Personalgewinnung für Start-ups: sieben innovative Anbieter



Jedes Unternehmen sucht sie, die eierlegende Wollmilchsau unter den Mitarbeitern. Start-ups aber sicherlich noch dringender als große Unternehmen. Statt der klassischen Stellenanzeige sollen innovative Methoden bei der Personalsuche und -gewinnung nun gezielter dabei helfen. Wir zeigen Start-ups, wo man fernab von Xing und StepStone neue Talente, Praktikanten und wissenschaftliche Mitarbeiter findet.

Start-ups, die hierzulande neue Mitarbeiter suchen sowie Jobsuchende, die vorzugsweise bei einem jungen Unternehmen arbeiten möchten, dürften die prominenten Stellenbörsenangebote von t3n und Gründerszene, der Deutschen Unternehmerbörse oder Edition F bereits kennen. Aber auch immer mehr kleinere Recruiting- und Job-Plattformen bahnen sich ihren Weg in den Stellen-„Markt”. Besonders spannend bei den noch vergleichsweise jungen Portalen sind die innovativen Ansätze zur schnellen und effizienteren Vermittlung von Jobs. Über Persönlichkeitstests, ausschließlich per App oder anhand anonymer Profile können sich die Bewerber auf die Suche nach einer neuen Möglichkeit zur beruflichen Selbstverwirklichung machen, während Unternehmen jeder Größe immer besser passende Mitarbeiterempfehlungen vorgeschlagen bekommen.

IT-Profis bekommen neuen Job und Startgeld

4Scotty unterstützt die Jobvermittlung im IT-Bereich. Die Plattform richtet sich an Software-Entwickler, Produkt- und Projektmanager, Engineering Manager und CTOs, Quality Assurance-Experten, UX/UI-Designer, System-Admins, Data Scientists, Technical Consultants, Sales Support-Engineers und alle Angestellten im IT-Bereich.

Wo bisherige Recruiting-Methoden zunehmend versagen würden, verfolgt 4Scotty nach eigenen Angaben einen neuen Ansatz. Dieser basiere auf Transparenz und stelle den Kandidaten in den Mittelpunkt. Die Kandidatenprofile seien laut Betreiber sehr aussagekräftig und ermöglichen den Unternehmen eine schnelle Einschätzung des tatsächlichen Könnens der Kandidaten. So wird Unternehmen der erfahrene und passende IT-Spezialist in kurzer Zeit und mit wenig Aufwand versprochen.

4Scotty
Mit 4Scotty sollen Unternehmen IT-Positionen schnell und einfach besetzten können (Foto: 4Scotty)

Und so funktioniert 4Scotty: Im ersten Schritt wird das Unternehmensprofil erstellt. Im darauf folgenden zweiten Schritt können Recruiter geeignete Bewerber kontaktieren. Anhand relevanter Infos wie Gehaltsvorstellung oder Benefits kann die mögliche Übereinkunft vorab geprüft werden. Der dritte Schritt dreht sich um das Kennenlernen. Wächst die Neugier auf beiden Seiten, kann ein Interview vereinbart werden, wobei die Reisekosten des Bewerbers immer erstattet werden. Zum Abschluss teilt die Plattform 4Scotty die durch das Unternehmen verdiente Provision mit dem Jobsuchenden. Dieser erhält bei erfolgreicher Jobvermittlung zusätzlich ein Startgeld von 1.101,10 Euro.

Das Netzwerk der Mitarbeiter für neue Talente anzapfen

Die Macher von Talentry beschreiben ihre Plattform damit, ein digitales Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter-Programm zu sein. Geboten werde alles, was der Arbeitgeber brauche, um zusammen mit seinen Mitarbeitern die besten neuen Talente für sich und sein Unternehmen zu gewinnen. Als Software-as-a-Service-Lösung könne man mit Talentry ganz einfach Jobangebote an qualifizierte Freunde und Bekannte über die sozialen Netzwerke und andere Kanäle weiterempfehlen. Dies ist möglich über fünf Wege: Social Media Integration, Talent Mining, User Engagement Engine, individuelle Newsletter und Empfehlungskampagnen sowie auf mobile Art und Weise.

Talentry
Auf digitale, einfache und effiziente Weise sollen Mitarbeit neue Mitarbeiter empfehlen können (Foto: Talentry)

Durch die Integration aller gängigen sozialen Netzwerke in Talentry kann jeder Mitarbeiter den für sich geeigneten Empfehlungskanal nutzen, um die offene Stelle zu verbreiten. Zur Verfügung stehen private Nachrichten, Share-Funktionen und klassische Empfehlungslinks. Beim Talent Mining schlägt der Matching-Algorithmus all diejenigen persönlichen Kontakte vor, die fachlich die größte Eignung zur ausgeschrieben Stelle bieten. Beim User Engagement Engine werden die Aktivitäten der Mitarbeiter analysiert, Muster erkannt und das Empfehlungs­verhalten der Mitarbeiter verbessert.

In individuellen Job-Newslettern von Talentry informieren Arbeitgeber ihre Mitarbeiter über die offenen Stellen, die zum jeweiligen persönlichen Netzwerk passen. Und auch Recruiter können durch Kampagnen gezielt nach Empfehlungen von einzelnen Nutzergruppen fragen. Der letzte Punkt zielt auf die Mobilität und Mehrsprachigkeit ab. Die Mitarbeiter können bequem von überall und mit jedem mobilen Endgerät neue Stellen einsehen, weiterempfehlen und Bewerbungen abschicken. Darüber hinaus sei Talentry in mehreren Sprachen verfügbar und somit bestens geeignet für das globale Recruiting.

Via Persönlichkeitstest zum neuen Job

Die Entwickler von matching box widmen ihre Recruiting-Plattform jenen Berufsstartern, die ein Karrieresprungbrett suchen. Das Start-up selbst ist eine Ausgründung aus der Goethe-Universität Frankfurt und empfiehlt Bewerbern auf Basis ihrer Persönlichkeit geeignete Unternehmen. Hierbei würden gezielt wissenschaftliche Analyseverfahren zum Einsatz kommen, die den Talenten ihre Kompetenzen aufzeigen und bei der Wahl des passenden Studiums oder Berufs unterstützen. Im Vergleich zu herkömmlichen Jobportalen, wo das Durchforsten von Unmengen an Stellenanzeigen die Suche beherrscht, arbeitet man bei matching box anhand des erstellten Profils und stellt nicht einfach nur freie Stellen vor, sondern Arbeitgeber, die durch ihre Unternehmenskultur zum Nutzer passen würden.

Dem gegenüber stehen Unternehmen, die aufgrund des speziellen Matching-Verfahrens potentielle neue Mitarbeiter erwarten können, die auf Basis ihrer Persönlichkeitsstruktur einen echten Mehrwert für das eigene Unternehmen darstellen. Der Unterschied zu konkurrierenden Jobportalen ergebe sich aus der hohen Datenqualität. Denn die erfassten Persönlichkeitsmerkmale sind zeitstabil, übertragbar auf diverse Lebens- und Arbeitsbereiche und bestimmen in hohem Ausmaß die Identifikation zum Unternehmen.

Deutschlandweit richtet sich die Plattform an über 300 Career Services verschiedenster Universitäten. Unternehmen, die sich präsentieren und Bewerber ansprechen möchten, können sogar gezielt eine Uni anvisieren und sich einen fokussierten Zugang verschaffen.

Mobile Recruitment mit Sygn und truffls

Bei Sygn handelt es sich um eine App, die dazu aufruft, sich „einfach” zu bewerben – und einfach scheint es wirklich zu sein. Die Idee von Sygn ist es, dass sich Unternehmen beim Nutzer bewerben, anstatt andersherum. Zuerst erstellt der Nutzer ein individuelles Profil zur eigenen Person. Sobald zum Profil passende Jobangebote vorliegen, werden diese direkt übermittelt. So erspare man sich den Zeitverlust durch die eigene aktive Suche.

Wird der User auf einen Job aufmerksam und neugierig, kann er sich durch Klicken bequem per App vom Smartphone aus bewerben. So falle viel Arbeit weg, da Anschreiben und andere Unterlagen nicht benötigt werden. Aber auch das Teilen von attraktiven Angeboten mit Freunden und Bekannten ist Teil der Sygn-App.

Auch bei truffls verzichtet man auf eine Web-Applikation und setzt stattdessen auf mobile Endgeräte. Die Macher arbeiten mit großen Jobportalen wie Xing, Monster oder StepStone zusammen und schlagen die Angebote der Unternehmen vor. Der Nutzer entscheidet, ob ihm das Jobangebot grundsätzlich gefällt oder nicht. So wird ein Algorithmus mit Tendenzen gefüttert, der als Informationsquelle für bessere Vorschläge dient. Sobald ein Nutzer Interesse an einem Job bekundet, wird der Recruiter informiert und muss entscheiden, ob auch er den Kandidaten kennenlernen will.

Um bei den Kandidaten als ein attraktives Unternehmen wahrgenommen zu werden, ist ein aussagekräftiges Stellenprofil zu formulieren, das eigentlich bei einem Portal zu finden ist, aber Jobsuchende konkret dort erreicht, wo sie sich aufhalten: auf mobilen Endgeräten. Dafür ist die URL einer auf Xing, StepStone, Monster und Co. verfassten Stellenanzeige zu kopieren und bei truffls einzufügen. Den Rest übernimmt die Technologie. Mit einem Klick können auch Änderungen und Kontrollen vorgenommen werden. Anschließend soll man sich zurücklehnen können bis geeignete Bewerber kommen. Benachrichtigt werden Unternehmen und Recruiter per Mail.

Anonymes Matching mit Talerio und Talentpool

Talerio vermittelt Praktikanten, Werkstudenten und Festanstellungen. Hier beginnt es für den Jobsuchenden mit einem Test aus 50 Fragen aus verschiedenen Bereichen. Die Ergebnisse werden in einem anonymen Talentprofil zusammengefasst. Irrelevante Aspekte wie das Aussehen, die Religionszugehörigkeit, die Hautfarbe, der gesellschaftliche Hintergrund und ähnliche Faktoren werden nicht berücksichtigt. Passen ein Talent und ein Unternehmen zusammen, bringt Talerio beide Parteien in Kontakt. Unternehmen können mit einem Profil geeignete Kandidaten proaktiv ansprechen und so auch passive Kandidaten anfragen. So kann eine bessere Selektion von geeigneten Bewerbern schon vor dem Interview erfolgen und das Bewerbungsverfahren sei keine Einbahnstraße mehr.

Auf der Website von Talentpool finden Großbrittaniens Studenten, Absolventen und Berufseinsteiger neue Jobs. In drei Schritten finden Jobsuchende hier zum neuen Arbeitgeber. Los geht es damit, dass Nutzer ein Profil zu ihrer Person erstellen. Indem User hier näher auf ihre Interessen eingehen, wird es auch der Recruiting-Plattform einfacher gemacht, passende Jobs zu vermitteln. Arbeitgeber, die neugierig auf ein anonymes Bewerberprofil geworden sind, können Kontakt aufnehmen. Ist auch der potenzielle Bewerber interessiert, kann ein Bewerbungsgespräch vereinbart werden, wobei sich beide Parteien besser kennenlernen.

Mit dem Konzept von Talentpool wird abermals die Idee verdeutlicht, dass Jobsuche selbst kein Vollzeitjob sein darf. Bewerbungen, Kontaktaufnahmen und das Warten auf Rückmeldungen sollten nicht zu viel Zeit in Anspruch nehmen, sondern schnell zum Ziel führen – für den Jobsuchenden und das Unternehmen. Insgesamt sei die Bandbreite der vertretenen Unternehmen sehr groß – von Start-ups bis hin zu großen Unternehmen.

Basiswissen rund um das Thema Mitarbeitersuche und die Auswahl von Mitarbeitern finden Sie auf Für-Gründer.de.

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