Novemberhilfe und Dezemberhilfe für Unternehmen



Der Corona-Lockdown führt bei zahlreichen Unternehmern zu Umsatzeinbrüchen. Deshalb schickt die Regierung eine außerordentliche Wirtschaftshilfe auf den Weg. Wir erklären euch, wie ihr an diese Hilfe gelangt und wann sie ausgezahlt werden.


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Die neue Corona-Umsatzhilfe soll Umsatzausfälle abfedern. Beantragt wird sie online. (Foto: Unsplash)

Wie geht es weiter?

Angesichts des Infektionsgeschehens in Deutschland wurden die Corona-Maßnahmen und damit auch der Lockdown bis zum 14.02. verlängert. Weiterhin ist eine Einschränkung der Bewegungsfreiheit in Hotspots auf 15 Kilometer vom eigenen Wohnort bei einer 7-Tages-Inzidenz von mehr als 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner möglich und wird von den jeweiligen Ländern geprüft.

  • Stark durch die Krise: Lasst euch von diesen 16 Start-ups inspirieren, die ihren Weg auch 2020 erfolgreich gegangen sind.

Aktuell gilt:

Unternehmer müssen mit dem bundesweiten Lockdown bis Mitte Februar umgehen – aller Voraussicht nach ohne weitere Abfederung der Umsatzausfälle. Stattdessen sind die Hilfen seit Jahresanfang stärker auf die Fixkosten ausgerichtet.

Wie beantrage ich die Novemberhilfe bzw. Dezemberhilfe?

Die Beantragung für die November- bzw. Dezemberhilfe erfolgt seit dem 25. November und bis zum 31. Januar 2021 über die bundeseinheitliche Plattform für die Überbrückungshilfe. Die Antragstellung muss über einen Wirtschaftsprüfer oder Steuerberater erfolgen.

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Die Novemberhilfe und Dezemberhilfe soll ab dem Abend des 25. November online beantragt werden können. (Screenshot: BMWi)

Soloselbstständige mit einem Förderungsgesuch unter 5.000 Euro können selbst den Direktantrag stellen.

Ausgezahlt werden die Hilfen über die Bundesländer, erste Zahlungen sollen ab Ende November erfolgen.

  • Tipp: Ein Krisenberater hilft euch kompetent weiter, 90 Prozent der Kosten für die Beratung werden gefördert (maximale Höhe: 2.700 Euro)!

Soloselbstständige: Förderhöchstsatz von 5.000 Euro braucht ELSTER-Zertifikat

ELSTER ist das Steuerportal von Bund und Ländern, auf der Selbstständige Steueranmeldungen und -erklärungen durchführen können. Hierfür braucht es eine Authentifizierung für den Log-in, was sich das Antragsformular für den Förderhöchstsatz zunutze macht. Mit dem ELSTER-Zertifikat kann sich der Antragsteller schnell und unkompliziert legitimieren. Wenn ihr noch kein solches Zertifikat habt, dann holt es euch beim ELSTER-Portal.

ELSTER-Kontoerstellung-Zertifikat
Einfach und schnell: Im ELSTER-Portal werdet ihr Schritt für Schritt durch den Zertifikat-Prozess geleitet. (Screenshot: ELSTER-Portal)

Haltet für den Anmeldeprozess eure Steueridentifikationsnummer bereit. Weiter geht es mit der Dateneingabe.

ELSTER-Kontoerstellung-Zertifikat Dateneingabe
Um die Zertifikatsdatei zu bekommen, müsst ihr eure geschäftsrelevanten Daten in ELSTER eintragen und bekommt wenige Tage später Post. (Screenshot: ELSTER-Portal)

Die Zertifikatsdatei ist das digitale Endergebnis des Anmeldeprozesses bei ELSTER. Nachdem die Daten eingetragen wurden, werden euch Aktivierungsunterlagen mit der Post zugeschickt. Mit diesen könnt ihr dann im ELSTER-Portal online eure Identität nachweisen und ihr erhaltet die Zertifikatsdatei.

Was ist die Novemberhilfe bzw. Dezemberhilfe?

Die außerordentliche Wirtschaftshilfe für Unternehmen soll finanzielle Einbußen abfangen, die durch den Lockdown entstanden sind bzw. entstehen. Insgesamt ist dafür ein Volumen von 10 Milliarden Euro vorgesehen.

Höhe der außerordentlichen Wirtschaftshilfe:

  • 75 Prozent des durchschnittlichen wöchentlichen Umsatzes im November bzw. Dezember 2019
  • Die Obergrenze der Umsatzhilfe liegt bei 1 Mio. Euro, darüberliegende Zuschüsse müssen noch von der EU-Kommission notifiziert und genehmigt werden

Wie errechnet sich der Umfang der Umsatzhilfe für Unternehmen?

Für den Anspruch auf außerordentliche Wirtschaftshilfe gilt:

  • Berechnungsgrundlage ist der durchschnittliche wöchentliche Umsatz des Novembers bzw. Dezembers 2019
  • Alternativ zum Umsatz November/Dezember 2019 können Selbstständige als Vergleichsumsatz den durchschnittlichen Wochenumsatz des Jahres 2019 heranziehen
  • Wer nach dem 31.10.2019 die Geschäftstätigkeiten aufgenommen hat, kann den durchschnittlichen Wochenumsatz im Oktober 2020 oder den durchschnittlichen Wochenumsatz seit Beginn der Selbstständigkeit heranziehen

Wer bekommt die außerordentliche Wirtschaftshilfe?

Der Bundesregierung zufolge gibt es die außerordentliche Wirtschaftshilfe für:

  • Unternehmen,
  • Betriebe,
  • Restaurants,
  • Hotels,
  • Gasthöfe,
  • Campingplätze,
  • Jugendherbergen,
  • (Solo-)Selbstständige,
  • Künstler,
  • Vereine und
  • Einrichtungen,

die von den zeitweiligen Schließungen im November betroffen sind.

Hinweis: Auch verbundene Unternehmen mit mehreren Betriebsstätten oder Tochterunternehmen können außerordentliche Wirtschaftshilfe beantragen, wenn über 80 Prozent des verbundweiten Gesamtumsatzes auf direkt oder indirekt betroffene Verbundunternehmen entfällt.

Auch Zulieferer wie Getränkehändler sollen die Hilfen beantragen können, wenn sie nachweisen können, dass 80 Prozent ihres Gesamtumsatzes durch die Schließung jener Betriebe wegfällt, die direkt betroffen sind – z. B. Restaurants oder Hotels.

  • Tipp: Die IBB Berlin verlängert das Soforthilfe-Programm für Schankwirte bis zum 10. Januar. Betroffene Wirte in der Hauptstadt erhalten einen Mietzuschuss bis zu 3.000 Euro, wenn sie Umsatzeinbrüche von mindestens 20 Prozent im Oktober nachweisen können, die durch die Sperrstunde von 23 bis 6 Uhr früh entstanden sind.

Wann wird die November-/Dezemberhilfe ausgezahlt?

Dem Bundeswirtschaftsministerium zufolge werden die Anträge seit Dezember bearbeitet und die Soforthilfen im Januar ausgezahlt. Die vollständige Auszahlung der Novemberhilfen erfolgt spätestens ab dem 10. Januar, erste Abschlagszahlungen für die Dezemberhilfe erfolgen bereits seit Anfang Januar.

Was passiert, wenn ich im November/Dezember 2020 trotzdem Umsatz erwirtschaftet habe?

Umsätze bis zu einer Höhe von 25 Prozent im Vergleich zum November/Dezember-Umsatz 2019 werden nicht angerechnet, darüber hinausgehende Umsätze hingegen schon. Dieses Umsatzplus wird von der Fördersumme abgezogen, was betreffende Unternehmer im Hinterkopf behalten sollten, wenn der Staat in der Zukunft die Höhe und Berechtigung der November- bzw. Dezemberhilfen nachprüft und ggf. Rückzahlungen fordert.

Beispiel:

Eine private Bildungseinrichtung hat im November 2019 einen Umsatz in Höhe von 10.000 Euro aus Präsenzveranstaltungen generiert. Nun erhält diese Einrichtung aufgrund der Schließung der Unterrichtsräume 75 Prozent dieses Umsatzes als Novemberhilfe in Höhe von 7.500 Euro.

Zugleich bietet die Einrichtung im November 2020 aber auch kostenpflichtige Online-Angebote wie Webinare oder Videokurse an, mit denen sie 6.000 Euro an Umsatz generiert. Dies wären mehr als die 2.500 Euro, die sie ohne Anrechnung zur Novemberhilfe dazuverdienen dürfte. Entsprechend würden die übrigen 3.500 Euro mit den geleisteten Hilfen verrechnet werden.

Sonderregelung für Restaurants

Restaurants sind von den Schließungen besonders betroffen, weshalb der Bund Spezialregelungen festgelegt hat:

  • Umsatzerstattung bis 75 Prozent der Umsätze begrenzt, die mit im Restaurant verzehrten Speisen im November 2019 erzielt wurden.
  • Der Außer-Haus-Verkauf wird herausgerechnet, sprich: Sämtliche Umsätze im November 2020, die durch Lieferung und Abholung erfolgen, fließen nicht in Berechnung für die Fördersumme ein.

Beispielrechnung:

Ein Sushi-Restaurant hat im November 2019 folgende Umsätze erzielt:

  • 10.000 Euro durch Verzehr von Speisen und Getränken im Restaurant
  • 3.000 Euro durch Auslieferung von Gerichten

Für die außerordentliche Hilfe darf das Restaurant nur die 10.000 Euro anführen und bekäme dementsprechend 7.500 Euro Novemberhilfe. Jedoch kann das Restaurant mit Außer-Haus-Lieferung im November 2020 ohne Kürzung der Förderung unbegrenzt Geld verdienen.

Bei regulären Unternehmen hingegen wird die Novemberhilfe bei 25 Prozent des Umsatzes im Vergleich zum durchschnittlichen wöchentlichen Umsatz des Vorjahresmonat November 2019 gekürzt.

Zur Vereinfachung ziehen wir ein Gegenbeispiel eines Unternehmens heran, das kein Restaurant ist, und schauen auf dessen Umsatz aus dem November 2019:

  • 13.000 Euro Gesamtumsatz, 3.250 Euro pro November-Woche 2019

Dieses Unternehmen kann zwar im Gegensatz zum Sushi-Restaurant die vollen 13.000 Euro für die Novemberhilfe geltend machen. Allerdings wird demselben Unternehmen bei mehr als 3.250 Euro Umsatz im November 2020 die Förderung gekürzt.

Ähnlich verhält es sich auch mit dem obigen Beispiel der privaten Hochschule: Bis zu 2.500 Euro dürfte diese an Umsatz generieren, weitere Umsätze werden auf die Novemberhilfe angerechnet.

Das Sushi-Restaurant ist von diesen Kürzungen hingegen nicht betroffen.

Darf ich zusätzlich Überbrückungshilfe beantragen?

Ja, wenn ihr trotz Inanspruchnahme der Soforthilfe auch weiterhin von Umsatzausfällen betroffen seid, die für die Beantragung der Überbrückungshilfen Voraussetzung sind. Allerdings erfolgt eine anteilige Berechnung der Soforthilfe auf die Überbrückungshilfe, wenn diese sich überschneiden sollten. Auch das Kurzarbeitergeld wird angerechnet.

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