-/Mosaikleger, Glasveredler, Orgel- und Harmoniumbauer, Parkettleger, Raumausstatter, Rollladen- und Sonnenschutztechniker, Schilder- und Lichtreklamehersteller
Zulassungsfreie Handwerksberufe ohne Meisterpflicht (Anlage B1)

Bogenmacher, Brauer, Buchbinder, Buchdrucker, Damen- und Herrenschneider, Drucker, Edelsteinschleifer und -graveure, Feinoptiker, Flexografen, Fotografen, Galvaniseure, Gebäudereiniger, Geigenbauer, Glas- und Porzellanmaler, Gold- und Silberschmiede, Graveure, Handzuginstrumentenmacher, Holzbildhauer, Holzblasinstrumentenmacher, Keramiker, Klavier- und Cembalobauer, Korbmacher, Kürschner, Metall- und Glockengießer, Mälzer und Weinküfer, Metallbildner, Metallblasinstrumentenmacher, Modellbauer, Modisten, Müller, Sattler und Feintäschner, Schneidwerkzeugmechaniker, Schriftsetzer, Schuhmacher, Segelmacher, Siebdrucker, Sticker, Textilreiniger, Uhrmacher, Vergolder, Wachszieher, Weber, Zupfinstrumentenmacher

TIPP

Wenn Sie sich aus der Arbeitslosigkeit heraus selbstständig machen möchten, gibt es spezielle Fördermöglichkeiten. Informieren Sie sich frühzeitig über den Gründungszuschuss oder das Einstiegsgeld!

Gründungsförderung für Arbeitlose

Handwerksähnliche Gewerbe

ZulassungsvorraussetzungBerufe
Handwerksähnliche Gewerbe (alle ohne Meisterpflicht, Anlage B2)Änderungsschneider, Appreteure, Asphaltierer (ohne Straßenbau), Ausbeiner, Ausführung einfacher Schuhreparaturen, Bautentrocknungsgewerbe, Bestattungsgewerbe, Betonbohrer und -schneider, Bodenleger, Bügelanstalten für Herren-Oberbekleidung, Bürsten- und Pinselmacher, Daubenhauer, Dekateure, Dekorationsnäher (ohne Schaufensterdekoration), Einbau von genormten Baufertigteilen (z. B. Fenster, Türen, Zargen, Regale), Eisenflechter, Fahrzeugverwerter, Fleckteppichhersteller, Fleischzerleger, Fuger (im Hochbau), Gerber, Getränkeleitungsreiniger, Handschuhmacher, Herstellung von Drahtgestellen für Dekorationszwecke in Sonderanfertigung, Holz- und Bautenschutzgewerbe (Mauerschutz und Holzimprägnierung in Gebäuden), Holz-Leitermacher (Sonderanfertigung), Holzblockmacher, Holzreifenmacher, Holzschindelmacher, Holzschuhmacher, Innerei-Fleischer (Kuttler), Kabelverleger im Hochbau (ohne Anschlussarbeiten), Klavierstimmer, Kosmetiker, Kunststopfer, Lampenschirmhersteller (Sonderanfertigung), Maskenbildner, Metallschleifer und Metallpolierer, Metallsägen-Schärfer, Muldenhauer, Plisseebrenner, Rammgewerbe (Einrammen von Pfählen im Wasserbau), Requisiteure, Rohr- und Kanalreiniger, Schirmmacher, Schlagzeugmacher, Schnellreiniger, Speiseeishersteller (mit Vertrieb von Speiseeis mit üblichem Zubehör), Steindrucker, Stoffmaler, Tankschutzbetriebe (Korrosionsschutz von Öltanks für Feuerungsanlagen ohne chemische Verfahren), Teppichreiniger, Textil-Handdrucker, Theater- und Ausstattungsmaler, Theaterkostümnäher, Theaterplastiker

Schritt für Schritt als Handwerker selbstständig machen

Wenn Sie sich im Handwerk selbstständig machen möchten, ist der erste Schritt die Prüfung der Meisterpflicht bzw. Ausnahmeregelungen. Auch für die Handwerksberufe ohne Meisterpflicht kann eine (freiwillige) Meisterprüfung abgelegt werden. Wenn Sie die Voraussetzungen für eine Selbstständigkeit in Ihrem Gewerk geklärt haben, können Sie sich der eigentlichen Planung und danach der Gründung Ihres Unternehmens widmen. Wir haben die wichtigsten Schritte für die Gründung im Handwerk zusammengefasst.

Neben der Meisterpflicht: Achten Sie auch auf Genehmigungen!

Neben der Frage, ob Sie für Ihre Selbstständigkeit die Meisterpflicht besteht oder sich selbstständig ohne Meisterbrief machen können, müssen Sie das Thema Genehmigungen auch im Hinblick auf andere Ämter wie das Bau- oder Gesundheitsamt im Blick haben. Erfahren Sie mehr über eventuell nötige Genehmigungen.

Nach den Themen Handwerksberufe, Meisterpflicht oder selbstständig ohne Meisterbrief steht für Ihre Unternehmensplanung nun das Kapitel Rechtsformwahl an.

TIPP

Auch als selbstständiger Handwerker ist die Krankenversicherung Pflicht. Sie haben dabei innerhalb von 3 Monaten die Wahl zwischen der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung.

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Von Anfang an auf Factoring setzen

Wenn Ihr Handwerksbetrieb im Schwerpunkt mit Geschäftskunden zusammenarbeit, sollten Sie über Factoring als Finanzierungsalternative nachdenken. Beim Factoring treten Sie Ihre Kundenrechnungen an einen Factoringdienstleister ab und erhalten Ihr Geld sofort. Häufig fordern Geschäftskunden von ihren Handwerkern längere Zahlungsziele, die Sie dann überbrücken müssen. Je länger die Zahlungsziele, desto positiver wirkt Factoring.

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