Ist deine nächste Gucci-Tasche vielleicht aus Gelatine?



Lange schon wissen wir um die Endlichkeit der Ressourcen und darum, dass wir sehr schmutzige Spuren auf unserem Planeten hinterlassen. Aus diesem Grund befassen sich nicht erst seit ‚Fridays for Future‘ und neu aufgelegten Klimaschutzgesetzen verschiedene Firmen mit dem Thema Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft. Einige der innovativsten Start-ups präsentierten sich am 17. Oktober der Jury des Green Alley Awards.

Gerade in der Start-up-Szene ist es schon seit geraumer Zeit Thema; viele legen inzwischen sogar ihr Hauptaugenmerk darauf. Die folgenden vier europäischen Start-ups haben sich Umweltschutz und die Vermeidung von Müll auf die Fahne geschrieben und gehen mit großen Schritten voran.

Green Alley Award
Beim Green Alley Award werden seit mehreren Jahren innovative Geschäftsideen aus der Kreislaufwirtschaft prämiert.

Venvirotech aus Spanien ist ein Biotechnologie-Start-up, das sich der Umwandlung von organischen Abfällen in Polyhydroxyalkanoat- oder PHA-Biokunststoffe widmet. Diese werden von Bakterien produziert und sind in der Umwelt biologisch abbaubar und für den menschlichen Körper verträglich. Venvirotech hat eine eigene Technologie entwickelt, die dort installiert werden kann, wo die Abfälle anfallen: Der Transformationsprozess findet in einem Container direkt auf dem Unternehmensgelände des Kunden statt. Das so produzierte Bioplastik kann dann für Verpackungen, Klebstoffe, in der Biomedizin oder für den 3D Druck eingesetzt werden.

Das deutsche Start-up RMF Tech hat eine Recycling-Technologie zur Gewinnung des Technologiemetalls Indium entwickelt. Indium wird zur Herstellung von Displays, LEDs und bei Photovoltaik-Anlagen benötigt und kann mit RMF-Techs patentiertem Herstellungsverfahren aus Abfallstoffen und Nebenprodukten extrahiert werden. Das spart natürliche Ressourcen und schont somit die Umwelt. Das Verfahren lässt sich inzwischen auch auf das Extrahieren andere Metalle anwenden.

Mit 100 Milliarden Paketen weltweit und 20 Prozent Wachstum pro Jahr gehört der E-Commerce zu den am schnellsten wachsenden Sektoren weltweit; genauso schnell wächst aber auch der damit verbundene Verpackungsmüll. Diesem will LivingPackets aus Frankreich an den Kragen. Mit einzigartigen Services auf Pay-per-Use-Basis haben sie gerade mit ‚The Box‘ eine nachhaltige Verpackungslösung für den Onlinehandel – und damit das Packaging als Service neu erfunden. Die Alternative zu Einwegkartons kann bis zu 1000 Mal wiederverwendet werden und hat eine eingebaute Kamera und Waage zur automatischen Portoberechnung. Durch die dazugehörige App kann die Sendung verfolgt werden und Nutzer können eine individuelle Abholzeit vereinbaren. ‚The Box‘ zirkuliert für immer und vermeidet so Verpackungsabfälle und 90 Prozent der CO2-Emissionen. Außerdem werden giftige Füllstoffe, die unsere Umwelt belasten, eliminiert.

Das estnische Start-up Gelatex Technologies hat eine umweltfreundliche Alternative zu Leder entwickelt. ‚Gelatex‘ wird aus Gelatine zweiter Wahl, einem Abfallprodukt der Fleisch- und Lederindustrie, hergestellt und ist organisch und daher biologisch abbaubar. Das Material wird ohne Giftstoffe produziert und kostet in der Herstellung nur halb so viel wie Leder. Materialstärke und Textur können individuell angepasst werden, sodass sich Gelatex sowohl für die Textil- als auch für die Automobilindustrie eignet. Mit diesem Produkt sind Gelatex Technologies die ersten auf dem Markt und haben damit, in einem Pitch unter sechs Finalisten, den diesjährigen Green Alley Award der Landbell Group abgesahnt. Der Green Alley Award ist der erste Start-up-Preis für Kreislaufwirtschaft in Europa und mit 25.000 Euro dotiert.

Ein kleiner Schritt für uns…

Am Ende bleibt noch zu hoffen, dass viele andere diesen vier Beispielen folgen, um dann später vielleicht selbst sagen zu können: Es war nur ein kleiner Schritt für uns, aber ein ganz großer und wichtiger für die Menschheit.

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