Kultur- und Kreativwirtschaft: eine Branche im Fokus



Die Kultur- und Kreativwirtschaft boomt – und das bereits seit Jahren. Mit einem Anteil von 63 Milliarden Euro an der Bruttowertschöpfung im Jahr 2012 kann es die Kultur- und Kreativwirtschaft mit Riesen wie der Automobilindustrie und dem Maschinenbau in Deutschland aufnehmen.

Die Kultur- und Kreativwirtschaft wird aufgrund ihrer Vielfalt kaum als einzelne Branche wahrgenommen. Dies hat auch die Bundesregierung erkannt und so widmete sie sich in den letzten Jahren verstärkt diesem Wirtschaftsbereich. Heute möchten auch wir die Kultur- und Kreativwirtschaft in den Fokus stellen. Wir werfen einen Blick auf die Branche, ihre Entwicklung und die Bedeutung für die Gesamtwirtschaft. Grundlage sind dabei die neuesten Branchenzahlen im Bericht vom BMWi zu „ausgewählten wirtschaftlichen Eckdaten der Kultur- und Kreativwirtschaft 2012″, der Anfang 2014 erschienen ist.

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Wachstum in der Kultur- und Kreativwirtschaft

Die Kultur- und Kreativwirtschaft Deutschland wächst immer weiter. Allein die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse ist 2012 im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 4 % gestiegen. Die gute Entwicklung in diesem Bereich wird insbesondere dann deutlich, wenn man einen Blick auf die Gesamtwirtschaft wirft. Sie konnte im gleichen Zeitraum nur knapp 2 % mehr Erwerbstätige als im Jahr 2011 vorweisen. Auch beim Umsatz, der Wertschöpfung und der Zahl der Unternehmen gab es deutliche Zuwächse im Vergleich von 2012 zu 2011.

Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist besonders durch die Freien Berufe und die Klein(st)betriebe geprägt. Allerdings sind sie überwiegend erwerbswirtschaftlich orientiert und nicht im öffentlichen (Museen, Theater, Orchester) oder zivilgesellschaftlichen Sektor (Kunstvereine, Stiftungen) tätig. Stattdessen liegt der Fokus zumeist auf der Schaffung, Produktion, Verteilung und medialen Verbreitung der kreativen „Waren”.

Die elf Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft

11 Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft
Die elf Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft (Quelle: Monitoring zu ausgewählten wirtschaftlichen Eckdaten der Kultur- und Kreativwirtschaft 2012, Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, 2009a)

Kultur- und Kreativwirtschaft punktet durch Vielfalt

Autoren, Filmemacher, Musiker, Schauspieler, Spiele-Entwickler, Maskenbildner, Designer, Moderatoren, Lektoren, Architekten, Fotografen, Journalisten, Maler – sie alle und noch viele weitere Kultur- und Kreativschaffende sind Teil der Kultur- und Kreativwirtschaft. Um diese besondere Branche besser zu verstehen, stellt der Bericht vom BMWi die elf Teilmärkten der Kultur- und Kreativwirtschaft genauer vor. Dabei handelt es sich um:

  • Werbewirtschaft
  • Rundfunkwirtschaft
  • Games-Industrie
  • Designwirtschaft
  • Markt für darstellende Künste
  • Architekturmarkt
  • Buchmarkt
  • Filmwirtschaft
  • Pressemarkt
  • Kunstmarkt
  • Musikwirtschaft

Kultur- und Kreativwirtschaft ist starkes Zugpferd in der Gesamtwirtschaft

Auch wenn der Abwärtstrend bei der Gründungsdynamik seit 2009 selbst vor der Kultur- und Kreativwirtschaft nicht Halt macht, geht sie dennoch mit gutem Beispiel voran. 2012 lag hier die Rate der Unternehmensgründungen bei ca. 6 % und war somit immer noch besser als bei den meisten Vergleichsbranchen. Besonders hervor sticht die Software- und Games-Industrie, deren Gründungstätigkeit bis 2011 weit überdurchschnittlich verlief. Somit führen die Teilmärkte Software- und Games-Industrie sowie Designwirtschaft die Gründungsaktivitäten innerhalb der Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland an.

Brigitte Zypries, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie, sagt zur Bedeutung der Kultur- und Kreativwirtschaft:

Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist für uns ein wichtiger Markt. Gerade der deutliche Beschäftigungszuwachs, den der Bericht zeigt, unterstreicht die starke volkswirtschaftliche Bedeutung der Branche.

Insgesamt über 1 Mio. Erwerbstätige erwirtschafteten 2012 einen Umsatz in Höhe von 143 Milliarden Euro. Davon waren 772.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigt und 247.000 Unternehmen. Und auch der Beitrag der Kultur- und Kreativwirtschaft zur Bruttowertschöpfung in Deutschland ist beachtlich. Er betrug laut BMWi im Jahr 2012 geschätzt rund 63 Milliarden Euro. Dies waren rund 2,4 %. Damit war ihr Anteil zwar noch geringer im Vergleich zum Maschinenbau und zur Automobilbranche, dafür aber höher als der Bruttowertschöpfungsanteil der Chemischen Industrie. Somit steht die Kultur- und Kreativwirtschaft anderen Branchen in nichts nach. Dies bestätigen auch die Zahlen aus den Jahren zuvor. Bereits seit 2008 liegt der Beitrag zur Bruttowertschöpfung bei stets über 60 Milliarden Euro.

Beitrag zur gesamten Bruttowertschöpfung 2008 bis 2011

Bruttowertschöpfung in der Kultur- und Kreativwirtschaft
Bruttowertschöpfung in der Kultur- und Kreativwirtschaft (Quelle: Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, Destatis, 2013; Berechnungen des Monitoring zu ausgewählten wirtschaftlichen Eckdaten der Kultur- und Kreativwirtschaft 2012)

Kultur- und Kreativwirtschaft muss weiter gefördert werden

Im April 2014 trafen sich zahlreiche Akteure, Verbände und Institutionen der Kultur- und Kreativwirtschaft im Bundeswirtschaftsministerium. Hier wurde die Absicht der Bundesregierung bekräftigt, die Kultur- und Kreativwirtschaft stärker zu unterstützen. Für das aktuelle Jahr sind somit unter anderem eine Jahreskonferenz, eine erneute Runde beim Gründerwettbewerb Kultur- und Kreativpiloten sowie die Verleihung des Wirtschaftsfilmpreises und des Designpreises der Bundesrepublik Deutschland geplant. Staatssekretärin Zypries dazu:

Die Initiative der Bundesregierung zur Kultur- und Kreativwirtschaft ist ein Erfolgsmodell. Es ist in den vergangenen Jahren gelungen, die Branche sichtbarer zu machen und die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.

  • Den vollständigen „Monitoringbericht zu ausgewählten wirtschaftlichen Eckdaten der Kultur- und Kreativwirtschaft 2012″ können Sie hier als PDF herunterladen.

Weitere Informationen zur Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland und spannende Angebote für Kulturschaffende, wie den Gründerwettbewerb Kultur- und Kreativpiloten, finde Sie auf Für-Gründer.de.