Caketales: von der Elternzeit in die Selbstständigkeit



So manch einer entwickelt seine Geschäftsidee aus einer Not heraus oder entdeckt gar eine neue große Nachfrage. Andere wiederum wissen bereits vor ihrer Existenzgründung, dass sie sich selbstständig machen wollen und suchen dann gezielt nach einer Idee. Und dann gibt es da noch jene, die sich von den Freuden der Schwangerschaft inspirieren lassen und statt nach der Elternzeit zurück ins Büro zu gehen, selbst ein Unternehmen gründen. Unsere heutige Gründerstory handelt genau von diesem Phänomen.

Für-Gründer.de: Hallo Frau Brams, was verbirgt sich hinter Caketales und wie sind Sie darauf gekommen?

Nadine Brams von Caketales: Die Caketales sind die neue Generation der Tortenständer und funktionieren durch ein einfaches und wiederverwendbares Stecksystem, das in Verbindung mit einem Kuchen oder auch anderen Lebensmitteln eine komplette Figur ergibt.

Entstanden ist die Idee eigentlich nur durch einen Zufall, weil ich etwas Witziges zum Geburtstag meiner kleinen Tochter machen wollte. Nun bin ich zwar nicht die beste Bäckerin, das Dekorieren aber liegt mir sehr. Für den Fall, dass es nicht schmeckt, sollte es doch zumindest super aussehen!

Es entstand der erste Ständer in Form eines Mädchens. Später kamen dann noch das Schaf und der Junge hinzu. Viele Freunde sprachen mich an, ob ich ihnen nicht auch so etwas zum Geburtstag oder anderen Feierlichkeiten machen könnte. Aber der Arbeitsaufwand war sehr groß und mir fehlte irgendwann auch die Zeit, sie selbst herzustellen, also ließ ich das System patentieren und gab die erste Produktion in Auftrag. Dass die Wahl für die erste Produktion auf das Schaf gefallen ist, liegt daran, dass es eine neutrale Figur ist. Man ist weder auf Alter noch Geschlecht beschränkt.

Für-Gründer.de: Wo und wie werden die Caketales gefertigt und woraus besteht ein Set?

Nadine Brams von Caketales: Die Caketales bestehen aus Polyresin. Das ist ein Kunststein, der ähnliche Eigenschaften wie Keramik besitzt. Das heißt, dass er relativ schwer und damit sehr standfest ist und von Hand bemalt werden kann. Ich habe bewusst auf Plastik verzichtet, weil ich die Individualität jedes einzelnen Ständers nicht verlieren wollte. Durch die einzelnen Arbeitsschritte bleibt wenigstens ein kleiner Teil davon bestehen, auch wenn es immer die gleiche Figur ist.

Der Ständer an sich wird in China produziert. Mit dem Set ist man perfekt ausgestattet, um wirklich so schnell wie möglich einen Kuchen zaubern zu können. Es beinhaltet die passende Backform mit den perfekten Maßen und eine Etagere, um den Ständer auch tagtäglich nutzen zu können. Damit ist er sehr flexibel und die Chance als Staubfänger zu enden, weil gerade mal kein Kuchen benötigt wird, ausgeschlossen.

Die caketales eignen sich auch hervorragend als Obstständer.
Die Caketales eignen sich auch hervorragend als Obstständer (Foto: Caketales)

Bei uns gehört er schon fast zur Familie. Tagsüber dient er als Obstständer, morgens und abends als Ablage für Aufschnitt und Gemüse und mindestens einmal pro Woche wird er mit Kuchen dekoriert. Auch ein Kartoffelsalatschaf gab es schon.

Bei unseren Freunden sind wir mit „Hubährt” – so heißt das graue Schaf – schon zum Running Gag geworden, weil es bei jeder Einladung automatisch heißt: „Und vergesst Hubährt nicht!”. Da ist klar, wer für das Essen zuständig ist.

Für-Gründer.de: Welche Zielgruppe sprechen Sie an und wie groß schätzen Sie den Markt?

Nadine Brams von Caketales: Bei den Zielgruppen muss man gewerbliche von privaten Kunden trennen. Für Gewerbetreibende wie Konditoreien, Cafés oder Bäckereien sind die Ständer eine extrem ressourcenschonende Alternative zu den herkömmlichen Motivtorten, wenn diese überhaupt angeboten werden.

Wenn man sich beispielsweise das Gehalt eines Konditors ansieht, wird schnell klar, dass eine Torte, die nur etwas individueller gestaltet werden soll, aufgrund des Zeitaufwandes sehr teuer werden kann. Die Ständer sind im Grunde ja schon fertig. Man muss eben nur den „Bauch” hinzufügen und schon ist man fertig. Bei den Blitzvarianten genügt ja schon eine Schokoladenschicht oder Sahne, um ein tolles Ergebnis zu erhalten. Das alles ist innerhalb von wenigen Minuten möglich.

Und auch bei Privatkunden sind die Ständer kein Nischenprodukt. Sie sprechen eine sehr breite Zielgruppe an. Unabhängig von Geschlecht, Alter oder Herkunft. Jeder, der einen Hingucker auf den Tisch zaubern, oder auch tagtäglich die Etagere nutzen möchte, wird angesprochen. Man muss weder backbegeistert noch begabter Dekorateur sein. Wenn man ihn für verschiedenes Gebäck nutzen möchte, kommen die Konditoreien und Co. wieder ins Spiel.

Für-Gründer.de: Welchen Qualitätsstandards entsprechen die Caketales und wie gewährleisten Sie die Einhaltung?

Nadine Brams von Caketales: Ich lege großen Wert darauf, dass man lange etwas von seinem Ständer hat und auch nach mehreren Anwendungen zufrieden bleibt. Das hat mich gerade am Anfang in große Schwierigkeiten gebracht, weil viele Leute über Dinge hinwegsehen, die mir sehr wichtig sind. Gerade bei der ersten Produktion gab es Probleme mit den Anforderungen, die ich an den Hersteller gestellt habe.

Darum kämpfe ich nach wie vor, auch wenn es sehr viel Kraft kostet, wirklich ernst genommen zu werden. Gerade als Jungunternehmer muss man lernen, sich durchzusetzen.

Das Gute an der Verarbeitung ist, dass man kleine Mängel die durch die Nutzung auftauchen können, wie abgefärbtes Fondant oder Kratzer an der Oberfläche, selbst reparieren kann. Da der Kuchen selbst nur mit der Platte und dem Edelstahlstab in Berührung kommt, kann man die Figur selbst mit normalem Spielzeuglack instand setzen.

Für-Gründer.de: Neben einem Onlineshop führen Sie auch einen Verleih der Tortenständer? Warum bieten Sie auch diese Option an?

Nadine Brams von Caketales: Die  bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass der Ständer wahnsinnig beliebt ist. Doch hin und wieder kommt es natürlich vor, dass man ein einmaliges Highlight auf den Tisch zaubern will, danach aber nicht mehr so richtig weiß, wohin mit der Figur. Das betrifft am häufigsten eher kinderlose Menschen.

Der Verleih ist am beliebtesten zu Hochzeiten, wo man natürlich mindestens zwei Stück braucht für Braut und Bräutigam, oder vielleicht noch mehr für die Trauzeugen. Ich hatte schon einen Fall, da hatte ein Paar sechs Ständer bestellt und haben sie für das Buffet genutzt. Zwei als Brautpaar mit Kuchen, zwei als Trauzeugen mit herzhaften Torten und zwei Brautjungfern als Dessert. Und das ist auch das Schöne an den Ständern, sie sind so flexibel.

Für-Gründer.de: Welcher war der entscheidende Impuls zur Umsetzung Ihres Gründungsvorhabens?

Nadine Brams von Caketales: Ich bin ursprünglich Bankkauffrau und habe mich dann aber umorientiert in Richtung Immobilienmaklerin. Dann wurde ich schwanger und die mütterlichen Hormone haben so einiges in mir verändert. Ich entdeckte plötzlich Leidenschaften, die mich vorher nicht interessierten, so wie das Backen und Dekorieren. Mir war recht schnell klar, dass ich nicht in meinen alten Job zurück kann. Ich nutzte das Elternjahr, um meine Pläne neu zu ordnen.

Der Ständer ist dann aus Zufall entstanden und auch nicht aus der Intention heraus, Geld verdienen zu wollen. Das kam dann erst nach und nach aus dem Spaß und der Freude an dem Ganzen. Wäre das Feedback und die Unterstützung nicht so großartig gewesen, hätte ich den Schritt wohl nicht gewagt. Jetzt lebe ich quasi meinen Traum und mache das, was sich wahrscheinlich viele wünschen: Ich mache aus meinem Hobby einen Beruf.

Mit der Mutterschaft änderten sich auch die Interessen von Nadine Brams schlagartig.
Mit der Mutterschaft änderten sich die Interessen von Nadine Brams schlagartig (Foto: Caketales)

Für-Gründer.de: Welche bereits vorhandenen Kenntnisse konnten Sie in die Gründung einbringen und was mussten Sie erst noch lernen?

Nadine Brams von Caketales: Tatsächlich musste ich bei Null anfangen. Ich hatte überhaupt keine Ahnung davon. Der Einzige, der mir ein wenig helfen konnte, war mein Mann. Er ist seit fast 15 Jahren selbstständig und konnte mich auf einige Dinge vorbereiten, doch mit der Branche selbst hatte er auch nichts zu tun.

Gerade im Lebensmittelbereich hat man schon sehr große Auflagen, auch wenn man mit diesen selbst gar nicht umgeht, sondern bloß etwas für diesen Bereich produzieren lassen will.

Ich nutzte Stellen wie die IHK, um mich weiterzubilden und ging zu Seminaren, bei denen ich das Gefühl hatte, sie würden mir etwas nützen. Allein mit der Gewerbeanmeldung kam ein Berg an Formularen und Zetteln zu mir ins Haus, durch den ich mich erst arbeiten musste. Es war schon sehr aufwendig. Aber so langsam und Schritt für Schritt komme ich damit klar und sehe nicht nur noch Nebel und wirre Worte und Begriffe.

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Lesen Sie auf der zweiten Seite mehr über die Entwicklungsschritte der Caketales und über wichtige Punkte der Unternehmensführung von Caketales.