Der erste Deutsche Social Entrepreneurship Monitor (DSEM): Fünf Fakten



Soziale Neuerungen vonseiten bestehender Institutionen finden meist sehr langsam statt. Social Start-ups können deshalb einen entscheidenden Anteil an der Lösung gesellschaftlicher Probleme haben. Gerade ist der erste Deutsche Social Entrepreneurship Monitor (DSEM) erschienen. Wir stellen euch fünf Fakten zu Deutschlands sozialen Gründern vor.

Der erste Deutschen Social Entrepreneurship Monitor hilft, sich die Ist-Situation für Social Start-ups deutlich zu machen und spricht eine Handlungsempfehlung für die scharf kritisierte Politik aus. Am 13. Dezember veröffentlichte das Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland e.V. (SEND) den ersten DSEM, der in Zusammenarbeit mit der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg erstellt und durch SAP SE unterstützt wurde. Künftig soll der DSEM jährlich erscheinen.

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2018 erscheint der Deutsche Social Entrpreneurship Monitor zum ersten Mal. Hier zu sehen sind die Mitglieder von SEND. (Foto: SEND)

Der DSEM: Fünf Fakten zu Deutschlands sozialen Gründern

In dem über achtzig Seiten umfassenden DSEM werden unter anderem die Herkunft, Art und Organisation sowie die politische Unterstützung der sozialen Start-ups untersucht.

#1 Standort

Der Großteil der Social Start-ups (22%) gibt an, den Hauptsitz in Berlin zu haben. Am zweitstärksten vertreten sind soziale Gründungen in Hessen (19%). Danach folgen Bayern (15,4%), Nordrhein-Westfahlen (9,4%) und Baden-Württemberg (8,5%).

  • Auffällig ist, dass Hessen der zweitgrößte Standort ist, wurde doch die Landesregierung in der Vergangenheit als besonders gründerunfreundlich bewertet. Außerdem wird die Region im Regelfall eher mit FinTechs in Zusammenhang gebracht, was nicht zuletzt auf den Standort Frankfurt mit seiner ausgeprägten Banken- und Finanzszene zurückzuführen ist.
  • Außerdem ist Hamburg als Standort im direkten Vergleich zu den insgesamten Gründungen deutlich unterrepräsentiert. Nur knapp über fünf Prozent der Social Start-ups geben an, ihren Hauptsitz in der Hansestadt zu haben, der prozentuale Anteil der Start-ups insgesamt liegt um einiges darüber (7,2%).

#2 Rechtsformen

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Definition Sozialunternehmen (Foto: SEND)

Social Entrepreneurship bedeutet nicht gleich Gemeinnützigkeit. So besteht der mit Abstand größte Teil der im DSEM aufgeführten sozialen Start-ups aus GmbHs. Erst an dritter und vierter Stelle stehen die Rechtsformen e.V. und gGmbH, die gUG steht gar an Platz sieben. Die Wahl der passenden Rechtsform wird hier außerdem als besonders problematisch wahrgenommen.

46,1% der DSEM-Teilnehmenden sehen das Fehlen einer passenden Rechtsform als wesentliche Hürde. – DSEM

#3 Finanzierung

Eine große Hürde stellt laut Befragung auch die Start- und Anschlussfinanzierung dar. Über 60 Prozent der Befragten nennen dies als Problem. Knapp vierzig Prozent der Gründerinnen und Gründer haben sich zu Beginn durch eigene Ersparnisse finanziert, berücksichtigt man die finanzielle Hilfe von Familie und Freunden, steigert sich diese Zahl sogar auf fünfzig Prozent.

#4 Fempreneur

Der Anteil der Gründerinnen liegt bei Social Start-ups signifikant über dem Durchschnitt der insgesamten deutschen Gründerszene. Im Vergleich: Während sich der Frauenanteil bei sozialen Gründungen auf fünfzig Prozent beläuft, liegt dieser insgesamt bei nur rund fünfzehn Prozent.

  • Außerdem auffällig: Knapp die Hälfte der im DSEM aufgeführten Gründerinnen und Gründer hatten zuvor bereits ein Unternehmen gegründet.

#5 Fehlende Unterstützung aus Politik

Die Unterstützung von Social Entrepreneurship wird sehr negativ wahrgenommen.

54,9% der DSEM-Sozialunternehmen bewerten die Politik hinsichtlich der Förderung am Gründungsstandort mit der Note “Mangelhaft” bzw. “Ungenügend”. – DSEM

Insgesamt erhält die Politik in Sachen Unterstützung und Förderung die Schulnote 4,6 und ist somit zumindest aus Sicht der sozialen Gründerinnen und Gründer selbst katastrophal.

Mehr Informationen zum Deutschen Social Entrepreneurship Monitor findest Du beim Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland e.V. . Wie sich die Start-up-Landschaft in Deutschland generell wandelt, zeigen unsere acht Fakten zum Deutschen Startup Monitor (DSM).