Die Dos and Don’ts der Körpersprache



Der Körper spricht – ständig, unaufhaltsam und meist unbewusst. Wir zeigen, warum Körpersprache so wichtig ist und wie ihr sie im Büro und in virtuellen Meetings gekonnt einsetzt. 


Inhaltsverzeichnis


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Auch wenn keines der Teammitglieder in dem Moment spricht, drücken sie mit ihrer Körpersprache viel aus. (Bild: Unsplash)

Warum ist die Körpersprache so wichtig?

Zu der Körpersprache zählen Körperhaltung, Mimik, Gestik und auch die Stimme.

Dass obendrein Kleider Leute machen, ist schon lange bekannt und auch diese unterstreicht die Körpersprache.

Ob bei (Kunden-)Meetings oder in der Kaffeeküche, bei virtuellen Meetings oder Bewerbungsgesprächen – neben dem Gesagten wird bewusst und unbewusst wahrgenommen, wie der Gesamteindruck ist.

Körpersprache-Experte Stefan Verra sagte uns hierzu:

Im Gegensatz zu Worten, die konkrete Informationen geben, erzeugt Körpersprache die Wirkung. Selbstbewusstsein und Sympathie können also nie „gesagt“ werden. Sie muss gefühlt werden – eben über die Körpersprache.

Als Gründer alleine ist die unbewusste Körpersprache, die nonverbale Kommunikation vielleicht noch nicht ganz so wichtig, bei zunehmenden Kundenmeetings und beim Einstellen von Mitarbeitern wird sie jedoch immer wichtiger.

Was sagt die Körpersprache aus?

Der Business-Anzug sitzt, das Kundenmeeting ist bestens vorbereitet, die Tür geht schwungvoll auf oder die Entscheider sitzen bereits am Tisch: Die Begrüßung und der Small Talk können noch so gekonnt sein, das Entscheidende ist, wie das Gegenüber auf die wichtigen Inhalte reagieren wird:

  • Bleibt er eisern in der Miene oder entgleitet ihm der Gesichtsausdruck?
  • Zieht er die Augenbraue hoch?
  • Schaut er offen und interessiert während der Präsentation?

Auch wenn die Miene neutral und professionell wirkt, können kleine Zeichen das Wohlbefinden, die Gefühle, die Anspannung, Aufgeregtheit oder Ablehnung ausdrücken.

Das gleiche gilt für interne Meetings und die eigene Körpersprache:

  • Wie reagieren Kollegen und Mitarbeiter auf das Gesagte?
  • Warum entstehen gewisse Missstimmungen, obwohl die Inhalte klar und freundlich dargelegt wurden?

Immer geht es um die Frage:

Warum werden meine Botschaften nicht richtig verstanden oder anders wahrgenommen, als ich es beabsichtigt habe?

Um das herauszufinden, solltet ihr vor dem Spiegel sprechen, Freunde und Familie fragen, wie ihr bei gewissen Themen wirkt und welcher Tonfall herrscht, wenn ich etwas durchsetzen oder bestimmen möchtet. Auch Fotos – insbesondere wenn ihr unbemerkt aufgenommen wurdet – verraten viel über die eigene Wirkung.

Solange noch viele Meetings und Kundengespräche digital verlaufen, ist es wichtig, auch seine Körpersprache bei Online-Meetings zu analysieren.

Körpersprache: Dos and Don’ts

  • Arme verschränken: Wirkt skeptisch und ablehnend, auch wenn es für manche eine bequeme Sitz- oder Stehposition bedeutet.
  • Zurücklehnen und Arme hinter dem Kopf verschränken: Wirkt zwar entspannt, aber es bedeutet, dass derjenige mehr Raum in Anspruch nimmt, sich breit macht. Das wird auch als Dominanz wahrgenommen. Andererseits öffnet sich derjenige in seiner Körperhaltung, zeigt seinen Brustkorb und die Innenseiten seiner Arme – er scheint sich wohl und sicher zu fühlen und vermutet, dass keine Gefahr vom Gegenüber ausgeht.
  • Augen: Die Augen lassen oft tief blicken. Wer leuchtende Augen hat, scheint begeistert zu sein. Wer starrt oder sie zusammenkneift, wirkt unaufmerksam oder unzufrieden.
  • Augenbrauen hochziehen: Sicherlich schwer zu kontrollieren, aber es könnte als ein skeptisches “Wirklich?” interpretiert werden.
  • Augenbrauen zusammenziehen: Dadurch entsteht leicht ein grimmiger Blick. Das könnte das Gegenüber verunsichern.
  • Blickkontakt: Anhand des Blicks kann vieles abgelesen werden. Nimmt jemand den Blickkontakt auf und hält ihn, zeigt derjenige Interesse. Wer dem Blick ausweicht, dem ist es unangenehm, der ist zurückhaltend oder gar desinteressiert. Wer finster dreinschaut, sorgt für Unsicherheit beim Gegenüber. Ein offenes Gespräch kann dadurch verhindert werden.
  • Distanz: Für ein sachliches Gespräch ist etwas Distanz in Ordnung. Zu viel Distanz kann aber dazu führen, dass sich der Mitarbeiter auch nicht öffnet.
  • Haare spielen, Kugelschreiber klicken, Gegenstände in der Hand: Nervosität oder innere Unruhe können dadurch sichtbar werden. Falls ihr etwas zum “Festhalten” braucht, nehmt einen Stift in die Hand, aber ohne damit zu spielen.
  • Handbewegungen: Wer seine Worte mit Gesten und Handbewegungen untermalt, kann dem Gesagten besonderen Ausdruck verleihen. Wer herumfuchtelt oder zu wild gestikuliert, lenkt eher von dem Gesagten ab und verwirrt schlimmstenfalls.
  • Hände in den Hosentaschen: Auch diese bequeme Art kann negativ gedeutet werden. Wer in Gesprächen die Hände versteckt oder gar eine Faust ballt, wirkt nervös, geladen, unzufrieden, misstrauisch und unnahbar.
  • Handflächen: Wer seine Handflächen zeigt, hat eine offene Körpersprache. Die Gesten können einladend, aufnehmend, fördernd und positiv durch Aufwärtsbewegung wirken. Bei verdeckten Handflächen oder gar mit Abwärtsbewegung wirkt es je nach Situation negativer, abwertend oder aber beruhigend und für Ruhe sorgend. Auf die Situation kommt es an.
  • Händedruck: Dieser verrät einiges. Ist er zu stark, zu schwach oder angenehm fest?
  • Hände hinter dem Rücken: Wirkt zurückhaltend, ein wenig distanziert, aber auch, dass man erst einmal Infos aufnehmen möchte.
  • Kopf schräg halten: Wer seinen Kopf etwas zur Seite neigt, signalisiert Zugewandtheit und Aufmerksamkeit.
  • Sich kratzen, an die Nase/ans Ohrläppchen fassen: Vielleicht juckt einfach nur der blöde Mückenstich oder die Nase aufgrund von Heuschnupfen. Aber das Kratzen kann auch Nervosität oder gar Ungläubigkeit bedeuten. Schaut mal, ob ihr euch ständig an die Nase fasst oder wirklich nur, wenn es juckt.
  • Nicken: Für das Gegenüber ist es angenehm, nicht nur in starre Gesichter zu schauen. Stimmt ihr dem Gesagten zu oder wollt zeigen, dass ihr das Gespräch aufmerksam verfolgt, könnt ihr ruhig mal nicken.
  • Oberkörper: Wer sich interessiert und somit auch sympathisch zeigt, hat eine Sitzhaltung mit leicht vorgebeugtem Oberkörper. Wer sich indes nach hinten lehnt und die Arme hinter den Kopf verschränkt, wirkt zwar entspannt, aber vielleicht auch so, dass er die Sache nicht so ernst nimmt. Verändert jemand ununterbrochen seine Körperhaltung, deutet es auf Unwohlsein und Nervosität hin. Wer gebeugt mit gesenktem Kopf sitzt, duckt sich weg und wäre am liebsten nicht anwesend.
  • Mit den Fingern auf den Tisch trommeln/klopfen: Meist ein Impuls, doch durch die Geräusche wird diese Gestik auch schnell vom Gegenüber bemerkt. Meistens wirkt es nervös oder ungeduldig. Besser vermeiden.
  • Stirnrunzeln: Wer die Stirn runzelt, um sich besser zu konzentrieren, kann signalisieren, dass er das Gesagte anzweifelt.
  • Mit dem Fuß wippen: Wer mit dem Fuß wippt, wirkt etwas unruhig. Sitzt ihr an einem Tisch, fällt es womöglich nicht auf und ist immer noch besser, als mit den Händen zum Ausgleich zu zappeln. Aber stellt lieber die Füße auf den Boden, das gibt auch mehr Standhaftigkeit.
Körpersprache Lachen
Es darf auch gelacht werden: Die Körpersprache muss beruflich natürlich professionell sein, aber wer zwischendurch lacht, lockert das Gespräch auf und sorgt für positive Stimmung. (Bild: Severin Schweiger)

Tipp für virtuelle Meetings: Online ist es besonders schwierig, mit Körpersprache zu überzeugen. Achtet daher besonders auf die Kameraeinstellung. Nutzt das Querformat und zeigt mehr als nur euren Kopf und Hals. Sieht man den halben Oberkörper, könnt ihr eine offene Körperhaltung einnehmen. Schaut, ob eure Gestik zu sehen ist, wenn ihr sprecht und die Arme bewegt. So lässt sich Gesagtes untermalen und durch die Aktivität eure Teammitglieder auch online animieren.

Und noch ein Tipp vom Körpersprache-Experten, der auch online durchzuführen ist:

Konzentrier dich auf eine einzige Kleinigkeit. Zum Beispiel die Augenbrauen. Heb Sie jedes Mal, wenn du einen Menschen begrüßt, erst damit wirkt eine Begrüßung offen und selbstbewusst. Damit hast du schon enorm viel erreicht.

Was möchte ich ausdrücken?

Wenn ihr euren Ist-Stand kennt, dann solltet ihr euch fragen: Wie möchtet ihr wirken?

  • Kompetent: Stellt ihr eure Geschäftsidee oder ein neues Produkt vor, ist ein kompetenter Auftritt wichtig. Die Körpersprache kann diesen unterstreichen und die Aussagen verstärken. Es bringt wenig, wenn das Gesagte zwar einleuchtend ist, der Sprechende sich aber nervös, unsicher oder übertrieben selbstbewusst zeigt.
  • Authentisch: Um authentisch zu wirken, müssen das Gesagte, die Gestik und Mimik und vor allem das anschließende Handeln zusammenpassen, ansonsten wirkt es unglaubwürdig. Nach vorgegebenen Werten und Überzeugungen sollte auch gehandelt werden.
  • Sympathisch: Wer sich seinem Gegenüber offen zeigt, sich ihm zuwendet und ein Lächeln auf den Lippen hat, wirkt sympathisch. Durch Aufgeschlossenheit können tägliche Meetings mit vielen Fakten angenehmer, freundlicher und wertschätzender ablaufen.
  • Hierarchisch: Müssen Entscheidungen schnell getroffen werden, stehen diese und sind die Wege vorgegeben, dann kann ein hierarchisches Wirken und Vorgehen schneller zu den gewünschten Ergebnissen führen – respektvoller Umgang vorausgesetzt.

Je nach Situation und Ziel des Gespräches könnt ihr euer Wirken auf die Situation anpassen – abhängig davon, was ihr mit eurem Team oder den Kunden besprechen möchtet. Klärt für euch vorab: Wollt ihr zur Diskussion einladen oder schnelle Entscheidungen treffen? Wie ihr souverän wirkt, verrät Körpersprache-Experte Stefan Verra:

Indem ihr von einer besonders entspannten, lockeren Haltung zu einer aufrechten, stabilen Körpersprache wechselt. Erst der Wechsel lässt einen souverän wirken.

Und auch von eurem Gegenüber könnt ihr viel lernen:

Beobachtet die Körpersprache der Mitmenschen und lasst euch nicht von: „Sehr interessant, was Sie da sagen“, blenden. Körpersprachliche Hinweise lassen da schon tiefer blicken. Einer ist das Distanzverhalten. Je näher die Menschen kommen, desto besser ist das Verhältnis.

Körpersprache verschränkte Arme
Achtet darauf, welche Haltung ihr einnehmt und wie diese interpretiert werden kann. Körpersprache-Experte Stefan Verra zeigt Distanz. (Bild: Severin Schweiger)

Wenn der Chef kommt…

Mitarbeiter sind oft sehr sensibel und beobachten, wie sich der Chef annähert. Sie merken, oft unterschwellig, wenn das Gesagte nicht mit den Gesten übereinstimmt. Dann beginnt bei vielen das Kopfkino, Unsicherheiten entstehen, da womöglich etwas nicht stimmt und die Mitarbeiter werden zurückhaltender. Um solchen Unstimmigkeiten und Missverständnissen vorzubeugen, helfen folgende Tipps:

  • Startet offen und freundlich in ein Gespräch oder Meeting, egal, was euch vorher geärgert hat.
  • Wenn Unruhe herrscht, sorgt für Ruhe, indem ihr selbige in euch bewahrt und nicht lospoltert.
  • Führt die Gespräche auf Augenhöhe.
  • Achtet auf eine angenehme Sitzordnung im Meeting: Ein gleichmäßig um den Tisch verteiltes Sitzen ist angenehmer als ein klares Gegenüber wie im Vorstellungsgespräch (außer, es ist eines).
  • Wollt ihr bilateral mit einem Mitarbeiter sprechen, geht auf ihn zu und bleibt nicht vor der Bürotür stehen.

Fazit: So nutzt ihr die Körpersprache

Besonders in der Führungsrolle und passend zum Führungsstil sollten Mimik, Gestik und Stimme passen. In der Vorreiterrolle werden klare Aussagen und Gesten erwartet, in schwierigen Situationen aber auch Empathie, Verständnis und lösungsorientiertes Denken. Stefan Verra sagte dazu:

Grundsätzlich ist Vielfalt wichtig. Die Person mit der größten Vielfalt kommt bei mehr Menschen gut an. Ein simples „Lächle mehr“ oder „Steh aufrecht da“ ist da zu wenig und ist eher die Küchenpsychologie der Körpersprache.

Werden die Vorgaben und Wünsche seitens der Führungskräfte klar verständlich und auf sympathische Art und Weise vermittelt und die Mitarbeiter oder Kunden auf Augenhöhe angesprochen, spiegelt sich das in den Arbeitsergebnisse und Erfolgen wider.

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