Crowdinvesting Symposium: Investorenkämpfe um Gewinne?



Mit steigendem Interesse wird auch hierzulande eine neue Form des Investments beobachtet: das Crowdinvesting. Hierbei sammeln Start-ups Kapital über mehrere Klein-Investoren ein. Dies geschieht in der Regel über eine Plattform, die Investoren und Gründer zusammenführt. Am 4. Juli findet ein  Symposium zum Thema Crowdinvesting an der LMU München statt. Dr. Lars Hornuf warf einen wissenschaftlichen Blick auf diese neue Finanzierungsform.

Für-Gründer.de: Hallo Herr Dr. Hornuf, Sie forschen an der LMU München rund um das Thema Crowdinvesting – wie sind Sie denn zu dazu gekommen?

Dr. Lars Hornuf von der LMU München: Im Jahr 2011 – als Crowdinvesting in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckte – arbeitete einer meiner Lehrstuhlkollegen an den ersten Vorträgen. Ich dachte mir damals, dass hier ein ganz neuer Finanzmarkt entstehen wird und sich daraus einzigartige Möglichkeiten ergeben, die rechtliche und wirtschaftliche Entwicklung dieses Marktes wissenschaftlich zu untersuchen.

Man muss sich bewusst machen, dass es sich beim Crowdinvesting um ein Feldexperiment handelt, von dem auch Rückschlüsse auf die Funktionsweise der etablierten Kapitalmärkte getroffen werden können.

Dr. Lars Hornruf ist an der LMU München tätig und veranstaltet dieses Jahr das zweite Symposium über Crowdinvesting.
Dr. Lars Hornuf ist an der LMU München tätig und veranstaltet dieses Jahr das zweite Symposium über Crowdinvesting.

Für-Gründer.de: Welche Schwerpunkte hatten Sie bisher in der Betrachtung und was waren wesentliche Ergebnisse?

Dr. Lars Hornuf von der LMU München: Bislang ging es uns vor allem darum, eine empirische Grundlage zu schaffen und die rechtlichen Rahmenbedingungen des Crowdinvesting zur klären.

  • Wie entwickelt sich der Markt?
  • Welche Finanzierungsinstrumente werden dabei genutzt und wie sind diese konkret ausgestaltet?
  • Wie genau weisen die Crowdinvesting-Portale das Kapital zu?
  • Wie werden die Start-up-Unternehmen bewertet?
  • Kommt es beim Crowdinvesting zu Herdenverhalten oder gibt es eine Weisheit der Vielen?

In den kommenden drei Jahren werden wir die erhobenen Daten im Rahmen eines DFG Projektes systematisch auswerten und diese Fragen beantworten.

Für-Gründer.de: Wie beurteilt die Wissenschaft denn allgemein Crowdinvesting?

Dr. Lars Hornuf von der LMU München: Es gibt nicht die eine Meinung der Wissenschaft und das ist auch gut so. Wissenschaft ist immer ein Wettstreit über die besten Theorien und Ergebnisse. Wichtig ist, dass man nicht auf verlorenen Positionen verharrt und sich neuen Argumenten gegenüber offen zeigt. So gibt es auch beim Crowdinvesting Befürworter und Kritiker. Mit der wissenschaftlichen Tagung im Rahmen des 2. Crowdinvesting Symposiums versuchen wir, diese zusammenzubringen.

Generell kann man sagen, dass niemand zum Crowdinvesting gezwungen wird. Hohe Risiken sollten aber einer entsprechenden Rendite gegenüberstehen. Sonst wird das Kapital ineffizient verteilt. Ursache für solche Ineffizienzen können Rationalitätsdefizite unter den Investoren sein. Ob diese beim Crowdinvesting vorliegen, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.

Dann wird sich herausstellen, ob die Start-up-Unternehmen bislang zu Recht keine andere Finanzierung erhalten haben oder ob Crowdinvesting das Wirtschaftswachstum in Deutschland befeuern kann.

Für-Gründer.de: War die Erstauflage des Crowdinvesting Symposiums im Vorjahr denn so ein großer Erfolg und was stand damals im Fokus?

Dr. Lars Hornuf von der LMU München: Ja, das 1. Crowdinvesting Symposium war ein sehr großer Erfolg, was unter anderem an der Qualität der Podiumsdiskussion lag. Damals haben wir über die Anreize der Crowdinvesting-Portale, die Professionalität der Crowd und die Anschlusskompatibilität der Finanzierung mit Venture Capital diskutiert. Es waren spannende Stunden, die auf unserer Webseite als Video abrufbar sind.

Für-Gründer.de: Dieses Jahr dreht sich das Symposium um die Frage: Was passiert nach dem Investment? Für viele Start-ups steht natürlich auch recht bald eine Folgefinanzierung an – wie VC-tauglich ist Crowdinvesting aus Ihrer Sicht und welche Strategie sollte ein Start-up vor diesem Hintergrund verfolgen?

Dr. Lars Hornuf von der LMU München:

Wenn ein Venture Capital Fonds glaubt, das neue „Facebook” entdeckt zu haben, wird er das Unternehmen aus jedem Vertrag rauskaufen. Ist das Potenzial des Start-up-Unternehmens nicht ganz so groß, kommt es besonders auf die konkrete rechtliche Ausgestaltung der Verträge an. Start-ups sollten sich deshalb über die Vor- und Nachteile der einzelnen Portale informieren.

Fehlt ihnen dafür die Zeit oder die Kompetenz, würde ich ihnen einen möglichst unabhängigen Berater empfehlen. Leider gibt es bisher nur wenige Kanzleien oder Beratungsunternehmen, die sich wirklich auf das Thema Crowdinvesting spezialisiert haben. Dafür ist der Markt derzeit einfach zu klein.

Für-Gründer.de: Für Investoren stehen auch die Fragen Exit und künftige Verwässerung der Anteil im Mittelpunkt – wie ist aus Ihrer Sicht die derzeitige Lage?

Dr. Lars Hornuf von der LMU München: Die Lage ist komplex. Teilweise können die Investoren bei einem Exit unbegrenzt profitieren, nämlich wenn das Start-up-Unternehmen aufgekauft wird. In anderen Fällen läuft die Beteiligung einfach nur aus und die Investoren erhalten dann oftmals ein Gewinn- oder Umsatzmultiple. Für den Übernahmefall stellt sich die Frage des Verwässerungsschutzes. Anfänglich hatten die Seedmatch-Verträge einen Verwässerungsschutz festgeschrieben. Das klingt zwar zunächst investorenfreundlich, kann aber auch zukünftige Investoren abschrecken.

Unser diesjähriger Keynote Speaker Professor Schwienbacher hat zu diesem Thema promoviert und kann mehrstündige Referate dazu halten. Wir haben ihn vorerst darum gebeten, die wesentlichen Fakten in einem 30-minütigen Vortrag darzustellen.

Für-Gründer.de: Wie schätzen Sie Crowdinvesting aus Investorensicht generell als Anlagestrategie ein?

Dr. Lars Hornuf von der LMU München: Ich persönlich habe noch in kein Start-up-Unternehmen via Crowdinvesting investiert. Sollte ich es doch irgendwann tun, würde ich wahrscheinlich aus altruistischen Motiven handeln. Als Wissenschaftler bin ich nicht professionell genug, um mit dieser Anlageform Geld zu verdienen. Andere Anlageprodukte scheinen mir eine simplere Risiko- und Renditemetrik zu haben, die ich noch überschauen kann. Die Kosten der Informationsbeschaffung sind einfach zu hoch, um die erfolgsversprechendsten Start-up-Unternehmen zu identifizieren.

Für-Gründer.de: Stichwort Ausfälle beim Crowdinvesting, bisher halten sie sich in Grenzen. Was sind Ihre Erwartungen in Bezug auf die nächste Zeit und eine durchschnittliche Ausfallquote, mit der Investoren rechnen sollten?

Dr. Lars Hornuf von der LMU München: Laut KfW-Gründungsmonitor sind nach drei Jahren rund ein Drittel der Start-up-Unternehmen insolvent. Der Crowdinvesting Markt ist noch sehr jung und bisher konnten sich die Portale die besten Start-ups aussuchen.

Je mehr Investoren auf den Markt drängen und je mehr Portale es gibt, die um Gewinnmargen kämpfen müssen, umso weniger aussichtsreiche Start-ups werden durchschnittlich auch auf den Portalen angeboten. Das Problem ist als money chasing deals aus der Venture Capital Branche bekannt.

Für-Gründer.de: Was meinen Sie, wird sich auf regulatorischer Ebene bei Crowdinvesting tun?

Dr. Lars Hornuf von der LMU München: Crowdinvesting und Crowdfunding werden früher oder später vom Gesetzgeber geregelt werden. Was dabei herauskommt, ist noch ungewisser als der Erfolg oder das Scheitern eines Start-ups. Wenn ich spekulieren müsste, würde ich sagen: Die Grenze für Kleinemissionen wird angehoben, das partiarische Darlehen wird zukünftig als Vermögensanlage unter die Definition des §1 Abs. 2 VermAnlG fallen und es wird mehr Veröffentlichungspflichten für die Emittenten geben. Teilweise wurden diese Maßnahmen schon im Aktionsplan der Bundesregierung zum Verbraucherschutz im Finanzmarkt angekündigt. In einem ganz wilden Szenario könnte die EU das Crowdinvesting sogar harmonisieren.

Für-Gründer.de: Und zum Abschluss Ihre Bühne bzw. Pitch, um Interessenten für das Crowdinvesting Symposium anzulocken.

Dr. Lars Hornuf von der LMU München: Lassen Sie sich überraschen. Unsere Veranstaltung möchte vor allem Inhalte liefern. Wenn sich dabei Wissenschaftler, Studierende, Gründer sowie Investoren austauschen und vernetzen, dann ist das ein gewünschter Nebeneffekt. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist dank unserer Sponsoren kostenfrei. Im Anschluss an das Symposium wird zudem das WM-Viertelfinalspiel auf einer Leinwand übertragen. Für das leibliche Wohl sorgen u.a. die über die Crowd finanzierten Start-ups Giesinger Bräu und Pizza Innovazione.

Für-Gründer.de: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg beim Symposium!

Kontakt zu Crowdinvesting Symposium

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