Berliner IKT-Kongress: Preisträger und PR-Tipps



Das Bundeswirtschaftsministerium prämierte in der vergangenen Woche die IKT-Gründungen des Jahres 2015. Verliehen wurden die mit insgesamt 100.000 Euro dotierten Preise beim Kongress Junge IKT-Wirtschaft in Berlin. Das jährlich stattfindende Event ist Gründerkongress und Messe zugleich und bietet neben der Preisverleihung Panels, Keynotes und viele Möglichkeiten, um neue Kontakte in der IKT-Branche zu knüpfen. Aber auch, wer nicht im Technologiebereich gegründet hat, konnte auf der Konferenz noch etwas lernen – zum Beispiel, welche PR-Fehler zu vermeiden sind.

Am vergangenen Donnerstag wurden in Berlin die besten IKT-Gründungen des Jahres 2015 geehrt. Dies geschah im Rahmen des Kongresses „Junge IKT-Wirtschaft: Gründen – Investieren – Wachsen”. Mit dieser Veranstaltung stellte das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) abermals einen Ort zur Vernetzung und zum Austausch innerhalb der IKT-Wirtschaft zur Verfügung. Aber auch der Blick von außen in die komplexe Welt der Informations- und Kommunikationstechnologie soll mit dem Kongress ermöglicht werden und die Verständigung zwischen den Welten erleichtern.

IKT at its best: Preisträger der Auszeichnung „IKT-Gründung des Jahres 2015″

Die Auszeichnung „IKT-Gründung des Jahres” wird nur alle zwei Jahre vergeben und ehrt junge Unternehmen, die sich im Rahmen des EXIST-Gründerstipendiums, des Gründerwettbewerbs IKT Innovativ oder beim High-Tech Gründerfonds besonders hervorgetan haben. Da dies sicherlich auf eine ganze Reihe an deutschen IKT-Start-ups zutrifft, musste ein Unternehmen, das für den Preis der „IKT-Gründung des Jahres” infrage kommt, zudem einen Umsatz von mindestens 100.000 Euro in den vergangenen zwölf Monaten erwirtschaftet haben.

Kongress Junge IKT-Wirtschaft 2015
Der Kongress Junge IKT-Wirtschaft 2015 fand in Berlin am Frankfurter Tor statt

Gold für Zertisa: Android-Software für Unternehmen

Den ersten Platz konnte sich das Münchner Unternehmen Zertisa sichern. Geboten wird eine Android-Software-Management-Plattform für Hardwarehersteller, Telekommunikationsunternehmen und große Firmen. Jene Zielkunden können mit Zertisa die Nutzeroberfläche und diverse Inhalte ihrer Android-Smartphones und -Tablets personalisieren und verwalten. Konkret geht es um Hintergrundbilder, Apps, Animationen und Klingeltöne, die dem Gerät flexibel hinzugefügt werden können.

Mit Zertisa werden so die Endgeräte erstmals erst zum Zeitpunkt der Geräteaktivierung beim Endkunden konfiguriert und nicht schon bei der Produktion. Entwickelte Endgeräte für den Konsumentenmarkt können auf diese Weise individuell auf die Bedürfnisse des Geschäftskundenmarktes angepasst werden, ohne dass die Sicherheit, die Marke oder die Effizienz eingebüßt wird.

Silber für VMRay: Tool zur Erkennung von Schadsoftware

Über den zweiten Platz kann sich die Sicherheitssoftware VMRay des gleichnamigen Unternehmens aus Bochum freuen. Das Analyseprogramm hat die Aufgabe, spezialisierte Schadsoftware zu entdecken, die sich in das System einnisten und vor herkömmlicher Schutzsoftware verstecken kann.

Modernste Technologien machen es der Software VMRay möglich, verdächtiges und vor allem schadhaftes Verhalten im System schnell und mit hoher Genauigkeit zu identifizieren und zu melden. Zur Hauptzielgruppe gehören natürlich insbesondere IT-Sicherheitsunternehmen und Sicherheitsabteilungen in Großunternehmen, die regelmäßig gezielte IT-Angriffe abwehren müssen.

Die besten IKT-Gründungen des Jahres 2015
Die besten IKT-Gründungen des Jahres 2015 kommen von Zertisa (1.Platz), VMRay (2.Platz), Comnovo und Sopat (beide 3. Platz)

Bronze für Comnovo: Sicherheitsfunksystem für Baustellen und Rangierhöfe

Den dritten Platz teilen sich zwei Unternehmen. Eines davon ist Comnovo aus Dortmund. Das Funksystem D2SENSE erhöht die Arbeitssicherheit beim Einsatz von Maschinen und Fahrzeugen auf Baustellen und Rangierhöfen oder in der Landwirtschaft. Die in den Fahrzeugen installierte Warneinheit KEEPER alarmiert den Maschinenführer akustisch und per LED-Anzeige, sobald sich Personen mit dem Tragegerät BEEPER im Gefahrenbereich der Baumaschine aufhalten. Je kürzer die Entfernung, desto dringlicher die Warnung. Das D2SENSE-System von Comnovo bietet zudem eine 360°-Absicherung, die dank der Funkausbreitung auch Personen hinter Hindernissen erkennt.

Bronze für Sopat: Technologie zur Stoffpartikelerfassung i Fertigungsprozess

Das zweite Unternehmen auf dem dritten Platz ist Sopat aus Berlin. Der Name der Technologie steht für die „Smart Online Particle Analysis Technology”. Sie ermöglicht Unternehmen aus Chemie, Pharmazie, Lebensmittel- und Kosmetikindustrie, automatisch die Verteilung und die Größe der verschiedenen Stoffpartikel in ihren Fertigungsprozessen zu erfassen. Das können Pigmente im Lack, Blasen in der Schlagsahne oder Partikel in der Zahnpasta sein. So kann mit Sopat die Fertigung präzise und in Echtzeit gesteuert werden.

INVEST-Zuschuss für das 1.000ste Start-up

Der Kongress wurde auch zum Anlass genommen, den 1.000sten Zuwendungsbescheid für den im Mai 2013 gestarteten INVEST-Zuschuss für Wagniskapital zu überreichen. Die gerahmte Urkunde erhielt Dr. Ekkehard Stadie für seine Investition in das Unternehmen Caremondo aus München. Das Start-up betreibt eine Internetplattform für Gesundheitsleistungen, auf der Informationen über verschiedene Kliniken, Ärzte und Behandlungsangebote zur Verfügung gestellt werden.

Austausch, Best Practices und Tipps für Gründer

Auf der begleitenden Messe zur Gründerkonferenz präsentierten sich junge IKT-Unternehmen und standen den Investoren und Pressevertretern Rede und Antwort. In Diskussionsrunden und Keynotes beschäftigten sich die rund 400 angemeldeten Besucher mit aktuellen Fragen der deutschen IKT-Wirtschaft, beleuchteten die Situation von Gründerinnen in der IT-Branche, erklärten, wie man Mitarbeiter gewinnt und bindet, und lernten den Weg zur Internationalisierung kennen.

Kongress Junge IKT-Wirtschaft 2015 Messebereich
Messebereich der Gründerkonferenz

Auch die Öffentlichkeitsarbeit wurde von Journalisten in einem Panel zum Thema gemacht. Dabei fühlten sie den guten und weniger guten PR-Strategien mancher Start-ups auf den Zahn. Wir haben einige Tipps für eine gute Öffentlichkeitsarbeit und Hinweise, wie man es besser nicht macht, für Sie zusammengetragen.

Die Do’s and Don’ts der Öffentlichkeitsarbeit

Was muss ein Gründer tun, um die Aufmerksamkeit der Medien auf sich zu ziehen und was macht gute Kommunikationsarbeit aus? Um die Beantwortung dieser und weiterer interessanter Fragen bemühten sich die Journalisten Alex Hofmann von Gründerszene, Judith Horchert von Spiegel Online und Simon Frost vom Tagesspiegel zusammen mit Herausgeber Jan Thomas von the Hundert und Why Berlin? und PR-Profi Dominic Walch von uberMetrics Technologie. Geführt wurde die aufschlussreiche Podiumsdiskussion vom Freien Journalist Michael Pöppl (u.a. Tagesspiegel, Stadtmagazin zitty) sowie dem EXIST-Öffentlichkeitsbeauftragten Stefan Kausch (PtJ).

Die gute Nachricht ist, jeder Teilnehmer kann klare Tipps geben. Die schlechte Nachricht lautet, man ist sich nicht immer einig. Die Quintessenz aus allen Meinungen folgt dem Motto: Es kommt darauf an! Darauf, zu welchem Medium man passt. Darauf, an welches Ressort man sich wendet. Auf den Nachrichtenwert, die Form und auch auf die Anrede.

Panel auf dem Kongress Junge IKT-Wirtschaft 2015
Panel zur Öffentlichkeitssarbeit mit (vlnr): Jan Thomas von the Hundert und Why Berlin?, Alex Hofmann von Gründerszene und Judith Horchert von Spiegel Online. Außerdem: Dominic Walch von uberMetrics Technologie, Simon Frost vom Tagesspiegel, Michael Pöppl vom Tagesspiegel Berliner Köpfe und Stefan Kausch von PtJ (alle nicht im Bild)

Wer beispielsweise den Tagesspiegel-Wirtschaftsredakteur Simon Frost für sich begeistern möchte, sollte sich bei der Vorstellung der Geschäftsidee auf das Originelle konzentrieren. Gründer, die versuchen, mit der Skalierbarkeit zu punkten und beteuern, dass das Geschäftsmodell auch prima in Amerika Anwendung finden könne, sind beim Tagesspiegel möglicherweise falsch. Denn die breite Leserschaft der Berliner Tageszeitung könne mit solchen Informationen zumeist kaum etwas anfangen.

Da der Redakteur am Tag zwischen 50 und 100 Mails empfängt, reicht es oftmals trotzdem nicht aus, eine originelle Geschäftsidee zu haben. Der Inhalt muss fesselnd sein. Er empfiehlt, dass Gründer im Nachgang an die E-Mail bei ihm anrufen sollten, um die Chancen zu erhöhen, von ihm bemerkt zu werden.

Spiegel Online-Redakteurin Judith Horchert nickt mit dem Kopf bei Frosts Erwähnung darüber, wie viele Mails ihn am Tag erreichen. Auch Horchert empfängt Hunderte Nachrichten im Posteingang ihres E-Mail-Accounts. Ihre Auswahlkriterien scheinen daher noch ein wenig strenger zu sein. Somit ist die Unternehmensgründung an sich, der Sieg bei einem Gründerwettbewerb, die Fertigstellung eines neuen Produkts oder der Launch einer App keine Meldung für die große Leserschaft von Spiegel Online. Ihr persönlicher Tipp ist, dass Gründer das aktuelle Tagesgeschehen verfolgen sollten und sofort reagieren, wenn etwas passiert, das zur eigenen Geschäftsidee passt. Als Beispiel führt sie auf:

Als WhatsApp von Facebook gekauft wurde, erhielten wir von Threema, einem Schweizer Start-up mit einem verschlüsselten Nachrichtendienst, sofort eine Mitteilung zum Thema.

In Momenten, wo solche Nachrichten sowieso diskutiert werden, können Start-ups ihre Chance nutzen und sich ins Gespräch bringen, um eventuell für ein Statement infrage zu kommen. Fernab von jeglicher aktuellen Relevanz ist es bedeutend schwerer, bei Spiegel Online einen Bericht über seine Geschäftsidee lesen zu können.

Bei Gründerszene stehen die Sterne für Start-ups günstiger. Alex Hofmann ist stellvertretender Chefredakteur des Onlinemagazins und thematisch empfänglicher für die gängigen Gründerthemen, aber deshalb natürlich nicht unbedingt leichter zu erreichen. Wichtig ist, auch hier berichtet man nicht über Features. Um auf Gründerszene zu erscheinen, muss man mehr über sich erzählen: Die Gründergeschichte, Strategien, und Pläne zur Entwicklung sind die Themen.

Gefragt nach den Fehlern, die man vermeiden sollte, macht er deutlich, dass er nicht gern angerufen werden möchte, wenn es einfach nur darum geht, dass eine PR-Agentur nachfragt, ob die Pressemitteilung denn auch angekommen sei. Seine Antwort auf solche Anrufe fällt eindeutig aus:

Wenn die E-Mail nicht angekommen ist, bekommt man eine Fehlermeldung! Eine Nachfrage erübrigt sich also.

Ein weiterer Tipp richtet sich an die Kommunikation von Zahlen. Hofmann fordert Ehrlichkeit und Transparenz.

Eine Finanzierung über 150.000 Euro sollte man nicht als einen mittleren sechsstelligen Betrag kommunizieren.

Der Grund: Wenn Journalisten nicht den tatsächlichen Wert der Finanzierung erfahren können, verpufft auch der Nachrichtenwert. Schwammige Formulierungen haben in der Presse keinen Platz, weil sie keine Information liefern.

Aber in einem Punkt sind sich alle einig: Die PR-Agentur ist nicht für jede Nachricht die beste Wahl. Denn leider machen einige PR-Agentur genau die Fehler, die ein Start-up zu vermeiden versucht, wenn es eine Agentur mit der Öffentlichkeitsarbeit beauftragt. Unpersönliche Massen-E-Mails, die in ihrem Aussehen und Umfang abschrecken, werden häufig ungelesen gelöscht – oder getwittert, wenn es ganz hart kommt. Denn als Frau mit „Herr” oder „Bitte Name einfügen” angeschrieben zu werden, führt bei Spiegel Online zu einem eher unfreiwilligen Ruhm. Hier erlaubt man sich stets den Spaß, die falsche Anrede, zu twittern.

Weitere Informationen zum Gründerwettbewerb IKT Innovativ sowie einen umfangreichen Themenbereich rund um die Pressearbeit finden Sie auf Für-Gründer.de.

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