Thomas-Cook-Pleite: Was ihr als Betroffene jetzt tun könnt



Der Reiseanbieter Thomas Cook blickt auf eine über 160 Jahre alte Unternehmensgeschichte zurück. Das wohl traurigste Kapitel ereignet sich dieser Tage: Die Airline musste Insolvenz anmelden, Zehntausende Reisende sitzen auf Flughäfen in aller Welt fest. Lassen sich solche Horrorszenarien voraussehen? Was können Betroffene tun? Und haben Geschäftsreisende Privilegien bei der Kostenerstattung? Flugrechtexperte Igor Maas von MYFLYRIGHT hat Antworten darauf.

GründerDaily: Hallo Igor, euer Start-up setzt sich für Fluggastrechte ein. Wie hat sich euer Alltag durch die Thomas Cook Pleite verändert? 

Der Alltag hat sich nicht großartig verändert. Wir erhalten zwar mehr Anrufe und besorgte Kunden zu diesem Thema, aber an sich haben wir nicht viele Fälle mit der Thomas Cook Airline, weil diese Airline hauptsächlich aus UK operiert. Condor ist ja nach dem zugesicherten Kredit der Bundesregierung von der Insolvenz verschont geblieben.

GründerDaily: Was genau müssen Fluggäste jetzt beachten?

Zunächst ist es ja so, dass es den Reiseveranstalter Thomas Cook und Tochtergesellschaften wie Condor gibt. In Insolvenz gegangen ist der Reiseveranstalter, die Tochtergesellschaften dagegen fliegen noch. Diese können sich aber nur sehr schwer allein über Wasser halten, weshalb sie Kredite bei der Bundesregierung beantragt hatten.

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Bei der Insolvenz einer Airline steht plötzlich alles still. Ob betroffene Fluggäste eine Kostenerstattung erhalten, hängt von mehreren Faktoren ab.

Was die aktuelle Situation angeht, würde ich jedem Kunden raten, bei der Buchung von Flügen von Schwestergesellschaften wie Condor sehr, sehr vorsichtig zu sein.

Es bleibt abzuwarten, ob die Fluggesellschaften sich allein halten können. Aber wie gesagt: Nach wie vor fliegen sie.

Ein anderer wichtiger Punkt betrifft die Kostenerstattung.

Die Pauschalreisen sind abgesichert, sodass der Veranstalter die Kosten und Unkosten abwickeln kann. Bei Individualreisen entfallen solche Rechte.

Normalerweise gäbe es hier bis zu 600 Euro für einen Flugausfall erstattet, allerdings handelt es sich bei der Insolvenz von Thomas Cook um eine wirtschaftliche Begründung und damit um höhere Gewalt.

GründerDaily: Kann ich mich als Fluggast im Vorhinein vor derartigen Ausfällen absichern?

Ja, es gibt Versicherungen, die sich beim Buchungsvorgang gegen Insolvenzen von Airlines abschließen lassen. Ich bin kein Experte in diesem Bereich, aber ich vermute, dass sobald eine Fluggesellschaft wie die Condor in die Schieflage kommt, die Versicherer solche Fluggesellschaften exkludieren. Ob sich der Abschluss einer solchen Versicherung lohnt, ist eine individuelle Ermessensentscheidung.

GründerDaily: Gibt es Anzeichen oder Vorboten, die mich vor einer bevorstehenden Insolvenz warnen?

Vielleicht kann man da historisch darauf gucken, wie die Pleiten zustande gekommen sind, beispielsweise bei Air Berlin, Small Planet Airlines und Germania, sowie bei kleinen ausländischen Airlines. Aber selbst da waren die aufziehenden Gewitterwolken ein halbes Jahr vorher kaum für einen Laien zu sehen.

Für Langzeitplaner ist es eher schwierig zu erkennen wann eine Fluggesellschaft pleite zu gehen scheint. Oft ist das mediale Interesse erst 2-3 Monate vor der Insolvenz vorhanden, da haben die Langzeitplaner aber ihre Flüge schon längst gebucht.

Das hängt auch damit zusammen, dass nicht alle Airlines Aktiengesellschaften, sondern als GmbHs oder in ähnlichen Unternehmensformen organisiert sind. Damit haben sie keinen Zugriff auf konkrete Zahlen, oder zumindest einem erheblichen Mehraufwand.

Ist die Pleite von Thomas Cook ein Ergebnis des harten Preiskampfes mit Billigairlines?

Ja, definitiv ist das ein treibender Faktor. Wir können das sehr gut anhand der Airlines im Low-Cost-Segment sehen, durch die ein unglaublicher Preiskampf ausgebrochen ist.

Bei aller Kritik am Customer Support, am Umgang mit dem Personal und mit den Steuerstrukturen sind Fluglinien wie Ryanair und easyJet wirtschaftlich sehr erfolgreich.

Es ist nicht einfach, so eine Fluggesellschaft auf einem solchen Preisniveau zu führen. Der Trend des Low-Cost Fliegens hat auch von den etablierten Fluggesellschaften keinen Halt gemacht und somit ein Umdenken erwirkt, siehe am Beispiel von Lufthansa, die mit Eurowings einen eigenen Low-Cost Betrieb etabliert haben.

Bei Thomas Cook ist die Lage noch komplexer: Der Anbieter wickelt den Flugbetrieb ab, aber es sind noch weit umfänglichere Leistungen wie Unterkunft und Transport in Gesamtpaketen enthalten. In all diesen Bereichen herrscht ebenfalls ein erbitterter Konkurrenzkampf.

GründerDaily: Entwickelt ihr künftig neue Produkte bzw. Angebote in Bezug auf die Thomas-Cook-Situation?

Nein, gegen Insolvenzen kann man wenig machen und wir können uns immer nur im gegeben Rechtsrahmen bewegen. Sollte der gesetzliche Rahmen bleiben wie er ist (wovon wir ausgehen), dann wird es keine Implikationen auf unser Angebot haben.

GründerDaily: Unternehmer fliegen viel, um Kunden und Geschäftspartner zu besuchen. Wie verhalte ich mich am besten, wenn ein Flug auf einer solchen Geschäftsreise ausfällt?

Grundsätzlich ist Thomas Cook ein Ferienflieger, sodass sich da nur sehr wenige Geschäftsreisende auf solch einem Flieger verirren würden. Sollte doch tatsächlich ein Geschäftsreisender mit dem Ferienflieger unterwegs gewesen sein, so teilt er das gleiche Schicksal wie jeder Reisende auch und muss sich um eine alternative Beförderung selbst kümmern und diese Kosten selber tragen.

Wenn die Frage unabhängig von Thomas Cook gestellt ist, dann gelten die Bestimmungen der EU-Verordnung für Geschäftsreisende genauso wie für Privatreisende. Die Entschädigungen sind personengebunden, sodass der Geschäftsreisende genauso eine Entschädigung erhalten kann wie ein Privatreisender, außer es ist klar in dem Arbeitsvertrag geregelt (was in den wenigsten Fällen zutrifft).

GründerDaily: Vielen Dank für Deine Tipps zur aktuellen Situation, Igor. Mehr über MYFLYRIGHT in unserer Gründerstory.

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