Die Zügel in der Hand behalten



Christoph Wiemer ist der Gründer des Portals Wechselpiraten, bei dem Nutzer Tarife vergleichen und bei Bedarf wechseln können. Das Portal wurde 2019 und 2020 von ntv zu einem der besten Onlineportale Deutschlands gekürt. Christoph erzählt, wie und warum er das Unternehmen alleine führt und welche Tipps er für Gründer hat.

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Christoph Wiemer hat einen langen Atem und die ständige Bereitschaft, am Ball zu bleiben, um seine Seite erfolgreich zu halten. (Foto: Wechselpiraten)

GründerDaily: Hallo Christoph, du hast im Alleingang das Portal Wechselpiraten als Nebentätigkeit gegründet. Was war der Auslöser dafür?

Christoph von Wechselpiraten: Also zunächst einmal war ich von dem Gedanken getrieben, etwas Eigenes zu schaffen. Und das geht in Deutschland doch wunderbar.

Und auch die damalige Festanstellung hat mich nicht erfüllt, da wurde mir auch zu viel kontrolliert und Druck aufgebaut.

Ich bin selbst ein Sparfuchs und habe mich schon lange für Preisvergleiche interessiert – und dann dafür, wie man damit auch Geld verdienen kann.

Ich bin dann auf ein Partnerprogramm gestoßen und habe dort einen Vergleichsrechner für Stromtarife eingestellt, da wurden dann tatsächlich auch Tarifwechsel vorgenommen. Darauf entstand dann mein Portal, das ich immer noch mit großer Begeisterung betreibe.

GründerDaily: Du bist und warst auch in der Gründungsphase eine One-Man-Show. Auf welche Unterstützung konntest du in dieser Zeit zurückgreifen?

Christoph von Wechselpiraten: Ja, auf jeden Fall. Man lernt zum einen viele Leute kennen, die schon weiter sind, als man selber und geht Zusammenarbeiten ein. Den Agenturinhaber, mit dem ich eng zusammenarbeite, habe ich über eine Plattform kennengelernt, bei der Dienstleister und Auftraggeber zusammenfinden können. Das ist ein Beispiel für wichtige Partnerschaften, die dann mit der Zeit entstehen, da man nicht alles selber machen kann. Ich habe mich dann eher auf Suchmaschinenoptimierung konzentriert und konnte so mit weiteren Partnern mein Portal erst ausbauen.

Zum anderen spielen natürlich Familie, Freunde und Partnerin eine große Rolle.

Meine Eltern waren lange skeptisch, haben aber am Ende doch an mich geglaubt. Und meine Partnerin steht auch zu mir und unterstützt mich, wenn mal etwas nicht so klappt, wie es soll.

Aber ich vermute, dass es für andere auch nicht immer leicht zu verstehen ist, warum man diesen oder jenen Pfad einschlägt. Insbesondere im Thema Strom und Gas steckt ja auch nicht jeder drin.

GründerDaily: Deine Plattform war schnell in den Suchanfragen oben und konkurrierte mit den großen Wettbewerbern. Was war der Schlüssel zum Erfolg?

Christoph von Wechselpiraten: Ich denke, der klare Fokus und Wille, im Bereich Energie und Sparen einmal ganz oben mitzuspielen, sind Teil des Schlüssels.

Im Laufe der Jahre habe ich immer wieder auch Unternehmen mit einer ähnlichen Agenda kommen und gehen sehen.

Für mich ist die Devise: am Ball bleiben, immer wieder nachlegen, und einen langen Atem beweisen.

Dazu gehört natürlich eine stetige Investition von Zeit und Geld. Ohne die Bereitschaft, beides in das Portal zu stecken, wird man vermutlich bald wieder vom Markt sein.

Insbesondere bei der Suchmaschinenoptimierung lässt der sichtbare Fortschritt gern mal auf sich warten. Dann gilt es aber, trotzdem weiterzumachen. Und vermutlich gehört auch ein bisschen Glück dazu.

In der Suchmaschinenoptimierung gibt es immer wieder Neuerungen, sodass man nicht zu 100 Prozent sicher sein kann, welche Maßnahmen das Portal jetzt im Ranking nach oben bringen.

Aber der lange Atem ist wirklich essentiell, wir reden da von Jahren.

GründerDaily: Welche Hürden und Schwierigkeiten hast du im Laufe deines Unternehmertums überwunden?

Christoph von Wechselpiraten: Davon gab es einige.^ Zum Beispiel hatte ich anfangs gar keine Ahnung von Suchmaschinenoptimierung und habe mir das Wissen Stück für Stück angeeignet. Ich hatte vorher eine sehr naive Vorstellung davon, was ich tun muss, um Besucher auf meiner Seite zu haben.

Man kann sich natürlich auch in Ideen verrennen und das verdiente Geld an falscher Stelle einsetzen.

Zum Beispiel gibt es da immer wieder Anwälte, die einem bei Erfolg zu Leibe rücken und versuchen, einen zugunsten eines Konkurrenzunternehmens aus dem Markt zu drängen. Das kam vor, und da war es an der Zeit für ein dickeres Fell.

Als zum ersten Mal so ein Schreiben bei mir ins Haus flatterte, war ich schon ziemlich platt und ein bisschen überfordert. Aber dann kam wieder mal eins und wieder mal eins, und irgendwann habe ich gelernt, damit umzugehen. In der Regel sind diese Schreiben nicht gerechtfertigt und man muss sich eben dagegen wehren.

Eine andere Hürde war, dass das Portal einmal komplett abgestürzt ist und drei Monate weg vom Fenster war.

Man kann eben immer Fehler machen, zum Beispiel bei der Suchmaschinenoptimierung. Und das kann zu Abstrafungen bei Google führen, und das muss man einfach wieder gerade bügeln. Nach drei Monaten ging es dann auch wieder bergauf.

Insgesamt muss man einen guten Überblick behalten, aber es gibt immer noch Sachen, die einen überraschen können – auch negativ.

GründerDaily: Was würdest du anders machen, wenn du noch einmal gründen würdest?

Christoph von Wechselpiraten: Hand aufs Herz – ich würde fast alles wieder so machen, aber die ein oder andere Investition auslassen, die sich rückblickend nicht gelohnt hat. Aber im Grunde weiß man ja nie, wie es sonst gewesen wäre.

Manche Fehlinvestitionen haben halt viel Geld und Nerven gekostet, aber einiges muss man einfach ausprobieren, und sonst eben anders machen.

GründerDaily: Welche Fähigkeiten sind nötig, um alleine ein erfolgreiches Start-up zu führen?

Christoph von Wechselpiraten: Ein gewisses Organisationstalent und Weitsicht helfen dabei auf jeden Fall. Man sollte außerdem offen dafür sein, sich mit vielen neuen Themen zu befassen und dazuzulernen. Die Welt verändert sich schließlich stetig.

Wenn man – wie ich – ein Portal alleine betreibt, muss man die Zügel in der Hand behalten und wissen, was wann ansteht.

Dazu gehört auch eine gute Struktur für den Tag.

Und dann kommt natürlich noch das Thema Steuern. Aber das habe ich schnell “outgesourct” und mir einen Steuerberater gesucht. Das Thema ist sehr tiefgreifend und man kann viele Fehler machen, die nicht sein müssen, wenn man Hilfe hat.

Das kann ich nur jedem empfehlen: Sobald es möglich ist, einen Steuerberater zu nehmen und die Zeit in das zu investieren, was man am besten kann.

Ich führe zwar das Unternehmen alleine – also auch ohne Angestellte – aber ein bisschen delegieren gehört dazu, weil man nicht alles kann und weiß. Und das sollte man sich – finde ich – auch eingestehen. Und man muss natürlich mit dem Projekt am Ball bleiben, klar.

GründerDaily: Wie hat sich deine Persönlichkeit durch die Gründung weiterentwickelt? Was hat sich für dich verändert?

Christoph von Wechselpiraten: Ich habe begonnen, mehr Verantwortung zu übernehmen. Da wächst man dann einfach hinein. Man muss sich aber natürlich auch von der persönlichen Einstellung her weiterentwickeln.

Man geht ja nicht einfach in ein Büro, reißt seine Arbeitsstunden ab und geht wieder. Wenn es ein Problem gibt, muss man es lösen.

Wenn das Portal bei Google ganz unten ist, muss man Wege finden, damit sich das wieder ändert. Optimalerweise denkt man sogar schon einen Schritt weiter.

Privat hat sich da nicht viel geändert. Ich war und bin bodenständig und führe das Portal von Zuhause aus. Das hat natürlich Vor- und Nachteile. Ich kann mir den Tag frei einteilen, aber die Arbeit ist immer greifbar. Vor allem im Bereich Online-Marketing ist das aber gut machbar.

GründerDaily: Warum verzichtest du auf Mitarbeiter?

Christoph von Wechselpiraten: Das Geschäftsmodell ist bisher sehr stark von Google abhängig, das bringt ein gewisses Risiko mit sich. Die meisten technischen Belange sind sowieso ausgelagert, ich kümmere mich ums Kerngeschäft, und bisher würde es mir keine Vorteile in Sachen Unternehmenswachstum bringen, Mitarbeiter einzustellen. Die Dienstleistung erfolgt ja in diesem Geschäftsmodell über Dritte, ich verkaufe kein Produkt, das mir gehören würde. Das ist dann eine andere Geschichte.

Sobald es sich stärker lohnen würde – zum Beispiel im Bereich Beratung – kann ich mir vorstellen, auch Mitarbeiter zu beschäftigen. Momentan sehe ich das aber noch nicht. Ich habe jedoch auf jeden Fall Pläne für die Zukunft…

GründerDaily: Welche Tipps hast du für angehende Gründer?

Christoph von Wechselpiraten: Seid von Anfang an voll fokussiert, behaltet euer Ziel im Auge und gebt nicht auf!

Zu dem Ziel: es sollte ein realistisches Ziel sein, damit keine Frustration aufkommt, sondern eher Freude über jeden Fortschritt.

Am Ende lässt sich jedes Hindernis aus dem Weg räumen, und wenn nicht aus eigener Kraft, dann mit der Hilfe von Freunden, Steuerberatern, Coaches, Mentoren… Ich habe auch selbst an einem Coaching teilgenommen, und das hat mir sehr weitergeholfen, weil ich von den Erfahrungen anderer profitieren konnte. Das ist eine Art Abkürzung, die natürlich auch eine Investition darstellt – die sich aber für mich sehr gelohnt hat.

Keyfacts über Wechselpiraten

  • Gegründet im Jahr: 2014
  • Firmensitz in: Saalfeld
  • Unser aktuelles Team besteht aus: mir
  • Die erste Finanzierung erfolgte durch / über: Ersparnisse
  • Besonders geholfen haben mir/uns bisher: Eltern, Freunde, Geschäftsfreunde und natürlich meine Partnerin
  • Besonders wichtig im Arbeitsalltag sind für mich folgende:
    • Menschen: Eltern, Partnerin, Freunde
    • Tools: ahrefs, Sistrix, Ryte, Google Search Console, Google Analytics
    • Internetseiten: die Konkurrenz

 

  • Kontakt

  • Christoph Wiemer
  • Friedensstraße 21
    07318 Saalfeld/Saale
  • 03671 – 5262380
  • service@wechselpiraten.de
  • www.wechselpiraten.de
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