IKT-Start-ups fehlt das Vertrauen in die Crowdfinanzierung



Mit dem Trendbarometer junge IKT-Wirtschaft bildet das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) einmal im Jahr Deutschlands IKT-Gründerlandschaft vor dem Hintergrund ab, zu erkunden, was noch getan werden muss, um die Rahmenbedingungen für Gründer zu verbessern. Wir haben uns ein paar Kennzahlen aus den zehn Thesen herausgesucht und präsentieren die Meinungen der IKT-Gründer zur Crowdfinanzierung und den Herausforderungen beim Unternehmenswachstum.

In Deutschland muss mehr getan werden um den hiesigen Jungunternehmen beim Wachstum unter die Arme zu greifen. Dies wird einmal mehr klar, wenn man sich das aktuelle Trendbarometer junge IKT-Wirtschaft 2015 zur Hand nimmt. In dem jährlichen Bericht des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) wird anhand der Ergebnispräsentation einiger Gründerbefragungen stets die aktuelle Stimmungslage der IKT-Wirtschaft beschrieben.

Jedes wachsende Unternehmen wirkt sich positiv auf die Erneuerung der Wirtschaft, die Schaffung von Arbeitsplätzen und die allgemeine Dynamik des Gründungsgeschehens aus. Aber vor allem schnell wachsenden Start-ups wird eine große Rolle für das gesamtwirtschaftliche Geschehen beigemessen. Denn laut Trendbarometer junge IKT-Wirtschaft 2015 konnten schon viele Studien belegen, dass schnell wachsende Jungunternehmen auch ein langfristig qualitativ hochwertiges Beschäftigungswachstum schaffen und die künftige Wirtschaftsentwicklung positiv beeinflussen. Diese Vorzüge verdeutlichen, wie wichtig es ist, vielversprechenden Start-ups beim Wachstum zu helfen. Doch leider ist in dem Trendbarometer junge IKT-Wirtschaft 2015 auch zu lesen, dass sich Deutschland hierbei lediglich im EU-Mittelfeld bewegt, statt auf einem Spitzenplatz zu rangieren.

Eine andere Studie des BMWi aus dem Jahr 2012 habe bereits gezeigt, dass der Anteil an schnell wachsenden Start-ups nur 0,49 % an allen börsennotierten Unternehmen in Deutschland betrug. Der EU-Durchschnitt lag bei 0,56 %, den Bestwert erbrachte Schweden mit 0,74%.

Es kommt die Frage auf, woran es liegt, dass Deutschland nicht besser abschneidet. Fragt man die Gründer aus dem Trendbarometer junge IKT-Wirtschaft 2015, liegt es nicht an der fehlenden Motivation: 69 % aller Befragten sind wachstumsorientiert. Ihnen schwebt ein schnelles Wachstum vor, um zu einem der wichtigsten Player im eigenen Markt zu werden. Die Einstellung, dass Wachstum sogar zwingend erforderlich ist um nicht unterzugehen, wird von 53 % der IKT-Gründer geteilt. Allerdings sieht sich ein Drittel (38 %) der wachstumsorientierten IKT-Start-up-Gründer nicht wirklich in der Lage, die ungünstigen Rahmenbedingungen Deutschlands zu überwinden, um ihr schnelles Wachstum zu ermöglichen.

Wachstum Trendbarometer 2015
Zustimmungen zur Aussage: „In unserer Branche muss man schnell wachsen, sonst geht man unter” (Bild: Trendbarometer junge IKT-Wirtschaft)

Wachstumsorientierte Start-ups blicken auch ins Ausland

Nach wie vor stellt die Kapitalbeschaffung in Deutschland eine der größten Herausforderungen für Start-ups dar. Die Finanzierung ist ein wichtiger Hebel den jedes Unternehmen betätigen muss, um zu wachsen. Ein Unternehmen braucht neues Kapital um Investitionen tätigen zu können, Kapazitäten zu erhöhen um so den Umsatz steigern zu können. Über die Hälfte (53 %) der für das Trendbarometer junge IKT-Wirtschaft 2015 befragten Gründer hat ihre Wachstumsfinanzierung stemmen können, aber 39 % der IKT-Gründer suchen noch nach Kapital.

Spannend ist hier, dass sich ganze 29 % der jungen wachstumsorientierten IKT-Unternehmen sogar im Ausland nach Kapitalgebern umsehen. Grund hierfür ist, dass die Befragten nicht glauben, dass sich ihre Wachstumsziele in Deutschland aufgrund fehlender Finanzierungsinstrumente realisieren lassen. Die Gründeraussagen zeigen, wie schnell an der Stellschraube der Wachstumsfinanzierung in Deutschland geschraubt werden muss.

Einige Instrumente zur Gründungsförderung von innovativen Start-ups in Deutschland gibt es schon. Da wären der in München sitzende German Accelerator, die Aufstockung des EXIST-Gründerstipendiums oder die Optimierung des INVEST-Zuschusses für Wagniskapital. Auch die Pläne der Bundesregierung, über den Europäischen Investitionsfonds ein Wachstumsfinanzierungsvolumen von 500 Mio. Euro zur Verfügung zu stellen, werden begrüßt. Aber dies ist noch längst nicht das Ende der Finanzierungs-Fahnenstange. Eine „neue” Finanzierungsform ebnet sich nämlich seinen Weg ins Rampenlicht, die Crowdfinanzierung.

Crowdfunding und Crowdinvesting immer beliebter

Start-ups auf Kapitalsuche sollten sämtliche Finanzierungsinstrumente prüfen und auch in Betracht ziehen, alternative Finanzierungsmethoden wie Crowdfunding und Crowdinvesting zu nutzen. Genau so machen es auch immer mehr IKT-Gründer, wie man es dem Trendbarometer junge IKT-Wirtschaft 2015 entnehmen kann. Mittlerweile haben 10 % der befragten IKT-Unternehmen bereits selbst Erfahrungen mit Crowdfunding oder Crowdinvesting gesammelt. Damit entwickelt sich die Schwarmfinanzierung von einer Nischenposition zu einer ernst zu nehmenden Zusatzoption für Gründer, um eine Geschäftsidee zu finanzieren.

Fragt man Gründer nach ihren Finanzierungswünschen, sind Crowdfunding und Crowdinvesting sogar beliebter als die Finanzierung durch eine Hausbank. Allerdings bezweifeln sie die Realisierungschancen einer Schwarmfinanzierung in der Praxis auch noch sehr häufig. Dieser Gegensatz von Wünschen und Erwartungen hat zur Folge, dass ein Großteil der IKT-Gründer die Meinung teilt, dass man als Gründer von Crowdfunding (51 %) und Crowdinvesting (43 %) profitieren kann, aber auch weit über die Hälfte nicht selbst plant, Crowdfunding (61 %) oder Crowdinvesting (69 %) zu nutzen. Kurzum:

IKT-Gründer wünschten, sie könnten ihr Kapital über die Crowd sammeln, da sie sehen, dass Crowdfunding und Crowdinvesting Vorteile für Gründer bieten. Sie glauben aber nicht dran, dass es klappt und sehen auch (erstmal) davon ab, es selbst zu versuchen.

Finanzierung Trendbarometer 2015
Finanzierungswunsch und Finanzierungsrealität laut Bericht (Bild: Trendbarometer junge IKT-Wirtschaft 2015)

Interesse an neuen Finanzierungsformen ist größer als Vertrauen darin

Die Finanzierung bleibt auf absehbare Zeit ein schwieriges Thema in Deutschland. Insbesondere bei der Kapitalbeschaffung durch Business Angels, Wagniskapital oder Crowdinvesting gehen Wunsch und Wirklichkeit stark auseinander. In der Regel sind es eigene Mittel, mit dem die junge IKT-Wirtschaft sich finanziert. Spannend ist die Beobachtung, dass das Interesse an der Schwarmfinanzierung von Jahr zu Jahr wächst, aber das Vertrauen darin, noch auf der Stelle tritt. Hier könnten die Crowdfunding-Plattformen um Marktführer Startnext und Crowdinvesting-Plattformen wie Seedmatch noch stärker auf die Aufklärung und Hilfestellung für Start-ups setzen.

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