Unternehmensentwicklung mit Zukunft – Wie wichtig ist Nachhaltigkeit?



Der Klimawandel, aber auch das Missverhältnis zwischen Milliardenumsätzen westlicher Unternehmen und den Lebensstandards von Menschen in Entwicklungsländern gehören zu den großen Problemen unserer Zeit. Nicht nur wächst das Bewusstsein für nachhaltigen Konsum bei der Bevölkerung, auch viele Unternehmen wirtschaften nachhaltiger. Gründer, die erst dabei sind, ein junges, modernes Unternehmen aufzubauen, sollten wissen, welche Rolle Nachhaltigkeit in Zukunft für Unternehmen spielen wird. [Zusammenarbeit mit einem externen Redakteur]

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Unternehmen, die nachhaltig wirtschaften, werden sich mit großer Wahrscheinlichkeit langfristig auf den Märkten durchsetzen. (Foto: stock.adobe.com © Iryna (DATEI-NR.: 386886944))

Warum Nachhaltigkeit alle etwas angeht

Nachhaltige Entwicklung – Was ist das?

Im Jahr 1987 verfasste die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung den Bericht „Our common future“. Die 1983 gegründete Weltkommission formulierte in dem bekannten „Brundlandt-Report“ Folgendes:

Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die den Bedürfnissen heutiger Generationen Rechnung trägt, ohne die Möglichkeiten zukünftiger Generationen zu gefährden, ihren eigenen Bedürfnissen nachzukommen.

Die Gefährdung unserer aller Leben

Seit den 1970er Jahren findet eine Überbeanspruchung der weltweiten Ressourcen statt. Während die Überlastung 1970 immerhin nur 0,8 Prozent betrug, sieht es heute dramatisch anders aus: Im Jahr 2019 betrug die Erdüberlastung 42,7 Prozent. Da der Wohlstand in den Schwellenländern steigt und die Anzahl der Konsumenten durch eine wachsende Weltbevölkerung zunimmt, wird die Belastung immer größer werden.

Nicht nur eine Ressourcenknappheit, sondern auch die mit der Klimaerwärmung einhergehenden Auswirkungen auf Natur und Kreislaufprozesse gefährden unserer aller Fortbestand. Extreme Wetterereignisse, Stürme, Wassermangel und die Zunahme der Dürregebiete sowie geringere Ernteerträge, sich verändernde Ökosysteme, das Abschmelzen der Polkappen und der Anstieg der Meeresspiegel sind zu erwartende Katastrophen. Das soziale, ökonomische und ökologische Gefüge, dass wir zukünftigen Generationen hinterlassen, ist kein intaktes mehr. In ein solches sollen unsere Kinder und Enkelkinder aber hineingeboren werden.

Das Bewusstsein für Nachhaltigkeit wächst

Nachhaltigkeit als Kriterium für den Konsum

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Immer mehr Menschen gehen für den Klimaschutz auch auf die Straße. (Foto: stock.adobe.com © Animaflora PicsStock (DATEI-NR.: 291446082))

Ein Großteil der Bevölkerung legt inzwischen Wert darauf, dass Nachhaltigkeit bei der Produktion und dem Vertrieb von Konsumgütern beachtet wird.

Eine Studie der Beratungs- und Prüfungsgesellschaft KPMG, die in Zusammenarbeit mit dem Institut für Handelsforschung entstand, kommt genau zu solchen Ergebnissen. Im Jahr 2011 legten immerhin schon 76 Prozent der Konsumenten Wert auf Nachhaltigkeit. Im Jahr 2019 waren es ganze 81 Prozent.

Rund 500 Konsumenten wurden im Rahmen der Studie zum Thema Nachhaltigkeit befragt. Die Studie lässt sich für mehr Informationen auf der Website der KPMG kostenfrei beziehen.

Ein wachsendes Bewusstsein für den Umweltschutz

Das Umweltbundesamt berichtet, dass der Umwelt- und Klimaschutz immer mehr Menschen wichtiger wird. Im Mai 2018 veröffentlichte das UBA gemeinsam mit dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) die eindeutigen Ergebnisse seiner Repräsentativumfrage zum Umweltbewusstsein in Deutschland: Im Jahr 2016 gaben nur etwa die Hälfte aller Befragten an, dass Umwelt- und Klimaschutz eine sehr wichtige Herausforderung sei. 2018 waren es 64 Prozent und 2019 ganze 68 Prozent.

Der Klimaschutz wird von den Befragten sogar als die wichtigste Herausforderung angesehen. Es folgen die Verbesserung des Bildungswesens, die Herstellung sozialer Gerechtigkeit und Herausforderungen durch Kriege und Terrorismus, Zuwanderung und Migration, Kriminalität und öffentliche Sicherheit.

Immer mehr Unternehmen werden nachhaltiger

Die Fakten und Beispiele anderer Unternehmen zeigen für Gründer*innen, dass Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema ist und bleibt:

Die Piepenbrock Unternehmensgruppe GmbH + Co. KG veranstaltet regelmäßig „Nachhaltigkeitstage“. Mitarbeiter*innen haben hier die Möglichkeit, Veranstaltungen zu sozialen, ökologischen und ökonomischen Themen zu besuchen. Natürlich ist Piepenbrock mit ihrem Einsatz für nachhaltiges Engagement nicht alleine.

Mehr als sechzig Unternehmen haben erst Ende April 2020 auf Initiative der „Stiftung 2 Grad“ einen gemeinsamen Appell verfasst. Nach der Coronakrise soll der Neustart konsequent dazu genutzt werden, die Weichen in Richtung Nachhaltigkeit und Klimaschutz zu stellen. Wirtschaftspolitische Maßnahmen, die zur Bewältigung der Coronakrise dienen, sollen mit jenen zur Bewältigung der Klimakrise eng verzahnt werden.

Doch auch mit einem Blick auf die globale Unternehmenskultur fällt auf, dass Nachhaltigkeit immer mehr Einzug auch in Strategien weltweit vertretener Unternehmen hält. Selbst die Modebranche, die wegen Fast Fashion immer wieder stark in Kritik gerät, reagiert mittlerweile an einigen Stellen.

Der bekannte Sportschuh-Hersteller Vans zum Beispiel konnte seine Beliebtheit erst kürzlich steigern, indem er Umweltbewusstsein bewies. Bei dem von Vans eingeführten Programm „Green Sole Operations“ handelt es sich um ein im Jahr 2017 entstandenes Hauptquartier in Costa Mesa, Kalifornien. Dieses wird mit 4.000 Sonnenkollektoren betrieben, die 50 Prozent des Energiebedarfs decken und somit 440 Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr vermeiden. Weitere Aktionen in den Gebäuden und auf dem Gelände sorgen für mehr Umweltschutz in der Produktion.

Das Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit

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Nachhaltig heißt auch, keine Billiglöhne zu unterstützen und alle Beteiligten fair zu behandeln. (Foto: stock.adobe.com © Ekaterina (DATEI-NR.: 327685300))

Mit Hilfe des Drei-Säulen-Modells der Nachhaltigkeit können Gründer*innen Leitlinien für nachhaltiges Handeln in und mit ihrem Unternehmen formulieren. Erstmals wurden die drei Säulen Ökologie, Ökonomie und Soziales Ende der 90er Jahre formuliert. Alle drei Säulen sind gleichrangig. Diese Tatsache basiert auf der Annahme, dass Nachhaltigkeit nur dann gelebt werden kann, wenn umweltbezogene, wirtschaftliche und soziale Zielen gleichzeitig verfolgt werden.

Ökologie

Die ökologische Nachhaltigkeit beschreibt die Notwendigkeit, ressourcenschonender mit dem Planeten umzugehen und die Natur stärker zu schützen. Gesundheitsschädliche Stoffe sollten im gesamten Arbeitsumfeld minimiert oder gar vollständig weggelassen werden.

Wer ein Unternehmen gründet, sollte darauf achten, stets bewusst mit Wasser, Energie und endlichen Rohstoffen umzugehen. Für den Einsatz erneuerbarer Energien in modernen Start-ups gibt es im Grunde keine Alternativen mehr.

Ökonomie

Unternehmen konzentrieren sich oft alleine auf die Profitmaximierung. Langfristige Strategien allerdings umfassen viel mehr. Erfolg bedeutet dabei nicht nur mehr zu verdienen, sondern auch vollständig auf fairen Handel umzusteigen. Ein nachhaltiges ökonomischen Ziel ist, die Lebensqualität aller am Unternehmen Beteiligter zu verbessern.

Soziales

Bei der sozialen Nachhaltigkeit geht es um den Menschen selbst, vor allem um die Achtung der Menschenrechte. Bei der Gründung eines Unternehmens ist darauf zu achten, dass Mitarbeiter*innen und Kund*innen fair und gleichbehandelt werden. Vollkommen konträr zu sozialer Nachhaltigkeit stehen Ausbeutung und Zwangs- oder gar Kinderarbeit.

Unternehmen sollten bestenfalls gemeinwohlorientiert handeln. Auch, wie man sich in Konfliktfällen verhält, ist Teil der Gedanken um soziale Nachhaltigkeit.

Was bedeutet „nachhaltig“ wirtschaften wirklich?

Unternehmen, die nachhaltig agieren, finden sich bereits in fast allen Wirtschaftszweigen. Sie sind authentisch, innovativ und ästhetisch ansprechend ausgerichtet. Nachhaltigkeit, die vom Unternehmen gelebt und gleichzeitig auch propagiert wird, kann sogar zum Lebensgefühl werden.

  • Nachhaltigkeit im Büro umzusetzen ist ein längerer Prozess. Gründer*innen dagegen haben die Möglichkeit, von der ersten Stunde an nachhaltig zu planen und zu handeln.
  • Nachhaltig agiert, wer nachhaltige Zwecke im Sinn hat und entsprechende Ziele. Auf Basis dieser Ziele lassen sich nachhaltige Dienstleistungen anbieten und nachhaltige Produkte herstellen. Nachhaltigkeit wird dann zu einer Qualität dieser Angebote.
  • Um in allen Bereichen nachhaltig zu handeln, bedarf es einer Messung der Werte, Absichten und Ideale. Nachhaltigkeit-Benchmarks, Indizes und Datenbanken helfen dabei, ein Start-up auf die erwähnten drei Säulen hin zu überprüfen.
  • Die Methoden der Digitalisierung helfen zusätzlich in der Analyse und der Steuerung von Anforderungen des Drei-Säulen-Modells der Nachhaltigkeit. Auch Künstliche Intelligenz kann dabei eine wichtige Rolle spielen.

Der Einsatz der Bundesregierung

Auch die Bundesregierung erklärt, dass nachhaltige Entwicklung nur durch ein Zusammenspiel diverser Faktoren funktionieren kann. Dafür sind bestimmte Regeln für den Umgang mit begrenzten Ressourcen für den Arbeits-, Gesundheits- und Umweltschutz einzuhalten.

Bis 2030 will die Bundesregierung daher zum Beispiel auch den Anteil EMAS-registrierter Standorte von Unternehmen und Organisationen auf 5000 erhöhen. Unternehmen und andere Organisationen, die sich an EMAS beteiligen, verpflichten sich dazu, alle einschlägigen Umweltrechtsvorschriften zu erfüllen.

Als Anreiz werden die Unternehmen nach dieser Registrierung belohnt. Diese Belohnung kann etwa eine Erstattung der Stromsteuer sein. Gerade für junge Unternehmen und Start-ups ergeben sich durch Gebührenvorteile oder Erleichterungen große Vorteile. Auch öffentliche Preisverleihungen für besonders zukunftsorientierte Unternehmen können eine echte Chance darstellen.

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