Von wegen keine Alternative: mehr Gründer aus Leidenschaft



Während der KfW Gründungsmonitor 2015 über eine Anstieg der Gründer berichtete, melden die IHKs für 2014 abermals weniger Gründungsinteressierte, zumindest wenn es um die Zahl der in Anspruch genommenen Beratungen bei den IHKs geht. Positiv ist aber, dass es immer mehr Chancen-Gründer gibt, die eine konkrete Geschäftsidee haben, und nicht die Gründung bloß aus Mangel an Erwerbsalternativen in Betracht ziehen. Dies ist ein Ergebnis aus dem aktuellen DIHK-Gründerreport. Wir stellen zentrale Ergebnisse vor.

Grundlage für den Gründerreport sind Erfahrungsberichte der IHK-Gründungsberater aus insgesamt 80 IHKs und statistische Auswertungen zum allgemeinen Gründerservice der IHK. Nahezu 230.000 Unternehmer wurden für den DIHK-Gründerreport 2015 befragt. Der Fokus liegt dabei auf Industrie, Handel und Dienstleistungsbranchen.

DIHK-Gruenderreport 2015
Mit dem DIHK-Gründerreport legt der Deutscher Industrie- und Handelskammertag jährlich eine Einschätzung zum Gründungsgeschehen in Industrie, Handel und Dienstleistung in Deutschland vor (Bildquelle: DIHK-Gründerreport 2015)

Gründungsinteresse weiter gesunken

Die schlechte Nachricht direkt vorweg: Ein historisches Tief sei es, auf das die Zahl der Personen mit Interesse daran, ein Unternehmen in Industrie, Handel oder den Dienstleistungsbranchen zu gründen, im Jahr 2014 gesunken ist.

Mit 227.703 zum Gründungsvorhaben geführten Beratungsgesprächen bei einem IHK-Experten sind es 3 % weniger als im Vorjahr. 2014 ist damit das dritte Jahr in Folge, das seit Start der IHK-Statistik 2002 einen Negativrekord verzeichnet.

Der Abwärtstrend zeichnete sich aber auch schon in den Vorjahren ab. 2013 kamen mit 234.627 Gründungswilligen bereits 7 % weniger Menschen zu einem Beratungsgespräch bei einer IHK als im Jahr 2012.

Immer mehr ergreifen ihre Chance, statt aus Mangel an Alternativen zu gründen

Erfreulich ist, dass im Jahr 2014 fast 10 % mehr Menschen mit einem konkreten Geschäftskonzept gewappnet waren, anstatt nur aufgrund fehlender Anstellungsperspektiven den Weg in die Selbstständigkeit zu gehen. Dies sei bereits der zweite Anstieg in Folge. Damit ist der Anteil derjenigen, die vornehmlich aus Unternehmermotivation gründen wollen, inzwischen auf 64 % gestiegen. Insgesamt erkundigten sich somit 184.548 Personen in einem Erstgespräch bei ihrer IHK zu den grundlegenden Aspekten der unternehmerischen Selbstständigkeit wie die Vorgehensweise bei der Businessplanerstellung, die Suche nach Kapital oder einem passenden Gründercoach.

Dazu gehört auch die Gruppe der wissensintensiven Start-ups, wie etwa aus dem IT-Bereich oder dem Hochschulumfeld. Sie sehen für sich gute Voraussetzungen für den unternehmerischen Erfolg in einer der Gründermetropolregionen mit gut vernetzten Gründungs- und Geschäftspartnern, Universitäts- und Forschungseinrichtungen sowie Kunden.

Somit ist auch der Anteil der IT-Start-ups und Hochschulgründer bei den IHK-Beratungen im Jahr 2014 leicht gestiegen, und zwar um 1,4 % auf 43.155 Teilnehmer. Insgesamt schätzen die IHK-Experten den Anteil der wissensintensiven Start-ups aber auf gerade einmal 7 % ein.

Gründungsinteressierte machen nicht ihre Hausaufgaben

2014 kamen Gründungsinteressierte eher schlecht vorbereitet zum Beratungsgespräch in eine IHK. Der vorherige Jahrgang war noch etwas besser vorbereitet, wenn es darum ging, die Finanzierung zu durchdenken, den Kundennutzen zu analysieren oder die Produktidee zu beschreiben. Die Gründer des Jahres 2014 schnitten in vier von sieben Punkten, die ein Gründer schriftlich in der Beschreibung seines Geschäftskonzepts thematisieren muss, schlechter ab.

So konnten 30 % der Gründungswilligen, die ihrer IHK im Jahr 2014 ein Konzept vorlegten, nicht den Kundennutzen ihrer Geschäftsidee ausreichend erklären (2013: 28 %). Noch größer waren die kaufmännischen Defizite. Ganze 32 % konnten keine ordentliche Preiskalkulation, Kostenrechnung oder Planrechnung vorlegen. Mit einem Anstieg um satte 8 %-Punkte seit dem Vorjahr ist hier die größte Verschlechterung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum festzustellen (2013: 24 %).

Am schlimmsten trifft es jedoch das Herz einer jeden Gründung, die Finanzierung des Start-ups. 2014 fehlte 34 % aller Gründungswilligen ein Plan, wie sie die Gründung finanzieren wollen. Auch 2013 waren es bereits 30 %, die an dieser Stelle nicht weiter wussten.

  • Das Problem: Nur weil die Zinsen derzeit gut seien, mache das die Gründungsfinanzierung zu keinem Selbstläufer. Auch Wagniskapital sitzt in Deutschland immer noch nicht locker und bestätigt nur, dass es hierzulande einfach kein ausreichendes Kapitalangebot für Gründer gibt.

Gleichwohl spricht der DIHK-Gründerreport aber davon, dass die derzeitige Qualität der Gründungsvorbereitung insgesamt trotzdem auf einem besseren Niveau als in den Jahren bis 2012 sei. Um das aktuelle Jahr mit guten Noten abzuschließen, müssen angehende Existenzgründer aber nun unbedingt ihre Hausaufgaben machen und sich wieder stärker mit ihrer Geschäftsidee auseinandersetzen.

Fast jeder Fünfte Gründer mit Migrationshintergrund

Seit 2007 ist der Anteil der Gründungsinteressierten mit Migrationshintergrund von 14 % auf 19 % gestiegen. Mittlerweile hat fast jeder fünfte Gründungswillige, der einem IHK-Berater sein Geschäftskonzept vorlegt, ausländische Wurzeln.

Hochgerechnet auf die Zahl der Erstgespräche haben Deutschlands Industrie- und Handelskammern 2014 rund 35.000 Interessierte mit Migrationshintergrund zur Unternehmensgründung informiert. Kulturelle Hürden werden von den IHK-Beratern nicht oft als Hemmnis gesehen.

  • Die meisten Experten schätzen die mangelnde Qualifikation und kaufmännische Defizite als die größte Hürde für den Einstieg in die Selbstständigkeit ein. 78 % der IHK-Berater stimmen zu, dass dies der größte Stolperstein sein könnte.
  • Auf Platz zwei und drei liegen mangelnde Deutschkenntnisse mit 68 % und
  • unzureichende Wahrnehmung von professioneller Gründungsberatung (53 %).

Insgesamt sei es aber so, dass Gründer mit Migrationshintergrund in der Regel gut vorbereitet in die IHK-Gründungsberatung kämen. Dabei hinterfrage ein Großteil der Gründer die Bezeichnung der eigenen Gruppe als „Gründer mit Migrationshintergrund” eher kritisch, da sie sich selber mit ähnlichen Problemen konfrontiert sehen, wie ihre deutschen Kollegen.

DIHK-Gründerreport 2015 - Key facts

Ausblick 2015: Bleibt alles, wie es ist?

Im Hinblick auf das Jahr 2015 sehen nur 14 % der IHK-Berater einen Anstieg des Gründungsinteresses in ihrer Region. 82 % hingehen schätzen, dass sich nichts verändern wird. 4 % gehen sogar von einem Rückgang aus. Noch nie haben so viele Experten mit einer Stagnation des Gründungsinteresses gerechnet. Bleibt zu hoffen, dass sie sich irren und endlich wieder Schwung in die Gründerkultur Deutschlands kommt.

  • Den vollständigen DIHK-Gründerreport 2015 können Sie hier herunterladen.