Selbstständige, lehnt euch zurück! Es ist Tag der Arbeit.



Mehr Zeit. Viel mehr Zeit – für mich, meine Familie, meine Freunde und meine Interessen. Gerade als Selbstständiger sehnt man sich, wohl häufiger noch als Festangestellte, jenen Lebensqualität verbessernden Faktor herbei. Aber wer erfolgreich sein will, muss viel arbeiten, predigen Gründer im Hinblick auf die Selbstständigkeit. Aber wie viel arbeiten Selbstständige eigentlich wirklich? Und was kann man tun, um die Arbeits- wie auch die Freizeit zu optimieren, sodass man sich zwischendurch ausreichend Erholung gönnen kann? Zum 1. Mai, dem Tag der Arbeit, werfen wir einen Blick auf die Arbeitszeit.

Generell ist es schwer, die Arbeitszeit von Selbstständigen zu erfassen. Verschiedene Untersuchungen kommen zu verschiedenen Ergebnissen. Im vergangenen Jahr beispielsweise entnahmen wir dem KfW Gründungsmonitor, dass Selbstständige im Schnitt 48 Stunden pro Woche arbeiten. Im Vergleich dazu sollten es bei Angestellten durchschnittlich 38 Stunden pro Woche sein. Daraufhin wollten auch wir wissen, in welchem Umfang Selbstständige arbeiten und baten unsere Leser, an unserer Umfrage teilzunehmen. Die ergab, dass etwas mehr als die Hälfte aller Teilnehmer (54,5 %) zwischen 40 und 49 Stunden im Durchschnitt pro Woche arbeiten. Am heutigen 1. Mai richtet sich unser Blick auf eine weitere Studie zur Arbeitszeit in Deutschland.

Im neuesten Report des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung zum Unterschied in der Arbeitszeit von Frauen und Männern finden sich auch aufschlussreiche Zahlen zur Arbeitszeit von Selbstständigen. Konkret geht es um die geschlechtsspezifischen Arbeitszeitunterschiede bei Selbstständigen, mithelfenden Angehörigen, Beamten, Angestellten und Arbeitern. Insofern wollten wir wissen, wie es um die Arbeitszeit von Selbstständigen eigentlich steht.

Ergebnisse zu Arbeitszeiten von selbstständigen Frauen und Männern

Vergleicht man die verschiedenen genannten beruflichen Statusgruppen, stellt sich laut WSI Report für das Jahr 2013 heraus, dass Selbstständige mit am längsten gearbeitet haben – neben Beamten. Dies gilt für Frauen wie für Männer. In Zahlen ausgedrückt:

  • Unter allen Männern wiesen Selbstständige mit 42,8 Stunden die längste durchschnittliche Wochenarbeitszeit auf.
  • Bei den Frauen arbeiteten ebenfalls die Selbstständigen mit 31,1 Stunden im Durchschnitt pro Woche am längsten.

Aus der folgenden Grafik lässt sich ablesen, dass die tatsächliche Wochenarbeitszeit von Männern stets höher lag, als die wöchentliche Arbeitszeit von Frauen (durchgehende Linien: blau: Männer/orange: Frauen). Allerdings kann auch festgestellt werden, dass die Arbeitszeit bei beiden insgesamt rückläufig ist. Die Analyse begann 1991 bei wöchentlich 54,3 Stunden für selbstständige Männer und 41,7 Wochenstunden für selbstständige Frauen und ist innerhalb von 22 Jahren um jeweils etwa ein Vierteil gesunken.

Per Klick auf das Bild vergrößert sich die Grafik.

WSI Report zum Thema Arbeitszeiten
Grafik zu den Arbeitszeiten von Selbstständigen und mithelfenden Angehörigen (Quelle: WSI Report/ Ergebnisse aus dem WSI GenderDaenPortal)

Außerdem ist die Arbeitszeit der mithelfenden Familienangehörigen (gestrichelte Linien: blau: Männer/orange: Frauen) zu erkennen. Auch hier ist ein großer Rückgang an geleisteter Wochenarbeitszeit zu sehen. Bei mithelfenden Frauen sind es binnen der 22 Jahre minus 13,3 Stunden, bei Männern sind es sogar minus 15,7 Stunden. Allerdings waren es 2013 mit 24,3 Stunden pro Woche die Frauen, die als mithelfende Angehörige eine höhere Wochenarbeitszeit leisteten, als Männer mit 22,1 Stunden.

Im Vergleich dazu zeigt sich aber auch bei den Angestellten (durchgehende Linien: blau: Männer/orange: Frauen) und Arbeitern (gestrichelte Linien: blau: Männer/orange: Frauen), dass auch ihre Arbeitszeit seit 1991 zurückgegangen ist.

WSI Report zu den Arbeitszeiten von Angestellte
Grafik zu den Arbeitszeiten von Angestellten und Arbeitern (Quelle: WSI Report/ Ergebnisse aus dem WSI GenderDaenPortal)

Die Studie zeigt das interessante Resultat, dass Arbeitszeit entgegen dem Gefühl rückläufig zu sein scheint. Leider werden hierfür – bis auf die Zunahme der Teilzeitquote – keine weiteren Gründe genannt. Aber auch wenn die Arbeitszeit von Selbständigen gesunken ist, gehören sie weiterhin zu jener Gruppe mit den höchsten Arbeitszeiten.

Um trotzdem nicht im totalen Arbeitswahn zu versinken, wird einem von vielen Seiten geholfen, Arbeitszeit produktiv zu gestalten und dadurch vielleicht sogar etwas zu reduzieren. Auch die Freizeit lässt sich optimal auskosten, wenn man weiß wie. Im Zuge dessen haben wir ein paar Ideen aufgegriffen, um wertvolle Zeit richtig zu nutzen.

Offtime: sich eine Auszeit gönnen

Es ist kaum vorstellbar, ohne jenen ständigen Begleiter aus dem Haus zu gehen – das Smartphone. Es begleitet uns rund um die Uhr. Ein konzentriertes Arbeiten oder auch ein entspannter Feierabend mit Freunden ist kaum möglich, wenn man regelmäßig von Kurznachrichten, Anrufen und E-Mails abgelenkt wird.

Offtime ist eine App, mit der man selbst bestimmen kann, wann es möglich ist, kontaktiert zu werden. Ähnlich eines Sekretärs lässt das Tool auf Wunsch nur wichtige Kontakte durch und weist alle anderen ab. Am Ende der Smartphone-Auszeit fasst Offtime die Ereignisse zusammen, sodass der Nutzer natürlich trotzdem nichts verpasst. Wenn man möchte, versendet die App automatisch bei einem Anruf eine SMS mit einem Hinweis darauf, dass man derzeit nicht erreichbar ist.

Offtime
Offtime verspricht mehr Auszeiten (Foto: Offtime)

Das kostenlose Tool ist aktuell leider nur für Android erhältlich, eine Version für iOS ist allerdings schon in Planung. Die Bedienung ist sehr simpel gehalten und wird für den Nutzer schnell ersichtlich. In drei einfachen Schritten legt man fest, ob Benachrichtigungen sowie Apps ausgeblendet werden sollen, und wählt gegebenenfalls wichtige Kontakte aus dem eigenen Adressbuch aus, für die man weiterhin erreichbar bleiben möchte. Diese Schritte muss man nur einmalig erledigen. Danach bestimmt man nur noch die Zeitspanne der Auszeit.

Sekretariat On Demand

Nur wenige Selbstständige können es sich leisten, Anrufer mit Abwesenheit zu begegnen. Sobald man ein Telefonat nicht selbst entgegennehmen kann, sollte wenigstens ein freundlicher Mitarbeiter erreichbar sein und den Erstkontakt umsetzen können. Aber ein Sekretariat lohnt sich zumeist (auch in finanzieller Hinsicht) erst ab einer bestimmten Betriebsgröße. Virtuelle Sekretariate stellen eine Alternative für kleinere Betriebe dar. Diese bieten einen vollwertigen Assistenten auf Abruf. Im Basistarif nimmt er während der eigenen Abwesenheit Telefonate im Namen des Unternehmers entgegen, sogar rund um die Uhr.

Die Telefonisten werden über ein Computersystem mit Informationen zum Unternehmen versorgt. Der Anrufer bekommt so das Gefühl, mit einem Mitarbeiter zu sprechen. Welche Aufgaben zusätzlich übernommen werden sollen, entscheidet der Gründer. Das Spektrum reicht von der Beantwortung von Kundenanfragen bis hin zur Bestellannahme und Produktberatung. Die Dienste lassen sich in die eigenen Prozesse integrieren, sodass Aufträge sofort im IT-System erfasst werden. Die Tarife hängen vom Nutzungsverhalten ab. Die günstigsten Angebote schlagen mit rund 10 Euro Fixkosten im Monat zu Buche, anfallende Anrufminuten werden dann allerdings zusätzlich abgerechnet.

Online-Butler und Concierge-App

Nachdem man sich nun per App oder Telefonservice vom ständigen Telefonterror befreit und endlich Zeit für die Liebsten hat, gilt es, diese Freizeit auch sinnvoll zu nutzen. So ist man beispielsweise im Urlaub und möchte spontan für einen Kurztrip einen Wagen mieten, weiß aber nicht wo und zu welchen Konditionen dies möglich ist.

Man könnte wertvolle Urlaubszeit in die Internetrecherche investieren – oder einfach eine Concierge-App nutzen, die das übernimmt. Über eine Nachrichtenfunktion kommunizieren Nutzer mit ihrem virtuellen Butler und beauftragen ihn mit Wünschen. Im obigen Beispiel reicht es, zu schreiben:

 Ich brauche heute einen günstigen Mietwagen in der Nähe von Puerto.

Sixtyone Minutes
Bei Sixtyone Minutes handelt es sich um einen Mobile-Concierge-Service (Quelle: Sixtyone Minutes)

Der Butler sucht die besten Angebote heraus und macht einen Vorschlag. Um die Bezahlung braucht man sich in dem Moment nicht zu kümmern, denn diese wird mithilfe der in der App hinterlegten Kreditkartendaten durchgeführt.

Die Aufgaben, die man seinem Butler stellen kann, sind vielfältig. Von handelsüblichen Dingen wie einer Tischreservierung, der Vertragskündigung oder den Reisetransfer bis hin zu speziellen Aufgaben im Haushalt oder im Rahmen der Kinderbetreuung ist vieles möglich.

Ein Anbieter aus den USA wirbt sogar damit, seinen Kunden einen Tiger nach Hause zu liefern, sofern diese rechtlich dazu berechtigt sind.

Wer solch einen Concierge-Service mal selber ausprobieren möchte, kann dies unter sixtyoneminutes.de tun. Weitere deutsche Anbieter von mobilen Butler-Services sind GoButler, Alfredoo, mywichtel und James, Bitte.

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